Deutsche Volkspartei
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Deutsche Volkspartei

Dieser Artikel befasst sich mit der Deutschen Volkspartei der Weimarer Republik, für die Deutsche Volkspartei im Deutschen Kaiserreich siehe Deutsche Volkspartei (Deutsches Kaiserreich)

Die Deutsche Volkspartei (DVP) war eine nationalliberale Partei der Weimarer Republik.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gründung

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und dem Ende des ersten Weltkrieges kam es auch zu einem Umbruch in der deutschen Parteienlandschaft. Während die SPD und das ZENTRUM weiter bestanden, trat die DNVP das Erbe der Konservativen Partei an. Auf der radikalen Linken gab es - bevor sich 1919 die KPD aus dem Spartakusbund gründete - die SPD-Abspaltung USPD. Die NSDAP kam auf der extremen Rechten erst später zu Bedeutung, aber es gab auch dort bereits Parteigründungen.

In der politischen Mitte bestanden sowohl in der Nationalliberalen Partei, als auch in der Fortschrittlichen Volkspartei starke Bestrebungen, die historische Spaltung zwischen "Demokraten" und "Liberalen" zu überwinden und eine große bürgerlich-demokratische Partei zu bilden. Hjalmar Schacht, Alfred Weber und Theodor Wolff waren treibende Kräfte. In den ersten Tagen der Revolution sprachen auch die Parteiführer Gustav Stresemann (Nationalliberale) und Otto Fischbeck (Fortschrittliche) über derartige Möglichkeiten. Am 15. November 1918 begannen Verhandlungen zwischen beiden Parteien und noch am selben Tage hatte man sich auf ein Programm geeinigt, bei dem die Nationalliberalen erhebliche Zugeständnisse machen mussten, so wurde ihr ein Bekenntnis zur Republik als zukünftiger Staatsform abverlangt. Am 16. November wurde von Vertretern beider Parteien ein "Aufruf zur Bildung einer Deutschen Demokratischen Partei" veröffentlicht. Es schien erstmals eine Vereinigung der bürgerlich-demokratischen Kräfte in Deutschland zu geben. Als Stresemann bei Alfred Weber anfragte, ob er in den Vorstand der neuen Partei aufgenommen werden könne, äußerte dieser Bedenken, da Stresemann als Annexionspolitiker bekannt geworden sei. Gegen eine aktive Mitarbeit und auch eine Kandidatur zur Weimarer Nationalversammlung sei jedoch nichts einzuwenden.

Die weiteren Verhandlungen über die Fusion am 18. und 19. November 1918 scheiterten schließlich an der Person Stresemann, die Masse der nationalliberalen Vorstandsmitglieder war nicht bereit, ihren politischen Kopf und begabtesten Rhetoriker fallen zu lassen. Daraufhin verfasste Stresemann am 20. November gemeinsam mit R. Friedberg, P.W. Vogel und Otto Hugo einen Aufruf zur Bildung der Deutschen Volkspartei, die sich schließlich am 22. November 1918 vorläufig und am 15. Dezember 1918 endgültig durch Beschluss des Zentralvorstandes der bisherigen Nationalliberalen Partei gründete. Dabei legte sie Wert darauf, sich nicht als Neugründung zu verstehen, sondern bloß eine Umgründung der bisherigen Nationalliberalen Partei zu sein, so Stresemann auf dem DVP-Reichsparteitag 1926 in Köln. Der Vorstandsbeschluss kam dabei mit 33:28 Stimmen nur knapp zustande. Zwischen beiden Daten lagen weitere Einigungsversuche mit der DDP, die jedoch scheiterten. Stresemann wurde (bis zu seinem Tod 1929) Parteivorsitzender.

