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Sido

Sido (* 30. November 1980 in Berlin; eigentlich Paul Würdig) ist ein deutscher Rapper, der beim Berliner Plattenlabel Aggro Berlin unter Vertrag steht. Sein Künstlername ist eine Abkürzung für „super-intelligentes Drogenopfer“.

Sido fällt durch provokante Texte und einen aggressiven, leicht lakonischen Unterton in der Stimme auf. In Anlehnung an Ghostface Killah trug Sido lange eine Maske, um seine Identität zu verschleiern. Zeitweise trug er sie, eigenen Angaben zufolge, nur noch dann, wenn er schlecht gelaunt war, mittlerweile will er sie wieder öfter tragen.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Sido wuchs mit seiner jüngeren Schwester bei seiner Mutter im Märkischen Viertel in Berlin-Reinickendorf auf, einem Hochhausviertel, das – zumindest in der Zeit seiner Kindheit und Jugend – eher von sozial schwachen Bürgern und Ausländern bewohnt wurde (50% sozialer Wohnungsbau). Dort besuchte er auch die Bettina-von-Arnim-Oberschule, eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. Es wird davon ausgegangen, dass der Rapper das Abitur gemacht habe, dies jedoch verschleiere, um den ghettoartigen Hintergrund der Kunstfigur Sido mit ihren Schulproblemen aufrechtzuerhalten. Laut einer ARD-Polylux-Reportage aus dem Jahr 2003 brach er sogar eine Lehre als Kindergärtner ab. Sido hat dieser Darstellung widersprochen und gibt an, aufgrund Drogenkonsums von der Schule geflogen zu sein.

Sido hat einen fast sechsjährigen Sohn, dessen Name nicht öffentlich bekannt ist. Die Existenz dieses Kindes wurde in Zeilen wie „Ich verwöhn meinen Sohn mit Aggro“ (Aggro Ansage Nr. 4) angedeutet und in einem Interview mit der Zeitschrift Galore von Sido bestätigt. Auf seinem zweiten Solo-Album Ich widmete er ihm das Lied Ein Teil von mir. Sido gab weiterhin nach laut werdender Kritik an seinem musikalischen „Erziehungsstil“ eines so kleinen Kindes an, dass sein Sohn Musik der Popgruppe Juli möge und den Teil der Musik seines Vaters, der von Gewalt handele, nicht zu hören bekomme.

Mit der Mutter des Kindes war er zwar verlobt, die Beziehung ging jedoch zu Bruch. Seit Mitte des Jahres 2005 ist er mit der ehemaligen Nu-Pagadi-Sängerin Doreen Steinert liiert.

Karriere

Sido ist seit 1997 im Musikgeschäft tätig. Zusammen mit B-Tight veröffentlichte er als RoyalTS einige Werke beim Berliner Hip-Hop-Undergroundlabel Royal Bunker (Royal für Royal Bunker, TS für Tight/Sido). Bei einem Konzert wurden die drei zukünftigen Chefs des damals noch nicht existierenden Labels Aggro Berlin auf Sido und B-Tight aufmerksam, woraufhin sie beschlossen, das Label zu gründen und die beiden unter Vertrag zu nehmen.

Künstlername

Der Künstlername Sido stand zunächst für „Scheiße in dein Ohr“ (eine Zeile Sidos aus dem Royal-TS-Track Terroarr!), später für „Superintelligentes Drogenopfer“. Sido in einem Interview 2005[2]: Früher hieß Sido „Scheiße in dein Ohr“, aber das fand ich dann ein bisschen behindert und habe mir etwas Neues überlegt. Und da hat einfach nichts besser gepasst als „Superintelligentes Drogenopfer“.

