Kommunistische Partei Deutschlands
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Kommunistische Partei Deutschlands

Dieser Artikel behandelt die historische KPD (1919–1968); zu anderen Parteien mit dem Namen KPD siehe Kommunistische Partei Deutschlands (Begriffsklärung).

Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) war eine politische Partei in Deutschland, die am 1. Januar 1919 gegründet wurde. Sie ging aus mehreren linksrevolutionären Gruppierungen hervor, die sich nach dem Ersten Weltkrieg im Verlauf der Novemberrevolution von 1918 vereinten.

Die KPD verstand sich von Anfang an als revolutionäre Alternative zur SPD und versuchte während der Weimarer Republik auf sozialistische Produktionsverhältnisse und eine Diktatur des Proletariats hinzuwirken. Ihr Verhältnis zum Parlamentarismus war gespalten, da sie die „bürgerliche Demokratie“ durch eine sozialistische Räterepublik ersetzen wollte. Seit 1919 war sie Mitglied der von Lenin, später von Stalin inhaltlich dominierten Kommunistischen Internationale (Komintern), die auch als Dritte Internationale bezeichnet wird.

Während der Zeit des Nationalsozialismus zerschlagen, wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg von den Besatzungsmächten wieder zugelassen. In der Sowjetischen Besatzungszone wurden KPD und Ost-SPD im April 1946 zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands vereint.

1948 wurde in den westlichen Besatzungszonen eine Vereinigung der KPD mit den Freunden der sozialistischen Einheit zur Sozialistischen Volkspartei von den Besatzungsmächten verboten. Die KPD selbst war von 1949 bis 1953 im ersten Deutschen Bundestag vertreten. 1956 wurde sie in Westdeutschland verboten. Bei den übrigen im Bundestag vertretenen Parteien galt sie als mitschuldig am Untergang der Weimarer Republik, der Sowjetunion hörig und verfassungsfeindlich.[1] Innerhalb der Linken wird bis heute das Urteil harsch kritisiert und über seine Rechtmäßigkeit diskutiert.

1968 wurde hauptsachlich von ehemaligen Mitgliedern der KPD die Deutsche Kommunistische Partei neu gegründet. Weiterhin gründeten sich in den Folgejahren verschiedene kommunistische Splittergruppen neu, von denen mehrere für sich beanspruchten, die Nachfolgepartei der KPD zu sein.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

→ Siehe Hauptartikel: Kommunistische Partei#Anfänge im 19. Jahrhundert bis zur Revisionismusdebatte

1914–1918: Entstehung der KPD

Die Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands war das Ergebnis der letzten Reichskonferenz des Spartakusbundes vom 29. bis 31. Dezember 1918. Mit ihm vereinten sich dort verschiedene linksrevolutionäre Gruppierungen, die an der Novemberrevolution aktiv beteiligt waren. Sie hatten in ihrem Verlauf starken Zulauf besonders bei jungen Industriearbeitern gewonnen. Da der Spartakusbund die größte und einflussreichste Gruppe von ihnen war, blieb sein Name zunächst als Zusatz in Klammern hinter dem Parteinamen bestehen.

Er ging seinerseits aus einer linken Oppositionsgruppe innerhalb der SPD hervor, die 1914 unmittelbar nach der Kriegsbejahung der Parteimehrheit von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ins Leben gerufen worden war. Diese Gruppe Internationale bestand neben diesen beiden zuerst nur aus sieben weiteren enttäuschten Mitgliedern der SPD: Franz Mehring, Julian Balthasar Marchlewski, Ernst Meyer, Hermann Duncker, Wilhelm Pieck, Leo Jogiches sowie etwas später Clara Zetkin. Sie blieben in dieser Partei, um dort die Kriegsgegner zu sammeln und langfristig eine Kursänderung auch der Parteimehrheit zu erreichen. Wegen ihrer regelmäßigen Spartakusbriefe wurde die Gruppe bald einfach Spartakus genannt. Aber erst im November 1918 nannte sie sich selbst Spartakusbund.

Karl Liebknecht im Dezember 1914 und Otto Rühle im Januar 1915 waren die ersten SPD-Abgeordneten, die ihre Zustimmung zu weiteren Kriegskrediten verweigerten. Anfang 1916 waren es 20 Abgeordnete. Im Frühjahr 1917 führte die wachsende Opposition innerhalb der SPD gegen die Burgfriedenspolitik und weitere Bewilligung der Kriegskredite schließlich zum Parteiausschluss der Kriegsgegner. Diese reagierten darauf am 9. April 1917 mit der Gründung der USPD. Nun trat die Spartakusgruppe, die seit Januar 1916 reichsweit organisiert war, in diese ein und bildete auch dort bis zur KPD-Gründung den revolutionären Flügel. Durch die Inhaftierung der meisten Mitglieder der Gruppe, allen voran Liebknecht und Luxemburg, war die Arbeit stark behindert.

Mit den Streiks von März 1917 und mehr noch den Streiks im Januar 1918 erhielt die deutsche Arbeiterbewegung jedoch überraschend neue Impulse. Die reichsweite Streikbewegung vor allem in der Rüstungsindustrie stärkte die unabhängigen Arbeitervertreter gegenüber den konservativen, ganz dem Burgfrieden folgenden Gewerkschaftsführern. Die Revolutionären Obleute Berlins, aber auch anderswo bildeten später das energische Rückgrat der Rätebewegung, die Deutschland erstmals eine historische Chance auf Sozialisierung der Produktionsmittel eröffneten. Der Erfolg der Oktoberrevolution in Russland gab diesen Bestrebungen zusätzlichen Rückenwind.

Schon ein Jahr darauf, am 7. Oktober 1918, demonstrierte der Spartakusbund sein Selbstbewusstsein und beantwortete den Regierungseintritt der MSPD, der zwei Tage zuvor bekannt geworden war, indem er grundlegende Reformen in Wirtschaft, Staat, Recht und Verwaltung forderte und praktisch eine neue radikaldemokratische Reichsverfassung anvisierte.

Anfang November entstand aus dem Kieler Matrosenaufstand rasch ein Flächenbrand, in dem auch die Soldaten die Selbstorganisation der Räte wählten, um ihre Vorgesetzten zu entmachten und ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Viele dieser Forderungen griffen direkt oder indirekt das Programm des Spartakusbundes auf.

