Verfassungskreislauf
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Verfassungskreislauf

Als Kreislauf der Verfassungen wird ein vom Philosophen Aristoteles im 4. Jahrhundert v. Chr. in Anlehnung an die tatsächliche Entwicklung im antiken Griechenland entworfenes System der Verfassungsentwicklung bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Kreislauf der Verfassungen bei Plato

Laut Plato (Politeia 8) kann auf die Aristokratie die Timokratie folgen, die wiederum von der Oligarchie, dann der Demokratie und schließlich der Tyrannis abgelöst werden kann (vgl. auch die entsprechenden alten Vorstellungen von einem Goldenen Zeitalter bzw. von einer progressiven Verschlimmerung der Zustände).

Kreislauf der Verfassungen bei Aristoteles

Aristoteles unterscheidet zwischen sechs Staatsformen: Monarchie (Alleinherrschaft), Aristokratie (Herrschaft der Besten) und Politie als guten Formen sowie deren entarteten Pendants Tyrannis, Oligarchie (Herrschaft weniger) und Demokratie (bei ihm als Herrschaft des Pöbels definiert; zur Differenzierung zum heutigen Demokratiebegriff heute auch als Ochlokratie bezeichnet). Aristoteles glaubt, eine gute Staatsform neige zur Entartung, aus dieser entarteten Form gehe dann die nächste gute Form hervor usw. Um diesem Kreislauf zu entgehen plädiert er für eine Form der Mischverfassung zwischen Demokratie und Oligarchie, die er auch wieder als Politie bezeichnet.

Kreislauf der Verfassungen bei Polybios

Über den Kreislauf der Verfassungen (politeíon anakýklosis) schreibt Polybios im 6. Buch seiner Universalgeschichte. Er beschreibt dabei drei gute Verfassungstypen (Basilie (Königtum), Aristokratie, Demokratie) und ihnen entsprechend drei parekbatische Formen (Tyrannis, Oligarchie, Ochlokratie). Der Grund für den Übergang einer guten Verfassungsform in den jeweils entarteten Typus sieht er im moralischen Verfall der Regierenden (die Sicherheit ihres Lebens als Herrschende verursacht bei ihnen Habsucht, Überheblichkeit, Ungerechtigkeit und Herrschsucht).

Den Kreislauf dieser sechs Verfassungsformen beginnt er bei einer Urmonarchie, daraus entwickelt sich die Basilie, die zur Tyrannis zu entarten droht. Durch den Sturz des Tyrannen folgt die Aristokratie, die in die Oligarchie abgleitet. Durch Aufstand der Armen kommt es schließlich zur Demokratie, der Übermut und die Zügellosigkeit des Volkes wiederum führt zur Ochlokratie. Daraus entwickelt sich wieder die Basilie, der Kreislauf beginnt von neuem.

Sowohl Aristoteles als auch Polybios vertraten die Ansicht, dass Staaten mit Mischverfassungen wie die Handelsrepublik Karthago, Sparta und die Römische Republik vor diesem Verfallskreislauf geschützt seien. Diese Einschätzung bestätigte sich aber für Rom und Karthago nicht.

Polybios steht diesem determinierten Geschichtsverlauf resignativ gegenüber, ganz anders als Niccolò Machiavelli, der diese in der Antike verbreitete Auffassung von der Geschichte als Kreislauf in der Renaissance wieder aufgreift und daraus eine umfassende Handlungsanleitung ableitet.

Literatur

Primärquellen

Sekundärliteratur