Heim

Der Untergang

Dieser Artikel behandelt den Film Der Untergang; zu dem Prosatext siehe Hans Erich Nossack; zu dem Roman Der Untergang (Hohlbein).
Filmdaten
Deutscher Titel: Der Untergang
Originaltitel: Der Untergang
Produktionsland: Deutschland,
Italien,
Russland,
Österreich
Erscheinungsjahr: 2004
Länge (PAL-DVD): Kinofassung: 150,
Extended Edition: 175 Minuten
Originalsprache: Deutsch
Russisch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Oliver Hirschbiegel
Drehbuch: Bernd Eichinger
Produktion: Bernd Eichinger
Musik: Stephan Zacharias
Kamera: Rainer Klausmann
Schnitt: Hans Funck
Besetzung

Fiktive Personen:

Der Untergang ist ein Spielfilm von Oliver Hirschbiegel aus dem Jahre 2004. Der Film thematisiert vor allem die Geschehnisse im Berliner Führerbunker während der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Europa.

Inhaltsverzeichnis

Vorlage

Der Film basiert vor allem auf dem gleichnamigen Werk des Historikers Joachim Fest, der auch eine umfangreiche Hitler-Biografie verfasste, und den Erinnerungen von Hitlers damals 22-jähriger Privatsekretärin Traudl Junge (beide 2002 erschienen). Letztere erschienen als Buch (Bis zur letzten Stunde) und als Film (Im toten Winkel). Ausschnitte aus dem Film sind am Anfang und am Ende von Der Untergang zu sehen. Als weitere Vorlage Eichingers diente die Darstellung „1945. Als Arzt in Hitlers Reichskanzlei“ von Ernst Günther Schenck.

Produktion

Produziert wurde der Spielfilm von Bernd Eichinger, der auch das Drehbuch schrieb. Mit 13,5 Millionen Euro ist Der Untergang nach Wolfgang Petersens Das Boot und Die Unendliche Geschichte zum Entstehungszeitpunkt der drittteuerste in Deutschland produzierte Kinofilm. Uraufgeführt wurde das Werk am 9. September 2004 in München. Die internationale Premiere fand am 14. September 2004 auf dem Toronto International Film Festival statt. In die deutschen Kinos kam der Film am 16. September 2004. Die Außenaufnahmen wurden in Sankt Petersburg gedreht, dessen historische Innenstadt teilweise große Ähnlichkeit mit der Stadt Berlin des Jahres 1945 aufweist. Die Szenen im Bunker entstanden in München. Der Film war 2005 (die Oscars eines Jahres werden immer im darauf folgenden Jahr verliehen) für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert, gewann den Preis jedoch nicht.

Mitte November 2004 hatte Bernd Eichinger eine Filmverleihfirma gefunden, die Firma Newmarket Films, die den Film in den USA und Kanada in die Kinos gebracht hatte. Newmarket Films war auch der Verleih, der Mel Gibsons umstrittenen Jesus-Film Die Passion Christi in die nordamerikanischen Kinos brachte.

Am 19. und 20. Oktober 2005 sendeten ARD und ORF den Film erstmals im „Free-TV“. Die zweiteilige Fernsehversion enthält einige bis dahin unveröffentlichte Szenen und ist 25 Minuten länger als die Kinoversion des Films.

Handlung des Films

Der Film handelt vom Untergang des Dritten Reiches und dem Ende des Diktators Adolf Hitler.

Im November 1942 wird die 22-jährige Münchnerin Traudl Humps (späterer Name Traudl Junge) im FührerhauptquartierWolfsschanze“ von Hitler als Sekretärin eingestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt war von den deutschen Truppen der Großteil Europas erobert worden. 2½ Jahre später hat sich das Blatt gewendet. Die deutschen Truppen sind an allen Fronten bis auf eigenes Territorium zurückgedrängt worden und die deutschen Großstädte liegen nach massiven Bombenangriffen in Schutt und Asche. Bis auf Japan, das selbst in erheblichen Schwierigkeiten steckt, hat Deutschland alle Verbündeten verloren. Damit steht das Dritte Reich kurz vor dem Zusammenbruch.