Als die Novemberrevolution Berlin erreichte und den Kaiser zur Flucht in die Niederlande veranlasste, rief Philipp Scheidemann von der Mehrheits-SPD dort mittags am 9. November 1918 eine „Deutsche Demokratische Republik“ aus. Ihm folgte wenig später Karl Liebknecht, der eine „Freie Sozialistische Republik“ ausrief und die Menge zugleich auf die „internationale Revolution“ einschwor. Es folgten zwei Monate lange Machtkämpfe zwischen den Vertretern dieser beiden Richtungen, aus denen die Mehrheits-SPD und mit ihr das gemäßigte und konservative Bürgertum als Sieger hervorgingen.

Die Gründung der KPD war seit etwa Anfang Dezember 1918 geplant und erfolgte dann als direkte Reaktion auf die Ereignisse des 24. Dezember in Berlin. Dabei wurde die Absicht Friedrich Eberts unübersehbar, kaiserliches Militär gegen Revolutionäre einzusetzen und diese zu entmachten. Bald darauf erfuhren die Linken die Gewaltbereitschaft der SPD-Führung: Es kam zum Einsatz der Freikorps gegen Teile der Berliner Bevölkerung, die die Revolution unter Mitwirkung und teilweiser Führung der Spartakisten fortsetzen wollten. Seit Jahresbeginn 1919, besonders aber seit der Niederwerfung des sogenannten Spartakusaufstands und der durch Eduard Stadtler initiierten Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg am 15. Januar 1919 kam es reichsweit zu bürgerkriegsähnlichen politischen Unruhen.

Die KPD verstand sich wegen dieser Erfahrungen von Beginn an als Gegensatz und Gegengewicht zur SPD. Sie wollte deren ursprüngliches Ziel, den Sozialismus, weiterverfolgen und damit den deutschen Arbeitern eine revolutionäre Alternative zum dem Bürgertum angepassten Reformismus anbieten. Sie verstand sich als Massenpartei und wollte die sozialistische Räterepublik von der Betriebsebene aus verwirklichen, die durch die SPD und Gewerkschaftsführungen verhindert und durch die USPD nicht energisch genug angestrebt worden war.

Am 29. Dezember 1918 beschloss der Spartakusbund die Trennung von der USPD und die Gründung einer eigenen Partei. Dies geschah bereits einen Tag später am 30. Dezember im Festsaal des Berliner Abgeordnetenhauses, wo der bis zum 1. Januar 1919 andauernde Gründungsparteitag der KPD begann.

Auf dem Gründungsparteitag wählten die Delegierten aus dem Reich einen Parteivorstand, dem die Führungspersönlichkeiten der wichtigsten Teilgruppen angehörten: von den Bremer Linksradikalen Otto Rühle, von den Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD) Johann Knief und Paul Frölich, vom Spartakusbund Hermann Duncker, Käte Duncker, Hugo Eberlein, Leo Jogiches, Paul Lange, Paul Levi, Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Ernst Meyer, Wilhelm Pieck und August Thalheimer.

1918–1923: Von der Gründung bis zur Krise

In den Debatten um das Programm und die künftige politische Orientierung wurden bereits Konfliktlinien sichtbar: Besonders im Verhalten zum Parlamentarismus und zur Sozialdemokratie, die sich (aus Sicht der KPD) zu einer bürgerlichen Partei herausbildete. Einige Gründungsmitglieder, darunter Rosa Luxemburg, plädierten für den Namen Sozialistische Partei Deutschlands und für die Teilnahme an den kommenden Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung. Dies wurde ebenso wie der Verbleib in der USPD mehrheitlich abgelehnt. Von der IKD war nur Johann Knief für diesen Vorschlag. Damit legte sich die Parteimehrheit entgegen dem Rat der Spartakusführer früh auf eine Ablehnung der bürgerlichen Demokratie und der Konkurrentin SPD, der älteren und lange Zeit führenden Arbeiterpartei, fest. Vor allem die Bremer Linksradikalen unter Otto Rühle und die IKD vertraten eine enge Anlehnung an die sowjetischen Bolschewiki unter Führung Lenins.

Bei den Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 behauptete sich die SPD als stärkste Kraft, die aber fortan auf wechselnde Koalitionspartner aus dem bürgerlichen Lager angewiesen war. Nun setzte der Reichswehrminister Gustav Noske (der nach eigener Aussage vom 6. Januar der „Bluthund sein musste") rücksichtslos die neuen, meist rechtsextremen Freikorps gegen die Aufständischen ein, um jeden Ansatz einer Räterepublik, wie er sich in einigen Großstädten gebildet hatte, wieder zu zerschlagen. Als letztes Experiment dieser Art wurden im Mai die Münchner Räterepublik zerstört und ihre Führer hingerichtet, unter ihnen beispielsweise der KPD-Funktionär Eugen Leviné. Im Verlauf dieser Kämpfe wurde im März auch Leo Jogiches im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit ermordet.

Mit der Verabschiedung der Reichsverfassung am 11. August war die bürgerlich-parlamentarische Weimarer Republik praktisch durchgesetzt. Die Sozialisierung der Produktionsmittel war nur noch abstrakte Möglichkeit, nicht mehr konkreter Auftrag der Politik.

Die KPD hatte zunächst nur wenige Mitglieder und gewann in der Rätebewegung auch während der Aufstände keine führende Rolle: Dazu war sie zu neu und organisatorisch zu wenig in der Arbeiterbewegung verankert. Ihre Mitglieder waren zumeist ehemalige Sozialdemokraten, die von ihrer ehemaligen Partei bitter enttäuscht waren. Durch ihre Weigerung, an den Parlamentswahlen teilzunehmen, geriet die KPD weiter ins Abseits und wurde außerdem durch die Verfolgung und Verhaftung ihrer Mitglieder dezimiert. Im Frühjahr 1919 war sie verboten worden und konnte ihre folgenden Parteitage nur illegal durchführen. Darum suchte die Partei Rückhalt, indem sie Mitglied der im selben Jahr gegründeten Komintern, der Dritten Internationale wurde.