Solo-Karriere

Sidos Solokarriere begann 2003 mit dem Weihnachtssong (auf dem Labelsampler Aggro Ansage Nr. 3) und dem Arschficksong. Beide wurden wegen frauenverachtender Inhalte der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zur Prüfung vorgelegt, aber nicht indiziert. Das Video zum Arschficksong wurde mit der Einschränkung „FSK 16“ freigegeben. Sidos erstes Soloalbum mit dem Titel Maske veröffentlichte er im April 2004. Es folgten die beiden Auskopplungen Mein Block und Fuffies Im Club, die ebenso wie das Album in den Charts in die Top Ten stiegen. Zudem wurde noch der Arschficksong (mit leicht zensiertem Video) zum ersten Mal offiziell als Single veröffentlicht, was Sido gleichzeitig drei Singles in den Charts bescherte. Die dritte Single des Albums, Mama ist stolz, ist ein ernst gemeinter Ausdruck der Dankbarkeit Sidos für seine Mutter (Nur meine Mutter hat immer hinter mir gestanden), die ihren Text darin selbst einspricht.

Nach dem Album Maske, zwei weiteren Labelsampler, einem Album mit Harris als Deine Lieblings Rapper [3] und diversen Featurings kam Ende 2006 sein zweites Soloalbum Ich auf den Markt. Kurze Zeit später, am 20. April 2007, veröffentlichte er ein Album namens Eine Hand wäscht die andere, auf dem einige Features mit Sido von anderen Künstlern zusammengefasst wurden.

Sein drittes Soloalbum mit dem Titel Ich & meine Maske erschien Ende Mai 2008, und Sido erreichte damit erstmal Platz 1 in den deutschen Albumcharts.

„Die Sekte“

Vor den Zeiten von Aggro Berlin gründete A.i.d.S., damals noch RoyalTS (Sido & B-Tight) eine eigene Rap-Crew namens Die Sekte, der sich später auch Aggro-Berlin-Künstler Tony D anschloss. Die Gruppe wurde während des Erfolgs von Aggro Berlin im Hintergrund gehalten. Im Frühjahr 2007 gründete Sido zusammen mit B-Tight das Label Sektenmuzik, auf dem jetzt alle Mitglieder von Die Sekte unter Vertrag stehen. Als erstes wurde ein Labelsampler namens Der Sampler veröffentlicht. Sektenmuzik-Veröffentlichungen erscheinen beim gleichen Vertrieb wie die von Aggro Berlin.

„Deine Lieblings Rapper“

Der Rapper Harris vom Berliner Hip-Hop-Duo Spezializtz bildet zusammen mit Sido das Duo Deine Lieblings Rapper. Ein Album der beiden wurde bereits 2004 angekündigt, erschien aber erst im Oktober 2005 über Aggro Berlin. Es trägt den Namen Dein Lieblings Album und verkaufte sich bis jetzt ca. 85.000 Mal. Aus diesem Album wurde lediglich die Single Steh wieder auf ausgekoppelt, deren Video großes Aufsehen erregte, da sich Sido und Harris in dem Video kreuzigen lassen. Als Grund für diesen Auftritt nannte Sido in einem Interview, er sei eine Art „Jesus“ für die deutsche Rapszene. Immer, wenn etwas an Deutschrap auszusetzen ist, sehe man sein Gesicht als Aufmacher. Gleichzeitig reagierte er damit auf die Indizierung seines Albums Maske und dreier Aggro-Ansage-Alben im Herbst 2005, die allerdings im April 2006 in abgeänderter Version neu erschien (als Maske X etc.). Die beiden sind auch als Deine Lieblings Rapper auf anderen Alben vertreten und treten oft gemeinsam auf. In nächster Zeit sind keine Projekte der beiden geplant, da sie jeweils an anderen Projekten arbeiten. Allerdings schloss Sido ein zweites Deine-Lieblings-Rapper-Album nicht aus.

