Sklaverei
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Sklaverei

Sklaverei ist der Zustand, in dem Menschen ihrer persönlichen Freiheit beraubt und als Sache, Ware und Eigentum Anderer behandelt (zu Sklaven gemacht – versklavt) werden.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Das Wort „Sklave“ hat verschiedene mögliche Wurzeln: Es wird vom griechischen Verb skyleúo („Kriegsbeute machen“, 1. Person Singular skyláo)[1] oder vom lateinischen sclavus für die ethnische Gruppe der seit dem Mittelalter so genannten Slawenrumänisch şchiau – abgeleitet.

Die Freiheitsberaubung versklavter Menschen geht in der Regel mit physischer und/oder institutioneller Gewalt, oft auch mit Verschleppung in andere Regionen einher. Beides kennzeichnet den Sklavenhandel und bedeutet den Verlust aller mit Geburt und Genealogie verbundenen Ansprüche und Identifikationsmöglichkeiten (natal alienation) sowie der Menschenwürde.[2]

Sklaverei dient dort, wo sie eine Gesellschaftsstruktur bestimmt, meist der wirtschaftlichen Ausbeutung und Aufrechterhaltung einer Klassengesellschaft. Auf Sklaverei beruhende Gesellschaftsformen waren bis zum 19. Jahrhundert weltweit verbreitet. In verschiedenen Kulturen hatten Sklaven einen unterschiedlichen Status.

Offiziell ist die Sklaverei heute in allen Staaten der Welt abgeschafft. Dennoch befinden sich immer noch viele Menschen in einer derartigen Abhängigkeit.

Altertum

Alter Orient

Das Gesetz des Hammurabi unterschied Sklavenrecht von Rechtsbestimmungen für freie Vollbürger, spiegelt also eine Sklavenhaltergesellschaft. So musste jemand, der den Tod eines Sklaven verursachte, dessen Besitzer den seinerzeit gezahlten Kaufpreis erstatten oder einen neuen Sklaven als Ersatz anbieten.

Unter Rim-Sin von Larsa war gallabu (Kennzeichner von Sklaven) ein eigener Beruf. Aus der Regierungszeit von Rim-Anum von Uruk sind 20 Texte über Kriegsgefangene (asîru) bekannt. Darunter wird ein Haus der Gefangenen (bit asiri) mit eigenen Aufsehern erwähnt, das auch in altbabylonischen Texten vorkommt. Diese Gefangenen wurden als Sklaven etwa von Brauern, Webern und Lastträgern eingesetzt. Sie mahlten offenbar auch Mehl für sich selbst, königliche Beamte und Arbeiter des bît šaprim. Einige wurden vermutlich freigekauft, wie es der Codex Hammurabi vorsah. Weibliche Kriegsgefangene (asîrtu) wurden oft zu Konkubinen gemacht (Feigin 1934).

In neubabylonischer Zeit Mesopotamiens ist die Existenz von Sklaven (ardu oder qallu) nicht durch Gesetzestexte, aber durch Keilschrifturkunden aus zahlreichen Privatarchiven belegt. Sklaven wurden verschenkt, bildeten den Teil einer Mitgift und wurden oft weiterverliehen, um eine Schuld zu begleichen. Sie wurden vielfach schon im Haushalt ihrer Herren geboren, stammten aber größtenteils von verkauften Kriegsgefangenen oder verurteilten Verbrechern ab. Sie wurden gern als Lehrlinge zu Handwerkern gegeben; dabei konnte der Vertrag Strafen festlegen, wenn der Handwerker sie nicht angemessen ausbildete.

Die in der späteren Antike später übliche Schuldknechtschaft ist aus dieser Zeit nicht häufig überliefert. Die Freilassung eines Sklaven wurde auf einer Tontafel festgehalten.

Israel in biblischer Zeit

Die Israeliten verstanden sich als Nachkommen ehemaliger Zwangsarbeiter, der Hebräer, die JHWH aus der Sklaverei Ägyptens befreit und dadurch zum „Volk Gottes“ für alle Völker erwählt habe (Ex 20,2 EU). Mit diesem Grunddatum der biblischen Heilsgeschichte begründet die Bibel die Gleichheit aller Menschen vor Gott, die er zu seinem Ebenbild geschaffen habe (Gen 1,23 EU).

Die Tora folgert daraus nicht die allgemeine Abschaffung der Sklaverei in Israel, aber den Rechtsschutz der Sklaven. Diese waren als Knechte und Mägde unfreie Hausangestellte, die wie Ehefrauen, Vieh und Hausrat zum Besitz eines Sippenpatriarchen gehörten (Ex 20,17). Sie bildeten – anders als in Ägypten, wo alles bebaubare Land dem König gehörte und von großen Massen Leibeigener bewirtschaftet wurde (Gen 47,13-26) – keine ökonomisch bedeutende Minderheit, sondern stellten höchstens 10 Prozent der ansonsten freien bäuerlichen Landbevölkerung, die meist ebenfalls lebenslange Landarbeit ausübte. Ansätze zu einer von Sklaven abhängigen Latifundienwirtschaft wurden in Israels Prophetie scharf kritisiert (Jes 5,8) und erfolgreich abgewehrt (Neh 5,2-5).[3]

Die Tora gebietet die Beschneidung von Sklaven, das heißt ihre Aufnahme in das Bundesvolk (Gen 17,13.27). Sie verbietet allgemein den Raub und Verkauf von Menschen – also den Sklavenhandel – und bedroht diese mit der Todesstrafe (Ex 21,16 EU):

Wer einen Menschen raubt, gleichgültig, ob er ihn verkauft hat oder ob man ihn noch in seiner Gewalt vorfindet, wird mit dem Tod bestraft.

Nach Dtn 24,7 EU sollte der Raub eines Israeliten ebenso bestraft werden. Anders als angeheuerte Tagelöhner hatten Sklaven als Teil des Familienhaushalts Anspruch auf Wohnung, Unterhalt, Kranken- und Altersfürsorge. Damit war Sklaverei aus Gewinnstreben weitgehend ausgeschlossen.

Einzelgebote, die Sklavenhaltung voraussetzen, gewährten diesen besondere Schutzrechte: So musste ein Sklavenhalter, der seinen Sklaven tötete, mit Bestrafung rechnen (Ex 21,20f EU). Wer seinem Sklaven eine bleibende Körperverletzung zufügte, musste ihn freilassen (Gen 20,9ff EU; 21,26-32 EU). Sklavinnen konnten zu sexuellen Diensten gezwungen werden, erlangten dadurch aber den Status einer Ehefrau (Gen 16,1-4; Ex 21,7-11). Das Gebot der Sabbatruhe (Ex 20,10) wird in Dtn 5,14f EU ausdrücklich auch auf die Knechte und Mägde jedes Israeliten ausgedehnt und erneut mit Israels Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens begründet. Sklaven durften an israelitischen Kultfesten teilnehmen (Ex 12,44; Dtn 12,12.18). Geflohene Sklaven durften in Israel – anders als im gesamten Alten Orient – nicht an ihre Herren ausgeliefert werden, sondern mussten im Gegenteil aufgenommen werden (Dtn 23,15f). Nach 1Sam 25,10; 30,15; 1Kön 2,39f wurde diese Bestimmung eingehalten. Die Beachtung dieser Schutzrechte für Sklaven sollte nach der nachexilischen Heilsprophetie ein Zeichen auch für alle übrigen Völker sein (Jes 61,8ff EU).

