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Peter Hacks

Peter Hacks (* 21. März 1928 in Breslau; † 28. August 2003 bei Groß Machnow) war ein deutscher Dramatiker, Lyriker, Erzähler und Essayist. Er begründete in den sechziger Jahren die „sozialistische Klassik“ und gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR, der meistgespielte war er mit Sicherheit. Lange Zeit war er der einzige Gegenwartsdichter, der sowohl auf den Bühnen der DDR als auch auf denen der Bundesrepublik Deutschland stark präsent war. Der Erfolg seines Stückes Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe ist auf den deutschen Bühnen des 20. Jahrhunderts beispiellos.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Lebenslauf

Als Sohn eines sozialistisch-antifaschistischen Elternhauses verbringt Hacks seine Kindheit und Jugend bis 1944 in Breslau, wo sein Vater als Rechtsanwalt praktiziert. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs versucht er sich dem Wehrdienst zu entziehen und gerät dabei in die Gefangenschaft der Waffen-SS. Nach dem Krieg legt er sein Abitur in Wuppertal ab, im Anschluss studiert er, in Dachau bei seiner Familie wohnend, an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität Neuere Deutsche Literatur, Theaterwissenschaft, Philosophie und Soziologie. 1951 wird er mit einer Arbeit über das Theaterstück des Biedermeier zum Dr. phil. promoviert. Von 1951 bis 1955 lebt er als Schriftsteller in München, arbeitet dort zusammen mit James Krüss für den Rundfunk und tritt im Kabarett mit eigenen Texten auf. Er knüpft Kontakt mit Erich Kästner, Bertolt Brecht und Thomas Mann. Er fragt Brecht, ob es ratsam sei, in die DDR zu ziehen. Dieser rät ihm weder zu noch ab. 1954 erhält er für sein erstes aufgeführtes Drama Eröffnung des indischen Zeitalters den damals angesehenen Dramatiker-Preis der Stadt München.

1955 übersiedelt Hacks, inzwischen verheiratet mit der Schriftstellerin Anna Elisabeth Wiede, in die DDR und lässt sich mit Hilfe Brechts in Berlin nieder, wo er zunächst für dessen Berliner Ensemble arbeitet. Eine ständige Zusammenarbeit zwischen ihm und Brecht ergibt sich allerdings nicht. Ab 1960 arbeitet Hacks als Dramaturg am Deutschen Theater Berlin, an dem mehrere seiner Stücke aufgeführt werden. Im Intendanten Wolfgang Langhoff hat er dort einen großen Fürsprecher. Als die Inszenierung seines Stücks Die Sorgen und die Macht 1962 die Kritik einiger Funktionäre der SED auslöst, gibt Hacks 1963 seine Stellung als Dramaturg am DT auf und lebt wieder als freischaffender Schriftsteller. Zur gleichen Zeit, da sich der Skandal um Die Sorgen und die Macht abspielt, feiert Hacks mit Der Frieden (nach Aristophanes) seinen ersten großen Theatererfolg. Es folgen mit Die schöne Helena (1964, nach Meilhac und Halévy, Musik: Offenbach), Amphitryon (1967), Adam und Eva (1972) und Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern (1973, nach Goethe) große Theatererfolge auf den Bühnen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Sein Stück Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe (1974) wird ein Welterfolg: Es wurde bislang ca. 190 mal auf über 170 deutschsprachigen Bühnen sowie auf fremdsprachigen Bühnen von insgesamt 21 Ländern aufgeführt. Das Verhältnis der DDR zu Hacks bleibt indes widersprüchlich. Hacks wird von vielen Funktionären und Dichterkollegen auch weiterhin als bürgerlicher bzw. aristokratischer Dichter wahrgenommen, aber ihm wird durch seine Erfolge mehr und mehr Anerkennung zuteil: 1964 wird er in das P.E.N.-Zentrum der DDR gewählt, 1972 in die Akademie der Künste der DDR, 1974 erhält er den Nationalpreis zweiter Klasse und drei Jahre später den erster Klasse. 1976 begrüßt Hacks in einem Artikel in der Weltbühne die Ausbürgerung Wolf Biermanns und wird infolgedessen von vielen Vertretern des Kunstbetriebs (des westlichen wie des östlichen) scharf angegriffen und boykottiert.

