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Marcus Tullius Cicero

Dieser Artikel befasst sich mit dem römischen Politiker Cicero, andere Bedeutungen unter Cicero (Begriffsklärung).

Marcus Tullius Cicero (* 3. Januar 106 v. Chr. in Arpinum; † 7. Dezember 43 v. Chr. bei Formiae) war ein römischer Politiker, Anwalt und Philosoph, der berühmteste Redner Roms und Konsul im Jahr 63 v. Chr.

Cicero war einer der vielseitigsten Köpfe römischer Kultur, seine Schriften vertreten das Klassische Latein schlechthin. Er vermittelte den Römern die grundlegenden philosophischen Denkrichtungen der Griechen und schuf ein lateinisches philosophisches Wörterbuch, für das er jedem philosophischen Begriff der Griechen einen spezifischen lateinischen Ausdruck zuordnete.[1] Seine philosophischen und politischen Schriften, die von einem grundlegenden Humanismus durchdrungen sind, gelten heute als herausragende Hinterlassenschaft seines Wirkens. Cicero war ein beeindruckender Redner und erfolgreicher Anwalt, sah selbst aber vermutlich seine politische Karriere, die ihn bis zum Konsulat führte, als wichtigste Leistung an. Die Niederschlagung der Verschwörung des Catilina und die Rettung der Republik brachte ihm den Titel pater patriae, Vater des Vaterlandes, ein.

Sein umfangreicher Schriftverkehr, insbesondere die Briefe an Atticus, beeinflussten maßgeblich und nachhaltig die europäische Briefkultur. Diese Briefe und sein übriges Werk liefern uns ein detailreiches Bild der Zustände Roms am Ende der Republik. Während der Bürgerkriege und der Diktatur Gaius Iulius Caesars trat Cicero immer wieder für eine Rückkehr zur traditionellen republikanischen Verfassungsform und Herrschaftsausübung ein. Gleichwohl war er wankelmütig und änderte seine Positionen je nach politischem Klima, um sein politisches Weiterkommen zu fördern. Seine Unentschlossenheit in wichtigen Fragen mag auch seiner leicht zu beeinflussenden Persönlichkeit geschuldet gewesen sein.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft und Ausbildung

Cicero war der älteste Sohn eines römischen Ritters (eques) gleichen Namens und dessen Ehefrau Helvia. Er hatte einen jüngeren Bruder Quintus Tullius Cicero, mit dem er zeitlebens eng verbunden war.

Ciceros Familie gehörte zur lokalen Oberschicht in Arpinum, einer Stadt im Gebiet der Volsker, deren Einwohner seit 188 v. Chr. das römische Bürgerrecht hatten und aus der auch Gaius Marius kam. Marcus Marius Gratidianus, der Adoptivsohn von Gaius Marius` Bruder, war der Cousin von Ciceros Vater. Dessen Schwester Gratidia war mit Lucius Sergius Catilina verheiratet.

Das Cognomen (Beiname) Cicero leitete sich vermutlich vom lateinischen Begriff cicer („Kichererbse“) ab. Ihre Herkunft führte die Familie auf den römischen König Servius Tullius und den frühen Konsul Manius Tullius Longus zurück. Laut Plutarch stammten sie von dem Volskerkönig Tullus Attius ab.

Cicero gehörte als eques der zweithöchsten Gesellschaftsschicht an. Zwar war die entfernte Verwandtschaft zu Gaius Marius seinen Ambitionen unter der Diktatur Sullas eher hinderlich, doch bestanden andere Verwandtschaftsbeziehungen zu Angehörigen der Senatsaristokratie, die Cicero, seinem Bruder und seinem Cousin Lucius Tullius Cicero in Rom zu einer guten Ausbildung verhalfen. So war die Schwester seiner Mutter mit einem Marcus Aculeo verheiratet, einem Freund des Lucius Licinius Crassus, in dessen Haus Cicero seine erste Ausbildung erhielt. Dort lernte er wohl auch den berühmten Redner Marcus Antonius Orator kennen, dem er später gemeinsam mit Crassus in seinem Werk De oratore ein Denkmal setzte.

Wie jeder gebildete Römer sprach Cicero von Kindheit an Griechisch. Durch seinen Vater, den Invalidität an der Ausübung militärischer oder politischer Ämter hinderte, erhielt er Zugang zur klassischen Bildung. Schon früh zeigte sich seine große Begabung, die er mit Ehrgeiz förderte. Laut Plutarch war er schon als Schüler eine Berühmtheit.[2] Nach dem Tod des Crassus 91 v. Chr. studierte er gemeinsam mit Titus Pomponius Atticus, der zeitlebens sein Freund und „zweiter Bruder“ war, Recht unter Quintus Mucius Scaevola, Rhetorik, Literatur und Philosophie in Rom. Nachdem er sich anfangs mit der Übersetzung griechischer Dichter wie Homer beschäftigt hatte, wandte er sich mit ungefähr zwanzig Jahren der Philosophie zu und übertrug das philosophische Vokabular ins Lateinische.

