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Sitcom

Die Sitcom (kurz für situational comedy = Situationscomedy, siehe auch: Comedy) ist ein ursprünglich US-amerikanisches Genre im Bereich der Fernsehsendungen und wird meist als Fernsehserie ausgestrahlt, wobei sie ihre Ursprünge in den amerikanischen Radio-Comedyshows der 1930er und 1940er Jahre hat (Amos ’n’ Andy, The Goldbergs).

Inhaltsverzeichnis

Kennzeichen und Eigenarten

Situationskomik bezeichnet die humorvolle Auseinandersetzung mit einer momentan vorliegenden Situation durch einen Beteiligten; ein Kennzeichen der Sitcom ist daher die ständige, schnelle Abfolge von Gags, Pointen und komischen Momenten, allerdings im Rahmen einer dramatischen Handlung und unterscheidet sich somit von Comedyshows, bei denen Sketche aneinander gereiht werden. Eher selten bekommt die Serie ein bewusst dramatisches Element wie in Roseanne, Sex and the City, Die Simpsons und Scrubs – Die Anfänger.

Typisches äußeres Kennzeichen der klassischen Sitcom ist die Aufzeichnung im Studio: Die Darsteller agieren auf einer Guckkasten-Bühne; bei Innenräumen werden die vierte Wand und die Zimmerdecke nie im Bild sichtbar. Für die Handlung folgt daraus eine Beschränkung der Schauplätze auf wenige, stets wiederkehrende Orte. Häufig sind auch Außenschauplätze wie Straßenecken oder Gartenanlagen als Kulissen im Studio nachgebaut – ästhetisch ähnlich der Seifenoper. Die Bühnenwirkung wird verstärkt durch das Spiel der Darsteller zur Bühnenrampe und das für das Fernsehpublikum hörbare Gelächter des Studiopublikums, der so genannte “laugh track”.

In der deutschen Ausstrahlung werden amerikanische Serien meist durch eingespielte Lacher untermalt (sog. “Lachkonserven” oder “canned laughter”), da die Folgen vor Publikum aufgezeichnet werden und dessen Lachen für die Synchronisierung nicht mehr verwendet werden kann.

Da sich das Publikum in jeder Folge sofort zurechtfinden soll, darf sich das Grundprinzip der Serie nie ändern, es sei denn, Schauspieler (und damit ihre Rollen) scheiden aus oder kommen dazu. Allgemein folgt das Geschehen einer “zirkulären Dramaturgie” – die Figuren sind am Ende der Episode so klug wie zuvor. Dies hat zur Folge, dass Sitcoms prinzipiell eine eher konservative Ausrichtung haben. Seriencharaktere dürfen daher nicht sterben (berühmte Ausnahmen: John Goodman in Roseanne und Maude Flanders in Die Simpsons) oder ernsthafte bzw. tragische Ereignisse erleben (Vergewaltigung, „schmutzige Scheidung“, Mord, Selbstmord, Abtreibung).

Sitcoms sind üblicherweise als halbstündiges Fernsehformat angelegt; die Netto-Laufzeit einer Folge (d. h. die Laufzeit ohne Werbeunterbrechungen) beträgt somit zwischen 22 und 24 Minuten. Der typische Aufbau einer Sitcom ist folgender:

  1. Prolog – Eine relativ kurze Szene, die mit einem Gag endet. Hier wird meist das Thema der jeweiligen Folge bereits angerissen.
  2. Vorspann – Die Charaktere der Serie werden, untermalt durch die typische Erkennungsmusik der jeweiligen Sitcom, vorgestellt, wobei die Namen der jeweiligen Schauspieler eingeblendet werden. Insbesondere bei Familiensitcoms wird der Vorspann optisch regelmäßig überarbeitet, um die gewachsenen Kinderschauspieler mit aktuellem Aussehen darzustellen, dabei bleibt die Musik jedoch in der Regel die selbe wie früher, da sie einen hohen Wiedererkennungswert besitzt.
  3. Handlung – Das Problem der Woche wird wie oben beschrieben dargestellt.
  4. Abspann – Im Abspann läuft oft noch einmal die Musik aus dem Vorspann und neben den Credits werden gelegentlich Outtakes oder ein Standbild aus der Folge im Hintergrund gezeigt. Im Fernsehen ist der Abspann meist nicht zusehen, sondern wird bereits durch einen Werbeblock ersetzt.

Mit Serien wie Hör mal, wer da hämmert, Friends, Seinfeld, Die Nanny o. Ä. hatten Sitcoms ihren Höhepunkt Mitte bis Ende der 1990er Jahre.

