Technokultur
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Technokultur

Die Technokultur ist eine Jugendbewegung die sich während der 1990er Jahre entwickelte und beschreibt die Subkultur um die Musikrichtung Techno und Elektronische Musik. (Ferner existiert - in Anlehnung an technoculture aus dem englischsprachigen Raum - unter dem gleichen Begriff eine Diskussion an der Schnittstelle von Techno- und Kulturwissenschaften darüber, inwieweit durch neue Technologien die allgemeinen Lebensweisen immer stärker geprägt und verändert werden.)

Inhaltsverzeichnis

Philosophie und Ideologie

Im Vordergrund der Technoszene steht Elektronische Musik, die aufgrund ihrer rhythmisch-monotonen Struktur oder ihrem sphärischen Klang an alte Stammesrituale erinnert. Tanz und Ekstase sind auch hier wichtige Bestandteile. Die weitgehend textfreie, manchmal auch melodiefreie Musik eröffnet in ihrer Abstraktheit unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten. Die Technoszene betrachtete sich von Anfang an als friedliche Bewegung, in der Toleranz und Akzeptanz, aber auch Hedonismus große Bedeutung zugeschrieben bekamen: Viele unterschiedliche Menschen vereint von der Begeisterung für eine gemeinsame Musik. Viele Veranstaltungen griffen Themen der Hippie-Bewegung auf, wie „Summer of Love“ oder „Woodstock-Festival“. Unter anderem durch die Loveparade entstand schnell das Motto Love, Peace & Unity. Andere interpretierten Techno als Pop-Avantgarde, als Weiterentwicklung von Innovationen, die die Futuristen, die Konkrete Musik und die Atonal-Festivals vorbereitet hatten.

Im Rahmen der Kommerzialisierung stellten sich auch in der Einstellung zur Musik Veränderungen ein, die innerhalb der Clubszene kontrovers diskutiert wurden. An die Stelle der oben genannten Philosophien trat zunehmend eine Haltung des stimulierten Konsums, nach dem Motto „Höher, Schneller, Weiter“. So etablierten sich auch in der Technokultur schnell charakteristische Muster, die oft mit den Schlagworten Erlebnis- oder Spaßgesellschaft zusammengefasst wurden (zum Teil als Kompensation zur modernen Leistungsgesellschaft interpretiert). Ihre Prioritäten liegen stärker auf Freizeitkonsum und Unterhaltung. Mit schrillen und farbenfrohen Outfits heben sie sich von der Elterngeneration ab und wollten Lebensfreude zum Ausdruck bringen. Technologie und Energie zählten zu den grundlegenden Elementen der Bewegung.

Während Techno 1994 als neue Jugendkultur besonders stark an Popularität gewann, wurde von Jürgen Laarmann und DJ WestBam der umstrittene Begriff "Raving Society" verkündet, mit der Vision die Technokultur durch weiteren Zuwachs auf die gesamte Gesellschaft übertragen zu können.

Veranstaltungen

Aufgrund der Bedeutung von Ekstase und Tanz in der Techno-Kultur haben sich auch Tanzveranstaltungen (Partys: Partys in Clubs, Open-Air-Partys, Spontan-Partys, Raves etc., siehe unten) zu den charakteristischsten Veranstaltungsarten der Techno-Szene entwickelt. Im Vergleich zu anderen Jugend-Musik-Kulturen spielt die Veranstaltungsform des Konzerts im Techno-Bereich kaum eine Rolle.

Mit den Ursprüngen der Techno-Bewegung sind vor allem Partys in kargen Räumen mit düsterer Atmosphäre, Industrie-Charakter und wenig Einrichtung verbunden, wie zum Beispiel dunkle Keller, leerstehende Lagerhallen und alte Fabrikgelände. Die Örtlichkeiten werden Techno Clubs oder einfach „Clubs“ genannt. Erstmals wurden hier verschiedene Tracks nicht nacheinander abgespielt, sondern von einem DJ auf gleiche Geschwindigkeit gebracht und zusammengemixt. Die Clubs sind oft nach dem früheren Zweck der Räumlichkeiten benannt, wie Tresor (Tresorräume des Kaufhauses Wertheim), Bunker, Rohstofflager oder E-Werk. Sie sind mit ihren regelmäßigen Veranstaltungen noch heute eine wichtige Institution der Technokultur.