Erste Erfolge

Nach seinem Militärdienst im Bundesgenossenkrieg unter Gnaeus Pompeius Strabo und Sulla erwarb Cicero erste Erfahrungen als Anwalt. Seine erste überlieferte Gerichtsrede stammt aus dem Jahr 81 v. Chr. Im folgenden Jahr verteidigte er in seinem ersten Mordprozess den wegen Vatermordes angeklagten Sextus Roscius und erwirkte dessen Freispruch, indem er die Ankläger, zwei Verwandte des Roscius und Lucius Cornelius Chrysogonus, überführte, den Mord selbst aus Habsucht geplant und durchgeführt zu haben. Da Chrysogonus ein Freigelassener und Günstling Sullas war, der auf eigene Faust die Proskriptionen fortsetzte, brachte Cicero sich durch diesen Prozess selbst in Gefahr.

79 v. Chr. setzte Cicero seine Studien in Griechenland und Kleinasien fort. Eventuell stand diese Reise im Zusammenhang mit dem Prozess im Vorjahr. Er hörte Philon von Larisa und Antiochos von Askalon, die als Philosophen der Neueren Akademie angehörten. Auf Rhodos besuchte er den berühmten Redner Apollonius Molon und lernte dessen schlichten Stil sowie die Künste, die Zuhörer zu fesseln und dabei die eigene Stimme zu schonen. Auch in die Mysterien von Eleusis wurde er eingeweiht.

Er kehrte 77 v. Chr. nach Rom zurück und begann seine Karriere als Politiker und Rechtsanwalt.

Ehen und Kinder

Ciceros erste Frau hieß Terentia. Sie stammte aus einer reichen Patrizierfamilie und besaß ein erhebliches Vermögen, das sie selbständig verwaltete. Ihre Halbschwester war Vestalin, was den hohen Rang ihrer Familie unterstreicht. Plutarch betont mehrfach ihre herbe Art; sie sei die dominierende Person in der Ehe gewesen.[3]

Cicero und Terentia heirateten zwischen 80 und 76 v. Chr., vermutlich jedoch erst nach Ciceros Rückkehr aus Griechenland. Gezielt setzte Terentia das Ansehen ihrer Familie und ihre Mitgift von hunderttausend Denaren sowie ihr sonstiges Vermögen zur Förderung von Ciceros Karriere ein. Auch in den Bona-Dea-Skandal war sie verwickelt.[4]

Es existieren einige Briefe Ciceros an seine Frau, die Terentias Ehrgeiz für ihren Mann und ihr Vertrauen in seine Fähigkeiten zeigen. Die ersten der erhaltenen 24 Briefe stammen aus der Zeit, als Cicero 58 v. Chr. ins Exil gehen musste, und sind sehr liebevoll. Später wurden die zwischen ihnen gewechselten Briefe immer kürzer und unpersönlicher. Nach mehr als 30 Jahren Ehe leitete Cicero 46 v. Chr. aus letztlich nicht geklärten Gründen die Scheidung ein.[5] Wenig später heiratete er als 60-Jähriger sein noch nicht 20-jähriges reiches Mündel Publilla. Nach dem Tode seiner Tochter wurde jedoch auch diese Ehe nach wenigen Monaten wieder geschieden. Terentia überlebte ihren Mann um mehrere Jahrzehnte.

Aus der Ehe mit Terentia ging die von Cicero sehr geliebte Tochter Tullia (* 5. August zwischen 79 und 75 v. Chr.; † Februar 45 v. Chr.) hervor. Tullia war dreimal verheiratet, zuerst mit Ciceros begabtem Schüler Gaius Calpurnius Piso Frugi, der 58 v. Chr. Quästor war und sich für die Rückkehr seines Schwiegervaters aus dem Exil einsetzte. Er starb jedoch bereits 57 v. Chr. Ihr zweiter Mann Furius Crassipes ließ sich um 51 v. Chr. von ihr scheiden, worauf sie gegen den Willen ihres Vaters Publius Cornelius Dolabella, einen Anhänger Caesars, heiratete. Obwohl sie wegen seines Lebenswandels unglücklich war, riet ihr Vater ihr aus politischen Gründen von einer Scheidung ab.[6] Als sie 45 v. Chr. nach einer Entbindung starb, machte er sich deshalb große Vorwürfe. Seine consolatio ad se ipsum „Trostschrift an mich selbst“, die er aus diesem Anlass verfasste, ist nur aus Zitaten bekannt.[7]

Ciceros Sohn Marcus wurde ca. 65 v. Chr. geboren. Cicero hatte hohe Erwartungen in ihn und nahm ihn mit nach Kilikien. Für ihn verfasste er die rhetorische Lehrschrift Partitiones oratoriae und widmete ihm 44 v. Chr. De officiis, eine Abhandlung über die praktische Ethik. Anstatt dem Wunsch seines Vaters zu folgen und die philosophische Laufbahn einzuschlagen, schloss Marcus sich 49 v. Chr. als Soldat Pompeius und später dessen Sohn Sextus an. Octavian begnadigte ihn später und ernannte ihn 30 v. Chr. zum Mitkonsul.

Politische Laufbahn

cursus honorum

Durch seinen Erfolg im Fall des Sextus Roscius genoss Cicero bei seiner Rückkehr aus Griechenland großes Ansehen. Das half ihm – obwohl homo novus – alle Ämter des cursus honorum in dem dafür vorgeschriebenen Mindestalter (suo anno) zu erreichen.

So war er im Jahre 75 v. Chr. Quästor auf Sizilien, wo er die Getreideversorgung Roms zu sichern hatte. Dort fand er das Grab des Archimedes. Durch die Redlichkeit seiner Amtsführung erwarb er den bleibenden Respekt der Sizilianer.

