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Quechua

Dieser Artikel handelt von der Sprache Quechua. Für die Quechua-Ethnien siehe Quechua (Volk), für die Höhenzone Quechua (Höhenzone).
Quechua, Ketschua (Runasimi)

Gesprochen in

Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Peru
Sprecher Geschätzte 10 Millionen
Offizieller Status
Amtssprache von Bolivien, Peru, Ecuador
Sprachcodes
ISO 639-1:

qu

ISO 639-2:

que

SIL/ISO 639-3:

que

Quechua (auch Ketschua, in Ecuador Kichwa oder Quichua) ist eine Sprache bzw. eine Gruppe eng miteinander verwandter indigener amerikanischer Sprachen, die im Andenraum Südamerikas gesprochen werden. Auch die Inka sprachen eine Variante des Quechua.

Inhaltsverzeichnis

Name der Sprache

Das Wort Quechua an sich (auf Quechua je nach Dialekt und Schreibweise: Qhichwa, Qichwa, Qiĉwa oder Qheswa) bezeichnet im Quechua „Tal“ oder eine Höhenlage inklusive ihrer Bewohner. Die Quechua-Sprecher selbst nennen ihre Sprache Runa Simi bzw. Runasimi (von runa „Mensch“ und simi „Mund, Wort, Sprache“, also „Menschenwort“). In manchen Quechua-Texten wird die Bezeichnung Qhichwa Simi oder Qheswa Simi („Quechua-Sprache“) verwendet.

Verbreitung

Der Sprachraum des Quechua erstreckt sich vom Süden Kolumbiens über große Teile von Ecuador, Peru und Bolivien bis in den Norden von Chile und Argentinien. Den größten Anteil an den Sprechern hat dabei Peru, gefolgt von Bolivien und Ecuador, während in den anderen Ländern nur kleine Minderheiten die Sprache beherrschen.

Heute ist Quechua mit wahrscheinlich mehr als 7 Millionen Sprechern (die Schätzungen variieren hier allerdings stark) die meistgesprochene indianische Sprache Südamerikas und nimmt somit auf diesem Kontinent hinsichtlich der Sprecherzahl Rang 3 hinter Spanisch und Portugiesisch ein.

Für den größten Teil des Sprachgebiets, nämlich Peru, Ecuador und Bolivien, liegen Volkszählungsangaben zur Sprecherzahl vor (Peru: 1993, Bolivien: 2001, Ecuador: 2001). Für Kolumbien, Argentinien und Chile fehlen solche Daten völlig; es gibt lediglich Schätzungen, die, wie oben erwähnt, sehr stark variieren. Zu den Volkszählungsergebnissen ist anzumerken, dass Kinder im Vorschulalter nicht erfasst werden. Mindestens in Peru und Ecuador dürfte die tatsächliche Sprecherzahl deutlich über den durch die Volkszählungen ermittelten Zahlen liegen. In Peru wurde 1993 die weitverbreitete Mehrsprachigkeit nicht berücksichtigt, indem nur nach der Muttersprache gefragt wurde. Zudem ist der Rückgang der Sprecherzahl gegenüber der Volkszählung von 1981 so drastisch, dass er u.a. dadurch erklärt werden muss, dass Personen, die 1981 angaben, Quechua zu beherrschen, 1993 Spanisch als Muttersprache nannten. In Ecuador wurden 2001 nur rund 500.000 Quechuasprachige (Ein- und Zweisprachige) gezählt. Alle in der Literatur genannten Schätzungen liegen jedoch deutlich höher. Bei Volkszählungen und Befragungen wird schon seit langem eine Tendenz beobachtet, die Kenntnis einer als minderwertig empfundenen Sprache nicht anzugeben (underreporting). Allerdings muss auch beachtet werden, dass ein nicht unerheblicher Teil der Sprecher sich aus unterschiedlichen Gründen im Alltag des Spanischen bedient. Insbesondere die Quechuasprecher in den großen Städten dürften die Sprache kaum benutzen.

Die Verteilung der Sprecher auf die Länder:

Quechua ist neben Spanisch und Aymara Amtssprache in Bolivien und in Peru, in letztgenanntem jedoch laut Verfassung nur in den „Gebieten, wo sie [Quechua und Aymara] vorherrschen“. In Ecuador ist Kichwa (wie auch die anderen indigenen Sprachen) Amtssprache „in seinen Gebieten“.

In den meisten großen Universitäten des spanischsprachigen Südamerika wird Quechua als Fremdsprache gelehrt.

Dialekte

Die Varietäten des Quechua bilden ein Dialektkontinuum. Sie lassen sich in zwei große Gruppen einteilen, die nach dem peruanischen Sprachforscher Alfredo Torero als Quechua I und Quechua II bezeichnet werden.

Quechua I (Waywash) wird in den meisten quechuasprachigen Gebieten der zentralen und nördlichen peruanischen Anden gesprochen. Die wichtigsten Dialekte sind Ankash (Ancashino, im Departement Ancash), Shawsha in der Provinz Jauja (im Departement Junín) sowie Wanka (Huanca) in den Provinzen Huancayo und Concepción (ebenfalls in Junín), außerdem gibt es diverse Dialekte in Huánuco, Cerro de Pasco, Tarma (Nord-Junín) und im Norden des Departements Lima (Dialekt Yaru).

