Bad Salzungen
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Bad Salzungen

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 50° 49′ N, 10° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Wartburgkreis
Höhe: 241 m ü. NN
Fläche: 39,06 km²
Einwohner: 16.480 (31. Dez. 2006)[1]
Bevölkerungsdichte: 422 Einwohner je km²
Postleitzahl: 36433
Vorwahl: 03695
Kfz-Kennzeichen: WAK alt SLZ
Gemeindeschlüssel: 16 0 63 003
Stadtgliederung: 6 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Ratsstraße 2
36433 Bad Salzungen
Webpräsenz:
www.badsalzungen.de
Bürgermeister: Klaus Bohl (Freie Wähler)
Lage der Kreisstadt Bad Salzungen im Wartburgkreis

Bad Salzungen ist eine Kurstadt in Thüringen (Deutschland). Sie ist Kreisstadt des Wartburgkreises. Bekannt ist die Stadt unter anderem für das Keltenbad.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Bad Salzungen liegt an der Werra, zwischen dem Thüringer Wald im Norden und der Rhön im Süden.

Nachbargemeinden

Angrenzende Gemeinden sind Immelborn, Leimbach, Moorgrund, Stadtlengsfeld, Tiefenort, Weilar und Urnshausen im Wartburgkreis sowie Breitungen/Werra im Landkreis Schmalkalden-Meiningen.

Stadtgliederung

Neben der Kernstadt Bad Salzungen besteht die Stadt aus den Stadtteilen Kloster, Wildprechtroda, Kaltenborn, Langenfeld und Hohleborn.

Geschichte

Besiedlung und Vorgeschichte

Lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung Bad Salzungens siedelten im Werratal und der angrenzenden Rhön Menschen, welche der keltischen Kultur zugeordnet werden können (Leimbacher Gräberfeld). Salzungen oder das noch im Dialekt gebräuchliche Sälzinge lässt eine Siedlungskontinuität mindestens seit der Völkerwanderung vermuten (siehe Suffix: -ing). Um Christi Geburt siedelte der rhein-weser-germanische Stamm der Chatten im Raum zwischen Werra und Fulda, sowie weiter in westlicher Richtung. Ab dem 3. Jahrhundert kam es, durch archäologische Funde bis in den Raum nördlich von Eisenach nachweisbar, zu einer Expansion des elbgermanischen Stammes der Hermunduren. In wieweit man von einer gemeinsamen Siedlung und Vermischung von Chatten, den späteren Hessen, und Hermunduren, den späteren Thüringern, ausgehen kann ist zumindest für diese Zeit noch fraglich. Es ist stark anzunehmen, dass Salzungen seinen Ortsnamen spätestens in jener Zeit erhielt. Während der fränkischen Osterweiterungen, zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert, wurde auch das im Thüringischen Westergau gelegene Salzungen in ein Netz fränkischer Befestigungsanlagen einbezogen. Ausgelöst durch den Aufstand eines Thüringer Grafen setzte eine Verbannungswelle in den heutigen südthüringischen Siedlungen ein. Doch im Gegensatz zum Rest der eroberten Gebiete konnte der Salzunger Raum nur teilweise in eine fränkische Neubesiedlung einbezogen werden, da hier schon sehr starke vorfränkische Siedlungsverbände existierten. Dies erkennt man u. a. am Mischdialekt, der im Raum Bad Salzungen gesprochen wird. Es ist eine Mischung aus Rheinfränkisch (Osthessisch), Mainfränkisch (Hennebergisch) und Thüringisch (Westthüringisch). Mit der fränkischen Ostkolonialisierung setzten auch die schriftlichen Überlieferungen ein.

Schriftliche Überlieferung

Am 5. Januar 775 stellte Karl der Große in der königlichen Pfalz zu Quierzy eine Schenkungsurkunde des Zehnten von seiner Villa Salsunga an das Kloster Hersfeld aus. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Salzungen. 841 kam der Ort an das Kloster Fulda. Im frühen 12. Jahrhundert erweiterten die Grafen von Henneberg ihren Herrschaftsbereich bis an die mittlere Werra. Der Raum Salzungen wurde fränkische Grenzregion nach Thüringen und Hessen. In der durch Adelsfehde und Sezession geschwächten Region wechselten häufig die Herrschaftsverhältnisse, u. a. zwischen den Äbten von Fulda, den Frankensteinern (hennebergische Nebenlinie) und Henneberg. Die seit 1306 als civitas bezeugte Stadt geriet 1366 durch den Verkauf fuldischer Besitzungen nun auch noch in den Machtbereich der Wettiner und wurde durch die Leipziger Teilung 1485 auf sächsischer Seite, der ernestinischen Linie zugeschlagen.