Den Grundstein für seine politische Karriere legte er im Jahre 70 v. Chr., als er die Gemeinden Siziliens in dem Prozess vertrat, den sie gegen den korrupten Statthalter Gaius Verres (73–71 v. Chr.) wegen Erpressung anstrengten. Obwohl Verres’ politische Freunde ihm gern zum Freispruch verholfen hätten, war das Beweismaterial, das Cicero in kurzer Zeit zusammentrug, so erdrückend, dass Verres noch vor dem Urteil Italien verließ. Dieser Prozess brachte Cicero auch die Stellung des ersten Redners in Rom ein, da er den bis dahin bedeutendsten Redner Quintus Hortensius Hortalus als Verteidiger des Verres schlagen konnte.

69 v. Chr. wurde Cicero zum curulischen Ädil gewählt. In dieser Funktion veranstaltete er die obligatorischen Spiele, zugleich eine wichtige Maßnahme, um sein weiteres politisches Fortkommen zu sichern. Ansonsten tat er sich jedoch im Amt des Ädils nicht besonders hervor, sondern führte in jenen Jahren vor allem seine Geschäfte als Anwalt weiter, die ihn zum Verteidiger in zahlreichen wichtigen Strafprozessen machten.

Prätor wurde Cicero im Jahr 66 v. Chr. Das Los wies ihm unter den Prätoren das Amt des Vorsitzenden des Gerichtshofs für Erpressungen zu, einer Materie, mit der er sich schon als Advokat nachdrücklich befasst hatte. In dieser Zeit hielt er die Rede de imperio Cn. Pompei, in der er die Lex Manilia unterstützte, die den Oberbefehl im Krieg gegen Mithridates VI. von Pontos anstelle von Lucullus dem bei der Senatsmehrheit unbeliebten Pompeius zusprach. Cicero stellte sich dabei nicht auf die Seite des Pompeius, sondern sprach für das „ganze römische Volk“.[8]

Seine Gegner im Wahlkampf für das Konsulat waren Hybrida und Catilina, die beide nicht vor Bestechungen und Gewaltanwendung zurückschreckten. Gegen ihre Machenschaften hielt Cicero die Rede in toga candida.[9] Cicero gewann die Wahl mit den Stimmen aller Zenturien und bekleidete im Jahre 63 v. Chr. das Amt des Konsuls, was für ihn als Aufsteiger aus dem Ritterstand (ordo equester) eine besondere Auszeichnung bedeutete.

Konsulat

Cicero begann sein Konsulat mit einem Versuch, das Problem der Landverteilung und besonders der Entschädigung derer, die ihren Landbesitz der wachsenden Stadt opfern mussten, in den Griff zu bekommen. Es sind drei Reden de lege agraria erhalten.

Während seines Konsulats kam es zu der Verschwörung des Catilina, die jedoch verraten und unter Mitwirkung Ciceros im Ansatz erstickt wurde. Bei der Senatsberatung (vgl. Ciceros Reden gegen Catilina) war es zwar Cato, der für die Todesstrafe plädierte, aber später blieb die Verantwortung für die Hinrichtung der Catilinarier an Cicero hängen, da der Senat zuvor in einem Notstandsbeschluss die Konsuln mit Maßnahmen zur Rettung des Staats beauftragt hatte.

Ciceros Leistung bei der Niederschlagung des Putschversuchs blieb auch bei ihm gegenüber kritisch eingestellten Zeitgenossen wie Sallust unbestritten. Freilich neigte er selbst, nicht zuletzt wohl, da er als homo novus nicht auf bedeutende Vorfahren verweisen konnte, zur maßlosen Überschätzung seiner eigenen Leistungen. Theodor Mommsens berühmt gewordene Kritik, die Cicero das „Talent, offene Türen einzurennen“ zuspricht und ihn als „Staatsmann ohne Einsicht, Ansicht und Absicht“ zu diskreditieren versucht, wird von der heutigen Forschung kaum mehr geteilt, die versucht, nicht nur dem von Mommsen herausgehobenen Gaius Iulius Caesar, sondern auch dessen republikanisch orientiertem Gegner Cicero gerecht zu werden, der, stets um das Wohl der Res Publica besorgt, republikanische Ideale zu einem vom Senat regierten römischen Idealstaat verwob, dessen Regierung sich aus gebildeten, intelligenten und patriotischen Männern zusammensetzen sollte, die das Staatswohl über ihre eigenen Interessen stellten.

Nach dem Konsulat

61 v. Chr. wollte Caesar Cicero für eine Teilnahme am späteren Triumvirat mit Crassus und Pompeius gewinnen, doch Cicero lehnte ab, weil er dadurch die Republik gefährdet sah. In der Folge sank sein politischer Einfluss. Seine Gegner – insbesondere der Volkstribun Publius Clodius Pulcher, dessen Hass Cicero sich im Bona-Dea-Skandal 62/61 v. Chr. zugezogen hatte – erwirkten 58 v. Chr. ein neues rückwirkendes Gesetz, das denjenigen, der den Tod eines römischen Bürgers ohne Gerichtsverhandlung verschuldet, ächtet, d. h. seiner Bürgerrechte beraubt, und wandten es auf den Tod der Catilinarier an. Cicero verließ Rom, ging nach Thessaloniki und kam damit einer Verbannung zuvor. Später betonte er, dass er niemals auf sein Bürgerrecht verzichtet und auch Terentia auf der Gültigkeit der Ehe beharrt habe. Sein Besitz wurde enteignet, seine Landgüter geplündert und sein Haus auf dem Palatin niedergebrannt. Das Grundstück ließ Clodius der Göttin Libertas widmen.

