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Elsevier

Dieser Artikel befasst sich mit dem wissenschaftlichen Verlag Elsevier, die gleichnamige Zeitschrift wird unter Elsevier (Zeitschrift) behandelt.

Elsevier ist ein Verlag für wissenschaftliche Zeitschriften und Fachbücher. Er gehört zur Reed Elsevier Group.

Inhaltsverzeichnis

Verlagsgeschichte

Das Verleger- und Buchhandelsgeschlecht der Familie Elsevir - später Elsevier - wurde von Louis Elzevir, einem Buchbinder und Buchhändler aus Löwen/Flandern, 1580 in Leiden begründet, wo er wissenschaftliche - vorwiegend lateinische - Bücher für akademische Unterrichtszwecke verlegte. 1638 folgte eine Niederlassung in Amsterdam. Das Familienunternehmen vertrieb vornehmlich wissenschaftliche Bücher, unter anderem von Galilei, Descartes und Scaliger (die er alle persönlich kannte), in verschiedenen Sprachen. Zwischen 1583 und 1712 waren mindestens 14 Familienmitglieder als Buchhändler, Buchbinder oder Verleger tätig. Sein Enkel Isaac, dessen Betrieb zur Universitätsdruckerei Leiden avancierte, war der erste, der das Buchdruckerhandwerk erlernte, womit auch dieser Geschäftszweig von dem Familienunternehmen angeeignet wurde. Isaac Elzevir entwarf um 1620 das heute noch genutzte Markenzeichen der Firma - ein Ulmenbaum, dessen Stamm einer mit Trauben behangenen Weinrebe Halt bietet. Von 1622 bis 1680 entwickelte sich das Unternehmen zu einem wohlbekannten und höchst einflussreichen europäischen Druck- und Verlagshaus. Der Konzern bestand nicht aus einem Einzelunternehmen, sondern einer Vielzahl kleiner, autonomer Familienbetriebe, die miteinander arbeiteten. 1681 wurde die Niederlassung in Amsterdam geschlossen. 1712 starb das letzte Familienmitglied. Das Unternehmen blieb ohne Nachfolge und musste 1713 geschlossen werden.

Das heutige Verlagshaus Elsevier wurde im Jahr 1880 von Jacobus George Robbers gegründet. Robbers, ein niederländischer Buchhändler, übernahm den Namen Elsevier und das Firmenlogo für seinen neuen Verlag in Rotterdam. 1887 zog der Verlag nach Amsterdam um, wo er bis heute seinen Hauptsitz hat. Zu den Veröffentlichungen dieser frühen Jahre zählen Werke von Jules Verne und Dekkers Max Havelaar. "Elsevier" wurde im 19. Jahrhundert zum Synonym für kleinformatige Bücher, die man in der Tasche tragen konnte.

Das Markenzeichen (Nonsolus-Imprint)

Wie bereits erwähnt, ist das Markenzeichen ein Ulmenbaum, dessen Stamm einer mit Trauben behangenen Weinrebe Halt bietet. Jedes Bildelement ist ein Symbol: Die Ulme als Baum des Lebens steht für "Erfahrung"; die Traube als Zeichen des Wissens und der Gelehrte als "personifizierte Weisheit". Mit dem lateinischen Schriftzug "Non Solus" – "nicht allein" – unterstrich Isaac Elzevir die Aussage seines Imprints: Nur im Austausch mit anderen können sich alle Elemente – Erfahrung, Wissen, Weisheit – in einer symbiotischen Beziehung zueinander entfalten: auch heute noch die Grundpfeiler des verlegerischen Selbstverständnisses von Elsevier.

Internationale Öffnung und Zukäufe

Mit der Übersetzung von deutschsprachigen Werken, z.B. Karrers "Organische Chemie" ins Englische trug Elsevier der Tatsache Rechnung, dass Englisch sich zunehmend als Sprache der Wissenschaft durchsetzte. Im Jahr 1937 eröffnete das Unternehmen ein Büro in New York, als Teil eines Joint Ventures mit Nordesmann. 1962 wurde in den USA die Elsevier Publishing Company gegründet, kurz danach auch eine Niederlassung in Großbritannien. 1979 verschmolz Elsevier mit der Nederlandse Dagbladunie (NDU) zu Elsevier-NDU und wurde damit auch Herausgeber von zwei großen niederländischen Tageszeitungen.

Nach einer tiefgehenden Umstrukturierung 1985, dem Kauf des in Oxford ansässigen Verlages Pergamon Press 1991, mit dem die Zahl der wissenschaftlichen Journale deutlich erweitert wurde, schloss sich Elsevier im Jahr 1993 mit dem britischen Medienunternehmen Reed International zum Unternehmen Reed Elsevier Group plc zusammen. 1999 wurde Cell Press gekauft, im Jahr 2001 der Wissenschaftsverlag Harcourt. Die Geschäftsfelder des nun global operierenden Medienkonzerns Reed Elsevier umfassen vier Bereiche: Wissenschaft & Medizin (Elsevier), Recht (LexisNexis), Erziehung (Harcourt), und Wirtschaft (Reed Business International).