Techno-Veranstaltungen haben aufgrund der monotonen Musik und des Drogenkonsums starke Ähnlichkeiten mit ethnischen Trance- und Tanzritualen. Gefeiert wird länger und exzessiver als in gewöhnlichen Diskotheken. So entwickelten sich auch schnell sogenannte Afterhour-Veranstaltungen, die im Anschluss an die eigentliche Party beginnen und besucht werden, um die Nacht ausklingen zu lassen oder noch weiter hinauszuzögern.

Mit dem sehr schnellen Wachstum der Szene gab es zusätzlich immer häufiger große Einzelveranstaltungen, sogenannte Raves wie die Mayday, die Nature One auf der Raketenbasis Pydna bei Kastellaun und die Timewarp.

Bei der Beurteilung dieser Veranstaltungen gehen die Meinungen in der mittlerweile sehr vielfältigen Technoszene sehr weit auseinander. Manchen sind diese zu kommerziell, allerdings werden unterschiedliche Raves sehr unterschiedlich beurteilt. Kritisiert wird auch die so genannte Ballermann-Mentalität auf manchen Raves. Kritiker bevorzugen häufig kleine ("undergroundigere") Clubs.

Freeteknoparty

Im Gegensatz zu den profitorientierten „Rave-Veranstaltungen“ stehen die Festivals und Partys der Freetekno-Szene. Solche Freetekno-Partys oder -Festivals werden von Freetekno Soundsystemen veranstaltet und unterscheiden sich auch in der gespielten Musik von den anderen Techno-Genres, wobei allerdings eine Anlehnung zu Acid Techno erkennbar ist. Die meisten dieser Veranstaltungen werden im Schneeballsystem angekündigt, um einem Zugriff durch die Polizei vorzubeugen, da sie meist keinerlei Sicherheits- oder anderen gesetzlichen Auflagen nachkommen und daher behördlich nicht genehmigt sind. Nur verhältnismäßig wenige Freetekno-Partys werden einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, wie zum Beispiel die großen jährlichen Festivals CzechTek, SouthTek oder FranceTek. Zwar können somit wesentlich mehr Besucher angezogen werden, doch ist eine Konfrontation mit staatlichen Sicherheitsbehörden meist vorprogrammiert.

Eine weitere Veranstaltungsart sind Technoparaden, die tagsüber in Form einer Massenkundgebung auf der Straße von Großstädten stattfinden und vielerorts als Demonstration (meist für Frieden und Toleranz) deklariert werden. Ursprung und prominentestes Beispiel ist die Loveparade. Die Beurteilung solcher Veranstaltungen spaltete die Geister in der Szene und in Berlin wurde sogar eine Gegenbewegung (die Fuckparade) ins Leben gerufen.

Insgesamt drei Mal fand im E-Werk 1994-1996 die Veranstaltung Chromapark als Ausstellung, Messe und Party statt, wobei Techno-Kunst und visuelle Gestaltungsformen der Technokultur präsentiert wurden.[1][2]

Einflussreiche Clubs

Stars

Nach dem Personenkult in der Rock-Szene gab es viele Musiker, die sich von jener Starattitüde entfernen wollten. Die gesamte Aufmerksamkeit sollte der Musik gelten und nicht dem Musikproduzenten. Viele Künstler verwendeten für unterschiedliche Veröffentlichungen auch unterschiedliche Namen und verhinderten so, dass sie als Personen bedeutend wurden.