Das Ende der DDR nimmt Hacks nicht zum Anlass, von seiner kommunistischen Überzeugung Abstand zu nehmen. 1991 tritt er aus der Akademie der Künste aus und weigert sich, wenngleich er nicht aufhört zu schreiben, am Kulturbetrieb des vereinigten Deutschland teilzunehmen. Gegen Ende der 1990er Jahre tritt er vor allem in der „linken Szene“ wieder verstärkt in Erscheinung. Die Ausgaben seiner Essays, seiner Gedichte und der späten Dramen finden breitere Aufmerksamkeit, allgemein beachtet wird die vielgelobte Werkausgabe von 2003, die zur Ausgabe letzter Hand wird. Hacks stirbt im selben Jahr in seinem Landhaus in Groß Machnow.

Zeitgenossen

Die Meinungen von Hacks' Zeitgenossen über ihn gehen stark auseinander. Von Anbeginn seiner öffentlichen Wirkung prallten immer wieder starke Fürsprache und große Begeisterung auf heftige Kritik und erbitterte Feindschaft. Die Gründe für diese Extreme sind vielfältig. Hacks' Erfolg beim Publikum, die Qualität seiner Kunst, das Selbstbewusstsein, mit dem er als Künstler seinen Platz in der Welt einforderte, die Konsequenz, mit der er an einmal gefällten Entscheidungen festhielt, erregten bei vielen Zeitgenossen Widerwillen. Hinzu kam mit der Zeit seine immer deutlichere und systematischere Ablehnung der Moderne und der Romantik, gegen die er eine an der Klassik orientierte Ästhetik setzte. Auch die politische Entwicklung der DDR, insbesondere seit dem VIII. Parteitag der SED, trug hierzu bei, denn worin viele Zeitgenossen eine positive Entwicklung in der Kultur- und Wirtschaftspolitik sahen, sah Hacks den Anfang vom Ende. Dabei neigte er zu pointierten, auch überpointierten, Urteilen über seine Zeitgenossen. Er hielt sich weder im öffentlichen noch im brieflichen oder persönlichen Kontakt zurück. Die Intensität, mit der er Lob und Tadel betrieb, war für viele irritierend. Er nahm jedoch so intensiv und umfassend wie kaum ein anderer Schriftsteller die literarische Produktion seiner Zeit wahr, setzte sich hierbei oft und energisch für Kollegen und junge Talente ein, war aber auch streng in seinen ästhetischen und politischen Urteilen.

Obwohl Hacks sich zu Beginn der sechziger Jahre einerseits durch den Skandal um sein Stück Die Sorgen und die Macht, andererseits durch seine Befürwortung des Baus der Berliner Mauer gegen einen starken Druck vieler politischer Vertreter sowohl der Bundesrepublik Deutschland als auch DDR behaupten musste, war er unter den Dramatikern der DDR der erste, der den großen Durchbruch beim Theaterpublikum beider deutschen Länder schaffte. Die damit verbundenen Möglichkeiten nutzte er, auch andere Dramatiker zu fördern. So unterstützte er Heiner Müller finanziell und nahm ihn gegen Kritik in Schutz. Die zunehmend sichtbaren Differenzen in politischen und ästhetischen Fragen, insbesondere der Umstand, dass Heiner Müller ein Orientierungspunkt der DDR-Opposition wurde, sorgten allerdings noch in den sechziger Jahren für eine Entfremdung der beiden Dramatiker voneinander, die zu Beginn der siebziger Jahre in offene Feindschaft umschlug. Auch der Schriftsteller Hartmut Lange wurde von Hacks intensiv gefördert und auch mit Lange kam es zum Bruch: 1965, während eines gemeinsamen Ferienaufenthalts in Jugoslawien, setzte sich Lange, ohne Hacks davor davon in Kenntnis zu setzen und obwohl der bei den staatlichen Organen der DDR für ihn gebürgt hatte, in Richtung Bundesrepublik Deutschland ab. Nach Müller und Lange, die Hacks für die größten Begabungen unter den DDR-Dramatikern hielt, schätzte er Helmut Baierl und vor allem Rudi Strahl.