Verschiedene Rechte sollten der Schuldsklaverei vorbeugen oder diese, wenn sie eintrat, befristen. So wird das Zinsnehmen im ganzen Tanach häufig verboten (u. a. Ex 22,24 EU). Israeliten, die ihren Besitz dennoch durch Verschuldung verloren, sich als Tagelöhner verdingen mussten und dann leicht zu Sklaven Besitzender wurden, sollten im Erlassjahr alle sieben Jahre ihr Erbland zurückerhalten und von allen Schulden vollständig befreit werden. Dieses Bodenrecht sah die regelmäßige Umverteilung des Grundbesitzes vor, damit jeder Israelit dauerhaft sein eigenes Stück Land zum Lebensunterhalt behalten konnte (Lev 25 EU). Dtn 15,12-18 EU verankert nicht nur die siebenjährliche Freilassung der israelitischen Sklaven, die sich selbst verkauft hatten, sondern auch eine Mitgift an sie, die ihnen einen eigenen Lebensunterhalt ermöglichte. Nur wenn der Sklave diese ablehnte, erhielt sein Besitzer das lebenslange Recht, ihn zu behalten.

In Israel lebende Ausländer stellt die Tora mehrfach (Ex 22,20; 23,9 u. a.) ausdrücklich als Nächste mit Einheimischen gleich. Dies wurde mit der Vergangenheit der Israeliten in Ägypten begründet (Lev 19,33f EU):

Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott.

Deshalb wurde die Versklavung von Ausländern in Israel begrenzt. Zugleich überliefert die Bibel auch Anweisungen, Fremdvölker zu unterwerfen. Dies wird zum Teil als Rache für Vergehen an den Israeliten in der Wüstenzeit vor der Landnahme begründet. So wird von Kanaan, als Enkel Noachs Stammvater der im späteren Israel vorher lebenden Kanaanäer, gesagt (Gen 9,25): Verflucht sei Kanaan! Ein Knecht der Knechte sei er seinen Brüdern! Dies wird mit einer sexuellen Verfehlung begründet: Kanaan habe die Blöße seines Vaters Ham aufgedeckt und ihn so entehrt. Männliche Kriegsgefangene durften im Falle einer friedlichen Kapitulation nicht einzeln verkauft, aber als Gruppe zu Frondiensten herangezogen werden (Dtn 20,11).

Palästina in neutestamentlicher Zeit

In der Zeit des Neuen Testaments (NT) war der Rechtsstatus von Sklaven (griech. doulos) in der römischen Provinz Palästina nur graduell von anderen Abhängigen – etwa freigelassenen Dienern, Tagelöhnern und Landarbeitern von Großgrundbesitzern, Pachtbauern und Kolonisierten – verschieden. Sie waren als persönlicher Besitz eines Sklavenhalters ähnlich wie dessen Frauen und Kinder seiner Gewalt über ihr Leben und ihren Tod unterworfen. Sie durften z. B. nicht heiraten und keine Nachkommen zeugen.

Als Sklaven wurden damals ganz verschiedene Abhängige bezeichnet, etwa Staatsbeamte (Mt 18,23), Handwerker (Mt 18,25), Verwalter (Mt 24,45), selbständige Händler (Mt 25,14ff), Hausdiener (Lk 15,22), Feldarbeiter und Hirten (Lk 17,7), Wachleute (Mk 14,47), Schuldsklaven (1. Clemensbrief 55,2), Kaisersklaven, d. h. einflussreiche abgesicherte Hofbeamte (Phil 4,22). Der Anteil der regelrechten Sklavenarbeiter wird heute auf höchstens ein Drittel der jüdischen Gesamtbevölkerung geschätzt. Sie ersetzten nicht die Arbeit von Tagelöhnern, freien Bauern, Pachtbauern und Handwerkern und wurden nicht für ganz bestimmte Arbeiten herangezogen, sondern leisteten vielfältige befristete Hilfsdienste. Oft führten sie Aufträge aus und überbrachten Botschaften. Sie hatten die Chance zur Freilassung (Joh 8,35) und zum sozialen Aufstieg. In Lk 15,11–32 wird sichtbar, dass Haussklaven noch über persönlich freien, aber ungesicherten Lohnarbeitern standen.[4]

Neues Testament

Apg 12,13 EU belegt, dass Christen in Palästina Haussklaven hatten. Die Haustafel in Mk 10 führte keine Regeln für den Umgang mit ihnen auf. Außerhalb Palästinas wurden Sklaven zusammen mit Freigelassenen und anderen Unterschichtsangehörigen oft getauft und bildeten in christlichen Gemeinden eigene Gruppen (Phil 4,22; 1Kor 1,11; Röm 16,10f). Dass christliche Hausherren dort Sklaven besaßen, zeigen vor allem der Philemonbrief, Brief des Paulus an die Kolosser Kol 4,1 EU, die Pastoralbriefe, der 1. Petrusbrief und der 1. Clemensbrief.

Für das Verhältnis des Urchristentums zur Sklaverei ist die Haltung des Paulus von Tarsus maßgebend geworden. Er erwog die Abschaffung des Sklavenstandes nicht, sondern ermahnte christliche Haussklaven ausdrücklich in 1. Korinther 7,20ff., in ihrem Stand zu bleiben (1_Kor 7,20ff EU). Er betonte aber auch, dass „in Jesus Christus“, das heißt in der durch den freiwilligen Machtverzicht und „Sklavendienst“ des Sohnes Gottes (Phil 2) erwirkten Versöhnung mit Gott, der Unterschied zwischen Sklaven und Herren keine Rolle mehr spiele und spielen dürfe (Kol 3,11; Gal 3,28; Eph 6,8). Demgemäß verlangte Paulus im Philemonbrief von dem Christen Philemon, dass er in seinem Sklaven Onesimus vorrangig den Glaubensbruder und nicht den Sklaven sehen und ihm die gleiche Liebe wie einem Bruder entgegenbringen solle. Eine Abschaffung des Sklavenverhältnisses fordert er allerdings nicht ein (V. 16).

Eisenzeit

Nach Taylor (2001) sind aus dem eisenzeitlichen Europa fast 50 Sklavenketten bekannt, etwa aus Hay Hill, Lord’s Bridge, Cambridge und Llyn Cerrig Bach, Anglesey.