Der Verkauf der fuldischen Besitzungen war über die folgenden Jahrhunderte bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs immer wieder Anlass zu Streitigkeiten und wechselnden Machtverhältnissen. Die Sachsen mussten ihre Herrschaft in der Folge mit Mainz, Würzburg, Henneberg-Aschach und ab 1433 mit Henneberg-Römhild teilen. 1524 wurde die Reformation eingeführt, ein Jahr später schlossen sich Bürger der Stadt einem 8000 Mann starken Trupp aus dem Werragebiet an, der zum Kampf nach Mühlhausen weiter zog, um am Bauernkrieg teilzunehmen. Nach dem Tod der Gräfin von Henneberg-Schwarza (Nebenlinie von Henneberg-Römhild), welche dem Hause Stollberg entstammte, nahm Sachsen die hennebergische Hälfte von Salzungen 1577 in Sequest. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Salzungen am 10. Juni 1640 von den Schweden geplündert, im selben Jahr kam die Stadt an Sachsen-Gotha. Von 1680 bis 1918/1920 war Salzungen Teil des Herzogtums Sachsen-Meiningen.

Bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reichs 1806 blieb Salzungen die nördlichste Peripherie des 1500 gegründeten Fränkischen Reichskreises. 1868 ging das Amt Salzungen im Landkreis Meiningen auf und ist, mit diesem Erbe, auch Teil des historischen Henneberger Landes. Bereits 1858 erhielt Bad Salzungen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Dies geschah durch die Werrabahn von Eisenach im Norden nach Coburg und Lichtenfels im Süden.

Die schon in frühgeschichtlicher Zeit betriebene Salzgewinnung war bereits im 14. Jahrhundert so einträglich, dass es seit 1321 eine privilegierte wohlhabende Pfännerschaft gab. Diese wurde von so genannten Salzgrafen geleitet, die jährlich gewählt wurden. Seit dem Jahr 1590 wurde zur Salzgewinnung das gegenüber den früheren Verfahren das deutlich produktivere Gradierverfahren eingesetzt. Im 19. Jahrhundert wurde die heilende Wirkung der Sole ausgenutzt. So entstand 1821 das erste Badehaus, woraus sich ein zunehmender Kurbetrieb entwickelte. Im Jahr 1911 verzeichnete die Stadt bereits 5000 Kurgäste. Am 31. Mai 1923 wurde dann durch das zuständige Thüringer Ministerium dem Antrag der Stadt stattgegeben, den Namen Bad Salzungen zu tragen.

Mit Beginn der Zeit des Nationalsozialismus antworteten engagierte Bürger auf die politische Verfolgung mit der Bildung von Widerstandsgruppen. Eine Gruppe um den Vorsitzenden der KPD-Fraktion im Thüringer Landtag, Richard Eyermann, organisierte sich in der Firma Jung & Dittmar. Eine andere Gruppe in der Maschinenfabrik W. Prox hatte Verbindung zu Zwangsarbeitern und zur Widerstandsgruppe Neubauer-Poser in Jena. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 90 Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer vorwiegend aus der Sowjetunion Zwangsarbeit verrichten: bei der Reichsbahn, bei der Firma Jung & Dittmar sowie in der Thüringer Blechwarenfabrik Allendorf. Als im Januar 1945 unterirdische Rüstungsanlagen zur Flugmotorenproduktion errichtet wurden, kamen zwei KZ-Außenkommandos unter den Decknamen Renntier und Kalb zum Einsatz mit 485 bzw. 500 Häftlingen aus dem KZ Buchenwald. Für die mehr als 250 Opfer der Zwangsarbeit wurde 1956 im Rathenau-Park ein Ehrenfriedhof errichtet. Die Skulptur „Der Mahner“ erinnert an diese Opfer.

Am 4. April 1945 wurde die Stadt von amerikanischen Truppen kampflos besetzt, genau drei Monate später rückte die Rote Armee ein.

1950 wurde Bad Salzungen durch eine Gebietsreform in der DDR Kreisstadt des neu gegründeten Kreises Bad Salzungen und nach der Wende 1998 des Wartburgkreises.

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

1833 bis 1946

  • 1833: 2.804
  • 1885: 3.946
  • 1890: 4.161
  • 1905: 4.874
  • 1910: 5.134
  • 1933: 6.283
  • 1939: 6.225
  • 1946: 7.878 1)

1950 bis 1997

  • 1950: 10.006 2)
  • 1960: 10.117
  • 1981: 20.871
  • 1984: 21.335
  • 1994: 19.804
  • 1995: 19.287
  • 1996: 18.686
  • 1997: 18.128

1998 bis 2004

  • 1998: 17.524
  • 1999: 17.299
  • 2000: 17.086
  • 2001: 16.993
  • 2002: 16.868
  • 2003: 16.640
  • 2004: 16.553
  • 2005: 16.504
  • 2006: 16.480

Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

1) 29. Oktober
2) 31. August

Politik

Stadtrat

Der Stadtrat besteht aus 24 Mitgliedern. Die Stadtratsmitglieder wurden am 27. Juni 2004 gewählt. Dadurch ergab sich folgende Sitzverteilung.