In der Akademie der Künste gehörte Hacks zu den aktivsten Mitgliedern. So gründete er 1972 die »Arbeitsgruppe Dramatik«, die später in »Arbeitsgruppe Ästhetik« umbenannt wurde und als solche mit insgesamt 21 Sitzungen bis 1979 Bestand hatte. Er leitete alle Sitzungen, forderte Disziplin sowie eine gute und genaue Vorbereitung von den Teilnehmern. In erster Linie war er an kompetenten Diskussionspartnern interessiert, seine politischen und ästhetischen Auffassungen mussten sie nicht teilen. Teilnehmer waren u.a.: Helmut Baierl, Wolfgang Kohlhaase, Werner Mittenzwei, Robert Weimann, Anna Elisabeth Wiede, Günther Rücker, Rainer Kerndl, Wolfgang Harich, Benito Wogatzki, Alexander Abusch und Wieland Herzfelde. Von 1988 bis 1990 fand dann in neun Sitzungen eine zweite Arbeitsgruppe unter der Leitung Hacks statt: »Technik des Dramas«, in dem Hacks junge Dichter versammelte und mit ihnen Fragen des dramatischen Handwerks besprach. Teilnehmer waren u. a.: Christoph Hein, Lothar Trolle, Jens Sparschuh, Jörg-Michael Koerbl und Ronald M. Schernikau.

Hacks war in den sechziger und siebziger Jahren im Literatur- und Theaterbetrieb eine Persönlichkeit, an der sich viele orientierten und deren Nähe oft gesucht wurde. Das änderte sich vor allem mit seiner pointierten Befürwortung der Ausbürgerung Wolf Biermanns im Jahr 1976, aber sukzessive auch dadurch, dass Hacks einen Kampf gegen die Theater, die er seit Ende der sechziger Jahre im Verfall begriffen sah, sowie gegen die von ihm als „revisionistisch“ eingeschätzten Tendenzen in Kunst und Politik führte. Hierdurch wurde er vor allem für viele Regisseure zur persona non grata. In den 1980er Jahren und stärker noch nach dem Ende der DDR wurde Hacks in seiner Teilnahme am öffentlichen Leben zunehmend wählerisch. Zu seinen engsten Freunden zählten André Müller sen., Eberhard Esche, Karin Gregorek, Hans-Joachim Pavel, Gotthold Gloger und Heidi Urbahn de Jauregui, und ferner auch Wolfgang Kohlhaase, Walter Beltz, Gerhard Piens und Dieter Noll.

Denken

Ästhetik

Hacks hat von Beginn an sein Dichten durch theoretische Reflexionen begleitet und ein umfangreiches essayistisches Werk hinterlassen. Wie in politischer und weltanschaulicher, so sind auch in ästhetischer Hinsicht seine Äußerungen, obwohl sie originell und eigenständig sind, überkommenen Traditionen stark verpflichtet.