Paul Levi, enger Freund Rosa Luxemburgs und nach deren Tod Herausgeber ihrer Werke, setzte beim zweiten, dem sogenannten Heidelberger Parteitag der KPD jedoch die Beteiligung an den Reichstagswahlen von 1920 durch. Einige Parteimitglieder glaubten, dass damit der revolutionäre Weg verlassen würde. Damit zeichnete sich ein innerer Klärungsprozess ab: Die rätekommunistischen und utopistisch orientierten Mitglieder traten aus und bildeten die eigene Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD), die Otto Rühle leitete. Im Oktober 1920 wurden zudem die Nationalbolschewisten Fritz Wolffheim und Heinrich Laufenberg ausgeschlossen, die dann ebenfalls der KAPD beitraten. Diese konnte sich bis 1922 halten und zerfiel dann in Einzelgruppen, die sektiererisch miteinander konkurrierten.

Zuvor jedoch mobilisierte der Putschversuch von Wolfgang Kapp und Walther von Lüttwitz im Frühjahr 1920 noch einmal die Kräfte der Linken im ganzen Reich: Spontane Massenstreiks führten zum Generalstreik, dem sich freie Gewerkschaften, SPD, USPD und KPD anschlossen, um gemeinsam die Republik zu retten. Er führte zur Eroberung des Ruhrgebiets durch eine Rote Ruhrarmee. Doch sobald die rechtsnationalistischen Putschisten aufgegeben hatten und der Generalstreik beendet war, verbündete sich die SPD wieder mit den zuvor abtrünnigen Reichswehrverbänden und Freikorpseinheiten und ließ diese in das von den aufständischen Arbeitern besetzte Ruhrrevier einrücken. Bei den unter dem Namen Ruhraufstand bekannten bürgerkriegsähnlichen Kämpfen kamen etwa 2.000 Arbeiter und 372 gegenrevolutionäre Soldaten ums Leben.

Bei den folgenden Reichstagswahlen im Juni profitierte vor allem die USPD und zog mit 17,9 % in den Reichstag ein, während die SPD auf 21,7 % zurückfiel. Die KPD erhielt nur 2,1 %. Doch sie war nun koalitionsfähig geworden: Ende 1920 entschied sich eine Parteitagsmehrheit der USPD zum Eintritt in die Kommunistische Internationale und damit in die KPD, die sich daraufhin Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands (VKPD) nannte. Sie wuchs durch die USPD-Überläufer auf über 300.000 Mitglieder an, die ihr auch zu einem größeren Wählerpotential verhalfen. Damit erfüllte sie erstmals ihren programmatischen Anspruch, eine Massenpartei zu sein. Allerdings war die revolutionäre Phase damit auch beendet; ein letztes Aufflammen – und gleichzeitig das Scheitern – stellten die Märzkämpfe in Mitteldeutschland 1921 dar.

In der Broschüre Unser Weg. Wider den Putschismus kritisierte der Parteivorsitzende Levi kurz darauf die putschistische Taktik der KPD beim Märzaufstand 1921 öffentlich. Nachdem er diese Kritik an der deutschen und der internationalen Leitung der Kommunisten aufrecht erhielt, wurde er auf Betreiben der Mehrheit der Komintern-Führung um Sinowjew aus der KPD ausgeschlossen. Levi und andere aus der VKPD Ausgeschlossene und Ausgetretene wie der Co-Vorsitzende Ernst Däumig schlossen sich zur Kommunistischen Arbeitsgemeinschaft (KAG) zusammen.

Nicht nur die linke, sondern auch die Rechtsparteien gingen aus den genannten ersten Wahlen nach Republikgründung als Gewinner hervor: Die rechtskonservative DVP und die rechtsextreme DNVP erhielten beide je etwa 15 % und bildeten mit dem nach rechts gerückten Zentrum ein fast gleichstarkes Gegengewicht zum Lager der Linken; zudem verfügten sie über einen Großteil der bürgerlichen Zeitungen. Die Staatsverwaltung aus der Kaiserzeit und die Reichswehr konnten sich nun als dauerhafte Machtfaktoren behaupten.

Die Spaltung der USPD führte zu ihrer Auflösung: 1922 zerbrach sie vollends an ihren inneren Gegensätzen. Die meisten Mitglieder traten nun wieder der SPD bei. Der Rest fristete bis 1931 nur noch die Rolle einer unbedeutenden Splitterpartei. So hatte die KPD politischen Spielraum links von der SPD gewonnen und konnte mittelfristig eine Massenbasis erreichen.

1923–1927: Flügelkämpfe

Zwischen 1921 und 1923 leitete die KPD Streikbewegungen und den revolutionären Volkskampf unter anderem im Ruhrgebiet und im Mansfelder Land.

Nach dem gescheiterten Hamburger Aufstand von 1923 („Oktoberniederlage“) wurde die „rechte“ Parteiführung unter Heinrich Brandler, August Thalheimer und Jacob Walcher abgesetzt. Die Partei wurde am 23. November 1923 zusammen mit der NSDAP und der Deutschvölkischen Freiheitspartei durch General Hans von Seeckt verboten,[2] was aber nach einigen Wochen aufgehoben wurde. Im Juli 1924 waren erste Ortsgruppen der Kampforganisation der KPD, des Rotfrontkämpferbundes (RFB), gegründet worden, zu dessen Vorsitzendem im Februar 1925 Ernst Thälmann gewählt worden war. Als Lenin 1924 starb und Stalin sein Nachfolger wurde, gewannen in der Folgezeit „Stalinisten“ auch großen Einfluss auf den Parteivorsitz der KPD. Als Mitglied der Dritten Internationale wurde die Partei von Moskau beeinflusst. Die neue, „ultralinke“ Parteiführung unter Werner Scholem, Ruth Fischer, Arkadi Maslow und Arthur Rosenberg, wurde im August 1925 abgesetzt, wenig später ausgeschlossen und durch Ernst Thälmann ersetzt, der bis 1933 amtierte. Thälmann stützte sich parteiintern dabei zunächst bis 1927/28 auch auf die Mittelgruppe um u. a. Arthur Ewert und Gerhart Eisler, danach im wesentlichen auf Apparatangehörige wie Walter Ulbricht und auf eng an Stalin angelehnte Politiker wie Hermann Remmele, Heinz Neumann und Paul Merker. Die ausgeschlossenen „Linken“ und „Ultralinken“ formierten sich teilweise unter dem Namen Leninbund als eigenständige Partei.

