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Bad Zell

Wappen Karte
Basisdaten
Bundesland: Oberösterreich
Politischer Bezirk: Freistadt (FR)
Fläche: 45,5 km²
Koordinaten: 48° 21′ N, 14° 40′ OKoordinaten: 48° 21′ 0″ N, 14° 40′ 0″ O
Höhe: 515 m ü. A.
Einwohner: 2769 (31. Dez. 2005)
Bevölkerungsdichte: 61 Einwohner je km²
Postleitzahl: 4283
Vorwahl: 07263
Gemeindekennziffer: 40 627
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 8
4283 Bad Zell
Offizielle Website:
www.badzell.at
Politik
Bürgermeister: Hubert Tischler (ÖVP)

Bad Zell

Bad Zell ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Freistadt im Mühlviertel. Der zuständige Gerichtsbezirk ist Pregarten.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Bad Zell liegt auf 515 m Höhe im Mühlviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 7,3 km, von West nach Ost 11 km. Die Gesamtfläche beträgt 45,6 km². 14,7 % der Fläche sind bewaldet, 28,9 % der Fläche landwirtschaftlich genutzt. Das Gemeindegebiet wird teilweise von Flussläufen begrenzt, im Nordwesten vom Haselbach, im Nordosten von der Naarn.

Ortsteile der Gemeinde sind: Aich, Bad Zell, Barndorf, Brawinkl, Erdleiten, Feiblmühl, Haselbach, Hirtlhof, Lanzendorf, Maierhof, Riegl, Weberberg, Wolfgrub und Zellhof.

Geschichte

Das Gebiet zwischen Aist und Naarn wurde in der Mitte des 9. Jahrhunderts vom Ostmarkgrafen Wilhelm an das Kloster St. Emmeram in Regensburg übergeben (urk. 853). In späterer Zeit entstanden Besitzstreitigkeiten, die aber durch die Bestätigung Rudolf I. von Habsburg an Regensburg beigelegt werden konnten. 1287 geriet Zell als Lehen an die Kuenringer, 1440 an die Tanböck und schließlich 1536 an die Jörger, die Zell von der Regensburger Lehenshoheit freikauften. Der Hauptort Bad Zell liegt im Südwesten des Gemeindegebietes. Urkundliche Erwähnung findet er 1208 als "Celle" - wahrscheinlich ist hier ein Hof mit dazugehöriger Kapelle gemeint (siehe Marktwappen). Anfang des 13. Jahrhunderts entwickelte sich ein planmäßig angelegter Markt um den Hof bei der Celle. Nach der Regensburger Lehensherrschaft unterstand Zell den jeweiligen Besitzern der Herrschaften Prandegg, bzw. Zellhof. Zerstörungen erfolgten bei den Einfällen der Hussiten (1424/32), den Böhmischen Grenzkriegen (1468) und den Ungarneinfällen (1477/1486). Von fünf großen Marktbränden berichtet die Geschichte (zuletzt 1869). Wirtschaftlich erreichte Zell große Bedeutung durch seine günstige Lage am ehemaligen Saumpfad zwischen Donau und Böhmen. Im 16. Jahrhundert war der Ort eine Hochburg des Protestantismus, was vor allem durch die Adelsfamilie der Jörger gestützt wurde. Nach der Rekatholisierung und der Vertreibung der Jörger entwickelte sich Zell zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Marienwallfahrtsort. 1740 fand in Zell einer der letzten und größten Hexenprozesse Oberösterreichs statt, in dessen Verlauf beinahe eine ganze Familie ausgerottet und hingerichtet wurde (sogenannter Wagenlehnerprozess). In den letzten Kriegstagen 1945, bzw. sogar nach der offiziellen Beendigung des 2. Weltkrieges, war Zell immer noch Schauplatz blutiger Kämpfe. In den 50er Jahren begann man mit Untersuchungen des Heilwassers beim Hedwigsbründl. Nach der Einbeziehung weiterer Quellen kam Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts seitens der oberösterreichischen Landesregierung die offizielle Erklärung zur Heilquelle (Radon) und zum Bau eines Kurhauses. Seit 1976 ist Zell bei Zellhof ein Kurort (Namensänderung in Bad Zell). Der Marktplatz ist planmäßig angelegt als langgestreckter Dreicksplatz, wobei die Kirche (südöstlich des Platzes) deutlich abgesetzt ist. Am Platz selbst findet man eine historisches Ortsverbauung mit Bürgerhäusern (16.-19. Jahrhundert).

Einwohnerentwicklung

1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 2.687 Einwohner, 2001 dann 2.727 Einwohner.

Politik

Bürgermeister ist Mag.phil. Hubert Tischler von der ÖVP.