Quechua II (Wampuy) umfasst alle im Süden Perus sowie in Bolivien, Argentinien, Chile, Ecuador und Kolumbien gesprochenen Varietäten sowie eine kleinen Teil der Varietäten des übrigen Perus. Es gliedert sich in drei Untergruppen. Die Yunkay-Gruppe (Quechua II a) umfasst die relativ wenigen Varietäten des Quechua II im zentralen und nördlichen Peru (Untergruppe Kashamarka-Kañaris in den Departements Cajamarca und Lambayeque sowie die Dialekte von Yauyos im Departement Lima, die fast ausgestorben sind), die Chinchay-Gruppe (Quechua II b, auch als nördliches Quechua bezeichnet) die Varietäten Ecuadors und Kolumbiens (Kichwa), die eine ganz eigene Sprachentwicklung genommen haben, wie auch einige Dialekte Nordperus (Kichwa-Sprachinseln in Amazonien). Das südliche Quechua umfasst alle Varietäten des südlichen Perus (Quechua II c: Dialekte Chanka in den Departements Ayacucho, Huancavelica und dem nördlichen Apurímac sowie Qusqu-Qullaw im südlichen Apurímac und den Departements Cuzco und Puno), Boliviens, Argentiniens und Chiles.

Unterschiede zwischen den beiden Hauptgruppen bestehen in vielen Teilen der Grammatik und des Wortschatzes, so dass eine Verständigung zwischen muttersprachlichen Sprechern von Varietäten des Quechua I und des Quechua II ohne Kenntnis weiterer Varietäten nur schwer möglich ist. Die Varietäten des Quechua I unterscheiden sich trotz ihres geringen Verbreitungsgebietes auch erheblich untereinander, während das Quechua II im Vergleich dazu verhältnismäßig einheitlich ist. Die Unterschiede zwischen den Dialekten des südlichen Quechua II in Peru und Bolivien, die zahlenmäßig die größte Gruppe der Quechuasprecher umfassen, sind relativ gering und beschränken sich vor allem auf den Bereich der Phonetik.

Die Reichssprache des Inka-Reiches, die Sprache der meisten erhaltenen älteren Schriftzeugnisse und die Sprache der Mehrzahl der modernen Publikationen auf Quechua aus Peru und Bolivien beruht auf diesen südlichen Dialekten des Quechua II. Viele andere Varietäten des Quechua sind hingegen lediglich in der modernen linguistischen Fachliteratur beschrieben worden.

Klassifikation

Geschichte

Untersuchungen der Sprachwissenschaftler Torero und Parker in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts zeigten, dass es im Raum Lima den größten Variationsreichtum an Dialekten gibt bzw. gab. Deshalb wird dort, im Gegensatz zu früheren Annahmen, der Ursprung der Quechua-Sprache vermutet. In mehreren Wellen im Laufe des vergangenen Jahrtausends breitete sie sich aus, in das Gebiet von Cuzco und Bolivien wohl sogar erst im 15. und 16. Jahrhundert. Dabei wurden Sprachen der Aru-Sprachfamilie (wozu Aymara gehört und die ebenfalls ihren Ursprung im Raum Lima haben) verdrängt. Bereits vor über tausend Jahren spaltete sich das Proto-Quechua zunächst in zwei Sprachen (s. g. zentrales und peripheres Quechua oder Quechua I und II), später in viele Varianten bzw. verwandte Sprachen auf. Quechua - genauer gesagt vermutlich eine Variante, die dem heutigen Quechua von Ayacucho stark ähnelte - war zumindest in der Zeit vor der Conquista Staatssprache im Inka-Reich (lengua general), bis ins 15. Jahrhundert war dies jedoch wahrscheinlich Aymara gewesen. Seine größte Verbreitung erlangte das Quechua zwischen 1500 und 1700, als es in vielen verschiedenen Varianten zwischen Zentralargentinien und dem südlichen Kolumbien mit Unterbrechungen im gesamten Andenraum gesprochen wurde. Es gab allerdings einige Gebiete der Anden, in denen es sich nie durchsetzte: so im noch heute vorhandenen Aymara-Sprachgebiet am Titicaca-See und südlich davon sowie in Teilen Nordperus (Nord-Ancash, La Libertad, Teile des Departements Cajamarca, wo bis ins 20. Jahrhundert u. a. Culli gesprochen wurde). An der Küste wurde Quechua insbesondere im Raum Lima gesprochen, jedoch nie an der nordperuanischen Küste, wo sich Varianten des Mochica bis Anfang des 20. Jahrhunderts hielten. Auch die Missionstätigkeit begünstigte die Ausbreitung des Quechua, das in der frühen Kolonialzeit noch die Rolle der „Lengua general“ inne hatte. Erst mit dem Ende der Kolonialzeit, stärker noch ab der Zeit der unabhängigen Republiken, die von Kreolen (Weißen) regiert wurden, sank das Prestige der Sprache, die seitdem durch das Spanische immer mehr aus dem öffentlichen Leben verdrängt wurde. Heute besteht eine Situation, in der viele Quechua-Dialekte, insbesondere im Norden Perus, vom Aussterben bedroht sind und Quechua, genauer gesagt die „großen“ Varianten Qusqu-Qullaw, Chanka (Ayakuchu) und Ankash, nur noch im ländlichen Raum der Anden südlich ab Huancavelica bis zur bolivianisch-argentinischen Grenze, in Teilen von Ancash sowie (nördliche Dialektgruppe „Kichwa“) in einigen Sprachinseln in Amazonien und den ecuadorianischen Anden allgemeine Alltagssprache ist.

