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Wilhelm Joest

Wilhelm Joest (* 15. März 1852 in Köln; † 25. November 1897 auf den Banks-Inseln (Vanuatu)) war Naturwissenschaftler und Weltreisender.

Er war der Sohn eines wohlhabenden Kölner Zucker-Fabrikanten und unternahm langjährige Forschungsreisen fast durch die ganz Welt. Gestützt auf vielseitiges Wissen erwarb er fundierte ethnografische Kenntnisse und sammelte auf allen Kontinenten ein große Zahl völkerkundliche Gegenstände. Er starb mit 45 Jahren auf der Insel Ureparapara im Nordosten der Neuen Hebriden an Schwarzfieber (Leishmaniose). Seine Ethnographica-Sammlung ging laut testamentarischer Bestimmung an seine Schwester Adele Rautenstrauch, die sie im Jahr 1899 der Stadt Köln schenkte. Die Sammlung diente 1901 zur Gründung des Rautenstrauch-Joest-Museum für Völkerkunde.

Er studierte in Bonn, Heidelberg und Berlin Naturwissenschaften und Sprachen, bereiste 1874 den Orient und die nordafrikanischen Küstenländer, 1876 bis 1879 ganz Amerika vom nördlichen Kanada bis zum Süden Argentiniens, wobei er manche Teile wiederholt durchkreuzte und eine sehr reichhaltige ethnographische, anthropologische und zoologische Sammlung machte. Anfang 1879 begab er sich nach Ceylon, durchreiste von dort aus Indien bis zum Himalaja, begleitete die britische Armee im afghanischen Kriege, ging dann nach Birma und Siam, beschäftigte sich auf Borneo, Ceram und Celebes mit dem Studium der dortigen wilden Völkerschaften, kämpfte in Atschin mit den Holländern gegen die Aufständischen, durchreiste Kambodscha und die Philippinen und lebte längere Zeit unter den wilden Stämmen Formosas. Von Peking unternahm er dann einen Ausflug in die Mongolei, ging darauf nach Japan, hielt sich auf Jeso unter den Aino auf und kehrte 1881 von Wladiwostok durch die Mandschurei, Mongolei u. Sibirien nach Deutschland zurück, wo er als Früchte dieser Reisen veröffentlichte: "Aus Japan nach Deutschland durch Sibirien" (Köln 1882, 2. Aufl. 1887) und "Das Holontalo, ein Beitrag zur Kenntnis der Sprachen von Celebes" (Berl. 1884). Im J. 1883 umschiffte er von Madeira aus ganz Afrika, wobei er namentlich Südafrika eingehender studierte, und legte seine Beobachtungen in dem Werk "Um Afrika" (Köln 1885) nieder. Danach lebte er in Berlin. Seine bedeutenden Sammlungen übergab er deutschen Museen.

Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text („public domain“) aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890. Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn Du den Artikel so weit überarbeitet oder neu geschrieben hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt und dies mit Quellen belegt ist, wenn der Artikel heutigen sprachlichen Anforderungen genügt und wenn er keine Wertungen enthält, die den Wikipedia-Grundsatz des neutralen Standpunkts verletzen.
Personendaten
Joest, Wilhelm
Ethnograf und Weltreisender
15. März 1852
Köln
25. November 1897
Banks-Inseln (Vanuatu)