Aufbau und Konsolidierung

Obwohl die Partei zunächst die Weimarer Verfassung ablehnte, war die DVP von 1920 bis 1931 an fast allen Reichsregierungen beteiligt. Dies lag vor allem in der Rolle Stresemanns begründet. Stresemann selbst war zwar ebenfalls Monarchist, erkannte aber, dass eine Rückkehr zur Monarchie nur über einen Putsch mit anschließendem Bürgerkrieg zu erreichen wäre, ein Weg, den er entschieden ablehnte. So erklärte er auf dem Parteitag in Jena am 13. April 1919 u.a.:

Wir dürfen nicht von einem Blutbad zum anderen schreiten. (...) Der Weg zu innerer Ruhe kann nur gehen auf dem Boden republikanischer Staatsform. Deshalb arbeiten wir an ihr mit. (zit. nach Schelm-Spangenberg, siehe Literatur)

Zunächst hatte dieser Spagat - Mitarbeit am Aufbau trotz Ablehnung der Republik - Erfolg: Die Volkspartei kritisierte den Versailler Vertrag und die mit ihm verbundenen Belastungen ebenso wie die Steuerpolitik von Matthias Erzberger (ZENTRUM), die insbesondere den Mittelstand belastete. Im Gegensatz zur DNVP war sie dabei nicht destruktiv gegen den Staat gerichtet, sondern verband ihre Kritik mit systemkonformen Reformvorschlägen. Bei der Reichstagswahl 1920 konnte sie sich so auf 13,9% der Stimmen steigern.

Im Juni 1920 beteiligte sich die Volkspartei am Kabinett Fehrenbach. Dort stellte sie mit Rudolf Heinze den Justizminister und Vizekanzler, Ernst Scholz wurde Wirtschaftsminister und Hans von Raumer Schatzminister. Stresemann selbst gehörte diesem Kabinett noch nicht an. Bereits im Mai 1921 schied die DVP mit dem Scheitern des Fehrenbachschen Kabinetts wieder aus der Reichsregierung aus, unterstützte aber die Regierungen des Zentrumspolitikers Joseph Wirth von Fall zu Fall im Reichstag. Als im November 1922 das "Kabinett der Wirtschaft" unter dem parteilosen Wilhelm Cuno gebildet wurde, beteiligte sich auch die DVP mit Rudolf Heinze, der erneut Reichsjustizminister wurde, und Johann Becker (Wirtschaft) wieder an der Regierung. Die Minderheitsregierung (die in der Regierung vertretenen Parteien verfügten nur über 172 der 459 Reichstagssitze) stand von Anfang an unter starken Druck von rechts und links, zumal auch die politischen Verhältnisse (Ruhrbesetzung und Hyperinflation) ihr das Regieren erschwerten.

Nach dem Cunos Regierung an den Verhältnissen zerbrochen war, bildete Stresemann mit Sozialdemokraten, Zentrumspartei und Demokraten am 13. August 1923 die so genannte "Große Koalition" als erste Reichsregierung unter Führung der Volkspartei. Zwar konnte er nur ein Vierteljahr die Regierung führen, aber in dieser kurzen Zeit konnten die ersten Schritte zur Konsolidierung der Weimarer Republik eingeleitet werden. Trotz heftiger Angriffe der oppositionellen DNVP wurde der Widerstand gegen die Ruhrbesetzung abgebrochen und es wurde mit der Einführung der Rentenmark zum 15. November 1923 die Inflation nachhaltig bekämpft.

Nicht nur die Republik hatte sich konsolidiert, sondern auch die Volkspartei. Zwar konnte das Ergebnis von 1920 nicht gehalten werden, aber bei den drei Reichstagswahlen zwischen 1924 und 1928 errang die DVP zwischen 8,7 und 10,1 Prozent.

Trotz der nur kurzen Regierungszeit Stresemanns war die Volkspartei nun endgültig in der Weimarer Republik angekommen und sollte die nächsten acht Jahre eine der tragenden Säulen der Demokratie sein. Stresemann war in den folgenden Kabinetten bis zu seinem Tode stets als Reichsaußenminister vertreten. Handelte es sich zunächst um bürgerliche Kabinette in denen neben der DVP, Zentrum, DDP und Bayerischer Volkspartei zeitweise auch die DNVP vertreten war, so beteiligte sich die Volkspartei von 1928 bis 1930 auch am zweiten Kabinett des Sozialdemokraten Müller.

Abschwung und Ende

Nach Stresemanns Tod übernahm Wirtschaftsminister Julius Curtius das Außenamt. Ernst Scholz wurde Parteivorsitzender. Zwar war die DVP auch noch im ersten Kabinett Brüning vertreten, aber der Abschwung hatte begonnen. Die Reichstagswahl 1930 hatte die Volkspartei auf den Stand von 1919 zurückgeworfen.