Verwendung in der Schule

Seit der Einrichtung eines breit angelegten Schulwesens durch die Staaten Lateinamerikas war das erklärte Ziel der Regierungen, die indigene Bevölkerung zu hispanisieren (castellanización). Spanisch war deshalb die einzige Unterrichtssprache. Quechua diente entweder nur als Hilfssprache zu bloßen Verständigung, oder es war in manchen Regionen sogar in der Schule verboten. Unter Juan Velasco Alvarado in Peru wurde erstmals Quechua in Schulen eingeführt, dies jedoch zunächst als Zweit- bzw. Fremdsprache für Spanischsprachige in Lima, wo es auf starken Widerstand und rassistische Vorbehalte stieß. Nach dem Sturz Velascos endeten zunächst praktisch alle Quechua-Schulversuche. Anfang der 1980er Jahre kam es zu einem regionalen Projekt zur Verwendung von Quechua und Aymara im peruanischen Departement Puno mit Unterstützung der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), welches jedoch nur auf Druck der deutschen Seite weitergeführt wurde.

Seit den 1990er Jahren gibt es auf internationaler Ebene Vereinbarungen lateinamerikaischer Länder zur so genannten Interkulturellen Zweisprachigen Erziehung (Educación Intercultural Bilingüe) EIB. In Ecuador und Bolivien, seit wenigen Jahren auch in Peru, ist die EIB in der Primarstufe ein fester Bestandteil des Erziehungswesens geworden, ohne jedoch bisher auch nur die indigene Bevölkerung flächendeckend zu versorgen. Sie beschränkt sich derzeit noch - von Ausnahmen abgesehen - auf die ländliche quechua- und aymarasprachige Bevölkerung und bezieht nicht in umgekehrter Weise die Spanischsprachigen bzw. die Städte mit ein. Dies gilt auch für die weitergehende Förderung des Quechua als gleichberechtigte Sprache in der Mittel- und Oberstufe. Tatsächlich kann das Quechua auch in der Schule nur dann erfolgreich sein, wenn seine Verwendung im modernen Berufsleben notwendig und selbstverständlich ist. Vielfach soll es Vorbehalte der Eltern geben, die fürchten, dass ihre Kinder nicht gut genug Spanisch lernen (welches sie später im Beruf brauchen), wenn sie in ihrer Muttersprache alphabetisiert werden. Wissenschaftliche Untersuchen zeigen, dass das Gegenteil der Fall ist. Dieser tatsächliche bessere Erfolg der Schüler wie auch das subjektive bessere Empfinden haben derartige Vorbehalte teilweise verstummen lassen.

Bei der EIB wird im ersten Schuljahr Lesen und Schreiben nur in der indigenen Sprache gelehrt. Im zweiten Schuljahr kommt das Erlernen der spanischen Rechtschreibung dazu. Ab dem dritten Schuljahr nimmt der Anteil des spanischsprachigen Unterrichts zu, und die Fächer werden sowohl auf Quechua als auch auf Spanisch unterrichtet. Interkulturell soll der Unterricht in der Hinsicht sein, dass er inhaltlich auf die indigene Kultur ausgerichtet ist und zusätzlich Aspekte der europäischen („weißen“) Kultur gelernt werden, es also keine einfache „Übersetzung“ des traditionellen eurozentrischen Bildungskonzepts ist.

Anfängliche Ansätze zweisprachigen Unterrichts in Lateinamerika waren in erster Linie auf eine Optimierung des Spanischlernens ausgerichtet. Die EIB soll jedoch zum Ziel haben, die Quechua-Sprache wie die indigene Kultur überhaupt aufzuwerten und so ihren Bestand zu sichern. In einigen Fällen geht es auch um das Wiedererlernen des Quechua, so etwa bei den Quechuas Lamistas in Peru oder den Saraguros in Ecuador.

In Ecuador gibt es eine Reihe zweisprachiger Schulen mit Kichwa, die in eigener Verantwortung der indigenen Gemeinden geführt werden.

In Bolivien ist der „Bildungsrat der Quechua-Nation“ (Consejo Educativo de la Nación Quechua, CENAQ) auf nationaler Ebene für den Quechua-Unterricht zuständig. Die EIB erfasst hier bisher etwa die Hälfte der Quechua-Bevölkerung.

