Heim

Tenzin Gyatso

Dieser Artikel wurde auf den Seiten der Qualitätssicherung eingetragen. Hilf mit, ihn zu verbessern, und beteilige dich an der Diskussion!
Folgendes muss noch verbessert werden:  Abschnitt Kritik -- Wissling 11:55, 23. Jun. 2008 (CEST)
Die Neutralität dieses Artikels oder Abschnitts ist umstritten. Die Gründe stehen auf der Diskussionsseite. Entferne diesen Baustein bitte erst, wenn er nicht mehr nötig ist.

Tenzin Gyatso (tibetisch: བསྟན་འཛིན་རྒྱ་མཚོ་, gebürtig Lhamo Dhondrub; * 6. Juli 1935 in Taktser, Provinz Amdo, Tibet) ist ein bedeutender Linienhalter der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus, buddhistischer Mönch, Befürworter der Rime-Bewegung und seit 1940 der 14. Dalai Lama. Er selbst gibt seinen Namen mit "Kon-dun" an (siehe "Die Wut und der Stolz" der Journalistin und Schriftstellerin Oriana Fallaci). Die formelle europäische Anrede ist „Seine Heiligkeit“ (in Anlehnung an die Anrede vergleichbarer religiöser Würdenträger). Die Tibeter selbst nennen ihn zumeist Kundün, Yeshe Norbu oder Gyalwa Rinpoche.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Tibetische Bezeichnung
Tibetische Schrift: བསྟན་འཛིན་རྒྱ་མཚོ་
Wylie-Transliteration: bstan ’dzin rgya mtsho
Aussprache in IPA: [tɛ̃tsĩ catsʰo]
Offizielle Transkription der VRCh: Dainzin Gyaco
THDL-Transkription: Tenzin Gyatsho
Andere Schreibweisen: Tenzin Gyatso,
Tänzin Gyatso
Chinesische Bezeichnung
Traditionell: 丹增嘉措
Vereinfacht: 丹增嘉措
Pinyin: Dānzēng Jiācuò
Tenzin Gyatso im Alter von 5 Jahren

Tenzin Gyatso ist der Mönchsname des jetzigen Dalai Lama. Er wurde am 6. Juli 1935 mit dem Namen Lhamo Dhondrub in Taktser, einem Dorf in der tibetischen Provinz Amdo im Nordosten Tibets als zweiter Sohn der Bauernfamilie Dekyi Tsering und Chökyong Tsering geboren. Er hat insgesamt sechs weitere Geschwister, nämlich vier Brüder Thubten Jigme Norbu (Reinkarnation des Taktser Rinpoche), Gyalo Thöndrup, Lobsang Samten und Tenzin Chögyal, sowie zwei Schwestern Tsering Dölma und Jetsun Pema. Seine Schwester Tsering Dölma und sein Bruder Lobsang Samten sind aber bereits verstorben. Seine Mutter brachte insgesamt sechzehn Kinder zur Welt, von denen sieben die Kindheit überlebten.[1]

Im Alter von fast zwei Jahren wurde er von zwei Mönchen, denen er zuvor in einer Vision erschienen sein soll, als Wiedergeburt seines 1933 verstorbenen Vorgängers Thub-Idan-rgya-mtsho (Thubten Gyatso) entdeckt. Es wird berichtet, dass er spontan eine Mala (buddhistischer Rosenkranz), welche dem 13. Dalai Lama gehörte, als die seine erkannte und auch weitere Tests bestand. Unter anderem konnte er einen anderen prominenten Mönch benennen und weitere Gegenstände, die ebenfalls dem Vorgänger gehörten, aus einer mitgebrachten Menge heraussuchen. Neben anderen Zeichen galten seine abstehenden Ohren als Zeichen der Buddha-Ähnlichkeit des Kindes.[2]

Lhamo Dhondrub gelangte mit 4 Jahren in den Potala-Palast in Lhasa. Am 22. Februar 1940 wurde er im Alter von 4½ Jahren als 14. Dalai Lama durch die Sitringasol-Zeremonie inthronisiert. Sein neuer Name lautete damit Jetsun Jamphel Ngawang Lobsang Yeshe Tenzin Gyatso - „Heiliger Herr, gütiger Herr, mitfühlender Verteidiger des Glaubens, Ozean der Weisheit“. Tibeter sprechen vom Dalai Lama normalerweise als Yeshe Norbu („den Erfüllenden“) oder einfach als Kundün („Gegenwart“).