Stattdessen wurde der Disc-Jockey zum Held der tanzenden Menge. Auffallende Persönlichkeiten wie Sven Väth standen schnell im Mittelpunkt. Trotz der eigentlichen Absicht und den Bemühungen der Urväter entstand schnell eine Szene mit einem Personenkult, der den früheren Rock-Stars in nichts nachstand.[3]

Tonträger

Da die Musik meist vom DJ präsentiert und überwiegend im Underground zelebriert wurde, erschienen die ersten Platten meist nur in kleiner Auflage und waren großteils ausschließlich auf Vinyl erhältlich. Durch das Mitschneiden von ganzen DJ-Sets auf Musikkassetten wurde das sogenannte Mixtape ein begehrtes Objekt. Mit dem Datenformat MP3 entstanden die ersten Netlabels, deren Künstler ihre Musik zum freien Download zur Verfügung stellten. Neben der altbewährten Schallplatte nutzen viele DJ's heute mittlerweile auch Programme wie Final Scratch um MP3-Dateien zu mixen.

Kleidung

In ihren Anfängen war die Szene durch individuelles Auftreten und ausgefallene Bekleidungsideen geprägt. Beliebte Themen waren Plastik-Ästhetik, verschiedene Fetisch-Stile, 70er-Jahre, Second-Hand-Optik, Retro-Sportkleidung und Science Fiction. Auf frühen Partys wurden Schutzanzüge oder orange Warnwesten und Atemschutzmasken getragen und mit Accessoires wie Staubsauger und selbstgebastelten Brillen aus Küchensieben kombiniert. Einflussreich war hierbei die Britische Band Altern 8 die sich während ihrer Live-Auftritte und Videos stets in entsprechendem Outfit präsentierte. Bald waren in der Mode auch 70er-Jahre Sportanzüge, Second-Hand-Schlaghosen und andere Elemente der o.g. Themen vertreten. Nach 1992 entwickelten sich daraus erste kommerzielle Mode-Trends, die von der Bekleidungsindustrie aufgegriffen und unter dem Begriff Clubwear oder Streetwear angeboten wurden. Bei Clubwear handelt es sich seitdem immer öfter um teure Markenartikel, kombiniert mit einer ganzen Palette an Accessoires. Entsprechend nahm die Vereinheitlichung der getragenen Kleidung immer mehr zu. Gegen Mitte der 90er trugen viele Partygänger bei den großen Raves einen Einheitslook aus weißen Handschuhen, Schnullern, Trillerpfeifen, langen Zipfelmützen, hohen Hüten und Hosen mit Schlag. Aber auch auf kleineren Partys in den Clubs begann sich schleichend und zeitverzögert ein gleichförmiger Stil aus enganliegenden Nylon-Shirts, engen Nylon-Steppwesten, Schlaghosen, Neopren-Jacken und Plateau-Schuhen zu etablieren und individuellere Kleidungsstil-Varianten mehr und mehr abzulösen. Verbreitete Zubehörartikel waren Arm- und Halsbänder, Ringe und UV-Knicklichter (auch als „Glowsticks“ bezeichnet, wurden beim Tanzen benutzt um Figuren darzustellen). Beliebte Marken waren beispielsweise Meucci, Amok, JP, Cordon, Freeman T.Porter, PsychoCowboy bei Kleidung, S-Wear oder Buffalo bei Schuhen. Diese Form der Kleidung sorgte jedoch innerhalb der Szene für einige Kontroversen bezüglich Kommerz, Underground und Individualität.

Auch entwickelten sich unterschiedliche Dresscodes für die verschiedenen Unterbereiche der Szene. So kleidete sich zum Beispiel der typische Gabber-Anhänger deutlich anders als der typische Raver, aber es blieben gemeinsame Grundzüge erkennbar.