In Peru wurden inzwischen - neben anderen indigenen Sprachen - im Auftrag des Bildungsministeriums Schulmaterialien in der amtlichen Rechtschreibung für folgende Varianten des Quechua erarbeitet, die auch in der EIB verwendet werden:

Die Einführung der EIB für andere Quechua-Varianten, darunter in ihrem Bestand bedrohte wie Wanka und Cajamarca-Quechua, steht noch aus.

Lautsystem (Phonologie)

Unter den verschiedenen Quechua-Varianten gibt es einige bedeutende Unterschiede in der Phonologie. Zunächst werden die Verhältnisse bei der meist verbreiteten Variante Qusqu-Qullaw (gesprochen in Cusco, Puno, Teilen von Apurímac und in Bolivien) beschrieben, im Anschluss Unterschiede bei anderen Varianten.

Vokale

Quechua hat nur drei Vokale im Sinne von Phonemen: [a], [i] und [u] (ähnlich wie klassisches Arabisch). Einsprachige sprechen diese in der Regel aus als [æ ɪ ʊ], obwohl sie auch wie die spanischen Vokale [a i u] ausgesprochen werden können. In Nachbarschaft zu den uvularen Konsonanten [q], [q'] und [qh] werden sie mehr wie [ɑ], [ɛ] und [ɔ] gesprochen. Diese nur von den Uvularen bedingten Allophone wurden in der inzwischen nicht mehr offiziellen 5-Vokal-Orthographie mit „e“ und „o“ wiedergegeben, was in Grenzfällen zu erheblicher Verwirrung führte. Heute wird darum (außer in Lehnwörtern) nur noch „a, i, u“ geschrieben.

Konsonanten

Labial Alveolar Palatal Velar Uvular Glottal
Plosiv p t k q
Frikativ s h
Nasal m n ɲ
Lateral l ʎ
Vibrant ɾ
Halbvokal w j

Die Buchstaben des nunmehr in Peru offiziellen Alphabets entsprechen dem Internationalen Phonetischen Alphabet, abgesehen von den Palatalen [tʃ ɲ ʎ j], die als „ch ñ ll y“ geschrieben werden.

Die Plosive und Frikative sind immer stimmlos; Stimmhaftigkeit ist im Stammvokabular des Quechua nicht phonemisch. In der Variante Qusqu-Qullaw - anders als in allen anderen Quechua-Varianten, jedoch so wie in Aymara, von woher diese Besonderheit wahrscheinlich stammt - hat jeder Plosiv drei Formen: einfach, ejektiv und aspiriert (gehaucht), zum Beispiel:

einfach ejektiv aspiriert
p p′ ph
t t′ th
tʃ′ h
k k′ kh
q q′ qh

In sämtlichen zentralen und nördlichen Varianten des Quechua (vom Departement Junín an nördlich) gibt es zudem den postalveolaren Frikativ [ʃ] (geschrieben „sh“, von Linguisten auch [š], entspricht deutschem sch), der in den südlichen Varianten mit [s] zusammengefallen ist. Der Laut [ʃ] taucht auch in manchen Gegenden des Qusqu-Qullaw wieder auf, hat sich dort jedoch aus [tʃk] („chk“) bzw. [sj] („sy“) entwickelt (so wird er auch im offiziellen Alphabet wiedergegeben) und hat somit etymologisch nichts mit dem ursprünglichen Quechua-Laut [ʃ] zu tun.

In den Dialekten von Junín, Cajamarca und Lambayeque gibt es außerdem noch das retroflexe [ĉ] (gesprochen ähnlich wie ein englisches „tr“), ein ursprünglicher Quechua-Laut, der in den anderen Varianten mit [] („ch“) zusammengefallen ist.

Einfluss des Spanischen

Etwa 30% des modernen Quechua-Wortschatzes stammen aus dem Spanischen, und einige spanische Laute (z. B. f, b, d, g) dürften phonemischen Charakter bekommen haben, auch bei einsprachigen Quechua-Sprechern. Dasselbe gilt zunehmend für die Unterscheidung der Vokale o-u und e-i bei spanischen Lehnwörtern (so z. B.: karo aus dem Spanischen caro = „teuer“, Quechua karu = „weit“).

Schrift und Schreibweise

Vor der Ankunft der Europäer existierte keine Buchstabenschrift für das Quechua. Inwieweit die zur Zeit des Inkareiches gebräuchlichen Quipu (Khipu, Knotenschnüre), die in erster Linie Inventarlisten von Vorratslagern o. ä. darstellten, als eine Vorform einer Ganz-Wort-Schrift aufgefasst werden können, ist umstritten.

Seit der spanischen Kolonialzeit wurde das lateinische Alphabet zur Wiedergabe des Quechua verwendet, wobei sich der Lautwert der Buchstaben zunächst meist am spanischen Vorbild orientierte. 1560 schrieb Domingo de Santo Tomás die erste Grammatik für eine Quechua-Variante an der Küste bei Lima, auf deren Grundlage lange Zeit an der Universität von Lima gelehrt wurde. 1607 und 1608 veröffentlichte Diego González Holguín Wörterbuch und Grammatik für das Quechua (von ihm „Quichua“ genannt) von Cuzco, die für die nachfolgenden kolonialen Quechua-Texte maßgeblich waren.