Mainstream-Erfolge

Mein Block, veröffentlicht im April 2004, machte Sido und Aggro Berlin in der breiten Öffentlichkeit bekannt. Der Song beschreibt die (vorgeblich) ghettoartige soziale Realität in einem Plattenbau der Berliner Trabantenstadt Märkisches Viertel („MV“), die als Problembezirk bekannt ist. Der eingängige, trotzig-stolze Refrain Meine Stadt, mein Bezirk, mein Viertel, meine Gegend / meine Straße, mein Zuhause, mein Block! wurde so bekannt, dass eine Parodie eines 16-jährigen Schülers namens MC Jeremy, die unter dem Titel Mein Dorf ironisch aus der Sicht der Landbevölkerung dagegen hielt, wenige Monate später ebenfalls ein Chart-Hit wurde. Mein Block wurde erstmalig auf einer Beilage-CD des Hip-Hop-Magazins Juice veröffentlicht, auf dessen Vormonatsausgabe bereits zwei Titel mit dem Namen Mein Block von Hecklah & Coch sowie Blumentopf erschienen waren. Zum Teil wird der Titel als Reaktion auf die vorangegangenen Titel der beiden anderen Interpreten angesehen. In Anbetracht des üblichen zeitlichen Vorlaufs bei der Produktion von Titel und Zeitschrift gilt die ebenso kursierende Variante als glaubwürdiger, dass der Titel schon bestand und lediglich ein den Umständen angepasstes Intro erhielt, in dem auf die vorangegangene CD Bezug genommen wurde. Des weiteren gab es später unabhängig hiervon Interpretationen des Mein Block-Themas von den Rappern Azad und Eko Fresh. Sidos Album Maske verkaufte sich über 180.000 Mal und wurde somit mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Sein zweites Album Ich wurde nach ca. 80.000 Vorbestellungen schon zwei Tage nach Veröffentlichung über 100.000 Mal verkauft und gleichfalls mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.

Im Verlauf seiner Karriere entwickelte sich Sido vom „Untergrund-“ zum „Mainstream-Künstler“. Während seine Fangemeinde deutlich jünger wurde, galt er bei einigen in der Hip-Hop-Szene bald als verhasster „Mainstream-Rapper“. Seinen Auftritt als Deine Lieblings Rapper zusammen mit Harris beim Hip-Hop- und Reggaefestival Splash! 2005 beendete er vorzeitig, da die beiden vom Publikum ausgebuht und mit Gegenständen und Lebensmitteln beworfen wurden. Sämtliche Aggro-Berlin-Künstler treten seither nicht mehr beim Splash-Festival auf.

Fernsehauftritte

Anlässlich des Bundesvision Song Contests im Februar 2005, bei dem Sido den dritten Platz für Berlin belegte, nahm er während der Performance von Mama ist stolz seine Maske ab. Dieser Auftritt war der vorläufige Höhepunkt seiner zunehmenden Fernsehpräsenz im Umfeld von Stefan Raab und dessen ProSieben-Sendung TV total. Im März 2005 nahm Sido an der ebenfalls von Raab initiierten Wok-WM teil, allerdings mit mäßigem sportlichen Erfolg. Sido ist öfters zu Besuch in Raabs Sendung TV total.

Am 27. Januar 2007 kritisierte Sido bei der Show TRL die Band Linkin Park und Bandmitglied Mike Shinodas Nebenprojekt Fort Minor. Dies sorgte für Aufruhr in den Fangemeinden beider Bands.

Am 3. Mai 2008 moderierte Sido zusammen mit Johanna Klum und Collien Fernandes die Verleihung des Musikpreises Comet in Köln.

Am 29. Mai 2008 hat Sido zusammen mit B-Tight die MTV-Show Urban TRL moderiert und dabei gleich seine neue Single Schlechtes Vorbild präsentiert, die auf Platz 1 gewählt wurde. Bereits 2005 wurde Sido einmal als Moderator von TRL eingesetzt. In der Show moderierte der Rapper mit Harris, zu Gast war die Bloodhound Gang.

Ab August 2008 ist Sido ein Jury-Mitglied in der siebten Staffel der Castingshow Popstars.[4]

Andere Projekte

Auf der letzten Singleauskopplung des Albums A Grand Don't Come For Free des britischen Rappers Mike Skinner hat Sido einen Gastauftritt: Die deutsche Veröffentlichung der CD-Single Blinded by the Lights enthält eine von Sido und Shizoe eingesungene deutsche Version namens Geblendet vom Licht; sie erschien im Juli 2005.

Zusammen mit dem polnischen Rapper Gural nahm Sido das Musikstück Te Typy auf. Diese erschien 2005 auf dem Album Drewnianej Malpy Rock des Polen.

