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Haderslev

Haderslev [ˈhaːʔðəʀsleu̯] (dt. Hadersleben) ist eine Stadt in Nordschleswig (dem früheren Sønderjyllands Amt) in Dänemark an der Haderslebener Förde. Sie zählt rund 32.000 Einwohner. Hadersleben hat einen Hafen und besitzt eine reizvolle Innenstadt mit Dom und dem heimatkundlichen Haderslev Museum. Die Stadt ist Standort für Maschinen-, Textil- und Nahrungsmittelindustrien.

Hadersleben war seit seiner Gründung im Hochmittelalter Teil des Herzogtum Schleswig, gehörte nach dessen vollständiger Loslösung vom dänischen Gesamtstaat von 1867 bis 1920 zu Preußen und somit von 1871 bis 1920 zum Deutschen Reich. Noch heute lebt eine deutsche Minderheit (deutsche Nordschleswiger) in der Stadt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte bis 1834

Auf dem Gebiet der heutigen Stadt gab es schon früh Siedlungen. Ein erster Hafenplatz ist etwas weiter östlich nahe der Kirche zu Starup, der ältesten Kirche der Region, nachweisbar. Westlich der späteren Rechtstadt entstand ein weiterer Siedlungskern mit der heute ebenfalls erhaltenen Kirche St. Severin. Die eigentliche Handelsstadt entwickelte sich am Ende der Haderslebener Förde. Dort entstand auch eine landesherrliche Burg. Hadersleben wurde vor 1200 das erste Mal erwähnt. Saxo erzählt in der Sage von einem König Hather, nach dem die Stadt benannt sei. In Hadersleben oder Hathörsleff = Erben des Hather, wie die älteste Namensform lautete, erbauten die Dominikanermönche 1228 ein Kloster. 1241 erhielt Hadersleben die Marktgerechtigkeit. Im Krieg zwischen König Erich IV., von Dänemark und Herzog Abel von Schleswig wurde der Ort niedergebrannt. 1292 erhielt Hadersleben, wieder aufgebaut, von Herzog Waldemar IV. das schleswigsches Stadtrecht. Burgbezirk und die Siedlung Alt-Hadersleben mit der St. Severins-Kirche blieben jedoch außenvor und gehörten zum Amt Hadersleben. Die Verleihung des Stadtrechtes war ein Beweis für die Zunahme des Ansehens des Ortes. Die Stadt wurde befestigt und hatte drei Stadttore. Weiteren Schutz der auf einer Anhöhe errichteten Stadt bot die Aufstauung des Mühlenstroms, wodurch westlich der Stadt der Haderslebener Damm entstand. Der Stausee zählt noch heute zu den größten Gewässern in Nordschleswig. Die Altstadt liegt seither auf einer Halbinsel, und die Brücke über den Mühlenstrom ziert noch heute das Stadtwappen.

Im Mittelalter zählte die Stadt zu den wohlhabendsten der Region. Die Marienkirche ist nach dem Schleswiger Dom die zweitgrößte auf dem Gebiet des alten Herzogtums Schleswig. Als Sitz eines Kollegiatkapitels hatte sie eine hervorragende Stellung, und es gab Bestrebungen, die nordöstliche Propstei des Bistums zu einer eigenen Diözese zu erheben.

1351 lag hier der Graf Nikolaus von Holstein mit seinen Truppen zu Felde, als er das Schloss Törning belagerte. Die Landesteilungen der Herzogtümer Schleswig und Holstein, die seit 1460 mit Dänemark unter einem Landesherrn verbunden waren, berührten die Entwicklung der Stadt nachhaltig. Die galt namentlich für die Teilungen von 1523 und 1544. 1523 übergab König Friedrich I. seinem Sohn Christian (III.) die Ämter Törning und Hadersleben mit der Stadt zur Herrschaft. Christian übernahm bald die Lehren Luthers, wodurch die Stadt zum geistigen Zentrum und Ausgangspunkt der Reformation im Norden wurde.