Vom Einfluss der Ästhetik Brechts, in dem er seit 1954 stand, vermochte Hacks sich am Anfang der sechziger Jahre durch eine Hinwendung zur Klassik zu lösen. Eine implizite Tendenz der Brechtschen Ästhetik, die die Form eines Kunstwerks als etwas rein Äußerliches, den Inhalt also bloß Verschleierndes begreift, ist eine Kunstpraxis, die, damit der Inhalt des Kunstwerks besser befördert und gefördert werde, im einzelnen oft auf Zerschlagung überkommener Formen abzielt. Die überlieferten Mittel des künstlerischen Handwerks werden in dieser Sicht als Ausdruck älterer Gesellschaftszustände verstanden, die neuere Kunstproduktion gilt somit zumeist als die bessere, weil weiter fortgeschrittene. Hacks entwickelte dagegen – zunächst in einer Orientierung an den Kunstwerken Shakespeares und des griechischen Dramas, später auch in einem theoretischen Rückgriff vor allem auf Aristoteles, Hegel, Goethe, Schiller und Lukács – die Vorstellung, dass die Form das eigentümliche Dasein des Inhalts ausmache und sich beides nicht ausschlösse, sondern ohne einander nicht existieren könne. Mit dieser Auffassung verbunden war die Ablehnung von Vorstellungen, die die Kunst in einen unmittelbaren Dienst der Politik oder Wissenschaft gestellt sehen wollten. In seiner Schrift Kunst und Revolution (1971) schreibt Hacks:

Eingestandenermaßen ist die Kunst eine Waffe. Eingestandenermaßen ist ein Holzhammer eine Waffe. Nach Aristoteles folgt hieraus nicht, daß die Kunst ein Holzhammer sein müsse. Es folgt eher, daß die Kunst eine um so bessere Waffe sei, je bessere Kunst sie ist.[1]

Von Beginn an in dieser Konzeption angelegt, jedoch erst durch ein zunehmendes Krisenbewusstsein zum Ausdruck gebracht, ist Hacks' Ablehnung der Romantik, deren Wurzeln er in politischem Dünkel, irrationalem Denken und ästhetischem Unvermögen bzw. Unwillen sah, und der Moderne, die für ihn die Fortsetzung der romantischen Traditionslinien im 20. Jahrhundert war. Der Verfall des dichterischen Handwerks, die Negation des Gattungs- und des Werksbegriffs, der Verlust des Anspruchs, das Publikum zu unterhalten, waren für Hacks Erscheinungen eines Zeitgeistes, den er als barbarisch empfand.

Eine Konstante in seinem ästhetischen Denken bilden Reflexionen zu Gattungsfragen. Gattungen sind für ihn „die Werkzeuge der Kunst“ und „wer das Werkzeug kapiert, kapiert so ziemlich das Erzeugnis“.[2] Das Verstehen der Gattung steht im Interesse der bestmöglichen Erzeugung von Kunst. Zu den Gattungen, die Hacks – mal ausführlicher, mal kürzer – untersucht hat, gehören u.a. Drama, Libretto, Gedicht, Lied, Ballade, Märchendrama und Pornographie.

Weltanschauung und Politik

Konstitutiv für Hacks' Weltbild ist eine unbedingte Neigung zur Vernunft, worunter nicht nur eine allgemeine Freude am Denken sowie eine Abneigung gegen das Irrationale zu verstehen ist, sondern auch ein starkes Interesse daran, mit dem Denken zu Resultaten zu kommen. Theoretische Reflexionen waren für Hacks, der den Positivismus entschieden ablehnte, nicht Zweck ihrer selbst, sondern hatten immer das Ziel, eine Theorie zu bilden, die die Erkenntnis über den Gegenstand weiter vorantreibt und nur so zurück auf die Welt zu wirken vermag.