Gallier

Nach Diodor (V.26) konnte ein italischer Kaufmann in Gallien für eine Amphore Wein einen Sklavenjungen eintauschen.

Griechenland

Schon im mykenischen und homerischen Mittelmeerraum war die Sklaverei verbreitet. In mykenischer Zeit finden wir Sklavinnen und Sklaven vor allem als Palastdienerinnen und „Sklaven der Götter“. Die Palastwirtschaft in Pylos verfügte über fast 2.000 unfreie Bedienstete. Sie stammten meist aus Raubzügen oder waren Kinder von Sklavinnen und dienten als Haushaltssklaven oder in der Textil- und Metallproduktion.

In den homerischen Epen (Ilias und Odyssee) wurden Sklaven und Sklavinnen auf Kriegszügen oder von Piraten erbeutet, weiter verkauft oder vererbten ihren Status an die Kinder („patriarchalische Sklaverei“). Sie wurden zumeist in Haus- und Landarbeit (Ackerbau, Viehzucht), gelegentlich im Waffendienst eingesetzt (siehe auch Sklaverei bei Homer).

Mit dem Aufkommen des Handels wurde vielerorts ein System der „Schuldsklaverei“ rechtlich verankert – der Schuldner musste seine Schuld als Sklave (doulos) abarbeiten. In Athen führten Revolten der einfachen Leute gegen diese Praktiken zur Verfassungsreform des Solon, der einen Schuldenerlass (Seisáchtheia, „Lastenabschüttelung“) verfügte und diese Form der Schuldsklaverei verbot.

Viele Soldaten gerieten durch Kriegsgefangenschaft in die Unfreiheit.

Aristoteles hielt die Sklaverei für von Natur aus gerechtfertigt; Sklave sei, wer „mit den Kräften seines Leibes das so Vorgesehene auszuführen imstande“ sei. Dies traf seiner Meinung nach aber nicht auf alle zu, die körperlich geeignet sind, sondern nur auf Nicht-Griechen, so genannte „Barbaren“ (Menschen, die nicht Griechisch sprechen). Barbaren sind nach Aristoteles Sklaven von Natur aus. Sie besäßen nicht nur den Körper, der sie zur Verrichtung der Arbeit prädestiniere, sondern seien auch in ihren geistigen Fähigkeiten eingeschränkt, sodass sie von der Sklaverei profitierten, indem ihr Besitzer für sie denke. Ohne diese Ansicht war seine Theorie der Polis undenkbar, da sie auf der Muße der Herrschenden aufbaute, sich mit „höheren“ Dingen zu beschäftigen.

Ein Zensus für Attika aus der Zeit zwischen 317 und 307 v. Chr. zählte 21.000 Bürger, 10.000 Metöken und 400.000 Sklaven, auf einen (männlichen, erwachsenen) Bürger kamen demnach 19 Sklaven. Der Abbau in den Silberminen von Laurion und Thasos wurde weitgehend durch Sklaven betrieben. Xenophon (IV.14–15) berichtet von dem Athener Politiker Nikias, der 1.000 Sklaven in den Minen arbeiten ließ.[5]

Sklaven hatten die Möglichkeit, Bürger zu werden, wenn sie sich freigekauft hatten. Manche wurden freilich auch ohne Bezahlung freigelassen – etwa, wenn sie ihren Herren einen ganz besonderen Dienst erwiesen hatten (Lebensrettung u. ä.).

Eine besondere Rolle spielte die Sklaverei als Helotie in der Gesellschaft Spartas. Die als Heloten bezeichneten Unfreien entwickelten sich ursprünglich aus der von den Doriern unterworfenen Urbevölkerung und den später unterworfenen Bewohnern Messeniens. Die herrschende Elite erklärte den Heloten alljährlich formal den Krieg, um deren rechtlosen Status zu erhalten; regelmäßige Aufstände und vor allem die Furcht davor prägten die gesamte spartanische Innenpolitik.

Rom

Auch in der Römischen Republik war ursprünglich ein System der Schuldsklaverei üblich, daneben wurden in geringem Maße auch Kriegsgefangene versklavt. Die Schuldsklaverei wurde im 2. Jahrhundert v. Chr. verboten, offiziell auf Druck der Bevölkerung. Tatsächlich kamen zu jener Zeit wegen der Eroberungsfeldzüge der Römer immer mehr Kriegsgefangene als Sklaven nach Rom, wodurch die Schuldsklaverei zunehmend uninteressant wurde. Zeitweise waren ein Viertel bis mehr als ein Drittel der Einwohner Roms Sklaven.

Der Sklave (lateinisch zumeist servus, aber auch mancipium, ancilla („Magd“) und andere Termini) war nach römischem Recht keine Person und besaß somit auch keine Rechtsfähigkeit, sondern unterstand mit den untergeordneten Mitgliedern der zugehörigen Familie der Außenvertretung des Oberhauptes des Hauses (patria potestas). Er war als bloße Sache Gegenstand des Handels. Sklavenkinder waren von Geburt an Sklaven; dem Herrn (dominus) stand prinzipiell das Recht über Leben und Tod des Sklaven zu. Was der Sklave verdiente, war Eigentum des Herrn. Zu den berühmtesten Schriften, welche die Sklaverei zum Thema haben, gehören Senecas „Sklavenbriefe“. In diesen spricht er von Menschen (homines), wohingegen Cato maior noch von Dingen (res) sprach.

Schon früh nachweisbar ist das Pekulienwesen, das dem Sklaven gestattete, aus seinem Nebenverdienst eigenes Vermögen (peculium) zu bilden, das gleichwohl juristisch Eigentum des Herrn blieb, der es seinem Sklaven lediglich freiwillig beließ. Das peculium eröffnete diesem jedoch die Möglichkeit, sich loszukaufen. Es gab verschiedene Arten der Freilassung (manumissio) von Sklaven. Möglich waren unter anderem:

In Rom hatten freigelassene Sklaven (liberti) zwar die Bürgerrechte – im Gegensatz zu vielen griechischen Staaten –, waren als Klienten aber immer noch von dem Patron, der sie freigelassen hatte, abhängig und beschützt.

In der frühen Kaiserzeit nahm die Zahl der Freilassungen so stark zu, dass Kaiser Augustus Gesetze erließ, die die Freilassung einschränkten (der Sklave musste zum Beispiel mindestens 30 Jahre alt sein, um freigelassen zu werden). Trotzdem stieg die Zahl der Freigelassenen weiter an.

Die Behandlung der Sklaven gab durch Willkür und Grausamkeit wiederholt Anlass zu blutigen Sklavenaufständen und drei Sklavenkriegen. Insbesondere war es der Spartacus-Aufstand (73 bis 71 v. Chr.), der für Rom gefährliche Ausmaße annahm.