Nachdem Christian III. König und Herzog geworden war, musste er seine jüngeren Brüder abfinden. Dadurch kam es 1544 zu einer weiteren Landesteilung, deren Folgen nachhaltiger sein sollten als die Konsequenzen von 1490 und 1523. Hadersleben wurde Residenzstadt von Herzog Johann dem Älteren, der nun u.a. über die nordwestlichen Teile des Herzogtums Schleswig, die Insel Fehmarn und Teile Holsteins um die Stadt Rendsburg gebot. Der Herzog ersetzte die alte Burg durch das prächtige Schloss Hansburg etwas weiter östlich und setzte sich sehr für die Rechtsprechung in seinem Landesteil ein. In der Nachfolge des eingegangenen Klosters gründete er am Südrand der Stadt ein Hospital, das bis heute seinen Namen trägt. Wie kein anderer der schleswigschen und holsteinischen Herzöge ist er bis heute populär geblieben.

Als Herzog Hans 1580 kinderlos verstarb, erlosch das Herzogtum Schleswig-Holstein-Hadersleben wieder und wurde unter den beiden anderen Linien der Landesherrschaft aufgeteilt. Hadersleben blieb von nun an beim königlichen Landesteil. 1627 wurden die Bewohner von einer Feuersbrunst heimgesucht. Die Kriege des 17. Jahrhunderts verschonten die Stadt nicht. Auch Schloss Hansburg wurde zerstört, als der schwedische General Wrangel das Schloss belagerte und eroberte. Dabei geriet es in Brand und wurde durch die Explosion des in den Gewölbe lagernden Pulvers in die Luft gesprengt. Es wurde nicht wieder aufgebaut. Die Reste zum größten Teil zur Ausbesserung des Koldinger Schlosses verwendet. Der Kanal, der Schloss und Stadt trennte, verschwand und war schon 1729 ganz ausgefüllt. Da das Manövrieren für größere Schiffe auf der schmalen Förde schwierig war, büßte die Stadt einen Teil ihrer Bedeutung als Handelsstadt ein, blieb jedoch unbestritten das Zentrum für den Norden des Herzogtums Schleswig. Eine ungeliebte Konkurrenz wurde das 1771 nur 13 km nördlich der Stadt gegründete Christiansfeld. Die Herrnhuter Brüdergemeine genoss weitgehende Handels- und Gewerbefreiheiten.

Geschichte 1834 bis 1920

Im 19. Jahrhundert geriet die Stadt, die 1834 den Schlossgrund eingemeindete, in den Sog des deutsch-dänischen Konflikts, der sehr schnell die Frage nach politischer Liberalisierung und Demokratisierung überlagerte. Ein Teil des Bürgertums votierte für die deutsch-schleswig-holsteinische Seite, während andere sich wie der überwiegende Teil des Umlandes der dänischen Seite anschlossen. Anders als die Nachbarn in Tondern und Apenrade schloss sich die Stadtverwaltung nicht umgehend den Schleswig-Holsteinern an, als diese 1848 während des Bürgerkriegs um das Herzogtum Schleswig zunächst die Oberhand hatten. Nach Kriegsende 1850 wurden die früheren Verhältnisse wiederhergestellt, und in der Stadt galten Deutsch und Dänisch gleichberechtigt als Amtssprachen, wobei der Schulunterricht bevorzugt auf Dänisch ablaufen sollte.

Der deutsch-dänische Konflikt war jedoch nicht beigelegt, und flammte 1863 wieder auf, als die dänische Regierung eine Verfassung nur für das Königreich und Schleswig einführen wollte. Dies nahm der Deutsche Bund unter preußischer Federführung zum Anlass, gegen den Gesamtstaat vorzugehen. Zum einen argumentierte man damit, dass das zum Bund gehörende Holstein nicht ohne Verfassung (diese war von der holsteinische Ständeversammlung 1858 ausgesetzt worden) bleiben konnte und man gegen die 1852 erfolgte internationale Übereinkunft verstieß, wonach Schleswig nicht näher an Dänemark geknüpft werden durfte als Holstein. Der Deutsch-Dänische Krieg endete 1864 mit der totalen Niederlage der Dänen, worauf die Herzogtümer abgetreten werden mussten.

