Heim

Deutsche Arbeiterpartei

Dieser Artikel behandelt die 1919 in München (Deutsches Reich) gegründete Deutsche Arbeiterpartei; zur gleichnamigen, bereits 1903 in Böhmen (Österreich-Ungarn) gegründete Partei siehe Deutsche Arbeiterpartei (Österreich-Ungarn).

Die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) war eine kurzlebige deutsche Kleinpartei und der Vorläufer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP).

Inhaltsverzeichnis

Gründungsgeschichte

Die DAP wurde von Anton Drexler und Michael Lotter, einem frisch entlassenem Marinesoldaten, am 5. Januar 1919 (acht Tage vor der nächsten Wahl in Bayern) in München im Café Gasteig gegründet. Sie ging aus dem Münchner Freien Arbeiterausschuss für einen guten Frieden hervor, der 1918 ebenfalls von Drexler gegründet und geleitet wurde. Zu den ersten Mitgliedern zählten fast ausschließlich Arbeitskollegen Drexlers aus den Münchner Eisenbahnwerken. Die Initiative zur Gründung des Ausschusses und der Partei ging allerdings nicht allein von Drexler, sondern hauptsächlich von seinem Mentor Dr. Paul Tafel, Spitzenfunktionär des Alldeutschen Verbandes, Direktoriumsmitglied der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, Vorstandsmitglied des Bayerischen Industriellenverbandes und Mitglied der Thule-Gesellschaft aus. Drexler blieb über seine gesamte Amtszeit als Parteivorsitzender eine Marionette „völkischer“ Organisationen.

Wenig später, am 24. März 1919, trat der Sportjournalist Karl Harrer – er gab seinen eigentlichen Beruf beim Eintritt in die Partei nicht an – mit dem Auftrag in die Partei ein, deren Aktivitäten im Sinne der Thule-Gesellschaft zu beobachten und zu beeinflussen. Er wurde später zu einem der ersten politischen Gegner Adolf Hitlers, welcher Harrer zu Beginn des Jahres 1920 aus der Partei drängte.

Weitere frühe Mitglieder waren der Wirtschaftsideologe Gottfried Feder, der Dichter und Dramatiker Dietrich Eckart sowie der baltendeutsche Flüchtling Alfred Rosenberg. 1921 trat auch Ernst Röhm, Offizier und spätererer SA-Führer, der Partei bei. Röhm entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem der mächtigsten Funktionäre innerhalb der Partei. Röhm war maßgeblich an den Planungen und an der Ausführung des Putsches vom 11. November beteiligt.

Die ersten Parteiversammlungen der DAP fanden in Hinterräumen kleiner Bierlokale in München statt. Der wenig begeisterte Redner Drexler hielt zumeist wenig motivierte Reden, die jedoch oft in der Geräuschkullise des Lokals untergingen.[1]

Hitler und die DAP

Hitlers erste Begegnung mit der DAP erfolgte am 12. September 1919. Ihm wurde von seinem Vorgesetzten, Hauptmann i.G. (im Generalstab) Karl Mayr, – Hitler war zu dieser Zeit noch Mitglied der Reichswehr in der Nachrichten- und Presseabteilung I b/P des Bayerischen Reichswehrgruppenkommandos 4 als V-Mann – befohlen, eine Versammlung einer neuen völkischen Partei zu besuchen. Hitler selbst beschrieb dieses Ereignis in Mein Kampf wie folgt:

„Eines Tages erhielt ich von der mir vorgesetzten Dienststelle den Befehl, nachzusehen, was es für eine Bewandtnis mit einem anscheinend politischen Verein habe, der unter dem Namen ‚Deutsche Arbeiterpartei‘ in den nächsten Tagen (12. September) eine Versammlung abzuhalten beabsichtigte, und in der ebenfalls Gottfried Feder sprechen sollte; ich müsste hingehen und mir den Verband einmal ansehen und dann Bericht erstatten.“

Bei dieser besagten Versammlung im Leiberzimmer des Sterneckerbräus’ schrieben sich 46 Teilnehmer in die Anwesenheitsliste ein.