Design

Auch im Design, insbesondere im Grafikdesign, entwickelte die Techno-Kultur bald eine eigene Sprache, die bereits zu Beginn der 1990er Jahre Eingang in andere Kulturbereiche fand und aus der kurz darauf eine ganz eigene Techno-Kunst entstand. Der Ursprung dieser Welle war die Gestaltung der Flyer, der „Programmzettel“ der Techno-Veranstaltungen und Techno-Clubs. Diese waren zu Beginn zwar noch mit wechselhaften, ausgefallenen Motiven bedruckt, bald bildete sich jedoch ein eigener Stil mit eigenen Schrifttypen heraus. Zunächst wurden dabei aufwendige Computeranimationen mit typisch synthetischen Farben (zum Beispiel grelle Neontöne) bevorzugt, begleitet von Schrifttypen, die eckige, ebenfalls technisch-„computerhafte“ Formen aufwiesen.

Parallel dazu entwickelte sich ein minimalistischer Stil, in dem die Gestaltungselemente auf ein Minimum heruntergefahren wurden und in denen Schwarz-Weiß und nur zwei- oder dreifarbige Gestaltungen eine Rolle spielten; die Schrifttypen dieser Bewegung waren ähnlich simpel wie die früherer Computer. Auch gab es Richtungen, die sehr eigene Design-Stile entwickelten, wie etwa die Hardcore-Techno-Sparte, die sich am Design von Horrorfilm-Kinoplakaten und Horror-Comic-Bereich orientierten, oder die vom „psychedelischen“ Design der 1960er Jahre beeinflusste Psytrance-Bewegung.

Ab etwa 1995 vervielfältigten sich die Stilformen im Techno-Design allerdings deutlich; es wurden zudem vermehrt „Retro“-Elemente eingebaut, die an frühere Epochen erinnern.

Um welche Stilrichtung des Techno es sich handelt, ist daher häufig bereits am Design zu erkennen. Minimalistische, Schwarz-Weiß Designs deuten meist auf Acid Techno oder Freetekno-Veranstaltungen hin, während aufwändig und futuristisch gestaltete Flyer, mit Einsatz von Farben und Science-Fiction-ähnlichen Gestaltungselementen, und manchmal auch Fotos von Models oder DJs, meist auf Veranstaltungen des Hardtechno- oder Schranz-Stils hinweisen. Die Goa-Szene verwendet gerne indische Motive und psychedelische Muster.

TV und Rundfunk

1990 ging Marusha erstmals mit Dancehall bei DT64 auf Sendung. Dancehall war eine der ersten Techno-Musik-Sendungen im deutschen Radio. Auch moderiert sie bis heute die Sendung Rave Satellite auf Fritz. Ellen Allien hatte bis 1997 auf dem Radiosender Kiss FM ihre eigene Show mit dem Namen Braincandy. Die Hr3 clubnight konzentrierte ihr Programm zunehmend auf DJ-Sets im Bereich House, Techno und Trance. Mitte der 1990er Jahre war die Musikkultur bereits so etabliert, dass erstmals entsprechende Fernsehformate entstanden. Marusha moderierte das Jugendmagazin Feuerreiter, welches erst im ORB, und anschließend in der ARD ausgestrahlt wurde. Der Jugendsender VIVA startete die Sendung Housefrau mit den DJs Mate Galić und Sabine Christ und sendete regelmäßig live von der Mayday. Bekannt war auch der von Piet Blank (Blank & Jones) moderierte "Partyservice" auf 1Live, der später dann auch von Moguai moderiert wurde. Die Space Night auf dem BR wurde durch die Umstellung auf Chill-Out- und Ambient-Musik zum beliebten Nachtprogramm der Technoszene. Jährlich wurde auch erst auf Lokalsendern und später auch im Privatfernsehen live von der Loveparade übertragen. 1997 ging Evosonic als erste Radiostation über Satellit auf Sendung, die sich ausschließlich elektronischer Musik widmete. Heute gibt es eine Vielzahl von Webradios, die sich auf ganz spezielle Sparten elektronischer Musik spezialisieren.

