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Geographie

Die Geographie (auch: Geografie, griechisch Γεωγραφία geographia; γή „Erde“; γραφειν „schreiben, zeichnen“) oder Erdkunde ist „die Wissenschaft von der Erdoberfläche in ihrer räumlichen Differenzierung, ihrer physischen Beschaffenheit sowie als Raum und Ort des menschlichen Lebens und Handelns“ (Blotevogel: Geographie. S. 15). Sie beschreibt und erklärt also die räumlichen Strukturen und Vorgänge an der Erdoberfläche sowie deren Auswirkungen auf den Menschen und ihre raumwirksamen Handlungen.

Die Geographie bildet somit eine Nahtstelle zwischen den Naturwissenschaften und den Sozialwissenschaften. Sie entwickelt Konzepte zum Verständnis und zur Lösung von Problemen zwischen Mensch und Umwelt. Diese übergreifende Betrachtungsweise kann man als den Kern des Fachgebiets bezeichnen.

Gegenstand der Geographie ist die gesamte Geosphäre hinsichtlich ihrer Phänomene und Querverbindungen; die mathematisch-physikalische bzw. biologische Erforschung ihrer Erscheinungen ist jedoch Gegenstand anderer Geowissenschaften wie Bodenkunde, Geodäsie, Geologie, Geophysik, Hydrologie, Ozeanografie oder Meteorologie.
Als Angewandte Geographie befasst sie sich mit der Analyse und Planung räumlicher Strukturen und Prozesse.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Geographie

Die Bedeutung geographischen Wissens wurde, soweit historisch überliefert, erstmals in der Antike von den Griechen erkannt. Von Anaximander aus Milet wird berichtet, dass er der erste war, der um 550 v. Chr. eine Karte der Erde und der Meere skizzierte. Herodot von Halikarnassos (484–424 v. Chr.) verfasste eine Vielzahl von geographischen Berichten. Claudius Ptolemäus (ca. 100 bis ca. 175) sammelte topografisches Wissen und gab Anleitungen für das Zeichnen von Karten. Die Erkenntnisse der Griechen nutzten die Römer weiter. Während des europäischen Mittelalters geriet die Geographie, wie andere Wissenschaftszweige auch, wieder in Vergessenheit. Lediglich aus dem Kaiserreich China und dem aufstrebenden Orient kamen neue Impulse.

Die neuzeitliche Geographie wurde von Bartholomäus Keckermann (1571–1608) und Bernhard Varenius (1622–1650) begründet. Sie entwickelten ein Begriffssystem, unterschieden „Allgemeine Geographie“ (geographia generalis) und die „Regionale Geographie“ bzw. Länderkunde (geographia specialis). Sie sahen Völker, Staaten und Orten in einem räumlichen, historischen und auch religiösen Kontext.

Das Zeitalter der Aufklärung förderte Erklärungsversuche von Naturerscheinungen durch Wissenschaftler wie Johann Gottfried Herder (1744–1803) und Georg Forster (1754–1794). Anton Friedrich Büsching (1724–1763) verfasste die elfbändige Neue Erdbeschreibung mit Beschreibungen der Länder und deren Wirtschaft. Alexander von Humboldt (1769–1850) und Carl Ritter (1779–1850) begründeten schließlich die moderne wissenschaftliche Geographie. Ferdinand von Richthofen (1833–1905) definierte die Geographie als „Wissenschaft von der Erdoberfläche und den mit ihr in ursächlichem Zusammenhang stehenden Dingen und Erscheinungen“. Die Geographen Alfred Kirchhoff (1838–1907) und Friedrich Ratzel (1844–1904) waren schon von Darwin geprägt.

George Perkins Marsh (1801–1882) erkannte bereits 1864 den Einfluss des Menschen auf die Natur im Gegensatz zur geodeterministischen Betrachtung. Elisée Reclus (1830–1905) entwickelte die Sozialgeographie, Paul Marie Vidal de la Blache (1845–1918) das Konzept des Possibilismus. Albrecht Penck (1859–1945) führte die Geomorphologie voran. Alfred Hettner (1859–1941) definierte die Geographie als Raumwissenschaft. Carl Troll (1899–1975), Karlheinz Paffen (1914–1983), Ernst Neef (1908–1986) und Josef Schmithüsen (1909–1984) entwickelten die Landschaftsökologie, Sebald Rudolf Steinmetz (1862–1940) die Soziographie, Karl Haushofer (1869–1946) die Geopolitik und Hans Bobek (1903–1990), Wolfgang Hartke (1908–1997) sowie Walter Christaller (1893–1969) die Wirtschafts- und Sozialgeographie weiter.