1928–1933: Stalinisierung, „Sozialfaschismus“-Doktrin und der Einfluss Moskaus

In der Forschung wurden die innerparteilichen Konflikte in der KPD, in deren Verlauf neben „Trotzkisten“ und „Brandlerianern“ 1928 bis 1930 auch noch die aus der Mittelgruppe hervorgegangenen Gruppe der „Versöhnler“ parteiintern entmachtet und teilweise aus der Partei ausgeschlossen wurde, bislang als „Stalinisierung“ der KPD bezeichnet.[3] Dieser Sicht zufolge wurde die Politik der KPD weniger durch die Unzufriedenheit vieler Arbeiter und Arbeitsloser mit ihrer sozialen Lage v. a. während der Weltwirtschaftskrise bestimmt, in deren Verlauf die KPD ihre Wähler- und Anhängerschaft steigern konnte (Mai 1928: 130.000 Mitglieder und 3,2 Millionen Wähler; November 1932: 252.000 Mitglieder, 6 Millionen Wähler, 16,9 % der Stimmen und damit 100 Reichstagsmandate); vielmehr sei die Politik der KPD hauptsächlich in Moskau entworfen und gesteuert worden, um den außenpolitischen Zielen der sowjetischen Führung zu entsprechen. In diesem Zuge sei auch die „Sozialfaschismus“-Doktrin entworfen worden, weil die SPD ein sehr viel distanzierteres Verhältnis zur Sowjetunion pflegte, als die bürgerlichen und konservativen Parteien. Der Kampf der KPD gegen die SPD sei also im Wesentlichen deshalb geführt worden, weil die sowjetischen Führung meinte, mit einer deutschen Mitte-Rechts-Regierung ein besseres Verhältnis pflegen zu können.[4]

Tatsächlich schien die Verteidigung des „Vaterlandes aller Werktätigen“ – eben der Sowjetunion – für die deutschen Kommunisten oberste Priorität zu haben und direkt verbunden zu sein mit dem Kampf gegen die deutsche Sozialdemokratie. So meinte der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann auf dem Kongress der Kommunstischen Internationale von 1928, „die konterrevolutionäre Sozialdemokratie“ sei dazu übergegangen, den Kapitalismus in allen Fragen zu unterstützen und behauptete sogar:[5]

„Die SPD ist der treibende Faktor in der Linie der Kriegsvorbereitungen gegen die Sowjetunion. Daher ist der Kampf gegen den imperialistischen Krieg ein Kampf gegen die Sozialdemokratie.“

Auf dem 12. Parteitag der KPD im Juni 1929 beschimpfte Thälmann die deutsche Sozialdemokratie erneut „als den aktivsten Vorkämpfer des deutschen Imperialismus und seiner Kriegspolitik gegen die Sowjetunion“.[6] Dagegen bezeichnete die KPD-Führung den Nationalsozialismus noch wenige Monate vor dessen Machtübernahme öffentlich als lediglich sekundäre Randerscheinung in der Endphase der kapitalistischen Entwicklung,[7] nicht aber als ernst zu nehmende Gefahr.

Diese Sichtweise überschätzt jedoch einerseits die Einfluss- und Kontrollmöglichkeiten der sowjetischen Führung auf die Politik der Komintern und unterschätzt andererseits die Konflikte, die zwischen deutschen und sowjetischen Kommunisten selbst in den Jahren zwischen 1928 und 1933 bestanden.

Wie unterschiedlich deutsche Kommunisten und sowjetische Bolschewiki durch ihre politische Kultur geprägt wurden, zeigte sich in allen Lebensbereichen: Die deutschen Kommunisten nahmen an den Alltagsfreuden der sie umgebenden Gesellschaft teil, wenn sie Weihnachten feierten oder in den Urlaub an die Ostsee fuhren, sie bewegten sich innerhalb des politischen common sense, wenn es darum ging, eine Demonstration anzumelden und dabei die Auflagen der Behörden zu achten, und sie schenkten den Warnungen aus Moskau, die KPD könne durch die Regierung verboten werden, trotz aller Haussuchungen durch die Politische Polizei keinen rechten Glauben – zu groß war letztlich das Vertrauen der KPD in den deutschen Rechtsstaat, obwohl dieser in der eigenen Propaganda immer wieder denunziert wurde.

Die sowjetischen Kommunisten (Bolschewiki) waren von dieser Einstellung immer wieder schockiert. Sie bestärkte sie in ihrer Überzeugung, dass das Leben in einer pluralistischen Demokratie zu einer „Verweichlichung der Funktionäre“ und zur Unterwanderung der Parteien durch Agenten und „Saboteure“ führe. Stalin und seine Gefolgsleute, die durch gewalttätige politische Konflikte im Zarenreich und während des Russischen Bürgerkriegs geprägt worden waren, hielten die deutschen Kommunisten für „Kaffeehaussozialisten“ und „Schwätzer“, die weder die Mühen des Untergrundkampfes durchlitten noch das Feuer einer richtigen Revolution durchschritten hatten. Für sie stand daher fest, dass den deutschen Kommunisten der „bolschewistische“ Verhaltenskodex eingebleut werden musste, sollte es nicht wieder zu so einer politischen Niederlage wie während der Wittorf-Affäre im Jahre 1928 kommen: Damals hatte das ZK der KPD den Vorsitzenden Thälmann zeitweilig abgesetzt, nachdem dessen Verwicklung in eine Unterschlagungsäffare bekannt geworden war, weil es den Druck der deutschen Öffentlichkeit fürchtete. Diese Denkweise war dem sowjetischen Diktator und den von ihm protegierten Führungsfunktionären der Komintern schon deshalb völlig fremd, weil eine unabhängige Presse in ihrer Vorstellungswelt keine Rolle spielte.

Diese Spannung zwischen den ideologischen Erwartungen und politischen Erfahrungen der sowjetischen Führung einerseits und der Praxis der deutschen Kommunisten im politischen Alltag der Weimarer Republik andererseits bestand fort bis zur Machtübertragung an Hitler im Januar 1933. Denn so sehr die deutschen Kommunisten auch bemüht waren, sich dem sowjetischen Bild des Neuen Menschen anzupassen, so deutlich fiel ihnen schließlich auf, dass die Handlungsanweisungen der Bolschewiki ihnen häufig hinderlich waren: Die KPD-Funktionäre stellten immer wieder fest, dass bolschewistische Konspirationstechnik und stalinistisches „Neusprech“ nicht dafür taugten, die „Mehrheit der Arbeiterklasse“ zu gewinnen: denn dafür musste man sich diesen Arbeitern in öffentlichen Versammlungen erst einmal verständlich machen.

