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Kloster Eberbach

Kloster Eberbach ist ein ehemaliges Zisterzienserkloster in Eltville am Rhein im Rheingau. Es zählt mit seinen eindrucksvollen romanischen und frühgotischen Bauten zu den bedeutendsten Kunstdenkmälern Hessens.

Im Kloster wurde im Winter 1985/86 ein Großteil der Innenaufnahmen zum Film Der Name der Rose gedreht.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorläufer

Bereits in der Zeit zwischen 1116 und 1131 gibt es an der Stelle der heutigen Gebäudegruppe eine vom Mainzer Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken gegründete Ansiedlung von Augustiner-Chorherren und Benediktinern. Diese werden jedoch von Adalbert selbst wegen Zuchtlosigkeit von dort wieder vertrieben und siedeln nach St. Aegidius in Mittelheim um.

Entstehung und Blütezeit

Im Jahr 1136 wird von Bernhard von Clairvaux an dieser Stelle dann das erste rechtsrheinische Zisterzienserkloster gegründet. Abt Ruthard und 12 Mönche beziehen die schon bestehenden Klostergebäude. 1186 erfolgt die Weihe der um 1145 begonnenen Klosterkirche durch Erzbischof Konrad von Mainz im Beisein des münsteraner Bischofs Hermann von Katzenelnbogen, dessen Familie Kloster Eberbach zu ihrem Hauskloster machen und ab 1311 den Südteil des Querschiffes der Klosterkirche zu ihrer Familiengrablege[1]. Um 1220 endet mit der Fertigstellung von Konversenbau und Hospitalbau die romanische Bauperiode des Klosters. Das zunächst aus 12 Brüdern bestehende Kloster entwickelt sich rasch zu einem der größten und bedeutendsten Klöster Deutschlands, von dem bald sogar einige Neugründungen ausgehen: 1142 Kloster Schönau (Odenwald) bei Heidelberg, 1144 Kloster Otterberg in der Pfalz, 1155 Gottesthal (Val-Dieu) bei Lüttich, 1174 Kloster Arnsburg in der Wetterau). Nach den Bestimmungen des Ordens müssen für die Gründung eines Tochterklosters im Mutterkloster mindestens 60 Brüder leben. In der Blütezeit, im 12. und 13. Jahrhundert, leben in Eberbach schätzungsweise 100 Mönche und 200 Laienbrüder. Es handelt sich um eine in Qualität und Denkmalwürdigkeit herausragende mittelalterliche Abteianlage in Deutschland, die sich in allen wesentlichen Bauten - vorwiegend aus romanischer, gotischer und barocker Bauepoche - erhalten hat. In einem Güterverzeichnis, dem „Oculus Memoriae“, aus dem Jahre 1211 wird über die Besitzlagen der Abtei Auskunft gegeben.

Reichtum und Probleme

Die Eberbacher Mönche sind auch in wirtschaftlicher Hinsicht sehr erfolgreich, wobei die Haupteinnahmequelle die Erlöse aus dem Weinbau sind. So werden gegen Ende Ende des 15. Jahrhunderts klösterliche Räume wie die Fraternei und das Laienrefektorium in Weinkeller umgewandelt. 1476 wird die Rebsorte Grobrot zum ersten Mal erwähnt. Dies ist der einzige Anhaltspunkt bei der Frage, welcher Wein im Mittelalter im Kloster angebaut wurde[2].

Um 1525 muss es in Eberbach ein sehr großes Weinfass mit einem Volumen von ca. 50.000 bis 100.000 L geben, dem im Bauernkrieg von aufständischen Rheingauern, die unterhalb des Klosters lagern, kräftig zugesprochen wird.

Im Dreißigjährigen Krieg wird dem Kloster ab 1631 mit dem Einfall der schwedischen Truppen unermesslicher Schaden zugefügt. Kirchengeräte und Bücher aus der bedeutenden Bibliothek werden verschleppt, die Mönche vorübergehend vertrieben. Erst 1635 kehrten 20 Brüder zurück, der Wiederaufbau setzt langsam ein.

Von wirtschaftlichem Aufschwung geprägt ist vor allem die Zeit des 18. Jahrhunderts. Jahresrechnungen belegen, dass immer wieder Überschüsse am Frankfurter Kapitalmarkt angelegt werden. Von 1704 bis 1715 erfolgt die barocke Umgestaltung des Innenraums der Klosterkirche. Es kommt auch an den Klostergebäuden zu reger Bautätigkeit.