Bedeutende Magazine

Frontpage war die erste Zeitschrift die sich ausschließlich der Musikkultur Techno widmete. Als stilprägend gilt auch das erstmals 1992 erschienene 1000 Clubzine. Es folgten die Groove und die Raveline die sich anfangs alle ausschließlich durch Werbung finanzierten und kostenlos auf Technopartys, in Clubs oder Szeneläden erhältlich waren. Aufgrund einer wöchentlichen Flut von Flyern entstand die Idee, diese in einem Heft im Din-A5-Format zu sammeln und mit Informationen und Artikeln zu ergänzen. So entstanden die Magazine Flyer und Partysan, später auch der sub culture und speziell für die Goa-Szene der Mushroom. Nach dem Konkurs der Frontpage gründete ein Teil der Redaktion später das Magazin de:bug.

Underground und Kommerzialisierung

Wie die meisten Jugendkulturen entstand auch die Technobewegung als Ideologie. Lange Zeit hatte die Szene jedoch mit der Kommerzialisierung ihrer Kultur zu kämpfen. Die Musik fand immer größeren Zulauf. Schnell wurde das kommerzielle Potenzial der Szene entdeckt und ausgeschöpft. Großanlässe wurden von namhaften Firmen gesponsert und fanden in modernen Messehallen oder auf Open-Air-Arealen statt. Neben den Tanzflächen bzw. -hallen (sogenannte „Floors“) wurden weite Bereiche für Merchandising genutzt oder an Verkäufer (DJ-Bedarf, Mode usw.) vermietet. Unzählige Jungunternehmer versuchten als Veranstalter Fuß zu fassen, um an „das große Geld“ zu kommen. Konkurrierende Raves warben sich gegenseitig die Besucher ab und es häuften sich Pressemitteilungen über Organisatoren, die mit unlauteren Mitteln arbeiteten. Viele Unternehmen kopierten Musik und Kleidung der Szene um sie massenkompatibel zu vermarkteten. Mit dem Zuwachs der Besucherzahlen der Loveparade und den steigenden Kosten wandelte sich die Parade im Lauf der Jahre zu einem Volksfest. Mit der Assoziation von Techno und Energie ließen sich Energy-Drinks auf Raves besonders gut verkaufen, woraufhin eine Vielzahl von mit Guarana, Koffein oder Taurin angereicherten Getränken entwickelt wurde. Kritisiert wird oft das Verschwinden früherer, revolutionärer Ideale mit dem zunehmenden kommerziellen Ausverkauf der Jugendkultur, sowie dem damit zusammenhängenden Qualitätsverlust von Musik und Veranstaltungen. Heute sind die Grenzen zwischen der kommerziellen Szene und dem Underground klarer abgesteckt. Während erfolgreiche, kommerzielle Labels und Veranstalter auf bewährte Verkaufskonzepte und eine ganz bestimmte Zielgruppe setzen, hat sich besonders in Großstädten eine alternative Szene verfestigt, die sowohl ursprüngliche Elemente beibehält als auch weiterhin als innovativer Motor der Bewegung fungiert.

Politik

Lange Zeit wurde die Frage diskutiert inwieweit die Technobewegung politische Inhalte transportiere oder lediglich eine Spaßbewegung darstelle[4]. Ausschlaggebend hierfür war vor allem die Loveparade, die elf Jahre lang als angemeldete Demonstration genehmigt wurde und 2001 wegen angeblich fehlenden politischen Inhalten ihren Demonstrationsstatus aberkannt bekam. Daraufhin wurde auch der Fuckparade dieser Status aberkannte, obwohl deren politische Motivation zumindest innerhalb der Technoszene im Gegensatz zur Loveparade nicht umstritten und die politischen Forderungen eindeutig formuliert waren, da diese das Konzept mit den musikalisch beschallten Wagen übernommen hatte. Während sich die Loveparade anschließend offiziell als kommerzielle Veranstaltung weiterentwickelte, wurde die Fuckparade spätestens nach einem Urteil vom 16. Mai 2007 vollständig als politische Demonstration akzeptiert[5] die sich vor allem für den Erhalt subkultureller Freiräume engagiert und zudem zu Demonstrationen gegen unter anderem Rechtsextremismus, Prekarisierung und staatliche Repressionsmaßnahmen mobilisierte.[6] Auch der Tanz etablierte sich zunehmend als Ausdrucksform subkultureller Bewegungen um auf politische Missstände aufmerksam zu machen.