Eine einheitliche Rechtschreibung gab es bis ins 20. Jahrhundert nicht. Geschrieben wurde nach spanischer Orthographie, die die Lautwerte des Quechua nur sehr unvollkommen wiedergab. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden mehrere konkurrierende Entwürfe für eine Rechtschreibung des Quechua in lateinischen Buchstaben vorgelegt.

In Peru legte 1975 die Regierung von Juan Velasco Alvarado ein amtliches Alphabet (Alfabeto Oficial) mit sechs regionalen Varianten fest, welches als neue Buchstaben u. a. w, k und q enthielt, so dass die Laute des Quechua [w], [k] und [q] erstmals exakt wiedergegeben werden konnten. Gehauchte Plosive wurden durch Anhängen von h, ejektive Plosive durch Anhängen von Apostroph ausgedrückt. Im Wesentlichen gilt dieses Alphabet bis heute. In Anlehnung an die spanische Schreibweise wurden jedoch noch die fünf Vokale a, e, i, o, u verwendet. Diese Form des Alphabets wird bis heute von der Academia Mayor de la Lengua Quechua (AMLQ) in Cusco propagiert. In Bolivien wurde parallel ein sehr ähnlicher offizieller Standard entwickelt, bei dem jedoch „j“ an Stelle von „h“ sowie von „k“ und „q“ am Silbenende verwendet wurde. In Argentinien etablierten sich gleich zwei verschiedene Schreibweisen: die von Tucumán / Jujuy und die von Santiago del Estero.

Die amtlichen Rechtschreibungen Perus und Boliviens wurden einander in den achtziger Jahren angeglichen, außerdem wurde offiziell in beiden Ländern die 5-Vokal-Schreibweise 1985 durch die 3-Vokal-Schreibweise abgelöst, da diese der Phonetik des Quechua näher kommt. Statt „e“ und „o“, welche immer nur in Nachbarschaft von „q“ vorkamen, wird nunmehr „i“ bzw. „u“ geschrieben. Als Unterschied zwischen beiden Ländern bleibt noch das Zeichen für den Lautwert [h], der in Peru mit „h“ und Bolivien mit „j“ wiedergegeben wird. In Ecuador wurde die am Spanischen orientierte Rechtschreibung gleichfalls durch eine an Peru und Bolivien angelehnte Schreibweise ersetzt, wobei die Phonetik des ecuadorianischen Kichwa deutlich von Peru und Bolivien abweicht. In Argentinien steht allerdings eine Übernahme des neuen Quechua-Alphabets noch aus.

Die moderne Quechua-Rechtschreibung wird bis heute von einigen Einrichtungen, darunter der AMLQ und Vertretern von SIL International, mit dem Argument kritisiert, dass das offizielle Alphabet für Personen, die auf Spanisch lesen und schreiben lernten, schwerer zu begreifen sei. Dem wird allerdings entgegengehalten, dass die moderne Schreibung die Quechua-Phonologie perfekt wiedergibt, und es wird auf Studien verwiesen, die zeigen, dass Alphabetisierung in Quechua mit dem 5-Vokal-System später sogar zu stärkeren Leseschwierigkeiten im Spanischen führt als bei Alphabetisierung mit dem 3-Vokal-System.

Zu beachten ist, dass in der Öffentlichkeit, besonders bei geographischen Namen auch ältere, an der spanischen Orthographie orientierte Schreibweisen noch bis heute üblich sind. So werden bekanntere Namen wie Wayna Pikchu, Saksaywaman und Qurikancha auch als Huayna Picchu, Sacsayhuaman und Coricancha bzw. Qorikancha geschrieben.

Der peruanische Linguist Rodolfo Cerrón Palomino, der Wanka-Quechua als Muttersprache spricht, schlägt einen einheitlichen Rechtschreibstandard vor für alle südlichen Quechua-Dialekte (d. h. ganz Südperu ab Huancavelica südwärts, Bolivien und Argentinien), den er Südliches Quechua (Quechua sureño) nennt. Dieser Standard wird inzwischen von vielen Einrichtungen Perus akzeptiert. Er beinhaltet ursprüngliche Strukturen der beiden meist gebrauchten Dialekte: Chanka (Ayakuchu, Quechua ayacuchano) und Qusqu-Qullaw (gesprochen ab Cusco südlich, in Bolivien und Argentinien). Beispiele:

Ayacucho Cuzco Quechua sureño Übersetzung
upyay uhyay upyay „trinken“
utqa usqha utqha „schnell“
llamkay llank'ay llamk'ay „arbeiten“
ñuqanchik nuqanchis ñuqanchik „wir (inklusiv)“
-chka- -sha- -chka- (Suffix: unvollendete Handlung)
punchaw p'unchay p'unchaw „Tag“

Buchstaben des offiziellen Quechua-Alphabets

Im seit 1985 offiziellen Quechua-Alphabet in Peru kommen allgemein folgende 18 Buchstaben für den ererbten Quechua-Wortschatz sowie für Entlehnungen aus dem Aymara zur Anwendung:
a, ch, h, i, k, l, ll, m, n, ñ, p, q, r, s, t, u, w, y.