Ehemaliger Sitz von Tenzin Gyatso, der Potala-Palast in Lhasa

Von 1946 bis 1950 hielt sich der österreichische Geograf und Bergsteiger Heinrich Harrer als Freund und Lehrer des jungen Dalai Lama in Lhasa auf. Am 17. November 1950 wurde dem damals 15-jährigen Dalai Lama die weltliche Herrschaft über Tibet übertragen.

Abkommen mit der Volksrepublik China

Am 23. Mai 1951 unterzeichneten Vertreter der tibetischen Regierung in Beijing das so genannte „17-Punkte-Abkommen zur friedlichen Befreiung Tibets“, mit dem Tibet innenpolitische Autonomie und Religionsfreiheit zugesichert werden sollte, die Vertretung in der Außenpolitik, im Außenhandel sowie in militärischen Angelegenheiten aber von der Regierung der Volksrepublik China beansprucht wurde. Am 24. Oktober 1951 wurde nach einem entsprechenden Beschluss der tibetischen Nationalversammlung in Lhasa die Zustimmung Tenzin Gyatsos an Mao Zedong und die Regierung der Volksrepublik China telegrafiert[3]. Er selbst erklärte dazu später, er habe dem Abkommen nur zugestimmt, um sein Volk und das Land „vor der völligen Zerstörung zu bewahren“[4]. Dem Abkommen vorausgegangen war der Einmarsch der chinesischem Volksbefreiungsarmee in der osttibetischen Provinz Qamdo.

Im Jahr 1954 reiste Tenzin Gyatso auf Einladung der Regierung der Volksrepublik China und gegen den Widerstand der Äbte von Sêra, Drepung und Gandain mit einem Gefolge von fast 500 Personen nach Beijing.[5] Konservative Kräfte des tibetischen Adel und Klerus befürchteten, dass der Dalai Lama in Beijing gegen ihre Interessen beeinflusst werden könnte.[6] Im September 1954 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses gewählt.[7] Der Dalai Lama überreichte Mao Zedong verschiedene Geschenke und schrieb eine Hymne an ihn, in der er Mao Zedong u.a. mit Brahma verglich.[8] Die chinesische Regierung finanzierte den Bau des Palastes Dagdain Mingyur Pozhang[9] für den 14. Dalai Lama auf dem Gelände des Norbulingka. Der Palast wurde 1956 fertig gestellt.[10]

Im Winter besichtigte der 14. Dalai Lama weitere chinesische Städte und war sehr beeindruckt. 1955 feierte er das tibetische Neujahr in Beijing und gab aus diesem Anlass ein Bankett für Mao Zedong, Zhou Enlai, Liu Shaoqi und Zhu De.[11]

Im April 1958 wurde das Vorbereitungskomitee des Autonomen Gebiets Tibet gegründet und der 14. Dalai Lama wurde zum Vorsitzenden des Komitees gewählt.[12]

Flucht und Exil

Kurz bevor er floh, hatte er die Geshe, die Doktorwürde der buddhistischen Theologie (vgl. Indische Philosophie), am Jokhang-Tempel erlangt, nachdem er sich in philosophischen Debatten mit Mönchen der Klöster Drepung, Ganden und Sera bewährt hatte. Im Jahre 1959 floh der gegenwärtige Dalai Lama am 17. März während des Tibetaufstands ins indische Exil nach Dharamsala (Himachal Pradesh), wo er sich seitdem aufhält. Vor der Flucht hatte er das Nechung-Orakel befragt, das ihm geraten hatte, Tibet zu verlassen.

Er setzt sich weiterhin für mehr Autonomie Tibets innerhalb der Volksrepublik China ein, welches seine Bestrebungen jedoch als Separatismus ansieht. Am 10. März 1963 verkündete der 14. Dalai Lama eine an demokratischen Prinzipien orientierte Verfassung für die tibetische Exilregierung, die ihn als Staatsoberhaupt betrachtet.

Beziehungen zum Westen

Neben diesen politischen Aktivitäten setzt sich der 14. Dalai Lama intensiv für einen friedfertigen, konstruktiven und mitfühlenden Dialog der Menschen ein – sowohl in religiöser als auch in allgemeiner Hinsicht. Dazu hat er eine große Zahl von Vortragsreisen rund um den Globus durchgeführt und auch viele Schriften herausgegeben, in denen die im Gegensatz zur einfachen Lebensweise unerwartet differenzierten Vorstellungen der tibeto-buddhistischen Religion zu Fragen der Lebenspraxis, zur Natur des menschlichen Bewusstseins und weiteren existenziellen Fragen erläutert werden. Der Dalai Lama gilt als persönlicher Freund des Christentums, wobei er oftmals Gast im Vatikan war, eine besondere Freundschaft soll ihn mit Papst Johannes Paul II. verbunden haben.