Partei Sitze
CDU 9
Die Linke 6
Freie Wähler
Bad Salzungen e.V.
5
SPD 3
FDP 1

Bürgermeister

Bürgermeister der Stadt Bad Salzungen ist seit dem 1. Juli 2006 Klaus Bohl (Freie Wähler Bad Salzungen e. V.)

Wappen

Blasonierung: „Auf blauem Grund ein Bischof in goldenem Ornat mit roten Schuhen, in der rechten Hand einen goldenen Krummstab und in der linken Hand ein rotes Buch mit schwarzem Kreuz.“

Bedeutung: Das älteste Stadtsiegel aus dem Jahre 1345 zeigt den Hl. Bonifatius in oben dargestellter Weise. Bonifatius war Missionsbischof und wirkte auch in Gebieten des heutigen Thüringen. Um der Kirche eine Struktur zu geben gründete er die Bistümer Würzburg, Büraburg und das Bistum Erfurt, das aber nur zehn Jahre bestand und dann dem Erzbistum Mainz zugeschlagen wurde. Der Mainzer Erzbischof übte lange Zeit in Salzungen auch die weltliche Macht aus. Ebenso hatte das Kloster Fulda hatte hier über Jahrhunderte großen Einfluss. Bonifatius erscheint als Schutzherr im Wappen Bad Salzungens.

Altes Wappen: Vom 1. Dezember 1949 bis 26. Juni 1991 führte die Stadt ein Wappen, das sich von dem historischen Wappen abwendete. Das Wappen zeigte auf blauen Grund ein silbernes Wellenband, einen roten Dreischalenbrunnen und zwei rote Mühlräder.

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Das auffällige Fachwerkhäuschen mit dem Türmchen an der August-Bebel-Straße im einstigen Ort Dorf Allendorf erinnert an die Reformationszeit. Die 1499 erbaute Wallfahrtskapelle diente später als Wohnhaus für den Schäfer und Flurknecht. Als 1528 das Kloster säkularisiert worden war, erübrigte sich auch eine gegenüberliegende Schäferei. Auf das Haus des Schäfers wurde ein Türmchen aufgesetzt, um das Glöckchen der einstigen Kapelle St. Jacobus unterzubringen. Später brachte man noch am Giebel ein sächsisches Wappenschild, das von einem Engel gehalten wird, oben an. Das kleine Gebäude wurde später das Gemeinde- haus und erhielt um 1900 eine Turmuhr. In dem nunmehr restaurierten Fachwerkhaus befindet sich seit 1995 das Heimatmuseum, in dessen Räumen man sich einen Überblick über die 1.230-jährige Geschichte der Stadt Bad Salzungen verschaffen kann. Auch finden im Rhythmus von 4 bis 6 Wochen Sonderausstellungen unterschiedlichster Thematiken statt.

Parks

Bad Salzungen besitzt mit dem Rathenaupark einen weitläufigen Park, der den direkt an der Innenstadt liegenden Burgsee umschließt. Des Weiteren befindet sich im Kurgebiet unweit des Gradierwerks der so genannte Puschkin-Park, der dem Verlauf der Werra folgt.

Geschichtsdenkmale

Auf dem Gebiet der Stadt Bad Salzungen gibt es mehrere Denkmale, die sich aus unterschiedlicher Sichtweise mit der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts auseinandersetzen. Einerseits wird der Opfer unter den Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge im Zweiten Weltkrieg gedacht, andererseits wird an die in den beiden Weltkriegen gefallenen deutschen Soldaten erinnert:

Daneben gibt es noch im Rathenaupark das Wucke-Denkmal, eine aus einem Rhöner Basaltblock gefertigte Gedenksäule, die am 30. April 1911 zum Gedenken an den Dichter und Heimat-, Sagen- sowie Dialektforscher Christian Ludwig Wucke eingeweiht wurde.

Regelmäßige Veranstaltungen

Das Pressenwerk ist ein Klub in Bad Salzungen und ist auch über die Region Südthüringen hinaus bekannt. Seit 1996 gibt es hier regelmäßig Veranstaltungen von Houseparty über Film, Theater, HipHop, Rock, Pop, Jazz bis Chanson. (bisher u. a.: Rio Reiser, Mother Tongue, Nina Hagen, Fish, Chumbawamba, Stoppok, Anne Clark, Roger Chapman, Hans Söllner, H-Blockx, Jazzkantine, Ulla Meinecke, Blumentopf, Afrob, Napalm Death, Subway To Sally, In Extremo, Dive, Fehlfarben, Non Feminin)

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Medien

Staatliche Einrichtungen

Bildung

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Weitere Persönlichkeiten

Literatur

Siehe auch

Quellen

  1. Einwohnerzahlen
  2. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 316f., ISBN 3-88864-343-0
 Commons: Bad Salzungen – Bilder, Videos und Audiodateien