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Tet-Offensive

Die Tet-Offensive bezeichnet eine Reihe militärischer, offensiver Operationen der nordvietnamesischen Armee (NVA) und des Vietcong zwischen dem 30. Januar und dem 23. September 1968 im Rahmen des Vietnamkrieges. Sie startete als Überraschungsangriff am Vorabend des vietnamesischen Neujahrsfestes, dem Tết Nguyên Đán, das am 31. Januar 1968 stattfand.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Ende der 60er Jahre standen sich die Gegner im Vietnamkrieg hochgerüstet gegenüber. Bis Anfang 1968 hatten die USA ihr Truppenkontingent auf über eine halbe Million Soldaten aufgestockt. Trotzdem war es nicht gelungen, die Guerilla des Vietcong entscheidend zu schlagen, denn durch Waffenhilfe aus der Volksrepublik China und der Sowjetunion war Nordvietnam erheblich aufgerüstet worden.

Angriff

Der Angriff des Vietcong am 30. Januar und in den folgenden Tagen kam für die Südvietnamesen und die Amerikaner völlig überraschend, zumal sich viele südvietnamesische Armeesoldaten im Feiertagsurlaub befanden. Als Ablenkungsmanöver hatte die nordvietnamesische Armee kurz zuvor eine Offensive gegen den amerikanischen Stützpunkt Khe Sanh nahe der entmilitarisierten Zone gestartet, so dass viele Tausend US-amerikanische Elitesoldaten zur Verteidigung dorthin verlegt worden waren, da die amerikanische Militärführung ein zweites Điện Biên Phủ fürchtete. Der Angriff erfolgte auf breitester Front mit mehr als 80.000 Kämpfern und an mehr als 100 Stellen gleichzeitig. Es gelang dem Vietcong unter anderem, die alte Kaiserstadt Huế zu erobern und die dortige Zitadelle zu besetzen. Außerdem wurde zugleich durch Stoßtrupps sehr propagandawirksam die amerikanische Botschaft im Zentrum von Saigon angegriffen, ohne dass diese allerdings besetzt werden konnte. Weitaus stärkere Angriffe erfolgten in und nahe Saigon auf den Flugplatz und die Hauptquartiere von General William Westmoreland und des südvietnamesischen Militärs. Der Vietcong und seine Verbündeten gingen mit äußerster Brutalität gegen vermeintliche Unterstützer der südvietnamesischen Regierung vor. Allein in der Stadt Huế wurden in den 3 Wochen Vietcong-Herrschaft mehr als 5.000 Menschen gefoltert und exekutiert, darunter auch ausländische Ärzte, Priester und auch Kinder. Die später aufgefundenen Toten waren teilweise verstümmelt, einige wurden offenbar lebendig begraben.

Die Amerikaner brauchten nur kurze Zeit, um sich zu sammeln und zurückzuschlagen. Schon am nächsten Morgen griffen sie mit 5.000 Mann die Nordvietnamesen an, und binnen fünf Tagen waren die NVA-Truppen wieder zurück geworfen. Härter, länger und verlustreicher entwickelten sich die Kämpfe in Huế, endeten aber auch hier nach gut einem Monat mit dem Rückzug der Nordvietnamesen und des Vietcong.

Wirkungen

Die Tet-Offensive brachte dem Vietcong keinen militärischen Durchbruch. Die Vietcong erlitten derartig schwere Verluste, dass sie laut General Võ Nguyên Giáp in den nächsten 4 Jahren zu keinen größeren Operationen mehr fähig waren. Die Verluste des Vietcongs während der Offensive sind auf mindestens 50.000 bis 100.000 Mann geschätzt worden, was mehr als der Hälfte der Vietcong-Kämpfer entsprach. Möglicherweise war die „Opferung“ des Vietcong sogar durch die Strategen Nordvietnams beabsichtigt oder einkalkuliert, da die militärische Initiative und Führung danach praktisch ganz auf die nordvietnamesischen Streitkräfte überging.

Propagandistisch und auf politischer Ebene war die Tet-Offensive jedoch für die Angreifer ein voller Erfolg. Für amerikanische Beobachter war es ein Schock, dass der Angreifer trotz der Präsenz von einigen hunderttausend amerikanischen Soldaten zu einer solchen groß angelegten Operation fähig war. Verstört sahen amerikanische Fernsehzuschauer die umkämpfte amerikanische Botschaft und amerikanische Truppen auf dem Rückzug. Die offene Hinrichtung eines Vietcong-Kämpfers per Kopfschuss durch den südvietnamesischen General Nguyễn Ngọc Loan vor den laufenden Kameras westlicher Reporter ([1]) ging als erschütterndes Pressefoto rund um die Welt[1]. Dadurch, sowie durch Berichte über das Massaker von My Lai und über die amerikanische Kriegführung (großflächiger Einsatz von Entlaubungsmittel Agent Orange, sowie Napalm) gerieten amerikanische Beobachter, die bisher von der Gerechtigkeit der eigenen Sache überzeugt waren, ins Zweifeln. Als entscheidend erwies sich die Offensive daher in Hinblick auf die öffentliche Meinung in den USA. Durch die geschilderten Eindrücke des teilweise panikartigen Rückzuges amerikanischer Einheiten, die verlustreichen, brutalen und intensiven Kämpfe, und vor allem auch den Angriff auf die amerikanische Botschaft setzte sich der Eindruck eines verlorenen und sinnlos gewordenen Krieges weiter durch.

Quellen

  1. Die Exekution wurde damit gerechtfertigt, dass der gefangene Vietcong-Kämpfer zuvor an der Ermordung von Familienangehörigen der südvietnamesischen Polizeikräfte beteiligt gewesen sei weblink