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Saint-Martin de Tours

Die Basilika und die Abtei Saint-Martin de Tours in Tours waren als Grablege des heiligen Martin von Tours mehr als ein Jahrtausend lang eine der wichtigsten christlichen Pilgerstätten.

Bis in die Zeit Martins, Bischof von Tours seit 372, war Tours eine gallorömische Stadt von mittlerer Bedeutung. Nach seinem Tod 397 in Candes gelang es den Mönchen aus Tours, sich des Leichnams zu bemächtigen und ihn in ihre Stadt zu bringen, wo sie man sie an der Stelle begrub, über der sich später die Basilika Saint-Martin erhob, die im Mittelalter einer der größten Kirchenbauten des Westens war.

Der Ruf des Heiligen und die Pilgerreisen zu seinem Grab, einem der wichtigsten des Christentums, die bald einsetzten, veränderten den Charakter der Stadt völlig. Mehr als ein Jahrtausend lang blieb Tours auf dieser Basis eine der wichtigsten Städte des Abendlands und eine Metropole der Christenheit.

Im Jahr 508, nach dem Sieg über die Westgoten in der Schlacht von Vouillé und der Eroberung Aquitaniens im Jahr zuvor, war die Basilika Saint-Martin bereits wichtig genug, dass der Merowinger Chlodwig I. († 511) die Abgesandten des byzantinischen Kaisers Anastasios I. hier empfangen konnten, die ihm hier den Titel eines Konsuls des Westens zusprachen. Der gleiche König sprach der Abtei die Immunität zu, die später von Chlothar I. († 561) bestätigt wurde.

Von 796 bis 804 war Alkuin, der Berater Karls des Großen und Organisator der ersten theologischen und philosophischen Vorlesungen, Abt von Saint-Martin.

853 wurde die Basilika von den Normannen unter ihrem Anführer Hasting niedergebrannt, ebenso wie die anderen Kirchen der Stadt – die Reliquien des Heiligen waren zuvor nach Cormery gebracht worden, später nach Auxerre. Robert der Starke kam 866 in der Schlacht von Brissarthe ums Leben, als er versuchte, Hasting und seine Normannen aus dem Land zu treiben.

Das Amt des Laienabts des Klosters war in der Hand der Familie Roberts des Starken, der Robertiner, der Vorfahren der Kapetinger, die das Kloster als zentrale Verwaltung für ihre Besitztümer nutzten: Der Abt und Graf bediente sich der ihn umgebenden Kanoniker der Abtei als ein Art persönlicher Kanzlei. Darüber hinaus wurde der halbe Mantel des heiligen Martin, die cappa, von ihnen vor allem als Macht- und Legitimationssymbol des Laienabtes benutzt, nach dem der Stammvater der Kapetinger, Hugo Capet, dann auch seinen Beinamen erhielt.

Die Basilika und Abtei Saint-Martin existieren nicht mehr; sie verfielen im 18. Jahrhundert zu einer Ruine, die während der Französischen Revolution schließlich zerstört wurden. An ihrer Stelle verläuft nun die Rue des Halles, und nur noch die Tour Charlemagne (die 1928 teilweise einstürzte und wieder aufgebaut wurde) und die Tour de l'Horloge, beide aus dem 11. bis 13. Jahrhundert, sind als Reste der großen Basilika erhalten geblieben.

Äbte

Dekane

Koordinaten: 47° 23' 34.9" N, 0° 40' 58.7" O