Wappen

Offizielle Beschreibung des Gemeindewappens: In Rot eine silberne, vom Schildfuß ausgehende Klause (Celle), Frontalansicht mit schwarz geöffneter Rundbogenpforte und kleinem, mit einem Kreuz bestecktem Glockentürmchen; überhöht von zwei silbernen, schräg gekreuzten Schlüsseln. Die Celle wird stets als jene Kapelle interpretiert, die einst Regensburger Mönche bei der Rodung hier errichtet haben sollten, samt einer kleinen Klause für durchreisende Geistliche. Die beiden Schlüssel könnten dabei auf den Patron des Regensburger Domes hinweisen, den hl. Apostel Petrus.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche Bad Zell

Die Pfarrkirche zum Hl. Johannes dem Taüfer liegt im südöstlichen Teil des Marktes über einem nach drei Seiten steil abfallendem Gelände. Bedeutender Bau aus unterschiedlichen mittelalterlichen Bauetappen mit bemerkenswerter barocker Altarlösung und 45 Meter hohen Kirchturm. Urkundlich zwischen 1261/78 der Ur- und Mutterpfarre Naarn unterstellt. Pfarrerhebung urkundlich 1366 (aber wahrscheinlich schon früher). Zwischen 1740 und 1784 bedeutender Marienwallfahrtsort. Ursprünglich ein romanischer Bau mit gotischen und spätgotischen Umbauten. Dreischiffige, gestaffelte Anlage mit bemerkenswerten Gewölberippenformationen (Schlingrippen, Netzrippen) aus ca. 1470-1510. Weitere Bauteile aus der gleichen Epoche (Turm, Altarraum, Gruftkapelle, Südportal, Westempore). Bemerkenswerter Hochaltaraufbau 1746, der den gesamten Chor einbezieht. Stuckmarmor und Säulenarchitektur von Franz Ludwig Grimm. In der Halbkuppel ein Fresko "Gotttvater mit den Engeln" von Bartolomeo Altomonte. Scheinarchitektur von Johann Georg Dollicher. Allegorische Stuckmarmorstatuen in der Apsis. Die Kanzel ebenfalls aus dieser Zeit. Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu einer teilweisen Regotisierungen des Baues (Fenstermaßwerke, Seitenaltäre, Turm, etc.). Neugotische Seitenaltäre (Maria, Florian) von Ludwig Linzinger 1893/94, ebenso der figurale Kreuzweg. Die Orgel von Leopold Breinbauer 1902. Das Geläute der Pfarrkirche besteht aus 5 Glocken (f, g, b, cis, dis), wobei die zweitgrößte Glocke aus dem Jahr 1524 stammt, bzw. die vierte Glocke aus dem 14. Jahrhundert.

Hedwigsbründl

Beliebtes Wallfahrtsziel. Mittelalterlicher Ursprung der Heilquelle. Besonders nach dem Dreißigjähriger Krieg kam es zum Aufschwung und zum Beginn einer Wallfahrt. Durch die Erklärung zur Heilquelle und dem Bau der Kuranstalt St. Hedwig kam es immer mehr zum Aufschwung und zum Bekanntwerden des Bründls. Vor wenigen Jahren wurde die alte, baufällige und unansehnliche Kapelle geschleift und das alte Badhaus zu einem kleinen Ausstellungsraum adaptiert. Zusätzlich wurde eine neue, moderne Kapelle errichtet, in die Teile der alten Kapelleneinrichtung kamen. Auch das Heil- (Hedwigs-) Wasser wurde wieder in die neu gestaltete Kapelle eingeleitet. Als Abschluss ließ man eine Hedwigsglocke gießen. Der Hedwigstag (16. Oktober) wird von jeher (17. Jahrhundert) in Zell festlich begangen.

Schloss Zellhof

Schlossruine außerhalb des Marktes Bad Zell. Ursprünglich Sitz bedeutender Adelsgeschlechter (Jörger, Scherffenberg, Salburg, Sachsen-Coburg-Gotha). Der Hof wird urkundlich 1347 genannt (im Besitz der Zellhofer). Es folgten häufige Besitzerwechsel und Ausbauten zu einem Edelsitz. 1607 gelangte das Schloss an die Jörger, die es mit der Herrschaft Prandegg vereinigten. Im 18. Jahrhundert weitgehende Barockisierungen der mittelalterlichen Anlage und Umbauung des Innenhofes. Im 20. Jahrhundert beginnender Verfall und teilweiser Abriss des Schlosses. Vom bedeutenden, einst so schönen Schloss Zellhof sind heute nur mehr einzelne Teile vorhanden (Wirtschaftstrakt, ehemalige Kapelle, etc.).

Schloss Aich

Ehemaliges Schloss, das jetzt als Bauernhof bewirtschaftet wird.

Pranger

Prangersäule am Marktplatz aus dem Jahr 1574. Auf der Säule stehend eine Statue in Ritterrüstung, Schwert und Schild (darauf das Wappen der Jörger) - das einzig erhaltene Prangermandl Oberösterreichs.

Persönlichkeiten

Tobias Haslinger; * am 1. März 1787 in Zell bei Zellhof (Bad Zell); † 18. Juni 1842 in Wien, war ein österreichischer Musikverleger und Komponist.


Literatur