Am 15. November 2006 veröffentlichte Sido eine Biografie namens Ich will mein Lied zurück.

Weiterhin in Planung ist ein semiautobiographischer Spielfilm, für den Sido momentan das Drehbuch verfasst und voraussichtlich auch die Hauptrolle spielen wird. Die Kinoproduktion soll laut eigenen Angaben des Rappers im Frühjahr 2009 zum Start der Berlinale fertiggestellt sein.[5]

Kontroversen

Sido hat selbst mehrfach Anlass zur Verwirrung der Öffentlichkeit gegeben, wodurch es zu widersprüchlichen Informationen kam, u.a. zur bürgerlichen Identität des Rappers. Einige sehen in Sido lediglich eine Art Kunstfigur, die Aggro Berlin hauptsächlich zu Vermarktungszwecken geschaffen und mit der tatsächlichen Persönlichkeit von Paul Würdig bzw. „Si(e)gmund Gold“ nicht viel zu tun habe.

Die Maske

Bis Februar 2005 trug Sido bei den meisten öffentlichen Auftritten eine verchromte Totenkopfmaske vor dem Gesicht. Mittlerweile trägt Sido sie bei öffentlichen Auftritten zwar nicht mehr so oft, aber als sein Markenzeichen trägt er sie immer noch bei sich.

Herkunft und bürgerlicher Name

Sido ist Sohn einer Sintiza und eines Deutschen, wie er in einigen Interviews (u. a. mit den Zeitschriften Galore und tip) selbst erklärte. In einem Interview mit dem Radiosender BigFM sagte Sido, er sei außerdem zu einem Achtel iranischer Herkunft.

Obgleich sich Sido inzwischen in Interviews zu seinem bürgerlichen Namen Paul Würdig bekennt, kursiert immer wieder die Information, er werde in seinem Umfeld tatsächlich Si(e)gmund Gold genannt, wie er mitunter auch in der Presse bezeichnet wurde. Es ist allerdings denkbar, dass dieser Name gezielt von Sido bzw. Aggro Berlin in Umlauf gebracht wurde – etwa aus Marketinggründen.

Die Skandale

Auch in Hip-Hop-Kreisen erregen Sidos häufig obszöne Texte Aufsehen.

Viele Fans verstehen diese Texte als Satire und lieben sie gerade wegen ihrer Härte, die über die Wirklichkeit weit hinausgeht. Kritiker werfen Sido und Aggro Berlin jedoch vor, die Überschreitung der Grenzen des guten Geschmacks zu ihrem Marketingkonzept gemacht zu haben und in Musik und Auftritt absichtlich Skandale anzustreben.

In den Medien besonders bekannt wurde die Schlägerei zwischen Sido und seinem Rapperkollegen Azad im Backstage-Bereich des MTV Hip Hop Open 2004 in Stuttgart. Über die weiteren Beteiligten und den genauen Ablauf der Auseinandersetzung gibt es widersprüchliche Angaben. Anlass soll eine von Sido auf der Bühne ausgesprochene sexuelle Beleidigung gegen Azads Mutter gewesen sein – in der Hip-Hop-Szene ein schwerer Affront jenseits des üblichen Dissens. Es ist jedoch auch möglich, dass es sich um einen sehr viel profaneren Hintergrund handelte, der mit szenetypischen Schablonen überhöht wurde.

Diskografie

Alben

Solo

mit A.I.D.S.

mit Deine Lieblings Rapper

Singles

Gastbeiträge/Sonstige

DVDs

Produktionen

Auszeichnungen

Einzelnachweise

  1. Chartquellen: DE - AT - CH
  2. Galore Volume 09, Juni 2005, S. 63
  3. Labelinfo von Aggro Berlin, siehe http://www.aggroberlin.de/lieblingsrapper/flash/index.php
  4. Sido castet für ProSieben: Neue Jury bei "Popstars"
  5. vgl. Rapper Sido plant Film über sein Leben bei tagesspiegel.de (aufgerufen am 2. Juni 2008)
Personendaten
Sido
Würdig, Paul (eigentlicher Name)
deutscher Rapper
30. November 1980
Berlin