Im Qusqu-Qullaw werden zusätzlich folgende Buchstaben (auch für Aymara-Lehnwörter) verwendet, was insgesamt 28 Zeichen ergibt:
chh, ch', kh, k', ph, p', qh, q', th, t'.

In Bolivien steht „j“ an Stelle von „h“.

In den nördlichen und zentralen Varianten gibt es außerdem das sh [š] (IPA: [ʃ]). In den Varianten von Junín, Cajamarca und Lambayeque gibt es auch noch das ĉ (inoffiziell „tr“ geschrieben), was 20 Zeichen ergibt.

Die Buchstaben e und o werden nicht für ererbte Quechua-Wörter verwendet, da es sich bei den entsprechenden Lauten um Allophone von i und u handelt, die in Nachbarschaft zu q, qh, q' auftreten.

Folgende Buchstaben werden nur in Lehnwörtern aus dem Spanischen und anderen Sprachen (nicht aus dem Aymara) verwendet:
b, d, e, f, g, o.

Nur in Eigennamen oder direkt übernommenen spanischen Ausdrücken treten auf:
c, v, x, z; j (in Peru; in Bolivien steht es an Stelle von h).

Sprache oder Sprachfamilie - Wie viele Schriftsprachen?

Der Streit, ob es sich beim Quechua um eine Sprache mit vielen unterschiedlichen Dialekten oder um eine Sprachfamilie handelt, ist aufgekommen, als durch die Feldforschungen des 20. Jahrhunderts deutlich wurde, dass es teilweise sehr unterschiedliche Varianten des Quechua gibt. Es gibt mehrere verschiedene Standpunkte, darunter zwei Extrempositionen: Während z. B. die Academia Mayor de la Lengua Quechua in Cusco die Position vertritt, dass es nur eine Sprache Quechua gebe und alle deren Sprecher das heutige Quechua der Stadt Cusco (also keine Ausgleichsvariante wie etwa das Südliche Quechua) mit all seinen regionalen, neu entstandenen Besonderheiten als Schriftsprache akzeptieren sollen, macht das Linguistische Sommerinstitut (SIL International) aus dem Dialektkontinuum gleich eine Gesamtzahl 46 eigener Sprachen. Das peruanische Erziehungsministerium legte 1975 sechs regionale Varianten fest und ließ für diese Wörterbücher und Grammatiken anfertigen: Cusqueño bzw. Cusco-Collao (Qusqu-Qullaw), Ayacuchano (Chanka), Huanca (Wanka), Ancashino (Ankash), Cajamarca-Cañaris und San Martín (Lamas-Quechua). Man weiß heute allerdings, dass die Abweichungen zwischen Qusqu-Qullaw und Chanka geringer sind als die Unterschiede etwa innerhalb des Ancashino, zwischen Waylla Wanka und Shawsha Wanka oder zwischen Cajamarca und Cañaris. Jüngste Entwicklungen bei der Verschriftung laufen auf die Entstehung einiger weniger Schriftsprachen hinaus. Drei Schriftsprachen bzw. orthographische Regionalstandards mit mehr als nur lokaler Bedeutung haben sich schon mehr oder weniger etabliert:

Alle weiteren Quechua-Schriftsprachen betreffen ausschließlich Peru.
Einige kleinere, lokale schriftsprachliche Quechua-Varianten werden zumindest ansatzweise bereits im Schulbereich verwendet oder ihre Einführung liegt nahe:

Es könnten sich auch noch weitere Schriftsprachen bzw. Standards entwickeln, z. B. Shawsha Wanka (Jauja; gehört zu Quechua I) oder Huánuco-Quechua (gehört zu Quechua I). Möglich ist aber auch die Integration dieser Varianten in die vorgenannten Standards.

Grammatik

Quechua ist eine agglutinierende Sprache wie türkisch und finnisch, d.h. die Bedeutung eines Wortes wird durch das Anhängen von Silben (Suffixe) an einen unveränderlichen Wortstamm angepasst, nicht durch Beugung (Veränderung des ganzen Wortes je nach Zeit, Person, Geschlecht und Fall) wie beispielsweise im Deutschen.

Die Reihenfolge der Suffixe ist streng geregelt, wie das Beispiel des Wortes chakra (Feld) illustriert:

Wie die meisten agglutinierenden Sprachen ist das Quechua eine Sprache vom Typ SOP (Subjekt-Objekt-Prädikat), d. h. im Normalfall gilt eine Wortfolge wie in diesem Satz:

Michiqkunaqa wayñutam takichkanku = Die Hirten [michiqkuna] singen [takiy] (gerade) [-chka-] einen Wayñu [Art Gesang/Tanz].

Substantiv

Das Substantiv im Quechua kennt zwei Numeri: Singular und Plural. Letzterer wird durch Anhängen von -kuna ausgedrückt. Seine Verwendung ist nicht zwingend und wird in eindeutigen Fällen oft weggelassen.