Andererseits gab es in der römischen Rechtsprechung den Begriff des Scheinsklaven (bona fide serviens), eines Freien, der sich als Sklave ausgab, um schlechten Lebensumständen oder dem Militärdienst zu entgehen.

Milderungen der Sklaverei sind schon sehr früh nachweisbar, anfangs über die soziale Kontrolle durch andere Sklavenherren, später zunehmend durch rechtliche Beschränkungen der Herrengewalt. Seit der Spätantike ging die Sklaverei in Mitteleuropa zurück und wurde teilweise vom Kolonat abgelöst, das sich durch Vermischung des bei den Germanen herrschenden Systems aus Freien und Unfreien zum System der Leibeigenschaft weiterentwickelte. Leibeigenen Bauern, die von einem Adligen abhingen, war es verboten, ihr Land zu verlassen. Sie waren zu zahlreichen Arbeitsleistungen und hohen Abgaben gegenüber ihrem Herrn verpflichtet.

Wege der Versklavung

Es gab verschiedene Wege der Versklavung. Eine wichtige Quelle waren die Kriegsgefangenen der zahlreichen römischen Eroberungskriege, die als Sklaven verkauft wurden. Das war die Herkunft der meisten römischen Sklaven. Auch Piraterie trug ihr Teil dazu bei, den Nachschub nicht versiegen zu lassen: Räuber oder Piraten entführten nicht selten Reisende und Händler und verkauften sie auf Sklavenmärkten. Ein weiterer Weg war die Schuldsklaverei: Schuldner mussten ihren Körper, ihre Arbeitskraft und ihre Freiheit verkaufen, um ihre Schulden zu begleichen. Die Schuldsklaverei wurde im 2. Jahrhundert vor Christus verboten. Auch als Strafe für bestimmte Verbrechen wurde Versklavung eingesetzt. Außerdem bekamen Kinder von Sklaven automatisch ebenfalls den Status ihrer Eltern.

Verschiedene Gruppen und Klassen von Sklaven

Sklaven wurden in verschiedenen Bereichen eingesetzt und hatten dadurch z.T. sehr unterschiedliche Lebensbedingungen. So gab es Feldsklaven, die in der Landwirtschaft arbeiteten und dort oft wie Tiere behandelt und von unbarmherzigen Aufsehern beaufsichtigt wurden, die nicht selten zu brutalen Strafmethoden griffen. Alles (Essen, Trinken, Schlafen, Kleidung der Sklaven) zielte darauf ab, die Sklaven bis zum Äußersten zu fordern, damit sie möglichst viel Geld einbrächten. „Das schlimmste für den Betrieb waren untätige Sklaven, weil sie etwas kosten anstatt etwas einzubringen und so beschäftigte sich Cato intensiv mit der Frage, welche Arbeiten bei schlechtem Wetter erledigt werden können.“(Andreas Reißmann,1999)

Anders sah es für Haussklaven aus: Sie gehörten zur familia ihres dominus. Sie waren für die Erledigung aller Aufgaben im Haushalt zuständig, wie Kochen, Putzen, Waschen. Bei Festgelagen bedienten, musizierten und tanzten sie. Sie hatten oft eine enge und freundschaftliche Beziehung zu ihren Herren und wurden nicht wie die Feldsklaven bis zum Äußersten ausgebeutet. Ihre Aufgaben waren nicht nur am wirtschaftlichen Profit orientiert, sondern der Bequemlichkeit ihres dominus und der Repräsentation seiner Macht und Würde gewidmet. Gut ausgebildete Sklaven wurden auch als Hauslehrer oder Ärzte eingesetzt.

Sklaven im öffentlichen Dienst kümmerten sich um die Stadt – sie bauten Straßen und Gebäude, pflegten diese und arbeiteten im Hafen. Viele Sklaven arbeiteten auch in Bergwerken und Münzprägereien. Besonders die Arbeit in Bergwerken war körperlich extrem anstrengend und die Arbeitsbedingungen oft unmenschlich. Aufgrund der schlimmen Verhältnisse überlebten die meisten Sklaven, die in einem Bergwerk arbeiteten, nicht einmal die ersten zehn Monate. In der Verwaltung tätige Sklaven arbeiteten, wenn sie die Gunst des Kaisers genossen, in dessen Hofstaat oder in der Verwaltung.

Einer der bekanntesten Einsatzorte von Sklaven war die Arena: Viele Gladiatoren waren Sklaven, die von ihren Herren gezwungen wurden, in Arenen auf Leben und Tod zu kämpfen. Hierzu wurden sie in speziellen Schulen ausgebildet. Diese Arbeit war jedoch häufig auch mit hohem Prestige verbunden.

Weibliche Sklaven arbeiteten im Haushalt; nicht selten wurden sie auch zur Prostitution gezwungen.

Beim Militär gab es keine Sklaven, sie wären „unwürdig“ gewesen, „Waffen zu tragen“. Als entlaufene Sklaven erkannte Soldaten wurden umgehend hingerichtet. Es gab allerdings (nicht römische) Hilfstruppen, in denen Sklaven zum Einsatz kommen konnten. Daneben existierten Galeerensklaven.

Unterschiedliche Erkennbarkeit/Kleidung

Feldsklaven arbeiteten in der Regel halbnackt und hatten keinen Ausgang. Sie wurden in kleine Hütten gepfercht und traten in der städtischen Öffentlichkeit kaum in Erscheinung. Haussklaven bekamen oft ähnliche Kleidung wie ihre Besitzer und waren so nur an ihrem Verhalten zu erkennen.

Es gab verschiedene Versuche von Senatoren, eine eigene Kleidung für Sklaven einzuführen, doch wäre so die Gefahr zu groß gewesen, dass die Sklaven merken wie viele von ihnen es wirklich gibt und somit wäre die Gefahr, dass ein Aufstand ausbricht, zu groß.

Die einzige Kleidung, die Sklaven nicht tragen durften, war die Toga.

Sklavenmärkte

Alle Sklaven wurden auf Sklavenmärkten verkauft. Die Preise unterschieden sich erheblich. Besonders hoch waren die Preise gebildeter Sklaven, die nicht selten vor ihrer Versklavung in ihrer eroberten Heimat einen hohen sozialen Status gehabt hatten. Angesichts des antiken Körperkultes waren auch schöne Sklavinnen und Sklaven teuer.
In Delos wurden ca. 10.000 Sklaven täglich verkauft.

Siehe auch: Furca

Sklaverei im Mittelalter

Einen Aufschwung erlebte die Sklaverei zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert. Bereits vor dem Eindringen der Skandinavier in den baltischen Raum betrieben Turkvölker wie die Chasaren einen regen Handel mit hellhäutigen Sklaven aus Europa. Nachdem die Waräger oder Rus in den osteuropäischen Raum eingedrungen waren und sich etabliert hatten, übernahmen sie diesen Handel von den Chasaren, mit denen sie teils intensive Handelsbeziehungen pflegten und teils in starker Konkurrenz standen. In der Folge betrieben auch die wikingischen Kriegerkaufleute einen regen Handel mit Kriegsgefangenen, die sie als Sklaven in den Orient verkauften. In den islamischen Ländern nannte man die hellhäutigen, europäischen Menschen Saqaliba.