Hacks gewann zu Beginn der 1950er Jahre eine marxistische Einstellung. Spätestens mit seinem Gang in die DDR war hiermit auch ein deutliches und lebenslanges Bekenntnis zu den politischen und staatlichen Organisationen der sozialistischen Arbeiterbewegung verbunden. Er blieb jedoch Zeit seines Lebens ein eigenständiger Kopf. Sich einerseits vehement an den Klassikern orientierend, entwickelte er zum anderen kontinuierlich eigene Vorstellungen über Kunst, Philosophie, Politik und Geschichte. So wendet er z. B. in seiner Schrift Schöne Wirtschaft die Kategorien der ökonomischen Theorie von Marx auf die Bedingungen der Erzeugung und des Verkaufs von Kunstwerken an, wodurch er zugleich auch die Grenzen dieser Theorie für diesen Bereich aufzeigt. Beispielhaft für seine Stellung in der marxistischen Tradition ist Hacks' Urteil über den Absolutismus, in dem er, anders als das in der marxistischen Tradition üblich ist, eine eigenständige, vom Feudalismus und Kapitalismus zu unterscheidende Gesellschaftsformation sah, die historisch ein Daseinsrecht besaß. Zugleich machte er aber auch - oft durch die Perspektive Goethes, immer aber mit marxistischen Mitteln - die Grenzen dieser Gesellschaft deutlich. Seinen Staatsbegriff nahm er, obgleich darin von Marx und Lenin nicht so weit entfernt, wie es bei oberflächlicher Betrachtung den Anschein haben mag, eher von Hegel als von Marx: Allein im und durch den Staat haben die Menschen eine Chance, ihre allgemeinen und ihre besonderen Interessen zu verwirklichen. Die marxistische These vom „Absterben des Staates“ war für Hacks nur in dem Sinne einer Aufhebung des Staates durch den Weg seiner Vervollkommnung akzeptabel. In diesem Sinne aber hat er sie akzeptiert, wodurch ihm gelang, die Auffassungen von Marx und Lenin auf der einen Seite mit denen Hegels auf der anderen zu vermitteln.

In seiner politischen Orientierung war Hacks, der sich stets als Marxist-Leninist verstand, ein Anhänger Walter Ulbrichts, insbesondere von dessen Politik seit dem VI. Parteitag und der damit verbundenen Konzeption des Neuen Ökonomischen Systems, das Hacks als Beginn der vollen Entfaltung der sozialistischen Gesellschaft ansah. Folgerichtig lehnte er den Sturz Walter Ulbrichts im Jahr 1971 durch Erich Honecker und die damit verbundenen Änderung in der Politik ab. Es gehört zu den zahlreichen Widersprüchen im Leben Hacks, dass er in der Ulbricht-Ära wesentlich stärker der Kritik von seiten der SED ausgesetzt und wesentlich weniger als Dichter der DDR anerkannt war als in der Honecker-Ära. Mit dem unter Honecker beginnenden wirtschaftlichen Verfall der DDR setzte bei Hacks ein stärkeres Krisenbewusstsein ein. In den sechziger Jahren war er noch – durch die wirtschaftlich positive Entwicklung der DDR bestärkt – im wesentlichen der Überzeugung, dass der Sozialismus im Systemkampf allein durch seine überlegene Produktivkraft siegen werde. In den siebziger Jahren beschäftigte ihn die Frage, auf welche Weise ein Qualitätssturz wie der von Ulbricht zu Honecker verhindert bzw. umgekehrt werden könne.

Schaffen

Dramatik

Den Kern seiner Tätigkeit als Dichter bildet die Dramatik. Hacks selbst hat immer wieder betont, dass das Dramenschreiben das einzige Handwerk sei, dass er wirklich vollkommen beherrsche. Er schrieb zumeist Komödien, gelegentlich Schauspiele, nie Tragödien. Merkmale seiner Stücke sind im allgemeinen eine große Leichtigkeit, Humor, gedanklicher Reichtum, sprachliche Eleganz und eine geschickte, jedoch nicht zu verzweigte Führung der Fabel. Mit zunehmendem Alter ist eine deutliche Neigung zu kleinerer Personage erkennbar. Seine Figuren sprechen durchgängig Autorensprache, d.h. keine Figurensprachen, die durch spezielle Wendungen, Dialekte oder überhaupt sprachliches Unvermögen die persönliche oder gesellschaftliche Begrenztheit gewisser Figuren auszudrücken hätten. Die meisten der Figuren sind Träger einer höchst eigenen Philosophie und als charakterlich-geistige Einheiten entsprechend herausgearbeitet, während sich die Handlung hieraus zu ergeben scheint. Im Gegensatz zu Brecht kommt es Hacks nicht so sehr darauf an, auf seiner Bühne das Walten gesellschaftlicher Notwendigkeiten zu zeigen, in denen die Figuren hin- und hergetrieben werden und ihnen dabei im Grunde nur die Einsicht in diese Notwendigkeiten bleibt, sondern er lässt, ohne jedoch auf seiner Bühne eine Welt ohne Gesetze und Zwänge zu konstruieren, seinen Figuren Raum für Entscheidungen. Dramaturgisch knüpfte er vor allem an zwei Traditionslinien an: der euripideischen und der Shakespeares, welche beiden er für die bedeutendsten der dramatischen Weltliteratur hielt. Hacks schreibt hierzu:

