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Westafrika

Unter Westafrika versteht man im allgemeinen den westlichen Teil des Afrikanischen Kontinents, nordwärts bis etwa zur Zentralsahara, im Süden und Westen durch den Atlantischen Ozean begrenzt.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Zwischen der Sahara, dem Atlantik und den Kamerunbergen gelegen, umfasst Westafrika den westlichen Teil der Großlandschaften Sahel und Sudan, sowie die Regenwälder Oberguineas. Das Klima ist aufgrund des Passat-Windes tropisch-wechselfeucht mit unterschiedlich ausgeprägten Trocken- und Regenzeiten. Der Sahel ist spärlich bewachsen, im Sudan herrschen Savannen vor und an der Küste gibt es Regenwald.

Bevölkerung

Im Übergangsbereich zur Sahara und in Mauretanien leben hellhäutige Berber (Tuareg) und Mauren, südlich davon vor allem nigerkordofanische Völker. Viele Westafrikaner sind noch Anhänger indigener Religionen; der Islam hat im Mittelalter an Einfluss gewonnen. Minderheiten von Christen leben als Folge europäischer Missionierung vor allem an der südlichen Küste. Es bestehen Kolonien von Libanesen und Syrern, vor allem in den Hauptstädten.

Geschichte

Vor der Ankunft der Europäer bestanden in Westafrika bedeutende Reiche wie Ghana, Mali und Songhai. Ab dem 15. Jahrhundert gründeten Portugiesen, Franzosen und Briten Forts und Faktoreien entlang der Küste, vor allem um den lukrativen Sklavenhandel mit Nordamerika betreiben zu können.

Westafrika hatte lange Zeit den Ruf als „Grab des weißen Mannes“. Tropenkrankheiten wie Malaria, Gelbfieber oder die Schlafkrankheit rafften im 18. Jahrhundert gut 25 bis 75 Prozent der neuankommenden Europäer im ersten Jahr dahin. Später waren es schätzungsweise immer noch gut 10 Prozent[1]. Diese Krankheiten fanden hier durch die hohe Verbreitung von Malariamücken und Tsetsefliegen nahezu ideale Voraussetzungen. Hinzu kamen die schlechten hygienischen Bedingungen während der Regenzeit, welche zur Amöbenruhr führen konnten.

Im 20. Jahrhundert wurde die koloniale Aufteilung zementiert, bevor es um 1960 zu einer Unabhängigkeitswelle kam.

Politik

Westafrika ist geprägt von den Gegensätzen der frankophonen und anglophonen Staaten, auch als Folge unterschiedlicher Auffassungen von Kolonialisierung durch Franzosen und Briten. Die Bindungen der ehemaligen Kolonien an ihre Mutterländer sind zum teil enger als zu den Nachbarländern. Die westafrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS dient der Integration Westafrikas und bemüht sich in den zahlreichen Krisenregionen um Frieden (Sierra Leone, Liberia, Côte d'Ivoire).

Staaten

In Westafrika befinden sich die folgenden Staaten:

Infrastruktur

Das Straßennetz ist dürftig ausgebaut, Eisenbahnen existieren nur als Transportmöglichkeit einiger Binnenstaaten zur Küste infolge kolonialer Wirtschaftspolitik. Bedeutende Häfen sind Dakar, Conakry, Abidjan, Accra, Lomé, Lagos und Freetown.

Wirtschaft

Die Sahelstaaten gehören zu den ärmsten der Welt, Nigeria ist trotz Ölreichtums stark unterentwickelt. An den Küsten gibt es Monokulturen einer auf den Export ausgerichteten Landwirtschaft. Eine große Zahl Westafrikaner betreibt Subsistenzwirtschaft.

Kultur

In Westafrika werden über die Hälfte der afrikanischen Sprachen gesprochen. Es dominieren die nigerkordofanische und die afroasiatische Sprachgruppe. Bedeutend für die traditionelle Kultur der Savannen- und Regenwaldvölker sind die mündliche Überlieferung des Wissens durch Griots sowie der Gebrauch von Masken und Tänzen zu zeremoniellen Anlässen.

Quellen

  1. Robin Hallet: The Penetration of Africa, London 1965, Seite 9

Literatur