Die Vorbehalte der deutschen Funktionäre gegenüber den sowjetischen Richtlinien wurden dadurch geschürt, dass sie häufig ein ebenso robustes Selbstbewusstsein besaßen wie ihre sowjetischen Genossen: Während viele Bolschewiki auf die deutschen Kommunisten mit einer Mischung aus Misstrauen und Geringschätzung herabblickten, weil sich diese auf parlamentarische Gepflogenheiten einließen, aber keinen halbwegs erfolgreichen Aufstand zuwege brachten, so mokierten sich umgekehrt eine ganze Reihe KPD-Funktionäre hinter vorgehaltener Hand über das offenkundige Chaos, das mit dem überstürzten Fünfjahrplan über die Sowjetunion hereingebrochen war und über den als Zeichen der kulturellen Rückständigkeit Russlands gewerteten Schmutz sowjetischer Toiletten oder die Unordnung im Archiv der Komintern. Der Bolschewismus blieb für die deutschen Kommunisten als revolutionäres Modell durchaus attraktiv – doch angesichts der sowjetischen Realität mochte man in Berlin viele Rezepte der Moskauer Führung nicht unbesehen übernehmen.

Dies bedeutet nicht, dass die deutschen Kommunisten mit Blick auf die regionalen Realitäten weitgehend losgelöst von Moskau ihre eigene Politik verfolgten und somit zu „Sozialdemokraten wider Willen“ wurden. Doch führte die immer wieder aufblitzende gegenseitige Geringschätzung dazu, dass selbst die engagiertesten KPD-Funktionäre viele Anweisungen aus Moskau nur gemäß Dienst nach Vorschrift erfüllten. Die zur Animation der örtlichen Parteikader ausgesandten Instrukteure der Komintern-Zentrale verzweifelten beispielsweise regelmäßig an der Lustlosigkeit, mit der die KPD die in Moskau konzipierten Kampagnen umsetzten.

Vor diesem Hintergrund reduziert sich auch die Bedeutung, die der KPD als außenpolitisches Instrument der Sowjetunion zukam: Denn einerseits waren gerade die diplomatischen Profis im Volkskommissariat für auswärtige Beziehungen dankbar, wenn in der Roten Fahne keine Artikel erschienen, die die deutsch-sowjetischen Beziehungen durch revolutionäres Gepolter störten, und sie somit in Ruhe die Rapallo-Politik fortsetzen konnten. Andererseits schaffte es die Komintern nie, eine ausländische Partei so zu mobilisieren, dass diese die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt hätte. Immer wieder wurde versucht, die kommunistischen Parteien zu instrumentalisieren, doch die zentral gesteuerten Kampagnen der Komintern in der KPD trafen nur dann auf einen nennenswerten Widerhall, wenn diese mit ihren eigenen Erfahrungen und Sichtweisen verbinden konnten. Tragischerweise war dies ausgerechnet im Falle der „Sozialfaschismus“-Doktrin der Fall: Aufgrund der tiefen Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung, die in dieser Radikalität in keinem der anderen westlichen Industriestaaten zu beobachten war, stießen die Moskauer Interpretationen sozialdemokratischer Politik in Deutschland auf eine größere Resonanz als irgendwo sonst in Europa. Erst seit Ende 1931 begann die deutschen Funktionäre umzudenken.

Stalin und seine Gefolgsleute konnten gegen ausländische Kommunisten keine diszplinierende Gewalt anwenden, wie sie dies in der Sowjetunion seit der Revolution praktizierten – und auch das Instrument des Vertrauensentzuges und der Absetzung unbotmäßiger Parteileitungen ließ sich, wie sich die Komintern selbst eingestand, nicht endlos oft einsetzen. Um die Frage zu klären, warum es denn Stalin dennoch gelang, seinen Willen im Wesentlichen auch in der KPD-Führung durchzusetzen, ist es sinnvoll, sich von dem Verständnis zu lösen, die Komintern habe vorrangig nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam funktioniert. Die Macht Stalins über die deutsche Parteispitze entsprang weniger seiner formalen Machtstellung – sein Erfolg lag vielmehr darin begründet, dass er das System des feudalen Gefolgschaftswesens auf die KPD übertrug. Mit dieser Herrschaftstechnik, die vorrangig auf den personengebundenen Prinzipien wie Loyalität und Ehre basierte, hatte er bereits die Parteiorganisationen an der zuvor kaum beherrschbaren sowjetischen Peripherie erfolgreich in das bolschewistische Machtgeflecht eingebunden. Weniger die vielzitierte „Bürokratisierung“ von Komintern und KPD machte also die deutschen Kommunisten anfällig für die Beeinflussung von außen, sondern die schließlich fast vollständig Fixierung der KPD-Führung auf den sowjetischen Diktator. Dies zeigte sich besonders deutlich in den letzten Monaten vor der Machtübertragung an Hitler, als der Parteivorsitzende Thälmann und sein Konkurrent Heinz Neumann hinter den Kulissen einen aberwitzigen Kampf um die Führungsposition in der KPD ausfochten: Thälmann konnte sich schließlich nicht zuletzt deshalb behaupten, weil er sich gegenüber Stalin als der getreuere Gefolgsmann profilierte – noch 40 Jahre später erinnerte sich Stalins engster Gefährte Molotow daran, dass Thälmann in Moskau „einen sehr guten Eindruck gemacht“ habe, weil er sich stets „loyal“ verhalten habe.[8]

Obwohl sich bisherige Forschungen zur Politik der Komintern meist auf die zähen Flügelkämpfe konzentrierten, bei denen lautstark gegen „Abweichungen“ gewettert wurde, lässt sich an dem Konflikt zwischen Thälmann und Neumann beispielhaft beobachten, dass inhaltliche Differenzen kaum eine Rolle spielten. Denn während dieses Konfliktes waren sowohl Thälmann als auch Neumann zumindest zeitweise für eine Modifizierung der sogenannten „Sozialfaschismus“-Doktrin eingetreten, was Stalin zwar strikt ablehnte, für sie aber keine einschneidenden Konsequenzen zur Folge hatte. Diese letztlich erfolglosen Anregungen der deutschen Parteiführung zeigen jedoch auch, dass sich die KPD-Spitze durch ihre Fixierung auf Stalin konsequent ihrer Gestaltungsmöglichkeiten entledigte.