Niedergang

Der endgültige Niedergang setzt mit der Französischen Revolution ein. Hohe Kriegskosten und eine politische Neuordnung in Deutschland durch den Reichsdeputationshauptschluss (1803) führten zur Übereignung des Klosters an Fürst Friedrich August von Nassau-Usingen, der die Abtei am 18. September 1803 auflöst. Der letzte Abt Leonhard II. Müller von Rüdesheim und seine Mitbrüder werden zum Verlassen des Klosters gezwungen.

Die Äbte des Klosters Eberbach

Zeit nach der Säkularisation

Nach der Säkularisation 1803 geht die Abtei in staatliches Eigentum über (Nassau-Usingen: 1803-1866; Preußen: 1866-1945; Hessen: 1945-1997). In den ersten Jahren erfolgt die Teilniederlegung des Kreuzgangs, es kommt zur weitgehenden Verschleuderung und Vernichtung des Klosterinventars. In den Gebäuden werden u.a. bis 1912 ein Gefängnis und bis 1873 eine Irrenanstalt (Vorläufer des Zentrums für Soziale Psychiatrie Rheinblick) eingerichtet. 1998 erfolgt die Überführung der Anlage in das Eigentum der gemeinnützigen Stiftung öffentlichen Rechts Stiftung Kloster Eberbach. Der Weinbau wird in staatlicher Hand weitergeführt.

Nach mehrfachen Instandsetzungsarbeiten dient Eberbach u.a. als Stätte für kulturelle Veranstaltungen. Auch als Filmkulisse (z.B. Verfilmung von Umberto Ecos Roman Der Name der Rose 1985) hat die ehemalige Abtei überregionale Bedeutung erlangt. Hanno Hahn, der Sohn Otto Hahns promovierte bei Professor Harald Keller an der Universität Frankfurt/Main mit einer Dissertation über „Die Kirche der Zisterzienser-Abtei Eberbach im Rheingau und die Romanische Ordensbaukunst der Zisterzienser im 12. Jahrhundert“.

Stiftung

Gründung einer Stiftung öffentlichen Rechts

Mit Wirkung zum 1. Januar 1998 brachte das Land Hessen die gesamte Abteianlage als Grundvermögen in das Eigentum einer rechtsfähigen Stiftung öffentlichen Rechts ein. Die Verfassung der so errichteten „Stiftung Kloster Eberbach“ wurde im Staatsanzeiger für das Land Hessen vom 2. Februar 1998, S. 347 bekanntgemacht.

Die Stiftung hat den Auftrag, das Bau- und Kulturdenkmal Kloster Eberbach durch eine maßvolle, dem Ort angemessene und schonende Nutzung auf Dauer zu erhalten sowie dessen historische Weinbautradition zu bewahren.

Im Rahmen dieses Auftrags wurde im Jahr 2002 ein Zielsystem erarbeitet und in den Stiftungsgremien verabschiedet, das die verschiedenen Aufgaben, die zur Erfüllung des Gesamtauftrags notwendig sind, in einer hierarchisch geordneten Form darstellt (vgl. nachstehende Übersicht).

Zielsystem der Stiftung Kloster Eberbach

Gesamtziel ist die nachhaltige Sicherung und angemessene Nutzung des Kulturdenkmals Kloster Eberbach

Zielbereiche:

Erhaltung und Entwicklung der historischen Klosteranlage

Maßnahmen und Aktivitäten zur Zielerreichung sind:

Kulturpflege

Maßnahmen und Aktivitäten zur Zielerreichung sind:

Öffnung der Anlage für die Allgemeinheit

Maßnahmen und Aktivitäten zur Zielerreichung sind:

Repräsentation der hessischen Landesregierung

Maßnahmen und Aktivitäten zur Zielerreichung sind:

Drittnutzung

Maßnahmen und Aktivitäten zur Zielerreichung sind:

Stiftungsfinanzierung

Die zur Erfüllung der o.a. Aufgaben notwendigen laufenden Mittel für Unterhaltung und Betrieb der Anlage sind von der Stiftung selbst zu erwirtschaften. Diesem Zweck dienen die von den Besuchern erhobenen Eintrittsgelder und Führungsgebühren ebenso wie die Vermietung von Räumlichkeiten für Veranstaltungen, die Pachterlöse aus der Klostergastronomie oder der Erwerb von Produkten im Klosterladen.