Am 20. April 1945, dem 56. Geburtstag Hitlers, erreicht sowjetisches Artilleriefeuer erstmals das Berliner Stadtzentrum. Hitler will aber Berlin nicht verlassen, obwohl ihm das immer wieder angeraten wird. Er glaubt immer noch an den Endsieg und an seine Vision von einem „germanischen Weltreich“. Seine Generale versuchen, ihm die aussichtslose Lage klarzumachen, jedoch reagiert er darauf mit hysterischen Wutausbrüchen. Mit einem solchen reagiert er auch auf die Nachricht, dass die Armeegruppe „Steiner“ einen von ihm befohlenen Entsatzangriff nicht durchgeführt habe. Er beschimpft seine Generale als „treulose Feiglinge“, spricht jetzt erstmals davon, dass der Krieg verloren sei und dass er sich lieber umbringe, anstatt Berlin zu verlassen oder zu kapitulieren. Seine Generäle sind verzweifelt. Einerseits fühlen sie sich Hitlers Willen gegenüber immer noch verpflichtet, andererseits aber können sie seine völlig sinnlosen Befehle nicht mehr umsetzen. Hitler nimmt bei seinen Entscheidungen auch keine Rücksicht mehr auf die Zivilbevölkerung und spricht davon, dass das deutsche Volk seinem „verdienten Untergang“ entgegengehe. Die meisten politischen Führungsleute haben inzwischen Berlin verlassen und kehren Hitler den Rücken. Diese werden von Hitler als Verräter beschimpft, besonders Hermann Göring, Heinrich Himmler und Albert Speer. Göring versucht mit der Begründung, dass Berlin von der Außenwelt abgeschnitten sei, die Regierungsgewalt zu übernehmen. Himmler kontaktiert die Alliierten, um ihnen ein Kapitulationsangebot zu machen. Speer offenbart Hitler, dass er Hitlers Zerstörungsbefehle, damit „der Feind nur noch eine Wüste vorfindet“ schon seit Monaten ausgesetzt habe. Lediglich der Reichsminister Joseph Goebbels, der Staatssekretär Walter Hewel und der Chef der Parteikanzlei Martin Bormann bleiben treu an Hitlers Seite. Seine beiden Sekretärinnen Gerda Christian und Traudl Junge wollen ebenfalls im Führerbunker bleiben, ebenso seine Geliebte Eva Braun, auch nachdem sie ihn nicht davon abbringen konnte, ihren Schwager Hermann Fegelein wegen Fahnenflucht und Verrat erschießen zu lassen.

Inzwischen ist die Schlacht um Berlin entbrannt. Die sowjetischen Truppen erobern in erbitterten Häuserkämpfen Meter für Meter. Die deutschen Truppen, die zum größten Teil nur noch aus Hitlerjugend und Volkssturm bestehen, führen einen verzweifelten und hoffnungslosen Kampf. Im Führerbunker verteilt Hitler an seine engsten Mitarbeiter Zyankalikapseln. Man diskutiert darüber, wie man sich am besten umbringen könne, und es wird viel Alkohol getrunken, weil man „sowieso nichts anderes mehr tun kann“. Am 29. April 1945 diktiert Hitler Traudl Junge sein privates und politisches Testament. Danach werden er und Eva Braun getraut. General Wilhelm Mohnke, der als Kampfkommandant für die Sicherung des Regierungsviertels zuständig ist, meldet Hitler, dass die Reichskanzlei von den sowjetischen Truppen vollständig eingekesselt sei. Die Stellungen könnten nur noch maximal einen Tag gehalten werden. Für Hitler bedeutet das, dass er nur noch durch Selbstmord einer sowjetischen Gefangennahme entgehen kann. Er will dem Feind aber auf keinen Fall als Trophäe in die Hände fallen. Deshalb nimmt er seinem Adjutanten Otto Günsche das Versprechen ab, seine sterblichen Überreste restlos zu beseitigen.