Technowagen der Hedonistischen Internationalen auf einer Großdemonstration

So tritt seit 2006 häufig auch das Netzwerk Hedonist International sowohl als linkspolitisches als auch der Techno- und Partyszene verbundenes Aktivistennetzwerk bei politischen Veranstaltungen auf um die Freude am Protest zu betonen.

Während die subkulturelle Musikkultur Gabber, wie die gesamte Technoszene auch, keine politische Bewegung darstellt, fanden sich hier jedoch zunehmend sowohl Anhänger aus der rechtsextremen Szene, als auch Linksradikale und Autonome. Ebenso bildet Gabber die zentrale musikalische Ausdrucksform der Fuckparade. Zu den bekannten Vertretern des Gabba, Hardcore Techno und Breakcores aus dem linksradikalen Spektrum zählen beispielsweise die Mitglieder der Band Atari Teenage Riot.

Ebenso der autonomen Bewegung angehörig ist die Freetekno-Szene welche eine Gegenvariante der kommerziellen Rave- und Techno-Bewegung darstellt und von Einflüssen aus der Hippiebewegung geprägt wurde.

Drogen

Kritiker meinen, Designerdrogen wie Ecstasy und Amphetamine seien untrennbar mit der Techno-Szene verbunden. Die Menge an illegalen Substanzen, die Behörden bei Razzien an Techno-Partys Anfang der 1990er beschlagnahmt hatten, löste in den Medien eine hitzige Debatte aus[7]. Infolgedessen begannen Vereine wie Eve&Rave und Veranstalter mit Aufklärungskampagnen über die Risiken und Gefahren der Designerdrogen, richteten an Großveranstaltungen Informationsstände ein und verteilten Merkblätter (siehe Drugchecking).[8] Mit der zunehmenden Popularität und Chartpräsenz von Techno-Veröffentlichungen ebbte das Thema nach und nach ab.

Lokale Technoszenen

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Berlin

In Berlin wurde die Technoszene stark vom Fall der Mauer geprägt. Hier lebt die Szene überwiegend im Osten der Stadt. Nach der Wende standen viele Häuser und Industriehallen leer, hatten keine geklärten Besitzverhältnisse und boten somit viel Raum für neue Ideen. Die Aufbruchstimmung vieler Neu- und Ostberliner förderte die Entwicklung der neuen Musikrichtung und ihrer Infrastruktur stark. Frühe erste Techno-Clubs, die die Szene Bundesweit beeinflussten, waren das Planet, das E-Werk, der Tresor und der Bunker.[9] Aufgrund der nicht vorhandenen Sperrstunde können die Veranstaltungen länger gehen als in anderen Regionen. So entwickelten sich auch schnell erste reine Afterhour-Clubs wie der Walfisch oder das EXIT. Bereits früh eröffneten auch erste Techno-Clubs, deren Konzept betont auf sexueller Freizügigkeit und Fetischismus lag (siehe KitKatClub). 1989 zog erstmals die Loveparade über den Kurfürstendamm, die später maßgeblich zu dem Ruf Berlins als Techno-Hauptstadt beitrug. Das Hardwax gilt als einer der ersten und best sortierten Plattenläden mit elektronischer Musik und zentraler Treffpunkt der Szene und wurde weltweit bekannt. Der typische Berliner Technosound bewegt sich betont zwischen Minimal Techno und Minimal House. Oft wird in diesem Zusammenhang das Label BPitch Control von Ellen Allien erwähnt. Im Vergleich zu anderen Städten sind alternative Subkulturen der Technoszene hier besonders ausgeprägt. Größere und kommerziellere Veranstaltungen locken meist Raver aus dem Umland. Gegenwärtige wichtige Clubs sind u. a. das Berghain, der Tresor (Club), das Watergate und der Arenaclub. Zu einer besonders beständigen Veranstaltung zählten die Montagabende des Electric Ballrooms im SO36 die von 1995 bis 2005 wöchentlich und auch später noch unter anderem Namen vereinzelt stattfanden.
[10]