1933–1945: Nationalsozialismus – Unterdrückung, Verfolgung, Ausschaltung, Widerstand, Exil

Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 von Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wurde, rief die KPD zum reichsweiten Generalstreik auf. Allerdings stieß dieser Aufruf kaum auf öffentliche Resonanz. Einzig in der kleinen schwäbischen Industrieortschaft Mössingen wurde am 31. Januar 1933 von kommunistischen Arbeitern versucht, den Generalstreik umzusetzen. Die Streikaktionen in den drei ansässigen Textilbetrieben wurden jedoch schnell niedergeschlagen. 80 Beteiligte wurden zu Haftstrafen bis zu zweieinhalb Jahren verurteilt. Am 15. Februar 1933 durchtrennten KP-Mitglieder das Hauptverbindungskabel eines Funkturmes in der Nähe von Stuttgart und verhinderten somit die Übertragung einer Hitlerrede in einige Teile von Württemberg.

Die Nationalsozialisten zählten Kommunisten und Sozialisten zu ihren Hauptfeinden. Legitimiert wurde die systematische Verfolgung seitens der Regierung durch die Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933, welche die KPD als staatfeindlich darstellte und Versammlungen und deren Publikationen verbot.

Am 5. März 1933 fanden Reichstagswahlen statt, wobei die KPD trotz Verbot ihrer öffentlichen Arbeit 12,3 % der Stimmen erlangte. Sie hatte somit 81 Sitze im Reichstag inne. Am 8. März wurden diese allerdings, mit Berufung auf die Reichstagsbrandverordnung, annulliert.

Bedingt durch die Wegnahme der rechtmäßigen Stimmrechte war die KPD nicht mehr beteiligt an der Abstimmung über Hitlers Ermächtigungsgesetz zum 23. März 1933, durch welches die erste pluralistische deutsche Demokratie auch formell beseitigt wurde. Nach dem Ausschluss der KPD stimmten nur die SPD-Abgeordneten gegen dieses Gesetz.

Am 26. Mai 1933 wurde das Vermögen der KPD eingezogen, was das „rein äußerliche Ende der Partei dokumentiert“.

Viele ihrer Anhänger und die ihrer Splittergruppen wurden verhaftet und bereits 1933, mit als erste in das Konzentrationslager Dachau oder die Lager im Emsland gesperrt. Sie wurden im „Dritten Reich“ systematisch politisch verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt und ermordet, einfache Mitglieder genauso wie leitende Kader (zum Beispiel Ernst Thälmann oder Werner Scholem). Die KPD hatte im Kampf gegen die faschistische Diktatur von 1933 bis 1945 große Verluste zu verzeichnen. Sie war durch ihre zentralistische Struktur zusätzlich sehr anfällig gegen Zerschlagung.

Im Untergrund führte die KPD ihren antifaschistischen Kampf fort. Eine relativ bedeutende Widerstandsbewegung von nicht ins Exil gegangenen KPD-Mitgliedern wurde die Gruppe um Bernhard Bästlein, Anton Saefkow und Franz Jacob.

Andere Kommunisten sammelten sich in verschiedenen Widerstandsgruppen der so genannten Roten Kapelle, die während des Zweiten Weltkrieges der Sowjetunion zuarbeiteten und unter anderem versuchten, an Geheiminformationen zu gelangen.

Mit dem Prager Manifest der SPD 1934 und den Beschlüssen der Brüsseler Konferenz der KPD 1935 wurde die Sozialfaschismusthese als Fehler erkannt und Grundlagen für ein gemeinsames Vorgehen ermöglicht. Das Manifest der Brüsseler Parteikonferenz öffnete die KPD dabei für die Volksfront, da die Idee der Einheitsfront Mitte der 1930er Jahre als faktisch gescheitert galt. Das Manifest spricht in seinem Duktus folgerichtig auch die Interessen des Kleinbürgertums oder national aber antifaschistisch Gesinnter an.[9]

Wie die anderen Mitgliedsparteien der Komintern stimmte auch sie dem Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt zu. Am 25. August 1939 erläuterte das ZK der KPD:[10]

„Der Nichtangriffspakt entlarvt die Hetze des Naziregimes über die angebliche ‚Einkreisung‘ Deutschlands. […] Das deutsche Volk begrüßt den Nichtangriffspakt zwischen der Sowjetunion und Deutschland, weil es den Frieden will […] weil es nicht wie das Bündnis Hitlers und Mussolinis und den japanischen Militaristen ein Instrument des Krieges und der imperialistischen Vergewaltigung anderer Völker, sondern ein Pakt zur Wahrung des Friedens zwischen Deutschland und der Sowjetunion ist.“

Der Krieg zwischen den Westmächten und Deutschland wurde als Auseinandersetzung imperialistischer Mächte betrachtet:[11]

„Der Krieg der grossen imperialistischen Mächte in Europa ist zur Tatsache geworden. Wieder werden Millionen von Menschen auf die Schlachtfelder getrieben, in den Tod gejagt. Alle Illusionen über beständige Friedenssysteme, Abrüstung und Verständigung in der Welt des Kapitalismus sind zerschellt. […] Die wahre Ursache liegt im Kampf der Imperialisten um die Vorherrschaft in Europa und um die Neuverteilung der Erde. Seit 20 Jahren streben Imperialisten danach, ihre Raubgelüste auf Kosten der Sowjetunion zu befriedigen.“

Das ZK der KPD mit Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht an der Spitze entwickelte ein Programm zur Rettung der deutschen Nation (zum Beispiel auf der Brüsseler und Berner Parteikonferenz der KPD). Im sowjetischen Exil gründete die KPD in Moskau das Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD), ein Zentrum des Kampfes von Antifaschisten aller Lager. Ähnliche partei- und weltanschauungsübergreifend konzipierte Organisationen wurden auch in Frankreich, Niederlande und sogar Mexiko von Exilanten aufgebaut. Mitglieder der KPD wirkten mit im Lutetia-Kreis (Paris) und im Council for a Democratic Germany (New York).

Neben Exilanten und dem Widerstand gab es wie aus anderen Parteien auch ehemalige KPD-Anhänger, die sich von den wirtschaftlichen Erfolgen der Nationalsozialisten in den ersten Jahren des Regimes überzeugen ließen und ihre oppositionelle Haltung ablegten. Die Motive dieser Überläufer waren meist entweder im Opportunismus oder im Gesinnungswandel zu sehen.