Am Nachmittag des 30. April 1945 vergiften sich Hitler und Eva Braun mit Zyankalikapseln. Hitler schießt sich dabei gleichzeitig eine Kugel durch den Kopf. Die Leichen der Beiden werden anschließend vor der Reichskanzlei verbrannt. Nach dem Tod Hitlers streitet man sich im Führerbunker darüber, ob man weiterkämpfen oder kapitulieren solle. Goebbels, der als Reichskanzler Hitlers Nachfolge angetreten hat, beauftragt den General Hans Krebs, mit dem sowjetischen Generaloberst Wassili Iwanowitsch Tschuikow in Kontakt zu treten, um mit ihm Friedensverhandlungen zu führen. Im Rahmen dieses Treffens informiert Krebs ihn auch über Hitlers Selbstmord. Tschuikow lehnt jedoch Friedensverhandlungen ab und akzeptiert nichts anderes als die bedingungslose Kapitulation. Goebbels lehnt jedoch die Unterzeichnung einer Kapitulationsurkunde strikt ab. Seine ebenfalls hitlertreue Frau Magda will nicht, dass ihre sechs Kinder in einer Welt ohne Nationalsozialismus aufwachsen. Sie verabreicht den Kindern ein Schlafmittel, um sie anschließend mit Zyankalikapseln zu töten. Die zwölfjährige Helga weigert sich, die „Medizin“, die angeblich verhindern soll, dass die Kinder im Bunker krank werden, einzunehmen. Offenbar spürt sie, dass sie und ihre Geschwister sterben sollen. Ihre Mutter flößt ihr das Mittel mit Hilfe des Arztes Dr. Ludwig Stumpfegger mit Gewalt ein. Nach der Tötung der Kinder lässt Magda Goebbels sich von ihrem Mann erschießen, bevor dieser sich selbst tötet.

Am 2. Mai 1945 fordert General Helmuth Weidling, der Kampfkommandant des Verteidigungsbereiches Berlin, seine Soldaten auf, die Kampfhandlungen einzustellen und sich den sowjetischen Truppen zu ergeben. Eine Gruppe um General Mohnke, der sich Gerda Christian und Traudl Junge angeschlossen haben, um aus dem Führerbunker zu fliehen, muss sich ebenfalls den sowjetischen Soldaten ergeben, von denen sie eingekesselt sind. Einige begehen kurz vor der Gefangennahme Selbstmord, darunter auch Walter Hewel, der damit ein Versprechen einlöst, das Hitler ihm abgenommen hatte. Während Gerda Christian nicht mehr weitergehen will, geht Traudl Junge mutig zwischen den sowjetischen Soldaten hindurch, in der Hoffnung, dass sie als Frau verschont werde. Sie wird dabei von dem zwölfjährigen Peter Kranz begleitet. Der Angehörige der Hitlerjugend war vor ein paar Tagen noch stolz darauf, von Hitler persönlich ausgezeichnet zu werden. Dann aber wurde ihm die Grausamkeit des Krieges und der nationalsozialistischen Diktatur bewusst, besonders dadurch, dass seine Eltern in ihrer Wohnung als Verräter hingerichtet wurden.

Erfolg

Der Untergang gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Filme aller Zeiten. 4,5 Millionen deutscher Besucher strömten in die Kinos[1], eines der besten Ergebnisse für einen deutschsprachigen Film in Deutschland. Laut dem Online-Filmportal Box Office Mojo betrug das weltweite Einspielergebnis 92 Mio. US-Dollar.[2]

Der Untergang heimste trotz vieler Kontroversen (s. u.) viel Lob für seinen gewagten Blickwinkel auf Adolf Hitler ein und wurde auch international sehr gut aufgenommen.

