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Bertelsmann-Stiftung

Die Bertelsmann Stiftung ist eine international tätige Stiftung des privaten Rechts mit Sitz in Gütersloh.

Inhaltsverzeichnis

Organisation

Die Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet. Heute hält sie mittelbar 76,9 Prozent [1] des Aktienkapitals der Bertelsmann AG. Die Stiftung beschäftigt 330 Mitarbeiter [2], davon sind 185 im Projektmanagement tätig. Sie wird von einem Vorstand geleitet, dem Vertreter der Bertelsmann-Eigentümerfamilie Mohn, Liz Mohn und Brigitte Mohn, sowie Johannes Meier angehören. Die Stiftung wird von einem Kuratorium überwacht. Vorsitzender des Kuratoriums ist Dieter H. Vogel. Weitere Mitglieder sind: Liz Mohn, Werner Bauer, Wolf Bauer, Wulf Bernotat, Uwe Bicker, Karl-Gerhard Eick, Klaus-Dieter Lehmann, Reinhard Mohn, Eduardo Montes, Elisabeth Pott, Thomas Rauschenbach, Klaus-Peter Siegloch, und Wolfgang Schüssel.

Ziele und Aktivitäten

Die Bertelsmann Stiftung versteht sich als unabhängige und parteipolitisch neutrale Stiftung. Die Stiftung will „konkrete Beiträge zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Probleme“ leisten. Ihrem Leitbild nach sollen „die Grundsätze unternehmerischer, leistungsgerechter Gestaltung in allen Lebensbereichen zur Anwendung gebracht werden“, stets nach dem Prinzip „so wenig Staat wie möglich“. Fundament der Stiftungsarbeit sei die Überzeugung, „dass Wettbewerb und bürgerschaftliches Engagement eine wesentliche Basis für gesellschaftlichen Fortschritt sind.“[3]

Die Bertelsmann Stiftung arbeitet gemäß ihrer Satzung ausschließlich operativ und nicht fördernd. D.h., sie vergibt keine Stipendien und unterstützt auch keine Projekte Dritter, sondern nur selbst definierte Projekte im Sinne der strategischen Ziele des Stifters.

Die Stiftung sieht sich zum einen als "Reformwerkstatt", die einzelne Modellversuche konzipiert und umsetzt; zum anderen möchte sie durch "Verbesserung der Beratungsqualität" direkt Einfluss nehmen auf politische Entscheidungsträger [4].

In der Projektarbeit werden Vorhaben mit Modellwirkung in den Themenfeldern Bildung, Wirtschaft und Soziales, Unternehmenskultur, Gesundheit, Internationale Verständigung, Kultur und Stiftungsentwicklung aufgegriffen. Das Leitbild der Stiftung bedeutet für die Projekte, dass alle Akteure oder Bereiche der Gesellschaft vor allem nach Leistungsrängen eingestuft werden, gleichgültig ob Arbeitsvermittlung, Gesundheitssystem, Kommunalverwaltung, Bildungseinrichtungen oder ganze Bundesländer und Staaten.

Über das Centrum für Hochschulentwicklung und das Projekt Selbstständige Schule nimmt die Bertelsmann Stiftung auch Einfluss auf die Bildungspolitik, über das Centrum für Krankenhaus Management auf die Gesundheitspolitik. Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft zeigt beispielhaft ein wissenschaftlicher Partner der Bertelsmann Stiftung, das Centrum für angewandte Politikforschung (C·A·P). Nach eigener Angabe ist es das größte universitäre Institut der Politikberatung zu europäischen und internationalen Fragen in Deutschland; es finden sich zahlreiche Mitarbeiter der Bertelsmann Forschungsgruppe Politik, so ist etwa der stellvertretende Direktor des C·A·P, Josef Janning auch der Leiter dieser Forschungsgruppe (Stand: Oktober 2005). Die Bertelsmann-Stiftung unterhält Workshops, Seminare und Tagungen, auf denen sie Treffen zwischen Beamten und Politikern und den ihr nahestehenden Experten organisiert.

Das seit 2004 jährlich erstellte und in den Medien viel zitierte sog. Standort-Ranking der Bertelsmann Stiftung bewertet die Wirtschaftspolitik der wichtigsten Industriestaaten anhand von der Stiftung ausgewählter Kriterien. Damit will sie Aussagen über die Wachstums- und Beschäftigungsaussichten dieser Länder treffen.

2007 zeichnete die Bertelsmann Stiftung mit der Kampagne "Unternehmen für die Region" gesellschaftliches Engagement von Unternehmen aus. Ziel ist es, privatwirtschaftliche Initiative zu fördern, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Durch die Kampagne soll zudem auf die Thematik des "verantwortlichen Unternehmens" aufmerksam gemacht werden, um Nachahmer für eigene Projekte zu motivieren.

Thesen

Nach Antritt der Regierung Schröder publizierte die Stiftung in der Zeitschrift Capital einen wirtschaftspolitischen Forderungskatalog für die ersten hundert Tage der Regierung. Dessen Inhalte:

Die Stiftung behauptet, dass die Bundesrepublik Deutschland ab dem Jahre 2010 nicht mehr dazu in der Lage sein werde, für Renten, Krankenkosten oder Arbeitslosigkeit im bis dahin getragenen Maße aufzukommen. Der von 1998 bis 2005 amtierende Bundeskanzler Gerhard Schröder ließ sich, ebenso wie die ihn 2005 ablösende Bundeskanzlerin Angela Merkel, des Öfteren von seiten der Stiftung beraten. Viele der Forderungen fanden Eingang in Schröders Agenda 2010 und schlugen sich im ALG II nieder.

Kritik

Literatur

Selbstbeschreibungen, Bertelsmann-Stiftungs-Projekte:


Darstellungen in der Presse, Kritik:

Quellen

  1. Bertelsmann AG: Shareholders. [21.06.2006]
  2. Jahresbericht 2006 der Bertelsmann Stiftung
  3. Bertelsmann-Stiftung - Was wir wollen
  4. "Sie [die Bertelsmann Stiftung] soll aber darüber hinaus ihre Fähigkeit ausbauen, politische Entscheidungsträger direkt zu beraten", Dr. Gunter Thielen, Vorstandsmitglied der Bertelsmann AG und Vorsitzender des Kuratoriums und Präsidiums der Bertelsmann Stiftung, in: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Reformbilanz: 25 Jahre Bertelsmann Stiftung. Gütersloh März 2002, S. 26.
  5. a b c d Harald Schumann: Macht ohne Mandat, Artikel im Tagesspiegel vom 24.09.2006
  6. Deutschlandfunk, 25.03.2007, Sendung: Zwischentöne - Mitschnitt
  7. a b Social Times: "Standort-Check ist neoliberal" - Bürgerrechtler kritisieren Bertelsmann Stiftung, siehe online
  8. "Ohne Bertelsmann geht nichts mehr", Interview mit Frank Böckelmann auf Telepolis, siehe online
  9. Thomas Barth: Ideologieproduktion für den Profit, in: junge Welt, 01.08.2006, Seite 10
  10. Wolfgang Lieb: Die Bertelsmann Stiftung und ihre Verflechtungen

Koordinaten: 51° 54' 30" N, 8° 25' 09" O