1945–1956: Reorganisierung, KPD im Westen, SED im Osten

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gingen das ZK der KPD und andere exilierte KPD-Mitglieder nach Berlin. Führer dieser Gruppe war Walter Ulbricht.

Am 11. Juni 1945 beschloss die KPD ein in der Sowjetunion vorbereitetes Aktionsprogramm, dessen Ziel der „Aufbau einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung in ganz Deutschland“ war.

Am 21. April 1946 kam es auf einem Vereinigungsparteitag zu einer Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in der Sowjetischen Besatzungszone. Die westlichen Besatzungsmächte verboten der Partei, in ihren Besatzungszonen den Namen der vereinigten Partei zu tragen, die dort weiterhin unter dem Namen KPD auftreten musste.

Zahlreiche ostdeutsche Sozialdemokraten, die sich dem Druck nicht beugen wollten, flohen in die Westzonen. Unter Führung von Kurt Schumacher, der nach Berlin gereist war, um die Sozialdemokraten im Osten zur Auflösung der Partei zu drängen, spaltete sich ein großer Teil der SPD in den Westsektoren Berlins von der von Otto Grotewohl geführten Ost-SPD ab und bildete eine eigene Partei, die nicht an der Vereinigung teilnahm.

Vom 25. November 1946 bis zum 2. Februar 1948 war die KPD an der Landesregierung in Niedersachsen beteiligt. Im Kabinett Kopf I stellte sie mit Karl Abel den Minister für Volksgesundheit und Staatswohlfahrt. Nach der niedersächsischen Landtagswahl am 20. April 1947 amtierte Abel im Kabinett Kopf II vom 11. Juni 1947 bis zu seinem Rücktritt am 5. Februar 1948 als Landesminister ohne Geschäftsbereich.

Im Jahr 1949 trennte sich die KPD in den Westzonen organisatorisch von der SED und arbeitete als formal selbstständige Partei mit eigenem Parteivorstand weiter. Sie war von 1949 bis 1953 im ersten Deutschen Bundestag sowie in fast allen Landtagen vertreten, existierte danach jedoch nur noch als Splitterpartei ohne überregionalen parlamentarischen Einfluss. Außerparlamentarisch versuchte die KPD weiterhin, in der Arbeiterbewegung und den Gewerkschaften ihren Einfluss zu halten, der vor allem im Ruhrgebiet groß war. Ihre Bedeutung in den Gewerkschaften ging jedoch nach dem Parteitag 1951 und der These 37 zugrunde. In jener These formulierte die KPD ein Primat der Partei über das gewerkschaftliche Handeln. Seitens der Gewerkschaften wurden alle Funktionäre verpflichtet, eine Erklärung zu unterschreiben, welche diese These zurückwies. Konsequenz der Unterschrift war der Ausschluss aus der KPD, eine Weigerung war der Ausschluss aus der Gewerkschaft. Die meisten Gewerkschafter entschieden sich gegen die KPD und für die Gewerkschaften.

Geschwächt wurde die KPD zwischen 1948 und 1952 auch durch interne Auseinandersetzungen. Mit Hilfe der SED und der DDR-Regierung wurden Parteimitglieder aus Führungspositionen entfernt oder ausgeschlossen, die sich für eine Tolerierung der politischen Strukturen der Bundesrepublik und für eine politische Arbeit in deren Rahmen aussprachen. Der stellvertretende Vorsitzende Kurt Müller wurde 1950 in der DDR verhaftet und von einem sowjetischen Gericht zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Die KPD war auch beteiligt an den Friedensbewegungen der 1950er Jahre, vor allem der Bewegung gegen die Wiederbewaffnung Westdeutschlands (Ohne-mich-Bewegung).

1950 erließ die Regierung Adenauer ein erstes Berufsverbot für KPD- und FDJ-Mitglieder im Öffentlichen Dienst. Auf dem Parteitag von 1951 übernahm die KPD den durch die SED formulierten Aufruf zum nationalen Widerstand. Die Bundesregierung verbot darauf die West-FDJ und beantragte beim Bundesverfassungsgericht das Verbot der KPD.

Im Januar 1952 wurde die Geschäftsordnung des Bundestages geändert, wodurch die KPD den Fraktionsstatus und damit das Recht Anträge und Anfragen zu stellen verlor. Die außerparlamentarische Agitation der Partei verschärfte sich darauf bis hin zu einem Aufruf zum „revolutionären Sturz des Regimes Adenauer“.

Ab 1953 war die KPD mit 2,2 % (607.860 Wähler) im Bundestag nicht mehr vertreten und konnte in der Folge nur noch in wenige Landtage einziehen. Sie hatte aber nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt ihres Verbots noch 85.000 Mitglieder.

Kurz vor ihrem Verbot, im April 1956, widerrief die Partei den Grundsatz des revolutionären Sturzes Adenauers.

1956: Parteiverbot in der Bundesrepublik

→ Hauptartikel: KPD-Verbot

Bereits am 23. November 1951 beantragte die Bundesregierung die Feststellung der Verfassungswidrigkeit der KPD nach Art. 21 Abs. 2 GG durch das Bundesverfassungsgericht. Nach langem Zögern des Bundesverfassungsgerichtes erging erst am 17. August 1956 das Verbotsurteil. Der Präsident des Gerichts wies vor Verlesung der Urteilsgründe darauf hin, dass die Verantwortung für die Stellung des Verbotsantrages bei der Bundesregierung liege. Das Gericht habe lediglich nach rechtlichen Kriterien zu entscheiden. Nach den vom Gericht anlässlich des Verbots der Sozialistischen Reichspartei (SRP) entwickelten Grundsätzen einer unantastbaren freiheitlichen demokratischen Grundordnung sei zwar nicht das ja auch in Art 15 GG berücksichtigte Ziel einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel zu beanstanden, wohl aber die aggressiv-kämpferischen Methoden, welche sie als „marxistisch-leninistische Kampfpartei“ zur Erreichung dieses Zieles einsetze.

In der Folge kam es zu Hunderttausenden von Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Verbot und etwa 7.000 bis 10.000 rechtskräftigen Verurteilungen. Nach dem Beitritt des Saarlandes in die Bundesrepublik wurde 1957 auch die Kommunistische Partei Saar als Ersatzorganisation der KPD verboten.