Ich habe Drama an den besten Schulen gelernt. Als ich klein war, mochte ich Pocci, der mich einerseits zur Wiener Posse und andererseits zu Shaw leitete. Ich hatte bald heraus, dass ich mit der Wiener Posse den Shakespeare und mit Shaw die Griechen meinte. Wer über den Shakespeare und die Griechen verfügt, wird eines Tages die deutsche Klassik kapieren, und von Goethe und Shaw her findet sich – unter der Krafteinwirkung eines sozialistischen Erfahrungsfeldes – wohl auch der Rückverweis zu den Franzosen. Ich denke, die Gesamtheit dieser bleibenden und unüberwundenen Zustände des Dramas ergibt eine hinlänglich gegründete Standfläche für neue Erkundungen und weiterführende Versuche.[3]

Lyrik

Als Lyriker mit hohem Anspruch trat Hacks erst spät hervor. Zu Beginn seiner Laufbahn beschränkte er sich, neben Fingerübungen und politischen Gelegenheitsarbeiten, auf das Verfassen von Liedern zu seinen Stücken. Seine Lust, Gedichte zu schreiben, stieg in dem Maße, in dem er mit der gesellschaftlichen Realität in der DDR unzufrieden wurde. Wie auch in der Dramatik orientiert er sich auch in der Lyrik vor allem an Shakespeare und an den Griechen, wobei auch hier mit der Zeit ein immer intensiverer Rückgriff auf Goethe hinzukommt. Eine Besonderheit seiner Lyrik ist ihre enge Verwandtschaft zu der Heinrich Heines. Die Gedichte Hacks sind fast durchgängig metrisch und meistens gereimt. Moderne Lyrik mit ihrer Eigenart, Prosa in den Zeilen zu brechen, lehnte er ab.

Epik

Hacks' Epik ist mehrheitlich Kinderliteratur, dabei durchgängig märchenhaft. Seine Neigung zur heiteren Seelenlage, seine erzählerische Phantasie, sein dramatisches Temperament und seine Fähigkeit, das Schwierige einfach auszudrücken, kamen ihm in dieser Gattung zugute. Zugleich versteht er es, die Geschichten so zu schreiben, dass sie auch für Erwachsene mit Gewinn zu lesen sind. Auch seine Kinderliteratur behandelt bedeutende Themen und unterscheidet sich hierin nur durch die Art der Behandlung von Hacks' Dramatik oder seiner Epik für Erwachsene.

Essayistik

Das Bedürfnis nach politischer, philosophischer und vor allem ästhetischer Selbstverständigung ließ Hacks als Autor von Essays hervortreten. Was die Gestaltung angeht, steht er hierbei stark in der französischen Tradition: Die Essays sind mit Anspruch auf Lesbarkeit geschrieben. Die Sprache ist reizvoll, flüssig und anschaulich. Was hingegen den Aufbau der Essays und ihren Gehalt angeht, steht Hacks stärker in der deutschen Tradition: Sein Anspruch, schwierige Themen systematisch zu durchdenken, und seine Gabe, auch Theorien dramatisch zu entwickeln, gaben seinen Essays eine Finesse im Aufbau und ein theoretisches Niveau, wie es unter den Autoren der Gegenwart nur selten zu finden ist.