Auch im angelsächsischen und dem normannischen England des 11. Jahrhunderts gab es neben unfreien Bauern (villani) auch Sklaven (servi, ancillae; thraells im Danelaw). 1086 gab es nach dem Domesday Book 28.200 Sklaven. Es scheinen aber nicht alle Sklaven berücksichtigt worden zu sein, die Zahl war vermutlich wesentlich höher. In manchen Grafschaften bildeten die servi bis zu 25 % der Bevölkerung. Auch Klöster (etwa Ely Abbey) setzten Sklaven in der Landwirtschaft ein, auf den Gütern der Abtei lebten nach dem Domesday Book 112 unfreie Bauern, 27 Kleinbauern (bordarii) 1 Priester und 16 Sklaven.

Im Spätmittelalter schließlich ging der baltische Sklavenhandel wieder zurück. Die meisten europäischen Völker waren mittlerweile christlich missioniert und seit der Zeit Karls des Großen war es Christen ausdrücklich verboten, andere Christen als Sklaven zu verkaufen oder zu erwerben, eine Regelung, die jedoch oft missachtet wurde. Im Mittelmeerraum herrschte weiterhin reger Menschenhandel, an dem sich auf christlicher Seite besonders die Stadtstaaten Italiens sowie katalanische Seeleute beteiligten. Seestädte wie Genua oder Venedig handelten in großem Umfang mit Sklaven aus dem Schwarzmeerraum und vom Balkan, die sie meist an die ägyptischen Mamlukenherrscher oder in Italien bzw. Westeuropa verkauften.

Während die muslimischen Mamluken Sklaven vor allem für ihre Armee brauchten (und daher männliche Sklaven dort am gefragtesten waren), arbeiteten Sklaven in Italien meist im Haushalt (daher auch der hohe Anteil weiblicher Sklaven dort). Nicht selten auch wurden Sklaven von Italienern und Katalanen auf den Mittelmeerinseln (zum Beispiel auf Zypern und Mallorca, seltener in Sizilien und auf Kreta) in der Landwirtschaft eingesetzt.

Mit dem Ausbau der atlantischen Seefahrt nahm auch die Zahl schwarzafrikanischer Sklaven zu, die mit der Besiedlung der neuen Welt dann explodieren sollte. In Italien blieben die importierten Sklaven selten bis zum Ende ihres Lebens Sklaven: Freilassungen oder Freikäufe waren relativ häufig, oft jedoch an die Bedingung geknüpft, dass die so „frei“ gewordenen Sklaven für eine bestimmte Zeit weiterhin bei ihren ehemaligen Herren arbeiteten.

Sklaverei im Islam

Hauptartikel: Sklaverei im Islam

Schon in vorislamischer Zeit kannten die später islamisierten Gebiete Sklavenhaltung und Sklavenhandel, sowohl mit schwarzafrikanischen als auch mit europäischen Sklaven. Der Charakter der Sklaverei war aber ein anderer als etwa in der Antike oder später in der "neuen Welt", abgesehen von den Zandsch genannten schwarzen Sklaven im Südirak.

Sklaverei ist nach den normsetzenden Schriften (Koran und Sunna) des Islam nicht verboten. Der Religionsstifter Mohammed war selbst Sklavenhalter (siehe Maria al-Qibtiyya) und versklavte auf seinen Kriegszügen nachweislich hunderte von Menschen, etwa alle Frauen und Kinder der Banu Quraiza. Die Sklaverei unterliegt jedoch bestimmten festgesetzten Regeln, die das Verhalten des Sklavenbesitzers gegenüber dem Sklaven und umgekehrt beschreiben. Diese Regeln bedeuteten im Vergleich zur vorislamischen Zeit eine gewisse Aufwertung des Rechtsstatuts der Sklaven. In religiöser Hinsicht gelten die Sklaven, wenn sie Muslime sind, als vor Gott den freien Muslimen ebenbürtig. Überdies gilt das Befreien eines Sklaven im Islam als besonders ehrenwerte Tat. Gleichwohl verzögerten die Gebiete im Geltungsbereich des Islam mit am längsten die gesetzliche Abschaffung der Sklaverei. Als letztes Land der Erde schaffte Mauretanien im Jahre 1980 die Sklaverei ab.

Häufig wurden Sklaven im Bereich der Unterhaltung (meist weibliche Sklaven, die mit den Frauen im Harem lebten), als persönliche Bedienstete der Herrscher oder im Harem (meist als Eunuchen) eingesetzt. Einer bestimmten Gruppe männlicher Sklaven wurde die Fortpflanzung durch Kastration verwehrt. Die Kastration sollte vor allem die Abmilderung des Sexualtriebes bezwecken, damit die männlichen Sklaven, welche im Harem beschäftigt waren und mit den Haremsfrauen im Alltag verkehrten, nicht in die Versuchung eines unerlaubten Geschlechtsaktes kamen. Sklavinnen hingegen wurden unter anderem zu sexuellen Diensten herangezogen und konnten auch Kinder von ihren Herren bekommen (siehe hierzu auch Konkubinat im Islam).

Da in der vorislamischen Kultur die Abstammung über die männliche Linie Priorität hatte und dies auch nach der Islamisierung dieser Gebiete noch galt, konnten die Kinder von Sklavinnen je nach Stellung des Kindsvaters höchste Positionen erlangen. So waren fast alle späteren Kalifen Söhne von Sklavinnen. Selbst der Gründer der Dynastie der Saud, Abd al-Aziz ibn Saud, der Vater des heutigen saudischen Königs, wusste deshalb nicht, wer die Mutter seiner Mutter war (nämlich eine unbekannte Sklavin). Wohlhabende, einflussreiche Menschen der vorislamischen Zeit hatten oft 50 Söhne von vielen Frauen unterschiedlicher Herkunft. Der so genannte „Lawrence von Arabien“ berichtet von einem Bad in einem Oasenteich nach einem langen Wüstenritt, wo junge, eng verwandte Männer aller erdenklichen Hautschattierungen nackt und munter und gleichberechtigt im Wasser planschten. Auch konnten Sklaven hohe politische und militärische Ämter erlangen, blieben aber persönliches Eigentum ihrer Besitzer.

Mit den Militärsklaven (den sog. Mamluken) entwickelte sich eine besondere Form der Sklaverei. Diese in Ägypten als Soldaten eingesetzten Sklaven genossen wegen der ihnen nachgesagten Loyalität und Tapferkeit hohes Ansehen. Zeitweise gelang es ihnen sogar, die politische Macht zu erobern, so von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis 1517 in Ägypten. Die ersten osmanischen Janitscharen wurden ebenso als Sklaven rekrutiert.