57 v. Chr. wurde Cicero trotz Caesars Bedenken auf einstimmigen Beschluss der Volksversammlung vom Senat aus Griechenland zurückgerufen und bei seiner Rückkehr begeistert gefeiert. Zeugnis davon geben die beiden Dankesreden an Volk und Senat. Es gelang ihm jedoch nicht, die frühere politische Macht wiederzuerlangen. Ab dieser Zeit wurde er stärker schriftstellerisch tätig, namentlich mit seinen politischen und philosophischen Schriften. Sein rhetorisches Hauptwerk De oratore „Über den Redner“ entstand in dieser Zeit, ebenso mit De re publica „Über den Staat“ und De legibus „Über die Gesetze“ zwei philosophische Schriften über den Idealstaat in Anlehnung an Platons Politeia und Nomoi.

Cicero hegte zunächst auf Caesars Intellekt bauende Hoffnungen und unterstützte ihn 56 v. Chr. sogar in seiner Rede De provinciis consularibus in der Frage, ob der Senat Caesar die Provinz Gallien weiterhin überließ oder sie einem der letztjährigen Konsuln übergab. Im Laufe der Zeit wurde er jedoch sein politischer Gegner, weil er die Republik durch dessen Machtgelüste bedroht sah.

Als Clodius 52 v. Chr. von Titus Annius Milo auf der Via Appia erschlagen wurde, verteidigte Cicero den Mörder seines Feindes, wenn auch erfolglos, denn Milo musste ins Exil gehen.

Zehn Jahre nach seinem Konsulat musste Cicero 52 v. Chr. als Statthalter nach Kilikien gehen. Sein Bruder begleitete ihn als Legat. Obwohl die Provinz recht friedlich war, weil die Parther sich untereinander bekämpften, eroberte Cicero eine Bergfestung und wurde von seinen Soldaten zum Imperator ausgerufen.

Als Cicero 49 v. Chr. nach Rom zurückkehrte, stand der Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius kurz bevor. Cicero versuchte noch einmal im Senat zu vermitteln, doch der Senat erklärte Caesar, als dieser den Rubikon überschritt, zum Staatsfeind. Cicero schloss sich gezwungenermaßen Pompeius an und verließ mit Bruder und Sohn Italien. Nach Pompeius’ Tod 48 v. Chr. brach er jedoch mit dessen Anhängern und kehrte nach Italien zurück, wo er in Brundisium wartete, bis ihn Caesar 47 v. Chr. begnadigte. Das hinderte Cicero jedoch nicht, eine Trauerrede auf den nach der verlorenen Schlacht bei Thapsus durch eigene Hand gestorbenen Cato zu verfassen. Auch setzte er sich in mehreren Reden vor Caesar für Pompeius’ Anhänger ein.

In den folgenden Jahren widmete er sich wieder vermehrt der Literatur, wobei ihn diesmal weniger die Fragen der Politik beschäftigten: Seinem Freund Marcus Iunius Brutus widmete er mehrere Schriften, darunter Brutus, eine Geschichte der Rhetorik, die er wie die Republik in der Gefahr des Untergangs sah. Daneben verfasste er mehrere Werke zu ethischen Themen (s.u.).

Proskription und Tod

An der Verschwörung gegen Caesar war Cicero zwar nicht beteiligt, seine Äußerungen zeigten jedoch seine triumphierende Freude über den Tod des „Tyrannen“, wobei er allerdings die fehlende Planung und Weitsicht der Verschwörer kritisierte, indem er bemerkte, das Attentat sei mit dem Mut von Männern, aber dem Verstand von Kindern durchgeführt worden. Zudem stellte sich rasch heraus, dass Caesars Mitkonsul Marcus Antonius dessen Nachfolge in der Alleinherrschaft anstrebte. Nun trat Cicero Antonius entgegen und wurde mit seinen 14 philippischen Reden, denen er ihren Namen nach dem Vorbild des Demosthenes gegeben hatte, zum Wortführer der republikanischen Minderheit im Senat, wodurch er einen großen Teil seiner einstigen politischen Macht zurückerhielt und großes Ansehen gewann. Die erste Rede, gehalten am 2. September 44, beendete den Waffenstillstand zwischen Antonius und den Republikanern um Cicero. Ciceros zweite Rede enthielt maßlose (wenn auch nicht völlig unbegründete) persönliche Schmähungen gegen Antonius und drückte sein Bedauern darüber aus, dass Antonius an den Iden des März (Todestag Caesars) nicht mitbeseitigt worden war.

Danach bemühte sich Cicero, wenn auch nicht ohne Vorbehalt, Octavian, der in Rom erschienen war und auf eigene Faust Veteranentruppen angeheuert hatte, zum Krieg gegen Antonius mit der Rückendeckung des Senats zu bewegen. Er hoffte auf dessen intellektuelle Fähigkeiten, fürchtete jedoch gleichzeitig die persönlichen Interessen des damals kaum Zwanzigjährigen. Das Gelingen dieser Bemühungen löste erneut den Bürgerkrieg aus. Die Sache der Republik schien zeitweilig sogar zu siegen. Wie von Cicero leise befürchtet, verlangte Octavian jedoch nach ersten Erfolgen im Sommer des Jahres 43 v. Chr. das Konsulat für sich und schloss sich danach ganz öffentlich mit Antonius und Marcus Lepidus zum zweiten Triumvirat zusammen. Die drei Triumvirn beschlossen Proskriptionen gegen ihre politischen Gegner. Cicero stand ganz oben auf der Todesliste des Antonius.

