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Malteser Hospitaldienst Austria

Dieser Artikel bezieht sich auf die Malteser in Österreich.


Der Malteser Hospitaldienst Austria (MHDA) ist ein 1956 gegründetes Hilfswerk des Großpriorates Österreich des Malteserordens. Unmittelbarer Anlass für seine Gründung war die Betreuung der zahlreichen nach dem Ungarischen Volksaufstand in Österreich aufgenommenen Flüchtlinge.

Die Organisation wurde jedoch nach Ende dieser Aktivitäten nicht aufgelöst, sondern schrittweise auf den heutigen Status einer gesetzlich voll anerkannten Behindertenhilfs- und Rettungsorganisation erweitert.

1958 begann der Malteser Hospitaldienst am Rettungsdienst zunächst im Rahmen des Roten Kreuzes in Wien mitzuwirken; ab 1962 übernahmen seine Mitglieder auch regelmäßige Aufgaben in der Krankenpflege.

Inhaltsverzeichnis

Organisation

1967 wurde mit dem Aufbau von eigenen Bereichen in den Bundesländern begonnen. Heute arbeitet der MHDA in den Bundesländern Wien, Steiermark, Tirol, Salzburg, Kärnten, Oberösterreich und Burgenland.

Organisatorisch besteht der MHDA nach wie vor aus diesen sieben Bereichen, die auf Bundesebene von einem zentralen Kommando geführt werden. Außer in Vorarlberg und in Niederösterreich (das bis zu einem gewissen Grad durch den Bereich Wien abgedeckt wird) ist der MHDA damit in allen Bundesländern vertreten.

Mitglieder

Der MHDA besteht - als einzige vollwertige Sanitätsorganisation in Österreich - ausschließlich aus freiwilligen und ehrenamtlichen Mitgliedern, die für ihre Dienstleistungen keinerlei finanzielle Entschädigung erhalten.

Die Organisation zählt derzeit rund 300 aktive Mitglieder, die regelmäßig Dienste leisten, und ca. 500 Altmitglieder, die gelegentlich zur Verfügung stehen. Dazu kommen 80 Ärzte, 90 Mitglieder in Ausbildung und 250 ehemalige Mitglieder, die den MHDA als fördernde Mitglieder unterstützen.

Diese ausnahmslos freiwillig und unentgeltlich arbeitenden Mitglieder haben beispielsweise im Jahr 2005 fast 150.000 Dienststunden erbracht. Nicht berücksichtigt sind dabei alle administrativen Tätigkeiten, die wohl noch einmal 80.000 Stunden ausmachen. Die von den ehrenamtlichen Mitarbeitern so kostenlos erbrachten Leistungen würden bei Bezahlung der Jahresarbeitsleistung eines Mittelbetriebes mit rund 100 Mitarbeitern einem Sachaufwand von 1,5 Millionen Euro und fiktiven Personalkosten von mehr als drei Millionen Euro entsprechen.

Tatsächlich arbeitet der MHDA weitgehend ohne öffentliche Unterstützung und finanziert, von lokalen Aufgaben abgesehen, seine Tätigkeiten aus Spenden, Straßensammlungen und lediglich zu einem Drittel aus entgeltlichen Leistungen wie Krankentransporte oder Erste Hilfe Kurse.

Dienstbetrieb

Die Tätigkeit des MHDA kann in zwei sich gut ergänzende Hauptbereiche geteilt werden: einerseits die Betreuung kranker und/oder behinderter Menschen (Sozialdienste), und andererseits die klassischen Sanitätsdienste, wie etwa Krankentransport oder Rettungsdienst.

Sozialdienste

Mehr als die Hälfte der Dienste werden in Krankenpflege, Behindertenbetreuung und bei Wallfahrten mit Kranken und Behinderten, beispielsweise nach Lourdes, Rom und Assisi, geleistet. Dabei kommen in unentgeltlichen Besuchsdiensten, bei Ausflügen und Veranstaltungen mehr als 30.000 Dienststunden direkt behinderten, kranken, alten und einsamen Menschen zu Gute. Für Pilgerfahrten und Sonderveranstaltungen werden noch einmal fast 30.000 Stunden jährlich erbracht.

Im Sommer 2008 findet im Tiroler Stift Stams das International Malteser Sommerlager mit 200 behinderten Teilnehmern und 300 ehrenamtlichen Helfern aus knapp 20 Nationen statt. Nach 10 Jahren kehrt das Camp in das Land der Gründung zurück und feiert hier sein 25 jähriges Jubiläum.