Von Griechenland über Italien bis nach Spanien raubten Araber und Türken jahrhundertelang christliche und jüdische Sklaven, die auf Sklavenmärkten verkauft oder gegen Lösegelder zurückgegeben wurden. Zur Zeit der Kreuzzüge und der osmanischen Expansion stellte gerade das periodische Überangebot von versklavten Kriegsgefangenen ein Problem dar.

Europäische Sklaven, insbesondere vom Balkan und den Kaukasusregionen, wurden aber nicht nur geraubt, sondern jahrhundertelang auch von den italienischen Seestädten, insbesondere Genua und Venedig, sowie von Katalanen nach Ägypten verkauft, sodass wiederholt Päpste den Handel mit christlichen Sklaven zu verbieten versuchten, so etwa Klemens V. und Martin V. (vgl. Davidson, S. 34).

Sklaverei in der Neuzeit

Portugiesisches Kolonialreich

Im 15. Jahrhundert begannen die Portugiesen unter dem Prinzen Heinrich der Seefahrer, einen Seeweg nach Indien zu suchen um vom Gewürzhandel zu profitieren. Die Expeditionen zur Erforschung der westafrikanischen Küste waren langwierig und teuer. Durch das Plündern von Küstendörfern konnten die Kosten nicht gedeckt werden. Schließlich verschleppten die Portugiesen Einheimische um Lösegeld zu erpressen, wie man es früher schon mit den benachbarten Mauren gemacht hatte. Da die Geiselauslösung mit weit entfernten Ländern nicht funktionierte, wurden die Gefangenen später als Sklaven verkauft. Ein Fünftel des jeweiligen Verkaufserlöses gehörte Prinz Heinrich[6].

Mit dem erreichen der Goldküste kam der Durchbruch zum finanziellen Erfolg. Ab 1450 hatten die Portugiesen intensive Handelsbeziehungen mit den wohlorganisierten Staaten in dieser Region. In Elmina wurde 1482 das Fort São Jorge da Mina errichtet, welches zu einem wichtigen Handels- und Militärstützpunkt wurde, an dem auch mit Sklaven gehandelt wurde.

Sklaverei in Kuba

Mit der Kolonisierung Amerikas bestand ein erneuter Bedarf an billigen Arbeitskräften, den Sklaven. Die Ureinwohner erwiesen sich als dazu nicht geeignet, da sie zu anfällig gegen eingeschleppte europäische Krankheiten wie Masern oder Pocken waren. Sie eigneten sich aufgrund ihrer angestammten Lebensweise auch nicht für einen effizienten Einsatz in einem feudalen Produktionssystem. Auf Kuba wurde die Urbevölkerung regelrecht ausgerottet (siehe auch: Bartolomé de las Casas). 1512 wurde die Indianersklaverei schließlich durch den spanischen König Ferdinand V. verboten. 1526 erreichten die ersten Sklavenlieferungen aus Afrika die Insel Kuba. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts gelangten mehr als 600.000 afrikanische Sklaven lebend in die spanischen Kolonien Amerikas. Die Anzahl der gefangenen und transportierten Sklaven war freilich wesentlich höher, da viele auf dem strapaziösen Weg an die Küste und beim Transport auf den Sklavenschiffen verstarben.

Die Erste Industrielle Revolution führte zu einer völlig neuen Form der Sklaverei. Während bis dahin die Sklaven weitgehend (d. h. mit einigen Ausnahmen z. B. in den Erzminen des griechischen und römischen Altertums) im Rhythmus der ländlichen Produktionsweise arbeiteten und nicht massenhaft eingesetzt wurden und meist sogar zum Haushalt von Bauern gehörten, wurde mit dem Einsatz der Dampfmaschinen die Sklavenarbeit an den Rhythmus der Maschinen angepasst. Dampfbetriebene Zuckermühlen auf Kuba, Baumwolle verarbeitende Maschinen bei den Abnehmern der Baumwolle aus den Südstaaten der USA änderten vollständig den Charakter der Sklavenarbeit. Je mehr die Maschinen im Zuge des technischen Fortschritts verarbeiten konnten, desto härter und massenhafter wurde auch der Sklaveneinsatz. Die Arbeit der Sklaven etwa auf Kuba musste sich der ungeheuren Verarbeitungskapazität der dampfgetriebenen Zuckermühlen des 19. Jahrhunderts anpassen. Die Sklaven wurden zu Hunderten in Baracken in großen Lagern untergebracht, ihre Arbeitskraft bis zur Erschöpfungsgrenze ausgenutzt. Die Peitsche wurde zum gängigen Antriebsmittel bei der Arbeit. Sklavenaufstände wie auf Haiti und Kuba Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren Folge der unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Trotz fürchterlicher Strafen flüchteten Sklaven als Cimarrónes auch immer wieder in die unwegsamen Wälder. Besondere Trupps von Sklavenjägern mit speziell auf Sklaven dressierten Hunden sollten sie dort aufspüren. Wurden die entlaufenen Sklaven gefunden, drohte ihnen zur Abschreckung der anderen die öffentliche Hinrichtung, meist auf abscheuliche Weise.

Besonders nach dem Einfuhrverbot für Sklaven auf Kuba gab es „Aufzuchtprogramme“, in denen Sklavenkinder der Ersatz für den fehlenden Nachschub aus Afrika wurden. Sklavinnen entwickelten Methoden der Abtreibung (z. B. Einsatz von Kernen der Papaya), mit denen sie verhindern wollten, dass sie Kinder zur Welt brachten, deren Schicksal die Sklaverei war. Häufig kam es zum Selbstmord von Sklaven.

Massenhaft schlossen sich Sklaven in Kuba der Unabhängigkeitsbewegung an, die erst spät die Sklavenbefreiung in ihr Programm aufnahm. Als die Spanier 1898 nach dem verlorenen Spanisch-Amerikanischen Krieg aus Kuba abzogen, wurden die ehemaligen Sklaven zu Lohnarbeitern, ohne dass sich dadurch ihre soziale Lage entscheidend besserte. Während sie bis dahin als „Arbeitstiere“ auch in den Ruhezeiten der Zuckerproduktion am Leben gehalten wurden, führte Arbeitsmangel nun zu Entlassung und Hunger.

Erst am 13. Februar 1880 schaffte Spanien die Sklaverei auf Kuba per Gesetz ab.

Ab 1807 kam es zu einer Beendigung des Sklavenhandels. In diesem Jahr wurde in Großbritannien aus wirtschaftlichen und religiösen Gründen ein Verbot des Sklavenhandels verabschiedet. Um keine Konkurrenznachteile zu erleiden, übte Großbritannien Druck auf andere Kolonialmächte aus, den Sklavenhandel ebenfalls einzustellen. Während in Preußen schon seit 1713 die Sklaverei untersagt war, wurde sie erst 1815 auf britischen Druck durch die politischen Mächte Europas auf dem Wiener Kongress verboten.