Zur Fortführung des seit 1986 laufenden Programms „Generalsanierung Kloster Eberbach“, mit dem z.T. über Jahrhunderte aufgelaufene Substanzschäden behoben werden, erhält die Stiftung Zuführungen des Landes.

Stiftungsgremien

Verfassungsgemäß verankerte Organe der Stiftung sind das Kuratorium und der Vorstand. Die Amtszeit aller Organmitglieder beträgt sechs Jahre. Bis auf den geschäftsführenden Vorstand sind alle Organmitglieder im Ehrenamt tätig.

Das Kuratorium ist das Aufsichtsorgan der Stiftung und hat darüber zu wachen, dass der Vorstand die dauernde und nachhaltige Erfüllung des Stiftungszwecks betreibt. Das Kuratorium besteht aus fünf Mitgliedern, die von drei mit den Stiftungsaufgaben betroffenen hessischen Landesministerien und den Hessischen Staatsweingütern entsandt werden. Der Rheingauer Weinbauverband besitzt beratende Stimme.

Derzeit sind im Kuratorium vertreten:

Der Vorstand vertritt die Stiftung gerichtlich und außergerichtlich, führt deren Geschäfte und erledigt alle ihm zugewiesenen Verwaltungsaufgaben. Der Vorstand besteht aus zwei Mitgliedern.

Derzeit sind im Vorstand vertreten:

Der Geschäftsführer Markus Hebgen hat am 14. März 2008 im Zusammenhang mit Unregelmässigkeiten in der Mittelverwaltung fristlos gekündigt und sich anschließend selbst angezeigt. Er soll insgesamt 31.000 Euro privat verbraucht haben.


Zugängliche Bereiche

Ehemals klostereigene Weinberge

Das Weingut der Zisterziensermönche vom Kloster Eberbach war mit über 300 ha Anbaufläche das größte im europäischen Mittelalter.

Die ehedem klostereigenen Weinberge – allen voran der von den Zisterziensern angelegte, umfriedete Steinberg – befinden sich heute zum überwiegenden Teil im Besitz des hessischen Staates und werden von der Hessische Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach bewirtschaftet, die den größten zusammengehörigen Weinbergbesitz in Deutschland - Rebhänge des Rheingaus und der Hessischen Bergstraße umfassend - betreut. Von den ca. 200 ha Anbaufläche sind 3/4 mit Riesling bestockt. Aber auch Chardonnay, Weißburgunder, Grauburgunder, Spätburgunder und Dornfelder werden angepflanzt. Zum Besitz gehören Parzellen in besten Lagen wie dem Rauenthaler Baiken, Erbacher Marcobrunn, Assmannshäuser Höllenberg und Rüdesheimer Berg.

Weinverkostung und -verkauf finden im Neuen Hospital (Eingangsbereich) statt.

Aktuelles

Das Kloster ist zentrale Aufführungsstätte für die Konzerte des Rheingau Musik Festivals und anderer Konzertveranstalter. Die zugänglichen Bereiche können täglich entweder individuell oder mit Führung besichtigt werden. Für Tagungen und Veranstaltungen stehen buchbare Räumlichkeiten zur Verfügung.

Buchbar für Gruppen sind auch Weinproben, und zweimal jährlich findet eine Weinauktion statt.

Bei einer Überschwemmung des Klosters durch Regengüsse in der Nacht zum 26. April 2005 kam es zu immensen Schäden. Weite Teile der Klosteranlage waren überschwemmt. Zu der Überflutung kam es, nachdem durch heftigen Regen der Kisselbach über die Ufer getreten war und der unter dem Kloster verlaufende Entwässerungskanal aus dem 18. Jahrhundert einstürzte. Eine echte Besonderheit stellt das Vorkommen der streng geschützten Äskulapnatter im Klosterbereich dar, die sich hier und da auch mal für den Besucher sehen lässt. Zum Thema werden sporadisch vom Verein Naturschutzhaus Führungen angeboten.

Einzelnachweise

  1. http://www.graf-von-katzenelnbogen.de/ Kloster Eberbach, die Geschichte der Grafschaft Katzenelnbogen und der erste Riesling der Welt
  2. Otto Volk, Wirtschaft, Kloster Eberbach
 Commons: Kloster Eberbach – Bilder, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 2' 33" N, 8° 2' 48" O