Das Substantiv wird durch eine Reihe von Suffixen „dekliniert“, die an Stelle von Präpositionen verwendet werden. Hierzu gehören -p(a) (Genitiv), -ta (Akkusativ), -nta („durch“), -man („zu“), -manta [Quechua I: -piqta] („von, aus“), -paq („für“), -pi [Quechua I: -ĉaw] („in“), -wan („mit“). Diese Suffixe sind z. B. auch dadurch sehr produktiv, dass sie Adverbien bilden (chaypi, dort; kunanmanta, ab jetzt, ...).

Die Funktion des bestimmten Artikels wird teilweise vom s.g. „Topic Marker“ -qa übernommen: runaqa = der Mann.

Durch Aneinanderreihen von Substantiven werden sehr einfach und häufig zusammengesetzte Wörter gebildet, wobei das vorangestellte Nomen das Attribut ist: hatun = groß, yachay = wissen, lernen, wasi = Haus, hatun yachay wasi = Hochschule, Universität.

Das Quechua kennt kein grammatisches Geschlecht, jedoch spielt in manchen Fällen das natürliche Geschlecht eine Rolle: so ist z. B. churi immer das Kind eines Mannes, wawa das Kind einer Frau. Ähnlich ist es auch bei Geschwisterbezeichnungen.

Pronomen

Numerus
Singular Plural
Person Erste Ñuqa Ñuqanchik (inklusiv)

Ñuqayku (exklusiv)

Zweite Qam Qamkuna
Dritte Pay Paykuna

In Quechua gibt es sieben Personalpronomen. Für die erste Person Plural („wir“) hat Quechua zwei unterschiedliche Pronomen. Eines, das inklusive, wird benutzt, wenn der Sprecher den Angesprochenen mit einschließt („wir und du“, „ich und du“). Das exklusive Pronomen wird benutzt, wenn der Angesprochene nicht einbezogen wird („wir ohne dich“).

Besitz oder Zugehörigkeit wird im Quechua durch Personalsuffixe ausgedrückt:

wasi = Haus; wasiy = mein Haus; wasiyki = dein Haus; wasin = sein/ihr Haus; wasinchik = unser (auch dein) Haus; wasiyku = unser (nicht dein) Haus; wasiykichik = euer Haus; wasinku = ihr Haus.

Der Genitiv -p(a) fordert im zugehörigen Nomen, das den Besitz ausdrückt, eine Possessivendung: intip churin = Sohn der Sonne.

Die wichtigsten Demonstrativpronomen (auch mit Adjektivfunktion) im Quechua sind kay (dies), chay (das) und wak (jenes).

Adjektive

Die Adjektive stehen im Quechua vor den Substantiven. Es gibt kein grammatisches Geschlecht, und sie werden nicht mit den Substantiven mitdekliniert.

Adverbien

Adverbien werden zum einen durch Anhängen von -ta, manchmal auch -lla an ein Adjektiv gebildet: allin - allinta („gut“), utqay - utqaylla („schnell, rasch“). Zum anderen bildet man sie durch Suffixe an Demonstrativpronomen: chay („das“) - chaypi („dort“), kay („dies“) - kayman („hierher“). Darüber hinaus gibt es zahlreiche selbständige Adverbien. Auffällig ist hierbei, dass das Adverb qhipa sowohl „hinten“ als auch „zukünftig“, ñawpa dagegen „vorn“ und „vergangen“ bedeutet. Räumliche und zeitliche Konzepte der Adverbien im Quechua sind somit - ähnlich wie im Aymara - genau umgekehrt verknüpft wie in den europäischen Sprachen.

Zahlwörter (Numeralia)

Verben

Der Infinitiv wird gebildet durch das Suffix -y (much'a= „Kuss“; much'a-y = „küssen“). Der Imperativ Singular lautet gleich; im Plural wird -ychik angehängt. Das Infix -wa- drückt „mir/mich“ aus (Much'ay! = „Küsse!, Much'away! = „Küsse mich!“).

Die Endungen des Verbs im Indikativ sind:

Gegenwart Einfache Vergangenheit Zukunft Narrative Vergangenheit
Ñuqa -ni -rqa-ni -saq -sqa-ni
Qam -nki -rqa-nki -nki -sqa-nki
Pay -n -rqa-n -nqa -sqa
Ñuqanchik -nchik -rqa-nchik -sun -sqa-nchik
Ñuqayku -yku -rqa-yku -saq-ku -sqa-yku
Qamkuna -nki-chik -rqa-nki-chik -nki-chik -sqa-nki-chik
Paykuna -n-ku -rqa-nku -nqa-ku -sqa-ku

Wenn das Subjekt in der Mehrzahl steht, darf das Verb in der Einzahl stehen: Runakunaqa llaqtakunapim kawsan. = Die Menschen leben in Dörfern/Städten.

Verschiedene Interfixe und Suffixe dienen der Veränderung der Bedeutung, so z. B. das kausative -chi- (Beispiel: wañuy = „sterben“; wañuchiy = „töten“); das reflexive -ku- (Beispiel: sipiy = „morden, schlachten“; sipikuy = „Selbstmord begehen“); das reziproke -naku- (Beispiel: marq'ay= „umarmen“; marq'anakuy= „einander umarmen“), das progressive -chka- (e.g., mikhuy = „essen“; mikhuchkay = „beim Essen sein“).