Der Untergang gewann in mehreren Kategorien beim Bayerischen Filmpreis sowie in der Kategorie „Bester Film national“ einen Bambi (s. u.). Ebenfalls wurde der Film für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert.

Kritiken

In dem Film wird erstmals in der deutschen Filmgeschichte (und im Gegensatz zu Georg Wilhelm Pabsts „Der letzte Akt“ von 1955) Adolf Hitler als szenisch zentrale Figur eines historischen Spielfilms dargestellt. Der Film hat bereits vor dem Kinostart kontroverse und zumeist politisch motivierte Diskussionen ausgelöst.

Lob

Befürworter des Projekts loben die Authentizität des Films, der viele historisch verbürgte Zitate enthält. Man könne den Aufstieg der Nationalsozialisten und die Faszination, die von Hitler ausging, erst dann richtig verstehen, wenn man sich mit dem Menschen Hitler beschäftige und ihn nicht als mythologisches Wesen (Teufel) oder Unmensch betrachte. Die Untaten Hitlers verlören ihre Schrecken nicht, würden im Gegenteil erst gerade dadurch als Menschenwerk erschreckend. Um zu verhindern, dass der Diktator als Identifikationsfigur erscheine, wurde die Erzählperspektive der Sekretärin Traudl Junge gewählt. Dass der Zuschauer ihre Perspektive annehmen soll, wird durch einen Vorspann verdeutlicht, der zeigt, wie Hitler seine Sekretärin im Führerhauptquartier Wolfsschanze auswählt.

Sehr gelobt werden die darstellerischen Leistungen, vor allem von Bruno Ganz als Hitler und Corinna Harfouch als Magda Goebbels. Der aus der Schweiz stammende Hauptdarsteller bereitete sich hinsichtlich seines körperlichen Ausdrucks besonders genau auf seine Rolle vor. Der häufig geäußerten Behauptung, auch seine Sprechweise sei sehr nah an der Hitlers, die dieser im kleineren Kreise pflegte, muss allerdings widersprochen werden. Zeitzeugenaussagen sowie ein Vergleich mit einer kurzen erhaltenen Tonfilmsequenz und vor allem mit einer Originalaufnahme, die ein finnischer Techniker heimlich von einem privaten Gespräch des „Führers“ aufzeichnete, machen deutlich, dass insofern die Darstellung Hitlers doch eher an dessen Auftritte in den heute zumeist als abschreckend empfundenen Reden auf Großveranstaltungen nachempfunden ist. In den Tondokumenten ist zu hören, dass Hitler das „R“ nicht rollte, nur einen ganz leichten österreichischen Dialekt besaß und weich und flüssig sprach statt in Stakkati. Befürworter des Filmprojekts meinen in dieser Darstellung ein weiteres dramaturgisches Mittel zur Verhinderung der Identifikation des Zuschauers mit der historischen Figur zu erkennen.

Die Nutzer der Filmbewertungsseite im Internet IMDb bewerten diesen Film mit einer sehr hohen Punktzahl von 8,5 von 10 Punkten (Stand: 10. Mai 2008). Damit belegt Der Untergang den Platz 68 in den "Top 250" und ist nach "Das Boot" (Platz 65) und "Das Leben der Anderen" (Platz 48) und M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Platz 43) der beste deutsche Film in dieser Liste.[3]

Kritik

Ein Teil der Kritiker glaubt, in dem Film eine Verharmlosung der nationalsozialistischen Greueltaten zu beobachten, weil im Film zu wenig Bezug auf die Ermordung der Juden genommen wird und stattdessen Hitler in einigen Szenen als einfühlsamer Charmeur, als jemand, der sich Fehler eingesteht (Diktatszene mit Traudl Junge) oder etwa beim Nudelnessen gezeigt wird. Dem steht allerdings die Intention der Filmemacher entgegen, Hitler als eben denjenigen zu zeigen, der er war und sich dabei sehr stark auf bestätigte Zeitzeugenberichte und wissenschaftliche Arbeiten wie etwa die von Fest zu stützen. Manche Kritiker unterstellen dem liberalkonservativen Fest gar politische Absichten bei einer „Verharmlosung“.

