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Vikariat (evangelisch)

Das Vikariat ist die praktische Vorbereitung für den Beruf des evangelischen Pastors bzw. Pfarrers.

Wer das Vikariat durchläuft, ist Vikar oder Vikarin. Das Vikariat ist dienstrechtlich ein Vorbereitungsdienst, ähnlich dem Referendariat im öffentlichen Dienst; das Vikariat ist damit der zweite Teil der Pfarrerausbildung in Deutschland.

Voraussetzung für das Vikariat ist u.a. das Abitur, das abgeschlossene evangelische Theologiestudium, also das Erste Theologische Examen (oder Erstes Kirchliches Examen) und der Eintrag auf der Landesliste der Landeskirche. Dieses entspricht dem akademischen Grad des Diploms (Dipl. theol.), das sich je nach Landeskirche und Universität zusätzlich zu dem Ersten Theologischen Examen erwerben lässt (siehe Theologie). Mit dem Ende des Vikariats wird das Zweite Theologische Examen (oder Zweites Kirchliches Examen) absolviert; dies ist kein akademischer Grad. Wenn die Kirche dann eine Anstellung als Pastor übernimmt, erfolgt die Ordination zum vollwertigen Pastor. Aber auch im Vikariat darf der Anwärter schon Kraft der Ordination des Pastors oder der Pastorin, der oder die die Ausbildung in der Gemeinde begleitet, das Abendmahl austeilen, Trauungen feiern, taufen etc.; dies ist eine Sonderregelung, um die Qualität dieser Ausbildung zu sichern. Der Ablauf und die Länge des Vikariats ist von Landeskirche zu Landeskirche unterschiedlich. In der Nordelbischen Kirche beginnt zur Zeit bspw. einmal im Jahr ein Vikariatskurs, der 29 Monate dauert und 18 Teilnehmer hat.

Zeitlicher Ablauf des Vikariats

Das Vikariat beginnt mit der Verleihung der Anstellungsurkunde; in einigen Landeskirchen wird die Überreichung mit einem Gottesdienst verbunden. Damit wird die betreffende Person in ein öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis auf Widerruf berufen. Das Vikariat besteht zunächst aus einer Schulphase, die bis zu einem halben Jahr dauert. Nachdem anfänglich ausschließlich der Unterricht eines Mentors oder mehrerer Lehrer hospitiert wird, muss später selbständig Unterricht in Religion und einem weiteren Fach erteilt werden. Ergänzend wird in dieser Zeit eine religionsdidaktische Einrichtung der betreffenden Landeskirche besucht.

Es folgt die mindestens ein Jahr dauernde Gemeindephase, in der der Anwärter einem Pfarrstelleninhaber fest zugeordnet ist. Dort wird schrittweise gelehrt, Gottesdienst, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen zu halten. Als letztes folgt die Abschlussphase mit dem zweiten theologischen Examen und einigen Klausuren oder mündlichen Prüfungen. Während dieser Zeit finden teils mehrwöchige Kurse in einem Predigerseminar statt, in denen die praktische Arbeit in der Gemeinde reflektiert wird und neue Ansätze erprobt werden. Häufig ist auch ein Modell mit monatsweisen Phasen im Predigerseminar, die das Gemeindevikariat unterbrechen. Es finden Kurse zu Pädagogik, Seelsorge, Predigtlehre statt. In den meisten Vikariatsmodellen ist eine Regionalgruppe hinzugekommen. Sie besteht aus Vikaren aus der Region in fester Zusammensetzung. Diese Vikare und Vikarinnen treffen sich mit ihrem Mentor zu einem Austausch eigener Erlebnisse und Erfahrungen, um so Anregungen für die eigene Arbeit zu erhalten.

Literatur