Am 7. Dezember 43 v. Chr. wurde er auf dessen Geheiß auf der Flucht ermordet. Mit dem Leichnam verfuhr man bestialisch: Er wurde verstümmelt durch die Straßen Roms geschleift, sein Kopf und seine Hände wurden auf den Rostra am Forum Romanum ausgestellt. Fulvia, die nacheinander mit seinen Feinden Clodius und Antonius verheiratet war, soll nach Cassius Dio seine Zunge mit ihrer Haarnadel durchbohrt haben. Sein Bruder Quintus Tullius Cicero fiel denselben Proskriptionen zum Opfer.

Werke

Cicero gilt als der bedeutendste Vertreter des philosophischen Eklektizismus in der Antike. Sein Denken enthält sowohl Elemente der Stoa wie auch solche Epikurs und anderer Denker.

Ciceros Prosa kennzeichnet ihn als Meister der lateinischen Sprache. Seine Werke vermittelten dem gebildeten römischen Publikum die griechische Philosophie, besonders die Lehren der Stoa und der sogenannten Neuen Akademie. Seine politischen Schriften liefern uns wichtige Quellen zu den politischen Unruhen, die die spätrepublikanische Zeit kennzeichneten, und lassen uns seine Positionen nachvollziehen. Berühmt wurde er auch durch seine Reden gegen Verres (70 v. Chr.), gegen Catilina (63 v. Chr.) und gegen Marcus Antonius (44 und 43 v. Chr.).

Reden

Cicero gilt als der bedeutendste römische Redner. Er lässt (nicht eben ohne Selbstbewusstsein) seine Darstellung der Geschichte der lateinischen Redekunst im Brutus mit sich selbst enden, und spätestens seit Quintilian ist Ciceros Ruhm als ‚klassisches‘ Vorbild unangefochten. Cicero hat die meisten seiner Reden selbst veröffentlicht; 58 Reden sind (teilweise lückenhaft) im Originaltext erhalten, etwa 100 durch Titel oder Bruchstücke bekannt.

Die Texte können grob in politische Reden vor dem Senat oder dem Volk einerseits sowie Verteidigungsreden vor Gericht andererseits eingeteilt werden, wobei auch letztere oft politischen Hintergrund haben. Als Ankläger in einem Strafprozess trat Cicero nur einmal auf, nämlich gegen Gaius Verres. Seinen Erfolg verdankte er neben seiner argumentativen und stilistischen Kunst, die sich Gegenstand und Publikum perfekt anzupassen wusste (vgl. Ciceros programmatische Äußerungen im Orator), vor allem seiner klugen Taktik, die sich ebenfalls ganz auf die jeweilige Hörerschaft einstellte und durchaus auch einmal Meinungen verschiedener philosophischer oder politischer Schulen eklektisch zusammenführte, um dem Publikum entgegenzukommen und seine Ziele zu erreichen.

Chronologische Übersicht aller Reden:

81 v. Chr. Pro P. Quinctio („Für Publius Quinctius“), älteste überlieferte Gerichtsrede Ciceros für den Kläger in einem Zivilprozess. Streitgegenstand ist die Rechtmäßigkeit früherer Beschlagnahmehandlungen des Beklagten Sex. Naevius gegen Ciceros Mandanten P. Quinctius. Anwalt der Gegenseite ist Q. Hortensius Hortalus, Richter C. Aquilius Gallus.
80 v. Chr. Pro Sex. Roscio Amerino („Für Sextus Roscius aus Ameria“), Verteidigungsrede vor Gericht, Ciceros erstes Plädoyer in einem Mordprozess. Sextus Roscius war des Vatermordes angeklagt. Während des Bürgerkrieges hatten Verwandte das Vermögen von Roscius’ Vater an sich gebracht und versuchten nun die Beute zu sichern, indem sie den legitimen Erben des Mordes bezichtigten. Cicero erreichte einen Freispruch.
ca. 77 oder 66 v. Chr. Pro Q. Roscio Comoedo („Für den Schauspieler Quintus Roscius“), Rede für den Beklagten in einem Zivilprozess.
72/71 v. Chr. Pro M. Tullio („Für Marcus Tullius“), Verteidigungsrede vor Gericht
69/ca. 71 v. Chr. Pro A. Caecina („Für Aulus Caecina“), Rede für den Kläger in einem Zivilprozess vor einem Rekuperatorengericht. Rechtsgrundlage ist das Interdikt de vi armata (Besitzschutz bei Vertreibung mit Waffengewalt). Anwalt der Gegenseite ist C. Calpurnius Piso, beide Seiten berufen sich offenbar auf die Autorität des Juristen Gaius Aquilius Gallus.
70 v. Chr. Divinatio in Caecilium („Vorverfahrensrede gegen Quintus Caecilius“), Vorverfahren um die Übernahme der Anklage gegen Gaius Verres. Q. Caecilius Niger war unter Verres als Quaestor in Sizilien gewesen und bewirbt sich nun um die Rolle des Anklägers. Nach Cicero war er jedoch selbst in die Machenschaften des Verres verstrickt.
In Verrem actio prima („Erste Anklagerede gegen Verres“), Anklagerede im Prozess gegen Gaius Verres wegen Erpressung von Provinzialen (crimen pecuniarum repetundarum)
In Verrem actio secunda I–V („Zweite Anklage gegen Verres 1–5“), diese fünf Reden wurden wegen Verres’ freiwilligem Gang ins Exil nicht vorgetragen, sondern schriftlich veröffentlicht
69 v. Chr. Pro M. Fonteio („Für Marcus Fonteius“), Verteidigungsrede vor Gericht
66 v. Chr. De imperio Cn. Pompei (De lege Manilia) („Über den Oberbefehl des Gnaeus Pompeius“/„Über das Gesetz des C. Manilius“), Rede vor dem Volk
Pro A. Cluentio Habito („Für Aulus Cluentius Habitus“), Verteidigungsrede vor Gericht
63 v. Chr. De lege agraria (Contra Rullum) I–III („Über das Siedlergesetz“/„Gegen Rullus“): Reden des Konsulatsjahres, im Senat (I) und vor dem Volk (II/III) gehalten; eine vierte Rede ist verloren.
Pro Murena („Für Murena“), Verteidigungsrede vor Gericht
Pro C. Rabirio perduellionis reo („Für den des Hochverrats angeklagten Gaius Rabirius“), Verteidigungsrede vor Gericht
In Catilinam I–IV („Gegen Catilina 1–4“), Reden gegen Lucius Sergius Catilina: Reden am 7. und 8. November 63 v. Chr. vor dem Senat (I) und vor dem Volk (II); Reden für Entdeckung und Bestrafung von Catilinas Anhängern am 3. Dezember vor dem Volk (III), am 5. Dezember vor dem Senat (IV)
62 v. Chr. Pro Archia („Für Archias“), Verteidigungsrede vor Gericht
Pro P. Cornelio Sulla („Für Publius Cornelius Sulla“), Verteidigungsrede vor Gericht
59 v. Chr. Pro L. Valerio Flacco („Für Lucius Valerius Flaccus“), Verteidigungsrede vor Gericht
57 v. Chr. De domo sua ad pontifices („Über sein eigenes Haus, an das Pontifikalkollegium“): Plädoyer in eigener Sache: Während Ciceros Verbannung hatte sein Gegner Clodius einen Teil von Ciceros Grundstück auf dem Palatin der Göttin Libertas geweiht; Cicero erklärt diese Weihung für ungültig, um eine Rückgabe zu erreichen.
Oratio cum populo gratias egit („Danksagung an das Volk“), Dankrede an alle, die sich für Ciceros Rückkehr aus der Verbannung eingesetzt hatten, und Ankündigung seines Wiedereintritts in die Politik
Oratio cum senatui gratias egit („Danksagung an den Senat“), Dankrede an alle, die sich für Ciceros Rückkehr aus der Verbannung eingesetzt hatten, und Ankündigung seines Wiedereintritts in die Politik
56 v. Chr. De haruspicum responso („Über das Gutachten der Opferschauer“): Clodius bezog einen Passus über die Profanisierung von Heiligtümern in einem Gutachten der Haruspices auf Ciceros Palatin-Grundstück (s. De domo sua) und forderte zum Abriss von Ciceros dort im Bau befindlichen Haus auf. Gegen diese und andere Vorwürfe wehrt sich Cicero mit einem Appell an den Senat, in dem er erklärt, dass vielmehr Clodius Ursache aller im Gutachten erwähnten Übel sei.
De provinciis consularibus („Über die konsularischen Provinzen“), Rede vor dem Senat über die konsularischen Provinzen
In P. Vatinium („Gegen Publius Vatinius“), Anklagerede gegen Publius Vatinius, bei der Zeugenbefragung im Prozess gegen P. Sestius (s. Pro P. Sestio)
Pro M. Caelio („Für Marcus Caelius“), Rede zur Verteidigung des Marcus Caelius Rufus vor Gericht
Pro L. Cornelio Balbo („Für Lucius Cornelius Balbus“), Verteidigungsrede vor Gericht
Pro P. Sestio („Für Publius Sestius“), Verteidigungsrede vor Gericht
55 v. Chr. In L. Calpurnium Pisonem („Gegen Lucius Calpurnius Piso“), politische Anklagerede
54 v. Chr. Pro Aemilio Scauro („Für Aemilius Scaurus“), Verteidigungsrede vor Gericht
Pro Cn. Plancio („Für Gnaeus Plancius“), Verteidigungsrede vor Gericht
54/53 oder 53/52 v. Chr. Pro Rabirio Postumo („Für Gaius Rabirius Postumus“), Verteidigungsrede im Nachverfahren zum Prozess gegen Aulus Gabinius wegen Erpressung von Provinzialen (crimen pecuniarum repetundarum). Es geht um den Verbleib von Bestechungsgeldern im Zusammenhang mit der Wiedereinsetzung von Ptolemaios XII. Auletes als König von Ägypten.
52 v. Chr. Pro T. Annio Milone („Für Titus Annius Milo“), Verteidigungsrede vor Gericht, die allerdings nicht in der veröffentlichen Perfektion gehalten wurde; enthält u.a. inter arma enim silent leges
46 v. Chr. Pro Q. Ligario („Für Quintus Ligarius“), Verteidigungsrede für Q. Ligarius, gerichtet an Caesar als Diktator
Pro M. Marcello („Für Marcus Marcellus“), Verteidigungsrede für M. Marcellus, gerichtet an Caesar als Diktator
45 v. Chr. Pro rege Deiotaro („Für König Deiotarus“), Verteidigungsrede für den König Deiotarus, gerichtet an Caesar
44/43 v. Chr. Philippicae orationes I–XIV („Erste bis vierzehnte Philippische Rede“), Reden gegen Marcus Antonius