Aufgrund seines regen Interesses an wissenschaftlichen Themen und der Zusammenarbeit mit dem nordamerikanischen Rechtsanwalt Adam Engle und dem chilenischen Neurobiologen und Philosophen Francisco Varela entstand 1990 das in den USA ansässige Mind and Life Institute. Der Dalai Lama ist nach eigener Aussage davon überzeugt, dass Wissenschaft und die buddhistischen Thesen ohne Probleme vereinbar sind.

Der gegenwärtige Dalai Lama gibt auch im Westen in regelmäßigen Abständen Einweihungen in das buddhistische Kalachakra-Tantra. Kalachakra ist, neben den Praktiken auf Yamantaka und Guhyasamaja (Yidams), eine der Hauptübertragungen. Die mit dieser Einweihung verbundene Praxis wird auch als Kalachakra für den Weltfrieden bezeichnet. Erst vor kurzem hatte der Dalai Lama eine buddhistische Schule in Österreich besucht.

Demgegenüber hat die Person des vierzehnten Dalai Lama im Westen neben seiner moralischen Autorität vor allem den Status eines Botschafters des Friedens. Ihm wurde im Jahre 1989 für seine Bemühungen, mit allen friedlichen Mitteln auf die Lage in seinem Heimatland Tibet aufmerksam zu machen, der Friedensnobelpreis verliehen.[13]

Aktuelle Beziehungen zum deutschsprachigen Raum

Ende Juli 2005 war Tenzin Gyatso für drei Tage zu Gast in Wiesbaden. Dabei wurde ihm der Hessische Friedenspreis verliehen und sein 70. Geburtstag nachgefeiert. Zum Abschluss seines Besuchs hielt er vor ungefähr 20.000 Menschen eine Rede im Wiesbadener Kurpark.

Am 14. Mai 2006 besuchte Tenzin Gyatso das Kärntner Hüttenberg, um den Grundstein für ein Tibet-Zentrum zu legen und das Grab seines ehemaligen Lehrers und Freundes Heinrich Harrer zu besuchen. Das Tibet-Zentrum soll ein Ort des kulturellen Austauschs mit tibetischer Medizin und Meditation werden. An der Grundsteinlegung nahmen ca. 5.000 Personen teil.

Vom 19. bis 29. Juli 2007 war der 14. Dalai Lama in Hamburg (Deutschland), wo er, unter anderem, im Rothenbaumstadion Vorträge hielt. Zum Schluss einer seiner längsten Auslandsreisen war er in Freiburg im Breisgau, um im dortigen Tibet Kailash Haus, einem tibetischen Gesundheitszentrum, eine Stupa einzuweihen und in der Rothaus-Arena einen Vortrag zu halten.

Vom 20. bis 21. September 2007 besuchte Tenzin Gyatso zum zweiten Mal nach 1998 Münster. Dort erhielt er von der Westfälischen Wilhelms-Universität die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Chemie und Pharmazie für seine Verdienste um die Vermittlung zwischen Religion und Wissenschaft. Dies ist für Gyatso sowohl der erste Ehrendoktor einer deutschen Hochschule, als auch der erste aus dem Bereich der Naturwissenschaften. [14] Am zweiten Tag diskutierte er im Schloss Münster mit Vertretern der Graduate Schools und hielt einen Vortrag zum Thema „Globale Verantwortung in Wissenschaft und Gesellschaft“ vor rund 4500 Gästen. [15]

Am 23. September 2007 besuchte Gyatso Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Amtssitz. Dies war das erste Treffen mit einem deutschen Regierungschef. Die chinesische Regierung kritisierte Merkel für ihre Entscheidung und sagte diverse Treffen mit deutschen Regierungsvertretern ab. [16]

Vom 14. bis 20. Mai 2008 hat der Dalai Lama nach einer Einladung der Tibet Initiative Deutschland unter dem Motto "Kein Frieden ohne Menschenrechte" mehrere Städte besucht, darunter Bochum, Nürnberg und Berlin. [17]

Kritik

Kritik am 14. Dalai Lama wird von einer buddhistischen Minderheit, bisweilen auch mit Demonstrationen, geübt. Diese Buddhisten führen die Verehrung des Gottes Dorje Shugden fort, welche der 14. Dalai Lama, der in Dorje Shugden einen bösen Geist sieht, abgebrochen hat.