1956–1968: Illegale Parteiarbeit

Nach dem Verbot der KPD waren die Mitglieder Repressionen ausgesetzt. Das Aufrechterhalten ihrer Strukturen und die Parteiarbeit waren untersagt. Ein Teil der Mitglieder führte die politische Arbeit trotz des Verbots weiter. Es kam zu Hausdurchsuchungen, Festnahmen und gerichtlichen Verurteilungen. Einer von vielen Betroffenen dieser von den Kommunisten als Repressionen gesehenen und angegriffenen Durchsetzung des Parteiverbots war der NRW-Landtagsabgeordnete Josef Angenfort, der mehrmals verhaftet und zu Haftstrafen verurteilt wurde.

Viele Mitglieder des Parteivorstand gingen in die DDR, von wo sie teilweise konspirativ in die BRD zurückkehrten, um ihre Arbeit fortzusetzen. Zudem ging in der DDR am Tag der Urteilsverkündung ein Radiosender, der Deutsche Freiheitssender 904, mit KPD-Propaganda auf Sendung.

1957 wurde ein Antrag der FDP auf politische Amnestie, was viele Kommunisten betroffen hätte, vom Bundestag abgelehnt.

Bei Wahlen konnten die Kommunistinnen und Kommunisten nur in anderen Listen kandidieren, wie z.B. „unabhängige Wählergemeinschaften“ (in Kommunalwahlen) oder die 1961 gegründete Deutsche Friedensunion.[12]Für die Bundestagswahl 1957 hatte die KPD zur Wahl der SPD aufgerufen[13],

In den 1960er Jahren entspannte sich die politische Lage, und es wurde über die Wiederzulassung der KPD diskutiert. Herbert Wehner und Willy Brandt sprachen sich für neue Aktivitäten von Kommunisten aus, weil dies innen- wie außenpolitisch (im Sinne von Brandts auf Entspannung setzender Ostpolitik) eine positive Wirkung hätte. Sie betonten dabei, dass dies lediglich in einer Neugründung stattfinden könne, die sich auf den Boden des Grundgesetzes stelle, da eine schlichte Wiederzulassung nicht denkbar wäre. Sogar Franz Josef Strauß befürwortete eine Wiederzulassung der KPD, um sie in der offenen politischen Auseinandersetzung bekämpfen zu können. Entscheidend war schließlich der Einsatz von Justizminister Gustav Heinemann, der als Gegner der Wiederbewaffnung ab 1950 selbst vom Verfassungsschutz beobachtet worden war. Auf Antrag Heinemanns beschloss der Bundestag am 28. Juni 1968 eine Generalamnestie für alle politischen Straftaten, ausgenommen Landesverrat.

So kam es am 22. September 1968 zur Gründung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Außerdem gründeten sich im Zusammenhang mit dem Aufkommen der Neuen Linken weitere KPDs, die jeweils für sich in Anspruch nahmen, die rechtmäßige Nachfolgepartei zu sein.

Ab 1968/69: Zersplitterung – DKP und Gründungen unterschiedlicher K-Gruppen in Westdeutschland

Deutsche Kommunistische Partei

→ Hauptartikel: Deutsche Kommunistische Partei

Zwölf Jahre nach dem KPD-Verbot handelte die Führung der illegalen KPD in Gesprächen mit den SPD-Mitgliedern der Großen Koalition die Möglichkeiten kommunistischer Tätigkeit in der Bundesrepublik unter der Geltung des Verbotsurteils aus. Da eine schlichte Wiederzulassung nicht in Frage kam, wurde der Weg über eine „Neukonstituierung“ als Deutsche Kommunistische Partei gewählt. DDR, Sowjetunion und auch die verbotene „alte KPD“ erkannten diese DKP als legitimen Nachfolger der 1956 verbotenen Partei an. So wurde diese auch stets zu den Parteitagen der osteuropäischen Bruderparteien eingeladen und hat jahrzehntelang erhebliche Finanzmittel aus der DDR erhalten.

Kommunistische Neugründungen um 1970 (Auswahl)

→ Hauptartikel: K-Gruppe

Ab 1968 bildeten sich kommunistische Organisationen, die sich zum Teil auf die KPD oder ihre Dissidenten beriefen, und von denen mehrere die Namen KPD oder KPD/ML führten.

Spätere Neugründungen (Auswahl)

Siehe auch

Neben- und Vorfeldorganisationen der Weimarer KPD

Einzelnachweise

  1. Laufer: Verfassungsgerichtsbarkeit und politischer Prozeß. Tübingen 1968, S. 476.
  2. Hans-Werner Klausen: Der „deutsche Oktober“ fand nicht statt
  3. Hermann Weber: Die Wandlung des deutschen Kommunismus. Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik. Frankfurt am Main 1969.
  4. Thomas Weingartner: Stalin und der Aufstieg Hitlers, Beiträge zur auswärtigen und internationalen Politik. Bd. 4, Berlin 1970.
  5. Protokoll 6. Komintern-Kongreß 1928, Band I, S. 16ff und 302.
  6. Protokoll XII. Parteitag der KPD 1929, S. 72.
  7. Thälmann-Rede vor dem ZK der KPD im Februar 1932. In: Der deutsche Kommunismus. Dok. 47, S. 157ff.
  8. Molotov im Gespräch mit Feliks Chuev am 9. Juni 1976. In: Albert Resis (Hrsg.): Molotov remembers: inside Kremlin politics; conversations with Felix Chuev. Chicago 1993.
  9. Manifest der Brüsseler Parteikonferenz der KP Deutschlands. In: Dokumente des ZK der KPD 1933–1945. Offenbach 2002, S. 226.
  10. Erklärung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Deutschlands zum Abschluß des Nichtangriffspaktes zwischen der Sowjetunion und Deutschland. In: Dokumente des ZK der KPD 1933–1945. Offenbach 2002, S. 394f.
  11. Gegen den imperialistischen Krieg – für den Frieden und die Freiheit der Völker (Dez. 1939). In: Dokumente des ZK der KPD 1933–1945. Offenbach 2002, S. 399–405.
  12. Georg Fülberth: KPD und DKP. Zwei kommunistische Parteien in der vierten Periode kapitalistischer Entwicklung. Heilbronn 1990. ISBN 3-923208-24-3. S. 94f.
  13. Georg Fülberth: KPD und DKP. Zwei kommunistische Parteien in der vierten Periode kapitalistischer Entwicklung. Heilbronn 1990. ISBN 3-923208-24-3. S. 94

Literatur

KPD 1918 bis 1945

KPD 1945 bis 1968