Frankfurt am Main

Neben Berlin entwickelte sich in Frankfurt am Main während der 1990er Jahre zu einer wichtigen Metropole der Bewegung, konnte Berlin jedoch nie seinen Ruf als Techno-Hauptstadt abringen, worauf später viele Labels, Musiker und Zeitschriftenredaktionen ihren Sitz nach Berlin verlegten. 1984 eröffnete Talla 2XLC den Technoclub als erste Diskothek in Deutschland, die sich ausschließlich auf elektronische Musik konzentrierte. Aus dem Flyer des Clubs entstand später die Frontpage als wichtigste Zeitschrift der Bewegung. Wichtige Clubs der Anfangszeit waren das von Sven Väth betriebene und für seine exzessiven Nächte bekannte Omen, das Dorian Gray, welches sich besonders durch seine Afterhour-Veranstaltungen einen Namen machte und das XS (später Box), das vor allem eine Plattform für House und Drum'n'Bass bot. Als die Szene noch nicht so stark durch ihre Subkulturen geteilt war, gab es oft die Tendenz freitags härteren Techno in den Clubs zu spielen und samstags auf softere Houseklänge auszugehen. Aus Labels wie Harthouse und EyeQ entwickelte sich die dritte Stufe des Sound of Frankfurt. Einflussreiche DJs und Vertreter dieses Sounds waren Sven Väth, Mark Spoon und DJ Dag. Wichtige Clubs sind momentan das U60311 und der Cocoon Club. Führender Szeneladen ist seit 1991 das Delirium, das sich auf den Vertrieb von Schallplatten und Clubwear spezialisiert. Heute ist Frankfurt auch geprägt vom Schranz und Harttechno durch die DJs Chris Liebing sowie Felix Kröcher (beide im U60311)

Köln und Bonn

1988-89 gab es in Köln den Rave Club, vermutlich der erste Kölner Club in dem House gespielt wird.

1990 eröffnet der "Space Club", u.a. mit Roland Casper als Resident-DJ.

1991 eröffnete in Köln das Warehouse als einflussreicher Techno-Club, musste jedoch nach einer Razzia 1994 seinen Betrieb wieder einstellen. Als charakteristischer Sound aus Köln wird oft Minimal Techno und Minimal House genannt. Großen Einfluss hat hier das Label Kompakt.

In Bonn begründet Caspar 1993 im Ballhaus (später slam club) den Psycho Thrill.

München

Während der Acid-House-Welle eröffnete Gary Winter Ende der 1980er Jahre die Eta-Halle in München als einen der ersten Underground-Clubs für elektronische Tanzmusik. Im Tanzlokal Größenwahn veranstaltete DJ Hell ab 1990 erste Technopartys. Das Afterhourkonzept wurde zu dieser Zeit erstmals im Babalu umgesetzt. Hier entstanden auch die Veranstaltungsreihen Technomania und Technodrome sowie der Recordstore von Dj Tommy Reichhold und Dj Woody. 1992 eröffneten die Hallen des alten Flughafens München Riem wo unter anderem auch die Rave City-Veranstaltungen stattfanden. Als einflussreiches Label elektronischer Tanzmusik wurde Disko B 1993 von Peter Wacha gegründet, der ein Jahr später das Ultraschall in der ehemaligen Waschküche des Flughafengeländes als ersten Techno-Club eröffnete. 1993 eröffnete auch die Münchener Filiale des Delirium als erster Techno-Store. Nach der Schließung des Babalu wanderten die sonntäglichen Afterhours in die Halleluja-Halle aus der später der Tempel entstand. Beliebter Szenetreffpunkt und Veranstaltungsort war in dieser Zeit auch der Pulverturm. 1994 erschien erstmals die Münchner Ausgabe des Partysan. Legendär waren zu dieser Zeit auch die Ritual of life-Veranstaltungen von Sven Väth. 2003 eröffneten die Ultraschall-Betreiber das Harry Klein in der Friedenstraße, bzw. die Rote Sonne am Maximiliansplatz. Einflussreiche Musiker der Region sind DJ Hell und Acid Maria.