Hadersleben war von nun an ein Teil des Königreichs Preußen. Die neue Grenze, die nur 15 Kilometer nördlich verlief, erschwerte die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Dennoch nahm sie einen gewissen industriellen Aufschwung. 1867 wurde ein Amtsgericht eingerichtet. Die Garnisonsstadt wurde zudem zu einem beliebten Alterssitz, wovon noch heute zahlreiche schöne Villen künden. 1910 wurden die westliche Vorstadt Alt-Hadersleben und die südliche Vorstadt Süderotting eingemeindet. Ein Nachteil war, dass man 1864 die Haupteisenbahn von Hamburg nach Fredericia an der Stadt vorbei gebaut hatte. Seit 1868 war sie nur mit einer Stichbahn von Vojens mit dieser verbunden. Später entstanden zahlreiche Kleinbahnen.

Geschichte 1921 bis 1970

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kam die Stadt zur I. Zone für die deutsch/dänischen Volksabstimmung über die künftige staatliche Zugehörigkeit Schleswigs. Am 10. Februar 1920 stimmten rund 60 % der Einwohner für Dänemark, und da in Nordschleswig en bloc mit einem Ergebnis von insgesamt 75 % pro Dänemark abgestimmt wurde, gehört die Stadt seit dem 15. Juni 1920 offiziell zum Königreich Dänemark. Der nationale Konflikt war damit jedoch nicht bewältigt, und weite Teile der deutschen Minderheit fanden sich nicht mit der neuen Staatsgrenze ab. Kurz nach der Vereinigung mit Dänemark wurde die Stadt Bischofssitz.

Als am 9. April 1940 deutsche Truppen Dänemark besetzte, kam es in Hadersleben kurzzeitig zu Kampfhandlungen, bei denen einige dänische Soldaten ums Leben kamen. Die Grenze wurde jedoch nicht verschoben. 1943 erklärte der in Opposition zur Minderheitenführung stehende "Haderslebener Kreis" seine Loyalität gegenüber dem dänischen Staat. Mit dem Kriegsende verschob sich die Grenzfrage eine Zeitlang nach Süden. Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen beendeten 1955 jedoch den deutsch-dänischen Konflikt. Heute gibt es in der Stadt eine deutsche Schule, einen deutschen Kindergarten und mehrere deutsche Vereine.

Die größte Tragödie in der jüngeren Geschichte der Stadt geschah 1959, als das Ausflugsschiff Turisten auf dem Haderslebener Damm in Brand geriet. 57 Menschen starben in den Flammen oder ertranken.

Geschichte nach 1970

Wirtschaftlich nahm die Stadt weiter Aufschwung und dehnte sich immer weiter aus. Neue Industriegebiete entstanden im Nordwesten und im Süden der Stadt.

1970 wurde die Stadt mit den Gemeinden Moltrup, Wonsbek, Aastrup, Oesby, Halk, Grarup, Starup, Wilstrup und Hoptrup und den Resten von Alt-Hadersleben zur neuen Kommune Hadersleben zusammengelegt. 2007 folgen die Kommunen Gram und Vojens sowie die Kirchspiele Bevtoft, Hjerndrup, Bjerning und Fjelstrup. Die Einwohnerzahl der neuen Großkommune Hadersleben beträgt damit 56.000.

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl der Kommune (jeweils zum 1. Januar):

Sehenswürdigkeiten

Verkehr

Die Nord-Süd-Autobahn E 45 führt seit 1978 etwa acht Kilometer westlich an der Stadt vorbei und ist über drei Anschlussstellen zu erreichen. Die frühere A 10 führt unter Umgehung der Altstadt als Landesstraße 170 ebenfalls in Nord-Süd-Richtung durch die Stadt. Hadersleben hat eine Schnellbusverbindung mit Sonderburg und Vejle und stündliche Überlandverbindungen nach Nord und Süd, während die Ost-West-Verbindungen dünner sind.

Um kostspielige Kunstbauten im hügeligen Terrain zu vermeiden, wurde die Haupteisenbahn von Hamburg über Flensburg nach Fredericia 12 km westlich an der Stadt vorbei gebaut. Die schon 1868 eröffnete Stichbahn von Vojens nach Haderslev dient seit 1974 nur noch als Museumsbahn, so dass der Bahnhof der Stadt Haderslev in Vojens liegt. Die zahlreichen Schmalspurstrecken der Haderslebener Kreisbahn wurden bereits in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre eingestellt, zuletzt 1939 die Verbindung nach Toftlund.

Bildung und Kultur

Partnerstädte

Söhne und Töchter der Stadt

Koordinaten: 55° 15' N, 9° 30' O