Bereits in den 1920er Jahren waren die Politik Stresemanns als auch die Regierungsbeteiligungen stets von einer internen Opposition gekennzeichnet. Stresemanns wichtigster innerparteilicher Gegenspieler war der Großindustrielle Hugo Stinnes. Er und die mit ihm verbündeten Parteimitglieder strebten eine wesentlich engere Kooperation mit der DNVP an, konnten sich angesichts der Konsolidierung von Partei und Republik aber zunächst nicht durchsetzen. Der frühere Reichswirtschaftsminister Johann Becker zog mit weiteren Vertretern des rechten Flügels, wie dem Unternehmer Albert Vögler, 1924 die Konsequenzen und gründete die Nationalliberale Reichspartei, die sich 1925 der DNVP anschloss.

Während die DVP in den 1920er Jahren zu einer der Stützen der Weimarer Republik geworden war, tendierte sie nach dem Tode Stresemanns im Zuge der zunehmenden Radikalisierung des politischen Klimas immer stärker nach rechts und beteiligte sich u.a. in Thüringen an der ersten Landesregierung mit NSDAP-Beteiligung.

Parteichef Scholz, zuvor Fraktionsvorsitzender im Reichstag, gelang es nicht mehr den Einfluss des rechten Parteiflügels einzudämmen. Während sich die Gemäßigten weiterhin bemühten, eine staatstragende Mittelposition im Reich einzunehmen, drängten die Vertreter der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie die Partei mit Erfolg immer weiter nacht rechts. Scholz, ohnehin gesundheitlich schwer angeschlagen, musste schließlich zurücktreten und Ende 1930 den Platz für den Hessen Eduard Dingeldey frei machen. Dieser, ein Vertreter der jüngeren Generation, versuchte zwischen den Parteiflügeln zu vermitteln, um mit einer geeinten DVP den politischen Wiederaufstieg zu schaffen.

Spätestens die Wahlen des Jahres 1932 zeigten allerdings, dass die DVP in puncto Radikalität die DNVP und die NSDAP nicht ausstechen konnte. Sie sank zur Bedeutungslosigkeit herab, was auch durch eine Listenverbindung mit der DNVP für die Reichstagswahl im November nicht mehr verhindert werden konnte. Im Gegenteil: Viele Vertreter des liberalen Flügels, aber auch ein Großteil der Mitglieder des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, die sich aus Ablehnung der Person Alfred Hugenbergs bisher bewusst für die DVP entschieden hatten, verließen die Partei.

Während der stellvertretende DVP-Vorsitzende Otto Hugo bereits im Frühjahr 1933 forderte, die Partei komplett in die NSDAP zu überführen, lehnte Dingeldey dies noch bis zum Juni ab. Erst als ihm selbst mit persönlichen Konsequenzen durch die Nationalsozialisten gedroht wurde, gab er den vom Reichsvorstand am 27. Juni 1933 gefassten Selbstauflösungsbeschluss am 4. Juli 1933 bekannt.

Grundlagen und Programmatik

Ideologische Grundlagen

Der für das politische Denken in der DVP prägende liberale Volksbegriff speiste sich aus Impulsen der Romantik und des Idealismus. Sie verstand sich dabei - wie die Nationalliberale Partei des Kaiserreichs - vor allem als liberale und weniger als demokratische Partei, was sich darin ausdrückte, dass in ihrer Politik die Freiheit des Einzelnen vor staatlichen Eingriffen wichtiger war, als die Durchsetzung von Mehrheitsentscheidungen gegen die Interessen Einzelner. Ihr Menschenbild war durch die zutiefst liberal-elitäre Auffassung geprägt, dass der Einzelne, der sich durch selbst erworbene Bildung und Besitz qualifiziert, besser weiß, was für ihn und damit für die Gesellschaft als Summe aller Individuen wichtig ist, als die rein quantitative Masse. Kehrseite dieser Grundeinstellung war die Forderung an die geistigen und wirtschaftlichen Eliten ihr Handeln an moralischen Maßstäben messen zu lassen und sich aus Verantwortung für die Gesellschaft in den Dienst derselben zu stellen.