Auszeichnungen

Tenzin Gyatso erhielt eine Reihe von Auszeichnungen, darunter auch den Friedensnobelpreis, verliehen am 10. Dezember 1989 in Oslo.

Im deutschsprachigen Raum wurde er mit folgenden Ehren ausgezeichnet:

Werke (Auswahl)

Einführungen und Grundlagen

Einzelaspekte

Verbindung zur westlichen Wissenschaft

siehe auch Mind and Life Institute

Autobiographische Schriften

Literatur

Filme

Quellen und Anmerkungen

  1. Interview mit Jetsun Pema Magazin der Berliner Zeitung vom 10./11./12. Mai 2008
  2. DER SPIEGEL 15/1959 vom 08.04.1959, Seite 34
  3. Tsering Shakya: The genesis of the Sino-Tibetan agreement of 1951. In: Alex McKay: The History of Tibet – The Modern Period: 1895–1959. The Encounter with Modernity. Routledge 2003, ISBN 0415308445, S. 603; A. Tom Grunfeld: The Making of Modern Tibet. M. E. Sharpe 1996, ISBN 1563247143, S. 113; Stephan Haas: Die Tibetfrage – Eine Analyse der Gründe und der Rechtmäßigkeit des chinesischen Einmarsches in Tibet 1950/1951. LIT Verlag, 1997, ISBN 3825828727; Jin Hui etc. (Hg.): Dokumente und Illustrationen zur Sozialgeschichte Tibets. China Intercontinental Press, Beijing 1995, ISBN 780113026X, S. 46.
  4. Website der tibetischen Exilregierung: "The 17-Point Agreement" - The full story as revealed by the Tibetans and Chinese who were involved
  5. Melvyn Goldstein: A History of Modern Tibet. The Calm Before the Storm: 1951–1955. University of California Press 2007, ISBN 0520249410, S. 478; Patricia Cronin Marcello: The Dalai Lama. A Biography. Greenwood 2003, ISBN 0313322074, S. 73.
  6. Melvyn Goldstein: A History of Modern Tibet. The Calm Before the Storm: 1951–1955. University of California Press 2007, ISBN 0520249410, S. 479.
  7. Jin Hui etc. (Hg.): Dokumente und Illustrationen zur Sozialgeschichte Tibets. China Intercontinental Press, Beijing 1995, ISBN 780113026X, S. 42.
  8. A. Tom Grunfeld: The Making of Modern Tibet. M. E. Sharpe 1996, ISBN 1563247143, S. 116; deutsche Übersetzung in Anna Louise Strong: Tibetische Interviews. Verlag Neue Welt, Beijing 1961 (Titel der Originalausgabe: Tibetan Interviews. Deutsch von Senta Lewin), S. 78; Tibetisches Original, chinesische und englische Übersetzung in: Xīzàng zìzhìqū dàng’ànguǎn 西藏自治区档案馆 (Hg.): Xīzàng lìshǐ dàng’àn huìcuì 西藏历史档案荟粹. Wénwù chūbǎnshè 文物出版社, Beijing 1995, ISBN 7501008760.
  9. rtag brtan mi ’gyur pho brang རྟག་བརྟན་མི་འགྱུར་ཕོ་བྲང། / Dádàn Míngjiǔ Pōzhāng 达旦明久颇.
  10. Gyurme Dorje: Tibet Handbook. Footprint 1999, ISBN 1900949334, S. 108; Kai Nieper, Hans-Wilm Schütte: China. Dumont 2004, ISBN 3829701179, S. 128.
  11. Patricia Cronin Marcello: The Dalai Lama. A Biography. Greenwood 2003, ISBN 0313322074, S. 76.
  12. Dokumente und Illustrationen zur Sozialgeschichte Tibets. China Intercontinental Press, Beijing 1995, ISBN 780113026X, S. 42.
  13. Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1989 an Tenzin Gyatso (englisch)
  14. Verleihung der Ehrendoktorwürde der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
  15. „Des Dalai Lamas heitere Mahnungen“ – Westfälische Nachrichten vom 21. September 2007
  16. Merkel trifft den Dalai Lama trotz chinesischer Kritik; 24. September 2007
  17. Tibet Initiative Deutschland; Dalai Lama kommt im Mai 2008 nach Deutschland
 Commons: Tenzin Gyatso – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Tenzin Gyatso – Zitate
Personendaten
Gyatso, Tenzin
bsTan-'dzin rGya-mts'o (tibetisch); Lhamo Dhondrub (Geburtsname)
XIV. Dalai Lama
6. Juli 1935
Takster, Provinz Amdo, Tibet