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Kastorbrunnen (Koblenz)

Der Kastorbrunnen auf dem Vorplatz der Basilika St. Kastor in Koblenz ist ein kurioses Zeugnis der Napoleonischen Kriege.

Der französische Präfekt des in den Jahren 1794 bis 1813 von Koblenz aus regierten französischen "Rhin-et-Moselle" (Departement Rhein und Mosel), Jules Doazan, ließ diesen Brunnen errichten und zur Erinnerung an den Russland-Feldzug Napoleons I. folgende, etwas voreilige, Inschrift hineinmeißeln:

"An MDCCCXII/ Mémorable par la campagne contre les Russes/ Sous le préfectura de Jules Doazan."
(dt.: Im Jahre 1812/ Denkmal für den Feldzug gegen die Russen/ Unter dem Präfekturat von Jules Doazan.)

Napoleons Russland-Feldzug endete mit einer furchtbaren Niederlage. In der Neujahrsnacht 1814 überquerte das Armee-Korps St. Priest, das den rechten Flügel von Blüchers Schlesischer Armee bildete, den Rhein bei Koblenz, und schon bald beherrschten russische Soldaten das Stadtbild. General St. Priest, ein gebürtiger Franzose in russischen Diensten, bewies als Stadtkommandant viel Humor, indem er die Inschrift des Brunnens ergänzte:

"Vu et approuvé par nous commandant/ russe de la ville de Coblentz/ le 1er janvier 1814."
(dt.: Gesehen und genehmigt durch uns, russischer Kommandant der Stadt Koblenz, am 1. Januar 1814.)

Der Brunnen, der das Kastor-Viertel mit sauberem Trinkwasser versorgte, trug eine Skulptur mit den Personifikationen von Rhein und Mosel von dem Koblenzer Bildhauer Rauch. Wegen starker Verwitterung wurde diese schon kurz nach 1817 entfernt. In den 1950er wurde der Brunnen, den die Franzosen in die Achse der Kastorgasse und damit in die Blickachse zur Kastorkirche gesetzt hatten, um einige Meter nach Norden versetzt, um den Blick auf die Kirche freizumachen.

7Koordinaten: 50° 21′ 45,07″ N, 7° 36′ 12,48″ O