Rhein-Neckar-Kreis

Im Rhein-Neckar-Kreis ist die Technoszene relativ homogen. Parallel existiert hier eine ausgeprägte Jungle- und Drum'n'Bass-Szene, die sich schon sehr früh an englischem Hardcore orientierte und maßgeblich zur Entwicklung in Deutschland beitrug.[11] Aufgrund der Sperrstunde und strenger Drogenpolitik haben Techno-Veranstaltungen und Clubs hier oft nur eingeschränkte Möglichkeiten. Aufgrund offensiven Vorgehens der Behörden gegen Raves verabschiedete sich auch die erfolgreiche Veranstaltungsreihe Time Warp vorübergehend aus der Region. Frühe Clubs und Veranstaltungsorte waren das Milk! in Mannheim, das Normal in Heidelberg und das Loft sowie die Walzmühle in Ludwigshafen. Als einflussreicher Plattenladen stammt das Humpty aus dieser Region. Maßgeblich beteiligt an der musikalischen Entwicklung der Szene waren DJs wie Move D, Groover Klein, D-Man und Bassface Sascha.

Oberösterreich

Zwar gab es in Österreich, geschweige denn Oberösterreich, keine nennenswerten kommerziell erfolgreichen Techno-DJs, doch entwickelte sich im Großraum Linz um 1994 herum eine lokale Technoszene. Neben Linz, unter anderem in der Stadtwerkstatt, spielte auch die ehemalige Fabrikhalle der Kaolinwerke Kamig in Schwertberg, welche unter dem Namen „Kanal“ als Veranstaltungsort bekannt wurde, eine wichtige Rolle. Oberösterreichische Techno-Kollektive, welche man heute als Freetekno Soundsysteme bezeichnen würde, entstanden einige, und waren auch im benachbarten Ausland sowie Frankreich auf Technopartys vertreten,wie „Uran-C“, „Wako“ und „Teamtrash“.

Spielfilme

Der Spielfilm Human Traffic von dem Regisseur Justin Kerrigan, stellt auf parodistische Art die britische Raveszene dar.

Literatur

Quellen

  1. Die Techno-Messe Chromapark '95 stößt auf große Resonanz Berliner Zeitung vom 19. April 1995
  2. Chromapark '96 startet am Donnerstag - Zehn Tage Techno-Art und Party Berliner Zeitung vom 2. April 1996
  3. Techno-Soziologie: Erkundungen einer Jugendkultur, Seite 238
  4. Die Ravende Gesellschaft - Was ist an Techno politisch? fluter.de Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung
  5. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Mai 2007
  6. Fuckparade, Pressemitteilungen
  7. Ecstasy - Wie gefährlich ist die „Glückspille“? Focus-Artikel und Titelschlagzeile vom 10. Juni 1996
  8. Technoparty, Technokultur und Drogenprävention eve-rave.net
  9. Hauptstadt der Rave-Nation Berliner Zeitung vom 7. Juli 1995
  10. Berliner Rave-Kultur Spiegel vom 14. Juli 2007
  11. Das Breakbeat Phänomen - 10 Jahre Drum'n'Bass in Mannheim (Erscheinen im Februar 2002 im Mannheimer Stadtmagazin "Meier")