Das heutige Bild der Sklaverei ist weitgehend von der Form der Sklavenausbeutung aus der Anfangszeit des Kapitalismus geprägt, zumal diese umfangreicher dokumentiert ist als die Jahrtausende alte Form der antiken Sklaverei.

Sklavenaufstand auf Haiti

Die Französische Revolution im Jahr 1789 brachte die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hervor, diese verbreiteten sich auch in den Kolonien und lösten 1791 den Aufstand der schwarzen Sklaven auf Haiti aus. Anführer der Aufständischen war Toussaint L’Ouverture. Schließlich wurde 1794 die Sklaverei in allen französischen Kolonien und damit auch auf Haiti verboten und die Kolonie erhielt Autonomie. Allerdings führte Napoleon I. 1802 die Sklaverei wieder ein, woraufhin ein erneuter Aufstand ausbrach. 1804 erreichte Haiti endgültig seine Unabhängigkeit. Damit war die Sklaverei dort besiegt. Der Sklavenaufstand auf Haiti war der einzige, der zur Gründung eines unabhängigen Staates führte.

Sklaverei in den Vereinigten Staaten von Amerika

Allgemein bekannt ist die Sklaverei aus den Südstaaten der USA, die in großer Zahl Menschen aus Afrika als Arbeitskräfte für die Landwirtschaft importierten. Dabei sind Hunderttausende von Schwarzen ums Leben gekommen. Mit der Sklaverei entwickelte sich auch der Rassismus der Weißen gegenüber der einheitlich schwarzen Sklavenbevölkerung. Ein weiterer wichtiger Grund war der Aufschwung des Handels mit Baumwolle in der Mitte des 19. Jahrhunderts. (Der Historiker Jules Michelet schreibt, dass die Baumwolle ab 1832 preiswert wurde, während sich vorher nur Reiche Baumwolle leisten konnten. Der Anbau von Baumwolle erfordert eine beträchtliche Zahl von Arbeitskräften: Die große Nachfrage führt zu einer erheblichen Ausdehnung der amerikanischen Sklaverei). Die unterschiedlichen Sichtweisen der Politiker zum Thema Sklaverei führte unter anderem zur Sezession, dem Austritt einiger Staaten aus den Vereinigten Staaten von Amerika und der Bildung der Konföderierten Staaten von Amerika. In den Konföderierten Staaten von Amerika waren laut der Volkszählung von 1860 von ca. 9,1 Millionen Einwohnern über 3,5 Millionen Sklaven. Durch die Sezession kam es zum Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges, in dem sich die abolitionistischen, Sklavenhaltung ablehnenden Nordstaaten durchsetzten.

Am 18. Dezember 1865 wurde mit der Ratifizierung des 13. Zusatzes („amendment“) zur US-amerikanischen Verfassung durch die Bundesstaaten die Sklaverei in den USA verboten. Trotzdem waren die ehemaligen Sklaven in vielen Bereichen der USA nicht vollkommen gleichberechtigt. Der meist friedliche Kampf für Gleichberechtigung und gegen Rassentrennung setzte sich bis in die späten Sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts fort. Die Amerikaner afrikanischer Abstammung werden heutzutage als Afroamerikaner bezeichnet.

Gegenwart

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Im September 1926 schlossen die 44 Staaten des Völkerbundes in Genf ein Abkommen gegen die Sklaverei, das aber den europäischen Kolonialmächten weiter den Einsatz von Zwangsarbeit in ihren Kolonien ermöglichte und auch an den übrigen Formen der Sklaverei wenig änderte. 1948 wurde die Sklaverei im vierten Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte erneut verboten, mit ähnlich geringem Effekt. 1956 schlossen 40 Staaten in Genf ein weiteres Abkommen über die Abschaffung der Sklaverei.

Moderne Formen der Sklaverei und sklavereiähnliche Abhängigkeiten

Im April 2006 veröffentlichte Terre des hommes Zahlen, nach denen mehr als 12 Millionen Menschen als Sklaven betrachtet werden müssen. Diese Zahlen wurden später von Seiten der Vereinten Nationen bestätigt. Davon seien etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche. Es handelt sich um Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit.[7] In Indien, Bangladesch und Pakistan leben demnach die meisten Zwangsarbeiter. Auch in den Industrieländern leben insbesondere Frauen als Zwangsprostituierte unter sklavenähnlichen Umständen. Darüber hinaus werden im Baugewerbe, in Haushalten und in der Landwirtschaft Arbeitskräfte illegal ohne Rechte beschäftigt. In der Republik China auf Taiwan werden offiziell Indonesier oder Philippinos für die Betreuung von alten Menschen für Arbeit geworben und stattdessen für diverse andere Tätigkeiten eingesetzt. Hierbei gibt es, obwohl es für die Beschäftigung an sich Auflagen gibt, keine Gesetzgebung über den Lohn, die Arbeitszeit und freie Tage. So werden diese Arbeitsimmigranten für beliebig andere Arbeiten eingesetzt oder wirtschaftlich ausgebeutet. Auch in Mitteleuropa sind Einzelfälle von sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen bekannt. So hielt sich der jemenitische Kulturattaché in Berlin, der Diplomatische Immunität genoss, jahrelang eine unbezahlte Hausangestellte unter sklavenähnlichen Bedingungen.[8]

Brasilien

Im nördlichen brasilianischen Bundesstaat Pará werden regelmäßig Großgrundbesitzer bei der Beschäftigung von Sklavenarbeitern gefasst. Kirchliche und Menschenrechts-Vertreter, die diese Missstände bekämpfen, werden mit dem Tode bedroht. In einer jährlich in allen Tageszeitungen veröffentlichten schwarzen Liste (Lista Negra) stehen 50 brasilianische, teilweise prominente (Groß-) Unternehmen, die Menschen durch unbezahlte Sklavenarbeit ausbeuten. Die Rekrutierung erfolgt überregional. Die weite Verbreitung von Feuerwaffen ermöglicht die gewaltsame Hinderung der Flucht von den bis zu einigen tausend Quadratkilometer großen Fazendas, auf denen in letzter Zeit heimliche Friedhöfe entdeckt wurden. Durch Korruption werden Gerichtsprozesse be- und teilweise bis zur Verjährungsgrenze verhindert. Eine Grundgesetzänderung, die betroffenen Fazendas mit der Enteignung gedroht hätte, wurde durch eine starke Lobby im Senat verhindert.