Im Quechua gibt es die objektivische Konjugation, was bedeutet, dass es nicht nur für verschiedene Subjekte, sondern auch für verschiedene Objekte unterschiedliche Verb-Endungen gibt (Transition). Beispiel:

Rikuni. Ich sehe.
Rikuyki. Ich sehe dich.
Rikunki. Du siehst.
Rikuwanki. Du siehst mich.
Rikun. Er/Sie sieht.
Rikuwan. Er/Sie sieht mich.
Rikusunki. Er/Sie sieht dich.

Für das Futur gibt es eigene Verb-Endungen der Transition.

Partikeln

Partikeln, also Worte, an die niemals Suffixe angehängt werden, gibt es nur wenige. Hierzu gehören z. B. das Wort arí („ja“), yaw („hallo!“, „he!“) und bestimmte Lehnwörter aus dem Spanischen, wie piru (von Spanisch pero „aber“) und sinuqa (von sino „sondern“). Das Verneinungswort mana („nein“) ist keine Partikel, da auch Suffixe angehängt werden (manam, „nein, nicht“; manas, „nein, sagen die Leute“, manapunim, keineswegs; manaraq, „noch nicht“; manaña, „nicht mehr“).

Evidentialität

Die meisten Sätze im Quechua werden durch ein Evidentialitäts-Suffix markiert, welches anzeigt, wie sicher sich der Sprecher über seine Aussage ist bzw. woher er die Information hat. -mi drückt Wissen aus eigener Erfahrung aus (Tayta Wayllaqawaqa chufirmi, „Herr Huayllacahua ist Chauffeur, ich weiß es, ich habe es gesehen“); -si gibt Wissen vom Hörensagen wieder (Tayta Wayllaqawaqa chufirsi, „Herr Huayllacahua ist Chauffeur, hat man mir gesagt“); -cha drückt Wahrscheinlichkeit aus (Tayta Wayllaqawaqa chufircha, „Herr Huayllacahua ist wahrscheinlich - oder: vielleicht - Chauffeur“). Nach einem Vokal wird -m, -s, -ch angehängt.

Fragen

Im Quechua gibt es sehr viele Fragewörter, die aus den Wurzeln ima (was), pi (wer) und may (wo) durch Anhängen von Nominalsuffixen gebildet werden. Meist wird noch ein Evidentialsuffix oder -taq angehängt:

Maypitaq kachkan? = Wo ist er?
Imatam rurachkanki? = Was tust du (gerade)?
Pitaq karqan? = Wer war es?

Entscheidungsfragen werden immer mit -chu gebildet.

Munawankichu? = Liebst du mich? (Antwort: Arí = ja / Manam = nein)

Verneinung

Das Suffix -chu dient auch der Verneinung, und zwar mit mana bei Aussagen und ama bei Befehlen:

Mikhunaqa manas allinchu karqan. = Das Essen soll nicht gut gewesen sein.
Ama waqaychu! = Weine nicht!

Nebensätze

Als agglutinierende Sprache verwendet Quechua an Stelle von Nebensätzen mit Konjunktionen Verbalausdrücke mit entsprechenden Suffixen:

Hamunaykitam munani. = Ich will, dass du kommst.
Inkaqa quri tawnanpa chayamusqanpi Qusqu llaqtatas kamasqa. = Wo sein goldener Stab auftraf, gründete der Inka die Stadt Cusco.
Mamaypa chiqnisqan runata rikurqanim. = Ich sah den Mann, den meine Mutter hasste.
Churiyta munaq warmita rikurqanim. = Ich sah die Frau, die meinen Sohn liebte.
Runakunaqa ayninakuyta qunqachkan. = Die Menschen vergessen, einander zu helfen.

An Stelle der deutschen Bindewörter wenn, als, während, weil und obwohl werden die Infixe / Suffixe -pti- (bei unterschiedlichen Subjekten) und -spa- oder -stin (bei gleichem Subjekt) verwendet, wobei zusätzliche Suffixe (z. B. -qa, -m(i), -s(i) und -pas) für Bedeutungsnuancen dazukommen können:

Hamuptiykiqa kusikusaq. = Wenn du kommst, werde ich mich freuen.
Kutispay kasarasqaykim. = Wenn ich wiederkehre, werde ich dich heiraten.
Takistin tusurqankim. = Während du sangst, tanztest du.

Einen Sonderfall hinsichtlich Nebensätzen bildet das Quechua in Bolivien, da es auch Bindewörter (gebildet aus Fragewörtern und -chus) aufweist, mit denen es neben den hier genannten Ausdrucksmöglichkeiten auch echte Nebensätze bilden kann.

Lehnwörter im Deutschen

Die deutsche Sprache hat eine Reihe von Lehnwörtern aus dem Quechua übernommen, in der Regel über Vermittlung durch das Spanische. Hier einige Beispiele:

Literarische Werke auf Quechua

Siehe Hauptartikel: Quechua-Literatur

Siehe auch

Literatur

 Wikipedia auf Quechua
 Wiktionary auf Quechua – ein freies Wörterbuch

Wissenschaftliche Veröffentlichungen online (frei, PDF)

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