Der Holocaust ist jedoch nicht Gegenstand dieses Filmes, der sich schon dem Titel nach sowohl thematisch als auch zeitlich nur mit den letzten Tagen von Hitlers Herrschaft und Leben befasst. Auch der Titel des Films, „Der Untergang“, wird kritisiert, da nicht zuletzt die unzähligen Opfer des Nationalsozialismus die Monate April/Mai 1945 sicherlich als Befreiung und nicht als Untergang betrachten.

Weiter wird den Menschen, die für „Der Untergang“ verantwortlich sind, vorgeworfen, einige Nebenfiguren zu Unrecht in einem zu günstigen Licht erscheinen zu lassen, da dem Zuschauer deren Vorgeschichte nicht bekannt gemacht werde. Dies gelte vor allem für die Figur des Albert Speer, der in dem Film als einsichtiger Mahner und Befehlsverweigerer durchgehen könne. Ähnlich verzerrte Bilder treffen nach Meinung der Kritiker insbesondere auch für die Darstellungen des SS-Gruppenführers Hermann Fegelein oder des vernünftig, menschlich agierenden Arztes Prof. Ernst Günther Schenck zu. Fegelein wird als mehr oder weniger charmanter Lebemann gezeigt, war jedoch tatsächlich auch aktiv an der Judenvernichtung in Russland beteiligt.

Befürworter des Films halten dem entgegen, dass ein grundlegendes Geschichtswissen mit der Einordnung der Personen in einen weiteren Zusammenhang aber von den allermeisten Zuschauern erwartet werden könne, da es sich nicht um einen Unterhaltungsstreifen handele. Kritiker entgegnen, dass gerade die zunehmende Rezeption des Werks im Zeitgeschichteunterricht als äußerst problematisch anzusehen sei. Den Schülern fehle oft tatsächlich der historische Hintergrund, was sich in vielen Diskussionen in Form von revisionistischen Schlussfolgerungen niederschlagen könne.

Generell haben reale Personen unterschiedliche Seiten, so kann ein Verbrecher in anderen Bereichen seines Lebens durchaus sympathisch sein. Eine genaue Ausarbeitung der Unterschiedlichkeit würde der Dramaturgie entgegenstehen und den Film ins Dokumentarische rücken. Die Hauptperson jedenfalls, Hitler, wird insgesamt sicherlich nicht als sympathisch dargestellt.

Es wurde auch als peinlich für die zuständige Castingagentur kritisiert, dass der wegen Volksverhetzung 1995 verurteilte Rechtsextremist Karl Richter als Komparse beim Filmdreh, in der Rolle des Adjutanten von Generalfeldmarschall Keitel, mitgewirkt hat. Er behauptet, dass noch 15 bis 20 ihm bekannte Personen des rechtsextremen Lagers am Set gewesen seien.[4] Wie er sagt, habe es ihn besonders bewegt, als ihm „Hitler“ die Hand schüttelte. Die Szene wurde jedoch später herausgeschnitten. Karl Richter ist einer der Redakteure der rechtsextremen Zeitschrift „Nation und Europa - Deutsche Monatshefte”.