Hitler selbst erschien in Zivil, obwohl er noch Soldat war, trug sich aber als Gefreiter in die Liste ein. Als Wohnort gab er die Kaserne an. Bemerkenswert ist dabei, dass er seine Tätigkeit als „Bildungsoffizier“ oder „V-Mann“ verschwieg. Hitler verhielt sich während Feders Vortrag ruhig und folgte der angehängten Diskussion zunächst ebenfalls gelangweilt. Erst als ein Teilnehmer die Abtrennung Bayerns vom Reich und den Zusammenschluss selbigens mit Österreich forderte, fühlte er sich genötigt, einzugreifen. Nach seinem emotionellen Beitrag wollte er schon den Saal verlassen, als Drexler ihm noch den Text seiner Memoiren (Mein politisches Erwachen. Aus dem Tagebuch eines deutschen sozialistischen Arbeiters) überreichte. Leicht angetan von der ähnlichen Lebensgeschichte Drexlers im Vergleich zu seiner eigenen, hielt Hitler zunächst nicht aus eigenem Bestreben Kontakt zur Partei. Für ihn war dieser Befehl zunächst abgeschlossen.

Jedoch erhielt er wenige Tage später eine Einladung in Form einer Postkarte der DAP. Darauf wurde er gebeten, am 16. September im Gasthaus Altes Rosenbad an einer Ausschusssitzung der Partei teilzunehmen. Außerdem wurde ihm mitgeteilt, dass er bereits als Mitglied in die Partei aufgenommen worden sei, obwohl er selbiges nie beantragt hatte. Dieses erste konspirative Treffen Hitlers mit der Parteispitze der DAP schilderte er selbst wie folgt:

„Der Gasthof, in dem die bewusste Sitzung stattfinden sollte, war […] ein sehr ärmliches Lokal, in das sich nur alle heiligen Zeiten jemand zu verirren schien […] Ich ging durch das schlecht beleuchtete Gastzimmer, in dem kein Mensch saß, suchte die Türe zum Nebenraum und hatte dann die ‚Tagung‘ vor mir. Im Zwielicht einer halb demolierten Gaslampe saßen an einem Tisch vier junge Menschen, darunter auch der Verfasser der kleinen Broschüre [Drexler, Anm. Verfasser Artikel], der mich sofort auf das Freudigste begrüßte und als neues Mitglied der Deutschen Arbeiterpartei willkommen hieß.“

Zu diesem Zeitpunkt verfügte die DAP nach Aussagen Hitlers über 7,50 Mark Kapital und nur einige gut gemeinte Leitsätze. Es gab weder ein Programm noch irgendwelche Veröffentlichungen, Plakate, Flugblätter o.ä. Trotzdem entschied er nach zwei Tagen Bedenkzeit, dass gerade eine unbedeutende junge Partei wie die DAP seine einzige Chance wäre, politisch Großes zu erreichen. Denn eine Partei ohne Strukturen konnte er nach eigenem Gutdünken formen und aufbauen. Bei bereits etablierten Parteien hätte er sich wohl zunächst auf Jahre in Kaderarbeit aufgerieben, bevor er politische Bedeutung erlangt hätte.

So wurde er als 55. Mitglied in die Partei aufgenommen. Allerdings begann das Register der Mitglieder erst ab der Zahl 501. Somit ist auch die von ihm selbst aufgestellte Legende des 7. Mitglieds oder, wie später behauptet, der Parteigründung widerlegt.

Von DAP zu NSDAP

Hitler fungierte in den nächsten Monaten und Jahren als Propagandabeauftragter der Partei, war allerdings nicht im Vorstand vertreten. Trotzdem liefen bald alle wichtigen Entscheidungen ausschließlich über ihn, teils eigenmächtig an sich gerissen, teils, aufgrund seiner wachsenden Bedeutung für die Partei, angefallen. So unterschrieb er z.B. den Mietvertrag für die erste feste Geschäftsstelle der Partei im Auftrag des Parteivorsitzenden. Außerdem war er für sämtliche Organisationen bei Veranstaltungen und die Öffentlichkeitsarbeit der Partei zuständig. Doch es blieb ein Problem: Für ihn war der jetzige Aufbau der Partei zu demokratisch, was er als belastend empfand. Es musste ein Führer mit diktatorischen Befugnissen her. Aus dieser Position heraus legte er sich mit der gesamten Führung der DAP, vor allem aber mit Drexler und Harrer, an.