Oft werden Sklaven zur Arbeit auf Plantagen benutzt und müssen so hart arbeiten, dass viele Sklaven Selbstmord begehen. Sklavinnen werden häufig misshandelt oder an Bordelle verkauft. Die Sklaven sind der Willkür ihres „Besitzers“ völlig ausgesetzt. Wenn einem Sklaven die Flucht gelingt, kann er auch nicht zur Polizei gehen, denn diese ist so schlecht bezahlt, dass sie sich von den Großgrundbesitzern bestechen lässt und den Geflüchteten an den Großgrundbesitzer verrät. In vielen Fällen lassen Großgrundbesitzer ihre Sklaven töten, wenn sie eine Bezahlung oder die Freiheit verlangen.

Verdingung in der Schweiz und anderen Staaten Mitteleuropas

In der Schweiz und anderen Staaten Mitteleuropas (u. a. Österreich) konnten von 1800 bis zu Mitte des 20. Jahrhunderts Interessierte, vor allem Bauern, auf einem Markt „Verträge“ mit sog. Verdingkindern (häufig Waisen- sowie Scheidungskinder) abschließen. Solche Märkte erinnerten laut Augenzeugenberichten an klassische Sklavenmärkte, wo „man wie Vieh abgetastet wird“, ehe man sie kaufte. Die Verdingkinder mussten ihre Kindheit häufig unter misslichen Bedingungen verbringen, hatten keinerlei Rechte, vielmals wurde sogar der eigentlich obligatorische Schulunterricht erschwert oder unterbunden. Auch körperliche Misshandlungen waren nicht selten. Solche Kinder wurden häufig zu schwerer körperlicher Arbeit eingesetzt, erniedrigt sowie vergewaltigt. Die eigentlich zuständigen Behörden versagten vielmals in ihrer Aufsichtspflicht. Heute leben noch Tausende von ehemaligen Verdingkindern; eine offizielle Anerkennung der misslichen Umstände oder eine Entschuldigung der zuständigen Behörden lässt immer noch auf sich warten.

Zwangsprostitution

Menschenrechtsorganisationen setzen sich dafür ein, dass die Zwangsprostitution rechtlich als Sklaverei und somit als Menschenrechtsverletzung behandelt wird. Hiervon sind auch die demokratischen Staaten Mitteleuropas betroffen, wo z. T. die bestehenden Rechtsvorschriften unzulänglich umgesetzt werden.

Der Europarat verurteilt und kriminalisiert jegliche Art der Sklaverei nach Artikel 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention. Doch auch heute noch können Menschen in Situationen gelangen, die mit dem Zustand der Versklavung zu vergleichen sind. Ein Beispiel dafür ist der kriminelle Menschenhandel und das Festhalten von Frauen zur sexuellen Ausbeutung. Insbesondere seit dem Zusammenbrechen des Kommunismus in Osteuropa und der andauernden Instabilität im Gebiet des ehemaligen Jugoslawien nimmt die erzwungene Prostitution von Frauen und Mädchen große Ausmaße an [9].

Kindersoldaten

Auch der Missbrauch von Kindern als Kindersoldaten wird von Menschenrechtsorganisationen als Sklaverei angeprangert.

Ideologische Begründungen

In fast allen Epochen wurde das Halten von Sklaven auch ideologisch untermauert. Die Griechen teilten die Menschheit in Griechen und Barbaren ein, und es schien nur gut und gerecht, Barbaren zu Sklaven zu machen. Aristoteles behauptete, dass einige Menschen einfach von Natur aus Sklaven seien[10] und es besser für sie sei, überlegenen Menschen als Sklaven zu dienen. Cicero spricht später von Juden und Syrern als „Menschen, die zu Sklaven geboren wurden“, und er meint, dass es einigen Nationen gut tue, wenn sie sich in einem Zustand totaler politischer Unterwerfung befinden. Vor allem die Ansichten von Aristoteles wurden auch später benutzt, um der Sklaverei eine ideologische Begründung zu geben.

So war auch im Mittelalter ein Argument für Sklaverei und Sklavenhandel, dass damit die Christianisierung gefördert werde. Mit den päpstlichen Bullen Dum Diversas (1452) und Romanus Pontifex (1455) wurde es Christen erlaubt, Sarazenen, Heiden und andere Feinde des Christentums zu versklaven und ihren Besitz zu nehmen[6]. Später wurde mit der Bulle Sublimus Dei (1537) festgestellt, dass Indianer und andere Völker echte Menschen sind, die in der Lage sind, den katholischen Glauben zu verstehen. Nun wurde es verboten, ihnen die Freiheit und ihren Besitz zu nehmen.

Im Fall der dalmatischen fante, deren Unfreiheit zeitlich begrenzt war, wurde betont, dass einige Jahre in sklavenähnlichem Arbeitsverhältnis notwendig seien, damit sie ausreichend Zeit zum Lernen hätten. 1510 wurden die Theorien von Aristoteles zum ersten Mal von dem schottischen Gelehrten John Major auf die amerikanischen Indianer angewendet.[11] Noch im 19. Jahrhundert wurden vergleichbare Ansichten vertreten. George Fitzhugh publizierte 1854 ein Buch, in dem er sagte: „Einige Menschen sind mit einem Sattel auf dem Rücken geboren, und andere sind gestiefelt und gespornt, um diese zu reiten. Und es tut ihnen gut!“[12]

Einzelnachweise

  1. F. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 2002, siehe „Sklave“
  2. O. Patterson, Slavery and Social Death, 1982, S. 35–101
  3. Walter Dietrich: Artikel Sklaverei, Abschnitt Altes Testament, in: Theologische Realenzyklopädie Bd. 31, Walter de Gryter, Berlin-New York 2000, ISBN 3-11-002218-4, S. 367–373
  4. Christoph Kähler: Artikel Sklaverei, Abschnitt II. Neues Testament, in: Theologische Realenzyklopädie Bd. 31, Walter de Gryter, Berlin-New York 2000, ISBN 3-11-002218-4, S. 373–377
  5. Als Aufseher für diese 1000 Sklaven war der Thraker Sosias eingesetzt. Vgl. Siegfried Lauffer: Die Bergwerkssklaven von Laureion. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1979.
  6. a b Ronald Daus: Die Erfindung des Kolonialismus. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1983, ISBN 3-87294-202-6 (Gemeinsam herausgegeben mit der GEPA).
  7. Die Zeit: Tod eines Sklaven 21. Februar 2008
  8. taz-Artikel 28 März 2008 Die Sklavin
  9. Sex Slavery is Big Business in Europe: Hundreds of Thousands of East European Women Sold For Sex, Europäische Union bringt „Drehscheibe des Menschenhandels“ in Schwung
  10. Politik I. 6
  11. Lewis Hanke: Aristotle and the American Indians, A study in Race Prejudice in the Modern World, 1959, S. 14
  12. Sociology of the South, or the Failure of Free Society, Richmond 1854, S. 179

Siehe auch

Literatur

Sachbücher

  1. Bibliographie
  2. Abkürzungsverzeichnis und Register

Belletristik

 Commons: Sklaverei – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Sklaverei – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Wikiquote: Sklaverei – Zitate