Nur aus diesen Grundsätzen lässt sich begreifen, warum die DVP, die als Anhängerin einer aufgeklärten konstitutionellen Monarchie die Weimarer Reichsverfassung abgelehnt hatte, sich spätestens nach dem Scheitern des Kapp-Putsches vollständig auf die Seite der Republik stellte. Stresemann verdeutlichte dies in einer Rede am 25. Oktober 1923, in der der damalige Reichskanzler angesichts der Hyperinflation und des Ruhrkampfes ausführte:

In dieser Not der Gegenwart nenne ich national denjenigen, der, wenn der Karren im Dreck sitzt, die Hand anlegt, um ihn herauszuziehen, aber nicht denjenigen, der daneben steht und sagt: ‚Es hilft ja doch nichts, und ihr seid nicht die rechten Männer, es zu tun.‘


Mitglieder und Repräsentanten

Die Mitglieder und Repräsentanten der DVP, vor allem engagierte, prinzipienorientierte Gelehrte und Beamte, zählten zur gesellschaftlichen Mittel- und Oberschicht. Sie repräsentierten das wohlhabende Bildungsbürgertum, das sich schon im Kaiserreich in der Nationalliberalen Partei zusammengefunden hatte. So gehörten mit Alexander Graf zu Dohna und Wilhelm Kahl zwei bekannte Professoren der DVP-Fraktion in der Nationalversammlung an.

Wahlergebnisse und strukturelle Verteilung

Die DVP hatte ihre Wählerbasis überwiegend in den Groß- und Mittelstädten: So konnte sie bei den Reichstagswahlen 1920 in Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern im Durchschnitt 13,2 % der Stimmen erringen, während sie in kleinen Gemeinden unter 2 000 Einwohnern lediglich 7,2 % der Stimmen erhielt.

In konfessioneller Hinsicht war die DVP eine vorwiegend protestantische Partei. In Gebieten mit sehr hohem Anteil römisch-katholischer Wähler blieb der Stimmenanteil der DVP stets weit hinter dem Reichsdurchschnitt zurück. Je geringer der Katholikenanteil war, desto größer war hingegen der Prozentsatz an DVP-Stimmen.

Die Wählerstruktur der DVP ähnelte damit sowohl was die urbane als auch die konfessionelle Verteilung angeht der Struktur der Nationalliberalen Partei.

Im Einzelnen erhielt die DVP folgende Ergebnisse:

1) Dazu kommen drei Sitze aus Gemeinschaftslisten mit der DDP (WK 21) bzw. der DNVP (WKe 18, 22, 36)

Mediale Unterstützung

Im Gegensatz zur DDP, die offen von den großen liberalen Blättern in Berlin (u. a. Vossische Zeitung, Berliner Tageblatt) protegiert wurde, bekam die DVP nur von drei kleineren Tageszeitungen, der Kölnischen Zeitung, der Täglichen Rundschau und der Königsberger Zeitung, Unterstützung. Auch die anderen großen Parteien der beginnenden Weimarer Republik waren medial besser aufgestellt: Die SPD hatte eigene Zeitungen, die Ideen des ZENTRUMS wurde von den römisch-katholischen Blättern befördert und die DNVP hatte Alfred Hugenbergs Meinungsimperium im Rücken.

Finanzen

Auch wenn die DVP als Partei des großen Industriekapitals galt, hatte sie stets mit Finanzproblemen zu kämpfen. Während die DDP sich vor allem in der Anfangszeit der Weimarer Republik vor allem auf Berliner und Hamburger Betriebe stützen konnte, förderte die rheinisch-westfälische Schwerindustrie vor allem die DNVP. Mit Hugo Stinnes und Albert Vögler standen lediglich zwei der großen Wirtschaftsbarone auf Seiten der Volkspartei. Der Tod Stinnes' und der Parteiaustritt Vöglers, beides 1924, schmälerten die Spendenbasis der DVP erheblich. Kleinere Beträge steuerten der Kali-Verein und die Unternehmen des vom DVP-Politiker Rießer geleiteten Hansa-Bundes, eines antimonopolistischen wirtschaftspolitischen Interessenverbandes, bei.

Bekannte Mitglieder

Wirkung auf Parteigründungen 1945

Politiker aus den Reihen der DVP beteiligten sich nach dem Zweiten Weltkrieg an den Gründungen von FDP und CDU.

Literatur