Ursprünge in den USA

Als erste Sitcom, die das Genre prägte und quasi erfand, gilt I Love Lucy von und mit der US-amerikanischen Schauspielerin und Komikerin Lucille Ball. 1948 war sie in einer Radiosendung als leicht verrückte Ehefrau aufgetreten und erfolgreich gewesen. CBS bat sie daraufhin, eine Fernsehsendung zu entwickeln. Da Lucille Ball und ihr Ehemann Desi Arnaz, ein kubanischer Bandleader, zusammenarbeiten wollten, konzipierten sie eine Handlung um eine leicht verrückte Ehefrau und deren Ehemann, einen Bandleader. Dieses Übergreifen der Realität in die Fernseh-Fiktion wurde ein typisches Merkmal US-amerikanischer Sitcoms (siehe auch: Cybill Shepherd).

Um die Show in den unterschiedlichen Zeitzonen der USA jeweils zur besten Sendezeit ausstrahlen zu können, wurde sie auf Film aufgenommen (Fernsehsendungen wurden damals üblicherweise im Kinescope-Verfahren aufgenommen, also von einem Bildschirm abgefilmt). Mit dieser qualitativen Verbesserung bahnte I Love Lucy auch den Weg für die Syndication, die Vermarktung durch Wiederholung bei lokalen Fernsehstationen.

Damit Lucille Ball ihr komisches Talent ausspielen konnte, wurde die Sendung dennoch vor einem Publikum aufgezeichnet, so dass Ball auf Lacher und Stimmungen der Zuschauer reagieren konnte. Das Lachen des Publikums war für den Fernsehzuschauer hörbar; es entstand das Gefühl einem Live-Ereignis beizuwohnen. Dieses Setting – die Aufzeichnung auf Film vor einem Studiopublikum – behielten vor allem drei-Kamera-Sitcom-Produktionen bis Mitte oder Ende der 1990er bei. Ansonsten geht spätestens seit Mitte der 1990er auch in den USA der Trend zu Ein-Kamera-Sitcoms, die wie normale Serien und Filme gedreht werden, meist ohne Live-Publikum (die Lacher werden also nicht wie früher ergänzt, sondern gänzlich eingespielt).

Die dritte Neuerung, die Desi Arnaz zugeschrieben wird, war das Drei-Kameras-Setup: Dabei befinden sich drei Kameras gleichzeitig in einem Graben zwischen Publikum und Bühne. Eine Kamera nimmt das Geschehen in einer Totalen auf, die anderen beiden konzentrieren sich auf die agierenden und reagierenden Figuren. Aus den drei Filmstreifen, die dasselbe Geschehen aus drei unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen haben, wird später die Show zusammengeschnitten. Auch diese Technik ist bis heute ein Standard geblieben.

Der Trend, Kino-Darstellern die Hauptrollen in Serien zu geben, gilt auch vermehrt für Sitcoms. Beispiele sind Geena Davis, James Belushi und Charlie Sheen. Umgekehrt haben viele bekannte Filmschauspieler gerade aufgrund der Sitcom ihren Durchbruch geschafft, zum Beispiel Robin Williams (Mork vom Ork); Danny DeVito (Taxi), Michael J. Fox (Familienbande) oder Will Smith (Der Prinz von Bel Air).

Entwicklung in Deutschland

Da die deutsche Fernsehlandschaft bis zum Beginn des Privatfernsehens die Formatierung von Genres eigentlich nicht kannte, kann man nicht davon sprechen, dass es eine „deutsche Sitcom“ gab. Dennoch gab es Sendungen, die in der amerikanischen Produktionsweise hergestellt wurden. Die bekannteste Sendung ist Ein Herz und eine Seele von Wolfgang Menge, die wie ihre amerikanische Version All in the Family (1971–1979) eine Adaption der britischen BBC-Sitcom Till Death Do Us Part (1965–1975) ist.

Mit der Liberalisierung des Fernsehmarktes versuchten vor allem die privat-kommerziellen Fernsehsender, deutsche Sitcoms in amerikanischer Machart zu produzieren. Zu diesen Versuchen gehören zum Beispiel Die Viersteins von ProSieben oder Unter einer Decke von RTLplus. Diese Sendungen waren beim Fernsehpublikum allerdings wenig erfolgreich.

RTL begann dann damit, halbstündige fiktionale Serien mit einer Betonung auf Komik und komische Handlungen herzustellen. Diese Serien sind nicht notwendigerweise im Studio und nicht vor Publikum gedreht; meist auch im Ein-Kamera-Verfahren. In Abgrenzung zur US-amerikanischen Sitcom nennt RTL diese Produktionen Comedyserien. Zu den bekanntesten Comedyserien bei RTL gehören Das Amt (mit Jochen Busse), Nikola (mit Mariele Millowitsch), Die Camper und Ritas Welt (mit Gaby Köster). Sat.1 produzierte mit Hausmeister Krause – Ordnung muss sein (mit Tom Gerhardt) eine klassische Studio-Sitcom, außerdem Anke (mit Anke Engelke).

Beispiele

Das Genre der Sitcoms lässt sich natürlich weiter unterteilen, zum Beispiel

Literatur

Siehe auch