Nachwelt

Hacks gehört auch heute, nach seinem Tod, zu den meistgespielten Autoren der Gegenwart, und die Veröffentlichungen seiner Werke, Schriften und Briefe stoßen auf ein reges Interesse. Die Werkausgabe war noch zu Lebzeiten Hacks' erschienen, andere ehrgeizige Projekte sind im Eulenspiegel-Verlag und/oder in verschiedenen Kreisen der Freunde und Verehrer des Dichters geplant. So ist unter dem Titel Berlinische Dramaturgie eine Gesamtedition der Gesprächsprotokolle der Arbeitskreise, die Hacks in der Akademie der Künste geleitet hat, in Arbeit. André Müller sen. bereitet eine Ausgabe seiner Gespräche mit Hacks vor, die die Gedanken und Diskussionen einer vierzigjährigen Freundschaft widerspiegeln, sowie auch seinen Briefwechsel mit Hacks. Längerfristig geplant sind außerdem eine Gesamtedition der Briefe, sowie eine Ausgabe der Werke und Schriften des jungen Hacks.

Die Peter Hacks Seite berichtet im Internet regelmäßig von Aktivitäten, die den Dichter betreffen, und regt Diskussionen an, die auch im angeschlossenen, moderierten Peter Hacks Forum geführt werden können. Im kostenpflichtigen Mitgliederbereich der Peter Hacks Seite entsteht als „work in progress“ die Hacks-Enzyklopädie, die in fünf Arbeitsbereichen (Begriffslexikon, Werkkommentar, Personenverzeichnis, Bibliographie und Chronik) das Leben und das Werk von Peter Hacks umfassend darstellen soll. 2008 soll als erster Bereich die Hacks-Bibliographie abgeschlossen sein und separat als Buch erscheinen. Im Peter Hacks Forum wird eine Hacks-Biographie vorbereitet, die sich zunächst auf den ersten Lebensabschnitt (1928 - 1955) konzentrieren soll.

Seit September 2007 erscheint halbjährlich das Journal „ARGOS. Mitteilungen zu Leben Werk und Nachwelt von Peter Hacks“ (ISSN 1865-049X).[4]

Anfang Dezember 2007 wurde in Groß Machnow bei Berlin, dem einstigen Sommersitz des Dichters, die Peter-Hacks-Gesellschaft e. V. gegründet. Erster Vorsitzender ist der Verleger Dr. Philipp Dyck. Der Verein soll die wissenschaftlich-publizistische Auseinandersetzung mit dem Schaffen, Denken und der Biographie von Peter Hacks anregen, die Verbreitung seiner Werke fördern und alle Freunde derselben zur Mitwirkung einladen und verbinden.

Preise

Werke (Auswahl)

Lyrik

Dramatische Werke

Epische Werke

Essays

Briefe

CDs

Zitate

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zu Hacks

Quellen

  1. Peter Hacks: Werke, Eulenspiegel-Verlag, Berlin 2003, Band XIII, S. 139 [im folgenden immer: HW]
  2. HW XIV, 9
  3. HW XV, 288
  4. Argos-Archiv
  5. „Stimmen über Hacks“, MDR, 29. August 2003
  6. Mosebach zitiert in: Peter Hacks Forum
  7. Reich-Ranicki in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24. Oktober 2004, Artikel nicht online
    „Fragen Sie Reich-Ranicki: Wie stehen Sie zu Peter Hacks, dessen Schauspiel "Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe" Sie immerhin in den jetzt“ ... (879 Wörter)

Literatur

zum Werk

zur Person

Personendaten
Hacks, Peter
Deutscher Dramatiker und Schriftsteller
21. März 1928
Breslau
28. August 2003
Groß Machnow