Philosophische Schriften

Rhetorische Schriften

Wie bei Cicero Leben und Werk ohnehin nur schwer zu trennen sind, so ist insbesondere die Unterscheidung zwischen philosophischen und rhetorischen Schriften zwar praktisch und übersichtlich (sie wird daher auch hier beibehalten), entspricht aber nicht Ciceros eigener Absicht und Ansicht. Schon in seinem ersten erhaltenen Werk (De inventione I 1–5) erklärt er, Weisheit, Beredsamkeit und Staatskunst hätten ursprünglich eine Einheit gebildet, die erheblich zur Entwicklung der menschlichen Kultur beigetragen habe und wiederherzustellen sei (vgl. Büchner, Cicero (1964) 50–62). Diese Einheit schwebt als Leitbild sowohl Ciceros theoretischen Schriften als auch seiner eigenen vita activa (etwa: „politisch engagiertes Leben“) im Dienste des Staates vor – jedenfalls so, wie er diese selbst idealisierend sah und gesehen haben wollte.

Daher ist es nicht erstaunlich, wenn Cicero seine philosophischen Schriften mit rhetorischen Mitteln ausgestaltet und seine Rhetoriktheorie auf philosophischen Prinzipien aufbaut. Die Trennung von Weisheit und Beredsamkeit lastet er als „Zerwürfnis zwischen Zunge und Verstand“ Sokrates an (De oratore III 61; eher wäre es Platon zuzuschreiben) und versucht sie durch seine eigenen Schriften wieder aufzuheben. Denn zur bestmöglichen Verwirklichung sind seiner Meinung nach Philosophie und Rhetorik aufeinander angewiesen (s. z. B. De oratore III 54-143); Cicero selbst bekennt, „dass ich zum Redner geworden bin [...] nicht in den Lehrstätten der Rhetoren, sondern in den Hallen der Akademie“ (Orator 12). Damit spielt er auf seinen Anschluss an die Lehren der Neuen Akademie des Karneades und Philon von Larisa an.

Die erhaltenen rhetoriktheoretischen Werke in alphabetischer Reihenfolge:

Weitere Schriften

Zu Ciceros weiteren Werken zählen eine Trostschrift, Beiträge zur Geschichtsschreibung, Dichtungen (etwa über sein eigenes Konsulat) sowie Übersetzungen. Diese Werke sind großenteils verloren. Aus den Gedichten sind uns einige Zitate in anderen Werken Ciceros überliefert. Diese Fragmente weisen Cicero jedoch bereits als einen der bedeutendsten – ja vielleicht den bedeutendsten – lateinischen Dichter vor Catull und den anderen Neoterikern aus. Von den Übersetzungen sind große Stücke einer Übertragung von Platons Timaios erhalten, die Cicero vermutlich nie veröffentlicht, sondern nur als Arbeitsübersetzung angefertigt hat. Außerdem besitzen wir die meist als Aratea zitierten Bruchstücke einer Nachdichtung der Himmelserscheinungen des hellenistischen Dichters Aratos von Soloi, der einer der einflussreichsten Autoren seiner Zeit war.

Briefe

Die Briefe Ciceros wurden 1345 bzw. 1389 von Petrarca und dem Florentinischen Staatskanzler und Förderer des Humanismus Coluccio Salutati wiederentdeckt. Insgesamt wurden über 900 Briefe gefunden, was anfänglich Begeisterung auslöste, die in Enttäuschung umschlug, da Cicero in ihnen nicht immer dem Ideal eines Verteidigers der Republik entsprach, als den er sich in seinen Reden und politischen Schriften darstellte.

Die Briefe wurden von Ciceros Sekretär Tiro 48–43 v.Chr. gesammelt und archiviert. Man zählt 4 Kategorien:

Wirkung

Büste Ciceros im Museo Capitolino, Rom

Humanitas

Seine Reden bilden zusammen mit Caesars Schriften die Grundlage für das heutige Schullatein. Nicht weniger wichtig sind aber auch seine theoretischen Schriften über den Staat und über die Gesetze. Auf Ciceros Begriff humanitas, der sich in seiner Rede über die Gesetze befindet, gehen später die Begriffe studia humanitatis für eine ganzheitliche Bildung überhaupt, humanistae, als die sich die italienischen Humanisten des 15. Jahrhunderts im Zeitalter des Renaissance-Humanismus selbst bezeichnen, also Humanisten, und im beginnenden 19. Jahrhundert Humanismus zurück, den als Erster Friedrich Immanuel Niethammer für Kritik an einer von der Aufklärung geprägten Pädagogik verwendet. Cicero meint mit humanitas die Bildung überhaupt, die er im Verfall begriffen sah. Besonders meint Cicero mit Bildung aber die Sprache, Rhetorik und Philosophie und damit einhergehend besonders die Tugend. Während der Aufklärungszeit, also vor Niethammer, spricht man von Humanität und meint damit allgemein Menschlichkeit. Dafür gelten als Beispiele Johann Gottfried Herder und Friedrich Schiller. Auch bei Johann Wolfgang Goethe finden wir das wieder. Bei Wilhelm von Humboldt wird der Humanismusbegriff stärker zu einem systematischen Wissenschaftsbegriff der Philosophie als es bislang der Fall war. Allerdings ist das wiederum von der allgemeinen wissenschaftsgeschichtlichen Entwicklung mit den preußischen Reformen 1810 abhängig zu sehen, die auch in die Universitätslandschaft gravierende Veränderungen bringt. Man spricht hierbei auch vom Neuhumanismus.

