Pontifikale
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Pontifikale

Ein Pontifikale ist ein liturgisches Buch mit Anleitungen und Texten für Rituale in der katholischen Kirche, die von einem Bischof durchgeführt oder geleitet werden. Als Ergänzung dazu gibt es das Caeremoniale episcoporum.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Pontifikale des Römischen Ritus entwickelte sich schrittweise zwischen dem 5. und 13. Jh., zum großen Teil außerhalb der Stadt Rom. Es gab lange nicht das Pontifikale, sondern es wurden in der Kirchengeschichte für die Bistümer verschiedene Pontifikalien verfasst.

In historischen Pontifikalien finden sich Anleitungen für die Durchführung der niederen und höheren Weihen und anderer gottesdienstlicher Handlungen durch den Bischof. Diese sind unter anderem: feierliche Profess, Jungfrauenweihe, Aufnahme in den Klerus durch Tonsur, Bestellung von Ostiariern, Akolythen, Lektoren, Exorzisten, Subdiakonen, Diakonen, Priestern, des Bischofs, des Abtes, der Äbtissin, der Konsekration von Kirchen, Altären, Klöstern, Königen (Königskrönung), der heiligen Öle (Salböle) usw.

Viele alte Pontifikalien sind prächtig ausgestaltet und heute eine antiquarische Kostbarkeit.

Grundlage der späteren Pontifikalien ist das um 950/62 im Stift St. Alban vor Mainz zusammengestellte Pontificale Romano-Germanicum (alias Ottonisches Pontikale). Es gelangte nach Rom, wurde dort verschlankt, vereinfacht und adoptiert zum Pontificale Romanum saec. XII mit verschiedenen Fassungen. Für die Bedürfnisse der päpstlichen Kurie in Rom wurde um 1210 unter Papst Innozenz III. ein Pontificale Romanae Curiae saec. XIII zusammengestellt, das bald auch auswärts Verbreitung fand. Da es die Bedürfnisse von Diözesanbischöfen nur unzulänglich berücksichtigte, erarbeitete um 1295 der als Kanonist und Liturgiker ausgewiesene Bischof Wilhelm Durandus von Mende in Frankreich zunächst für den persönlichen Gebrauch, doch mit breiteren Ambiotionen, ein eigenes Pontifikale. Wegen seiner Vollständigkeit und Praktikabilität übernahmen es andere Bischöfe; neben dem Kurien-Pontifikale wurde es auch am päpstlichen Hof in Avignon gebraucht (Avignonesisches Papsttum). Mit Rückkehr der Päpste nach Rom 1378 gelangte es sodann dorthin und verdrängte das bisherige Kurien-Pontifikale vollständig. Damit wurde das Durandus-Pontifikale zur Vorlage aller späteren Pontifikalien bis zur Liturgiereform des 2. Vatikanums unter Papst Paul VI..

Der erste Druck eines Pontifikales erfolgte unter Papst Innozenz VIII. 1485 durch Agostino Patrizi Piccolomini. Auf seinem Nachdruck von 1520 beruht die erste nachtridentinische Ausgabe des „Pontificale Romanum“ 1595/96 durch Papst Clemens VIII.. Sie umfasst drei Bücher. Buch I enthält die Ordinationen und Segnungen von Personen, Buch II die Sachbenediktionen, Buch III beschreibt die wichtigsten bischöflichen Funktionen, die mit dem Liturgischen Jahr verbunden sind. Das 1. und 3. Buch blieben bis zum Zweiten Vatikanum weitgehend unverändert; für die Editio typica emendata von 1961/62 wurden freilich außer Gebrauch geratene Formulare, z. B. die Königskrönung, gestrichen. Das 2. Buch ließen - noch vor der jüngsten Liturgiereform durch das Zweite Vatikanum - die Päpste Pius XII. und Johannes XXIII. erheblich verändern und vereinfachen.

Gegenwart

Heute ist das Pontificale Romanum, das in mehrere Bände unterteilt ist, für die Liturgie der bischöflichen Sakramente und sonstigen Feiern verbindlich festlegt. Grundlegend ist jeweils die lateinische Originalfassung, gottesdienstlich gebraucht werden meistens Übertragungen in die jeweilige Landessprachen.

Literatur