Im Übrigen verbrachte er seine Zeit mit Kundgebungen und Versammlungen jeglicher Art, die langsam aber stetig immer mehr Münchner Publikum anlockten. Somit kam auch Geld in die Kassen der Partei (Mitgliedsbeiträge, Spenden und Eintrittsgeld).

Für den 24. Februar 1920 setzte Hitler gegen Bedenken von Drexler die erste „Massenversammlung“ der DAP unter dem Motto „Was uns Not tut!“ an. Als Ankündigungsmittel wurden rote Plakate geklebt, um die linken Arbeiterparteien zu provozieren. Als Veranstaltungsort war der Festsaal des Hofbräuhauses am Platzl genannt. Am besagten Abend konnten dann 2000 Menschen den Redner Hitler kennenlernen. Zudem erlebten sie erstmals auch eine vollkommen neue Art der Versammlung. Es galt, strikte Disziplin zu wahren, die Abläufe waren klar vorgezeichnet und erstmals schützten junge Parteimitglieder und -sympathisanten den Saal vor Störungen. Aus diesem Saalschutz sollte schon wenig später die SA hervorgehen.

Später wurde der Abend des 24. Februar als Beginn der nationalsozialistischen Bewegung hochstilisiert. An diesem Abend wurde die Bezeichnung NSDAP von Hitler etabliert (das Kürzel „NS“ sollte die Besonderheit der Partei hervorheben und wurde von Hitler, Eckart, Esser, Heß, Röhm und Feder an der Parteiführung vorbei eingeführt) und das 25-Punkte-Programm wurde als Grundsatzforderung der Partei vorgestellt. Gleichzeitig wurde es als Zeitprogramm für unabänderbar erklärt (Hitler fügte nachträglich den Passus bei, das Programm sei für sechs Jahre unveränderbar). Es enthielt die Forderung, dass die Partei kein neues Programm aufstellen dürfe und werde, wenn die 25-Punkte erfüllt seien, um das Volk nicht, im Stile der anderen Volksparteien, weiter in die Irre zu führen.

Der Einfluss Hitlers auf die Erstellung des Programms ist umstritten, gilt allerdings heute als gering. Eher werden die Forderungen Drexler und seinen Mentoren aus der Thule-Gesellschaft zugeschrieben. Dazu passt, dass Hitler das Programm später eher als Fußfessel denn als Hilfe zur Überzeugung der Massen empfand.

Festzuhalten bleibt, dass die DAP ab dem 24. Februar 1920 NSDAP genannt wurde; die offizielle Ummeldung in NSDAP war bereits am 20. Februar 1920 vollzogen worden. Auch wenn Hitler bereits in München ein angesehener Mann unter den konservativen und monarchistischen Bürgern geworden war und eine lokale politische Größe verkörperte, wohnte er weiterhin in seiner kleinen, verwahrlosten Wohnung in München.

Im September 1920 beschrieb Hauptmann Mayr in einen Brief an Wolfgang Kapp, welche Erfolge und Entwicklungen die junge Partei mit Hilfe der Reichswehr genommen hatte:

„Die nationale Arbeiterpartei muss die Basis geben für den starken Stosstrupp, den wir erhoffen. Das Programm ist gewiss noch etwas unbeholfen und vielleicht auch lückenhaft. Wir werden es ergänzen. Sicher ist nur, dass wir unter dieser Fahne doch schon recht viele Anhänger gewonnen haben. Seit Juli vorigen Jahres schon suche ich soweit mir möglich auch die Bewegung zu stärken. […] Ich habe sehr tüchtige junge Leute auf die Beine gebracht. Ein Herr Hitler z. B. ist eine bewegende Kraft geworden, ein Volksredner ersten Ranges.“

Literatur

  1. 1889-1936. 1998, ISBN 3-421-05131-3 (5. Kapitel: Der Bierkelleragitator, S. 173ff. über die DAP als Vorläuferpartei der NSDAP und die Thule-Gesellschaft).

Einzelnachweise

  1. Adolf Hitler - Eine Biographie, John Toland