Heutiges Kerngeschäft

Zum Kerngeschäft des Verlags zählen die wissenschaftlichen, technischen und medizinischen Publikationen. Elsevier veröffentlicht jährlich rund 1.800 wissenschaftliche Journale und 2.200 Bücher. Insgesamt sind rund 20.000 Werke und Titel lieferbar.

Durch kommerzielle Online-Publikationen wird das gedruckte Angebot des Verlags ergänzt. Dazu gehören das Online-Portal ScienceDirect, die Datenbanken MDConsult und Embase sowie die Suchmaschine Scirus, die auf wissenschaftliche Themen spezialisiert ist.

Deutsche Elsevier-Unternehmen

Seit Januar 2003 gehört der Fachverlag Urban & Fischer, München/Jena, zu Elsevier. Des Weiteren gehört der Dienstleister Servicecenter Fachverlage (SFG), Kusterdingen, zu Elsevier Deutschland.

Eigenständig ist die Elsevier Akademie in Duisburg.

Kritik an Elsevier

Elsevier ist in den letzten Jahren aufgrund seiner aggressiven Preispolitik, vor allem im Zeitschriftenbereich, in die Schlagzeilen geraten. Diese für die Bibliotheken sehr ungünstige Entwicklung (siehe Zeitschriftenkrise) wird allerdings auch von anderen großen Verlagen vorangetrieben. Das Geschäft mit wissenschaftlichen Zeitschriften gilt als sehr lukrativ, im Jahr 2005 erzielte Elsevier eine Umsatzrendite von 31%.

Wissenschaftler und Bibliothekare haben mehrfach einen Boykott von Elsevier-Zeitschriften gefordert. So wurde bsw. eine u.a. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützte Petition gestartet, in der ein freier Zugang zu öffentlich finanzierten Forschungsergebnissen gefordert wird. [1] Einzelne Universitäten wie Stuttgart und Karlsruhe haben bereits in Boykottaktionen sämtliche Zeitschriften dieses Verlages zeitweilig abbestellt, mussten aber letztlich doch den Forderungen der Wissenschaftler nach diesen nachgeben. Dabei geht es nicht nur um das Abbestellen überteuerter Titel, sondern es werden auch (etwa in Resolutionen des Senats der University of California, Santa Cruz von Ende 2003 und des Senats der Stanford-Universität vom Februar 2004) Forscher dazu aufgerufen, keine Artikel mehr bei Elsevier-Magazinen einzureichen, sich nicht mehr zur Peer Review eingereichter Artikel zur Verfügung zu stellen und die Mitarbeit in Herausgebergremien zu beenden.

2004 kündigten erstmals renommierte US-Universitäten wie Cornell, Harvard und das MIT einen großen Teil ihrer Elsevier-Zeitschriftenabonnements sowie Online-Pakete wie ScienceDirect, mit Verweis auf die Preispolitik des Unternehmens.

Ein weiterer Punkt der Kritik an Elsevier und anderen Wissenschaftsverlagen ist seit langem, dass sie von den Autoren die vollständige Übertragung des Copyrights an den eingereichten Arbeiten verlangen. (Dies bezieht sich auf das angelsächsische Copyright; im Urheberrecht, wie es im deutschen Sprachraum gilt, können nur Nutzungsrechte übertragen werden.) Unter anderem verliert der Wissenschaftler dabei das Recht, den publizierten Artikel in digitaler Form im Internet zum Download anzubieten.

Seit dem Sommer 2004 reagiert Elsevier darauf mit der Zusicherung, dass Autoren ihre Arbeiten unter Auflagen auch in der publizierten, zitierfähigen Form auf eigenen Homepages und denen ihrer Institute verwenden dürfen. Allerdings bleibt das Einstellen bei Open-Access-Archiven wie dem ArXiv oder PubMed Central weiterhin untersagt. Dennoch wird diese Änderung auch von vielen Kritikern als ein wesentliches Zugeständnis gesehen. Allerdings hat sich der Verlag mit den Pressemitteilungen nicht rechtlich gebunden; wie ein Mitarbeiter des Verlags deutlich machte, ist das auch nicht vorgesehen. Die neue Regelung kann also jederzeit wieder zurückgenommen werden.

Literatur

Dongelmans, B. P. M., Boekverkopers van Europa. Het 17de-eeuwse Nederlandse uitgevershuis Elzevier (Zutphen: Walburg, 2000).

Siehe auch

Quellen

  1. Petition for guaranteed public access to publicly-funded research results