Der deutsche Filmemacher Wim Wenders kritisiert in einer ausführlichen Besprechung in der Zeit die schillernde Erzählperspektive des Films.[5] Über weite Strecken nimmt der Film die Sichtweise der Traudl Junge auf, ohne diese Sichtweise in irgendeiner Weise zu hinterfragen. Andere Passagen zeigen einen fanatisierten Hitlerjungen. Dieser wiederum tritt in der letzten Szene als „Retter“ von Traudl Junge auf. So wechsle der Film permanent die Position. Wenders weist auch darauf hin, dass der Film – der sonst in der expliziten Darstellung von Gewalt regelrecht schwelgt – den Tod von genau zwei Personen nicht zeigt: den von Hitler und den von Goebbels. Gerade beim Tod dieser beiden Hauptverantwortlichen gnädig wegzuschwenken, heißt für Wenders, ihnen eine Ehre zu erweisen, die ihnen nicht gebühre.

Auch das Ende des Filmes geriet teilweise in die Kritik. Im Abspann wurde ein aus dem Film entnommenes Foto der Hauptfiguren mit einer kurzen Zusammenfassung ihres weiteren Schicksals gezeigt.

Sachliche Fehler

Es sind drei sachliche Fehler erkennbar. So wird der positive Held des Films, Professor Ernst Günther Schenck, durchgehend mit „Herr Oberst“ angeredet, obwohl er am Kragen die Dienstgradabzeichen eines SS-Obersturmbannführers trägt, was dem militärischen Rang eines Oberstleutnants entspricht, und auch nur die Schulterstücke eines Oberstleutnants des Medizinischen Dienstes hat. Der SS-General Hermann Fegelein trägt die Abzeichen eines SS-Brigadeführers, obwohl er im April 1945 SS-Gruppenführer war (also einen Rang höher) und auch im Film als solcher bezeichnet wird.

Im Film tötet sich das Ehepaar Goebbels durch Schüsse. In Wirklichkeit aber starben Goebbels und seine Frau Magda durch die Einnahme von Blausäure. Das belegen die Obduktionsergebnisse der nur unvollständig verbrannten Leichen, durchgeführt durch die Rote Armee.

Internationale Kritiken

Der New Yorker Filmkritiker David Denby beobachtete, dass Ganz' Werk nicht nur erstaunlich, sondern auch bewegend sei und er kein Supermensch sei, sondern nur ein normaler Mensch, von den Wünschen seines Gefolges zur Macht erhoben wurde. Aber ist dies ausreichend, um Hitler gerecht zu werden? […] Dieser Hitler mag Mensch sein, aber vollständig erniedrigt als Mensch.[6]

Hitler-Experte Ian Kershaw schrieb im The Guardian, dass Ganz Hitler nahe-authentisch darstellt und lobte seine Nachahmung der Hitler-typischen Stimme.[7]

Analysen des Films

Auszeichnungen

Literatur

Ähnliche Verfilmungen

Satire

Der Comic-Zeichner Walter Moers persiflierte den Film 2005 in seiner Videoanimation Adolf: Ich hock' in meinem Bonker. Die Parodie gewann im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2006 in der Kategorie „Bester Comic - Eigenpublikation national“ den Publikumspreis „Sondermann 2006“.

Anmerkungen

  1. Untergang, Der (2004), in: IMDb – Earth’s Biggest Movie Database, online abrufbar über imdb.com
  2. Der Untergang, in: Box Office Mojo, online abrufbar über boxofficemojo.com
  3. Untergang, Der (2004), in: IMDb – Earth’s Biggest Movie Database, online abrufbar über imdb.com
  4. Rechtsextremist als Komparse – „Als Hitler mir die Hand schüttelte“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. Oktober 2004, online abrufbar über FAZ.net
  5. Wim Wenders: Tja, dann wollen wir mal, in: Die Zeit Nr. 44 vom 21. Oktober 2004 online abrufbar über ZEIT online.
  6. David Denby: Back in the Bunker, in: The New Yorker vom 14. Februar 2005, online abrufbar über newyorker.com
  7. Ian Kershaw: The human Hitler, in: The Guardian vom 17. September 2004, online abrufbar über die Webseiten von The Guardian.

Siehe auch