Renaissance-Humanismus

Für den italienischen Humanismus wird Cicero geradezu zu einem Idol und Vorbild des Menschen der Renaissance. Durch Francesco Petrarca und seine Schüler bzw. deren Nachfolger (dazu zählen u. a. Giovanni Boccaccio, Lorenzo Valla, Giovanni Aurispa, Leonardo Bruni und Guarino da Verona) kommt es zu einer Bewegung der „Wiederbelebung des classischen Alterthums“ (Georg Voigt 1859) oder zu einer „Wiedererweckung des Alterthums“ (Jacob Burckhardt 1860), wo der Mensch der Renaissance sein Ich im Spiegel des Altertums erkennt. Er begann sich als Individuum zu begreifen.

Darin unterschied er sich grundlegend vom Menschen des Mittelalters, der zwar auch gelegentlich klassische Studien getrieben hatte, namentlich Lektüre der Kirchenväter wie u. a. Augustinus, jedoch immer einem korporativen Verbande zugehörig blieb, während der Renaissance-Mensch daraus heraustrat. Auch der Vorgänger und Lehrer Petrarcas Dante Alighieri, obwohl er sehr versucht sich das Altertum anzueignen und gerade Cicero zu verinnerlichen weiß, ruft doch noch die Autoritäten der Kirchenväter an. Er löst die Verbindung aus diesem mittelalterlichen Verband noch nicht völlig wie Petrarca und dessen Nachfolger.

Nicht selten lehnen die Humanisten wegen ihres aus der römischen Antike neugeschöpften Menschenbildes die Institution Kirche ab. (Es ist jedoch nicht so, dass es auch damals keinen christlichen Humanismus gäbe und dass sie das Christentum als solches verworfen hätten, da viele von ihnen auch gerade in der Hierarchie der Kirche zu wichtigen Ämtern gelangen wie zum Beispiel Enea Silvio Piccolomini, Leonardo Bruni und Flavio Biondo.) Diese wesentliche Unterscheidung zwischen dem Antikeverständnis und dem daraus resultierenden Menschenbild zwischen Dante und Petrarca finden wir in dieser Deutlichkeit zuerst bei Georg Voigt.

Auch Petrarca beginnt eine Dichtung in lateinischer Sprache, die im Stile Cicero nachempfindet. Zu den Nachwirkungen lässt sich nicht zuletzt die Entstehung einer italienischen Hochsprache rechnen, die mit Dante beginnt. Der italienische Humanismus breitet sich in ganz Europa aus. Er hat auch auf die Deutschen tiefen Eindruck hinterlassen. Er ist sogar eine der Wurzeln der Reformation. Wichtige Vertreter sind Johannes Reuchlin, Erasmus von Rotterdam und Philipp Melanchthon. Ihr Humanismusbegriff hat aber eine deutlich christliche Prägung.

Cicero im 19. Jahrhundert

Nicht immer, wenn auch überwiegend, wird Cicero positiv gewürdigt. Als Beispiel für eine negative Beurteilung Ciceros darf hierfür die Charakteristik gelten, die Theodor Mommsen im fünften Band seiner Römischen Geschichte gibt:

Marcus Cicero, notorisch ein politischer Achselträger, gewohnt bald mit den Demokraten, bald mit Pompeius, bald aus etwas weiterer Ferne mit der Aristokratie zu liebäugeln und jedem einflußreichen Beklagten ohne Unterschied der Person oder Partei – auch Catilina zählte er unter seinen Klienten – Advokatendienste zu leisten, eigentlich von keiner Partei oder, was ziemlich dasselbe ist, von der Partei der materiellen Interessen.

Trotz aller Anerkennung für sein Werk, das ihm 1902 den Nobelpreis für Literatur einbringt, erlebt Mommsen so manche Anfeindung eben wegen seiner negativen Cicero-Charakteristik. Zu seinen Kritikern gehörte der französische Verfasser einer Cicero-Biographie Gaston Boissier.

Cicero in der modernen Forschung

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Literatur

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Sekundärliteratur

Cicero allgemein

Reden

Wirkung

(Weitere Literatur zur Nachwirkung unter Humanismus und Renaissance-Humanismus/Bibliographie)

Erzählende (nichtwissenschaftliche) Literatur

Einzelnachweise

  1. Plutarch, Cicero 40, 2.
  2. Plutarch: Leben des Cicero engl.
  3. Plutarch: Leben des Cicero 29.
  4. Plutarch: Cicero 20 ff.
  5. Plutarch: Cicero 41.
  6. Cicero: Ad Atticum 11, 22, 3.
  7. Cicero: Ad Atticum 12, 14, 3.
  8. Cicero: De lege Manilia 44.
  9. Die Rede in toga candida ist nur im Kommentar von Asconius Pedianus erhalten.
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Personendaten
Cicero, Marcus Tullius
Tulius Cicero, Marcus
römischer Politiker, Anwalt und Philosoph
3. Januar 106 v. Chr.
Arpinum (heute Arpino)
7. Dezember 43 v. Chr.
bei Formiae (heute Formia)