Sanitätsdienste

Regelmäßige Krankentransport-, Rettungs-, Ärztefunk- und Ambulanzdienste machen 25 Prozent der Dienste aus, dazu kommen Großeinsätze, Auslandshilfen und Erste-Hilfe-Kurse. In Innsbruck, Graz und Wien sind die Fahrzeuge des MHDA fixer Bestandteil des Krankentransportwesens, und darüber hinaus stellt der MHDA zu bestimmten Zeiten in Wien auch einen Rettungs- und/oder Notarztwagen für den allgemeinen Rettungsdienst.

Die an strenge gesetzliche Vorgaben gebundene, und stets am Laufenden gehaltene medizinische Kompetenz der Mitglieder (z.B. Qualifikation als staatlich geprüfter Rettungs- und Notfallsanitäter) ist eine wesentliche Voraussetzung um besonders die aufwendigeren Formen der Sozialdienste überhaupt kompetent abhalten zu können. So wäre beispielsweise eine Romwallfahrt mit 400 Teilnehmern - von denen 100-130 behindert und/oder chronisch krank sind und rund um die Uhr betreut werden müssen - ohne die große Anzahl an hoch qualifizierten Mitgliedern auf die in so einem Fall zurückgegriffen werden kann, nicht durchführbar.

Finanzierung

Der MHDA bekommt als Gesamtorganisation keine regelmäßigen staatlichen Subventionen und finanziert seinen normalen Dienstbetrieb einerseits durch die Erträge aus seinen bezahlten Diensten im Sanitätswesen und andererseits durch die jährliche Straßensammlung seiner Mitglieder in der Adventszeit. Für bestimmte einzelne Projekte, wie z.B. die Sanierung bzw. den Bau der Bereichszentralen in Steiermark, Tirol und Wien, oder den neuen Krankentransporter und die neue Funkanlage in Graz, hat der Hospitaldienst auch größere Förderungen der öffentlichen Hand erhalten. Die Bereiche Wien und Steiermark erhalten außerdem kleinere Förderungen der jeweiligen Landesregierungen auf regelmäßiger Basis. Darüber hinaus ist der MHDA für einzelne große Unternehmungen (z.B. Lourdeswallfahrt) auf zusätzliche Finanzierung in Form von Sach- und Geldspenden angewiesen. Auch Benefizveranstaltungen (Konzerte, Lesungen...) werden immer wieder organisiert.

Ausbildung

Der MHDA führt selbständig die Grundausbildung für den eigenen Nachwuchs durch. Die einjährige Ausbildung umfasst Krankenhilfe, Behinderten- und Altenbetreuung , Erste Hilfe, Sanitätshilfe und Gerätekunde (gemäß den Vorgaben des Sanitätergesetz BGBl. 30/2002), Geschichte und Organisation, und Katastrophenhilfsdienst. Dabei wird die theoretische Ausbildung durch Praxis im Dienstbetrieb vertiefend ergänzt. Der Ausbildungsbetrieb ist speziell auf die Zeitbedürfnisse von Ehrenamtlichen ausgelegt. Es besteht die Möglichkeit, die Prüfung zum gesetzlich anerkannten Rettungssanitäter abzulegen.

Mitgliedschaft

Wenn man sich für eine Mitgliedschaft im MHDA entscheidet und die Ausbildung absolviert, wird erwartet, dass man danach dem Hospitaldienst fünf Jahre lang aktiv angehört. Während dieser Zeit wird von nicht berufstätigen Mitgliedern (typischerweise Studenten) eine jährliche Dienstleistung von mindestens 180 Stunden erwartet, und von Berufstätigen 120 Stunden.

Danach kann man sich in den Status eines Altmitgliedes versetzen lassen, der zwar keine Dienststunden mehr absolvieren muss, aber mindestens einmal im Jahr an einer Schulung (meist in Erster Hilfe, um die Grundkenntnisse zu erhalten) teilnehmen muss. Durch diese Fortbildungen wird auch auf lange Sicht die weitere Verwendbarkeit der - in der Regel ohnehin sehr erfahrenen - Altmitglieder gewährleistet.

Ehemalige Aktive die - aus welchen Gründen auch immer - zwar nicht in der Lage sind die Voraussetzungen für den Status eines Altmitglieds erbringen zu können, aber den MHDA wenigstens materiell weiter unterstützen wollen haben die Möglichkeit als fördernde Mitglieder der Organisation eine regelmäßige finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen.

Weiterbildung

Der MHDA veranstaltet für seine Mitglieder laufend Fortbildungen und Kurse zu verschiedenen medizinischen Fachgebieten sowie weiterführende Kurse im Bereich Führung und Organisation. Im Sozial- und Betreuungsdienst finden laufend Seminare zu verschiedenen Themen, wie z.B. Sterbebegleitung, Psychohygiene usw. statt. Zusätzlich wird die Aus- und Weiterbildung im Rahmen von Einsatzübungen unterstützt.

Siehe auch