Durch diese wachsende Spezialisierung im 20. Jahrhundert entstand die Vielfalt der heutigen Teildisziplinen und insbesondere die Spaltung zwischen Physischer Geographie und Humangeographie. Seit den 1960er Jahren versteht sich die Geographie auch zunehmend als angewandte Wissenschaft und suchte ihre Themen im Zusammenhang mit Städtebau, Entwicklung des ländlichen Raumes, Raumplanung oder dem Umweltschutz. Zu den bedeutenden zeitgenössischen Vertretern der Raum- und Stadtplanung zählt Hans Heinrich Blotevogel.

Siehe auch: Liste der Entdecker

Einteilung

Allgemeine Geographie

Die Allgemeine Geographie ist jener Teil, welcher sich nomothetisch mit den Geofaktoren der Erdoberfläche (Geosphäre) beschäftigt. Im Mittelpunkt steht ein Geofaktor (z. B. Wasser, Boden, Klima, etc.) und dessen Wechselwirkungen mit seiner Umwelt. Die allgemeine Geographie beschäftigt sich somit mit allgemeinen Gesetzmäßigkeiten in der gesamten Geosphäre.

Hierzu lassen sich zwei große Teilgebiete bilden:

Physische Geographie

Die Physische Geographie (Physiogeographie) beschäftigt sich in erster Linie mit den natürlichen Bestandteilen und Strukturen der Erdoberfläche. Dabei wird die Tätigkeit des Menschen zur Erklärung der Landschaftsgenese auch behandelt.

Teilgebiete der Physischen Geographie sind unter anderem:

Humangeographie

Die Humangeographie (auch: Anthropogeographie oder Kulturgeographie) beschäftigt sich mit dem Einfluss des Menschen auf den geographischen Raum, wie auch mit dem Einfluss des Raums auf den Menschen beispielsweise im Zusammenhang mit der räumlichen Verteilung von Bevölkerung oder von Wirtschaftsgütern. Leser (2001) definiert die Humangeographie als „… derjenige Teilbereich der Allgemeinen Geographie, der sich mit der Raumwirksamkeit des Menschen und mit der von ihm gestalteten Kulturlandschaft und ihren Elementen in ihrer räumlichen Differenzierung und Entwicklung befasst.“

Teilgebiete der Humangeographie sind:

Geoinformatik

Ein neuer Teilbereich, der zunehmend Bedeutung in der Geographie erlangt und auch der Mathematischen Geographie zugerechnet werden kann, ist die Geoinformatik. Sie verwendet Methoden der Informatik bei der Bearbeitung geographischer Fragestellungen.

Aufgabenfelder der Geoinformatik sind:

Regionale Geographie

Die Regionale Geographie ist jener Teil, welcher sich idiographisch oder typologisch mit bestimmten Teilgebieten der Erdoberfläche (Geosphäre) beschäftigt. Im Mittelpunkt steht somit eine Region (z. B. Land, Landschaft), deren räumliche Strukturen, Prozesse und Funktionsweisen (Wechselwirkungen zwischen den Geofaktoren) erfasst und erklärt werden.

Die Regionale Geographie lässt sich unterteilen in:

Nachbarwissenschaften

Da die Geographie sehr interdisziplinär ist, d. h. natur- und humanwissenschaftliche Themen sowie technisch-ingenieurwissenschaftlichen Methoden vereint, gibt es zahlreiche Überschneidungsbereiche mit Nachbarwissenschaften.

So gibt es in der Physischen Geographie enge Verbindungen zu anderen Geowissenschaften wie Geologie, Meteorologie und Hydrologie sowie zu den Biowissenschaften (Biologie und Ökologie). Die Humangeographie bezieht sich auf Inhalte von Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Ökonomik, Soziologie, Geschichte) und liefert diesen Wissenschaften selbst Erkenntnisse zurück.

Überschneidungen zu den technisch-ingenieurwissenschaftlichen Fächern finden sich beispielsweise über die Informatik und Geodäsie (Vermessungskunde).

Schreibweise

Gemäß den neuen amtlichen Rechtschreibregeln wird der Wortbestandteil „-graph“ häufig zu „-graf“. Beide Schreibweisen sind korrekt. Traditionell wird in wissenschaftlichen Texten und unter Fachleuten überwiegend die Schreibweise mit „ph“ genutzt. So empfahl das Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Geographie einstimmig, die Schreibweise Geographie beizubehalten.

Siehe auch

 Portal: Geographie – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Geographie
 Portal: Geowissenschaften – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Geowissenschaften

Literatur

 Wiktionary: Geographie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Verbände

Institutionen

Informationsangebote