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Pfandbrief

Ein Pfandbrief ist eine von einer Pfandbriefbank begebene Anleihe. Er zeichnet sich dadurch aus, dass dem Investor neben der Bonität der emittierenden Bank im - allerdings seit 1901 nicht mehr eingetretenen - Fall einer Insolvenz dieser Bank zusätzlich eine sogenannte Deckungsmasse zur Verfügung steht. Diese Deckungsmasse besteht

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Pfandbriefe haben in Deutschland ihren Ursprung im Jahr 1769 in einer "Cabinets-Ordre" Friedrichs des Großen. Sie waren zunächst Wertpapiere, die von so genannten Landschaften, das waren öffentlich-rechtliche Zwangsvereinigungen der adligen Großgrundbesitzer einer bestimmten Region, zum Zwecke der Beschaffung günstigeren landwirtschaftlichen Grundkredits begeben wurden. Dem Pfandbriefinhaber diente als Sicherheit bestimmter Grundbesitz, außerdem haftete subsidiär die Landschaft. Mitte des 19. Jahrhunderts erhielten die ersten Hypothekenbanken das Recht, hypothekarisch gesicherte Kredite durch Pfandbriefe zu refinanzieren. Mit dem Hypothekenbankgesetz, das zusammen mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) am 1. Januar 1900 in Kraft trat, wurde dann eine für das gesamte Reich geltende Rechtsgrundlage für die Emission von Pfandbriefen geschaffen. Im Jahr 1927 folgte diesem Beispiel das Gesetz über die Pfandbriefe und verwandten Schuldverschreibungen öffentlich-rechtlicher Kreditinstitute (ÖPG) und im Jahr 1933 das Gesetz über Schiffspfandbriefbanken.

In Folge der Abschaffung der staatlichen Garantien für öffentlich-rechtliche Kreditinstitute kam es zur Vereinheitlichung der Rechtsgrundlagen unter dem am 19. Juli 2005 geltenden Pfandbriefgesetz.


Gesetzliche Grundlage

Einheitliche gesetzliche Grundlage ist seit dem 19. Juli 2005 das Pfandbriefgesetz (PfandBG). Es erlaubt allen Kreditinstituten, die die dafür erforderliche Erlaubnis bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beantragen und erhalten, Pfandbriefe als Refinanzierungsmittel einzusetzen.

Bonität

Die Bonität (Sicherheit) eines Hypotheken- oder Schiffspfandbriefes beruht auf mehreren Säulen:

  1. die unmittelbare Verknüpfung des Pfandbriefes mit den der Deckungsmasse zugeordneten Darlehen (§ 4 PfandBG). Im Falle einer Insolvenz der Pfandbriefbank werden die Pfandbriefgläubiger vor allen anderen Gläubigern aus dieser Deckungsmasse befriedigt (Insolvenzvorrecht). Die Einhaltung der mit dem Deckungsstock verknüpften Vorschriften wird von einem institutsunabhängigen Treuhänder überwacht (§ 7 PfandBG).
  2. die Beschränkung deckungsfähiger Darlehen auf einen Auslauf von 60 % des von Sachverständigen festgelegten Beleihungswerts der beliehenen Immobilien (§ 14 Abs. 1 PfandBG) bzw. Schiffe (§ 22 Abs. 2 PfandBG),
  3. der vorsichtigen und dauerhaften Bewertung der zu beleihenden Immobilien bzw. Schiffe.

Die Bonität öffentlicher Pfandbriefe beruht auf der Bonität der öffentlichen Hände im In- und Ausland, § 20 PfandBG. Alle Pfandbriefe sind mündelsicher, lombardfähig und deckungsstockfähig.

Pfandbriefe bieten in der Regel eine etwas höhere Rendite als Bundesanleihen, sind jedoch in Hinblick auf die Bonität der Emissionen als ähnlich sicher anzusehen.

Nicht zu verwechseln ist der Hypothekenpfandbrief mit der Hypothekenanleihe. Zwar ist auch diese grundpfandrechtlich abgesichert, jedoch unterliegt sie nicht den strengen Anforderungen des Pfandbriefgesetzes und ist daher mit höheren Risiken behaftet.

Jumbo-Pfandbrief

Ein mit besonderen Eigenschaften ausgestatteter Pfandbrief ist der seit Mai 1995 existierende Jumbo-Pfandbrief. Jumbos haben ein Mindestemissionsvolumen von mehr als einer Milliarde Euro und ein verpflichtendes Market Making. Von einer Anleihe mit Market-Making spricht man dann, wenn sich zumindest drei Banken gegenüber dem Emittenten verpflichtet haben, mit festgelegten Geld-Brief-Spannen während festgelegter Handelszeiten Zwei-Wege-Preise gegenüber anderen Marktteilnehmern zu quotieren. Daher sind diese Anleihen besonders liquide und man erhält beim Handel marktgerechte Kurse.

Kursschwankungen

Ein kleines Risiko besteht im Kursverlust, der eintritt, wenn der Marktzins sich gegenüber dem Zinssatz des Pfandbriefes erhöht. Dieser ist aber nur relevant, wenn der Pfandbrief vor Ende der Laufzeit verkauft wird. Fällt der Marktzins hingegen steigt der Kurs des Pfandbriefs.

Beispiel: Ein Pfandbrief hat eine Laufzeit von einem Jahr und einem Zinssatz von 5 %. Fällt der Marktzins von 5 % auf 3,5 % steigt der Kurs des Pfandbriefs von 100 % auf 101,44 %. Ein Käufer würde nach einem Jahr 5 % Zinsen und aber nur 100 % seiner Einlage erhalten. Also 3,5 % Gewinn mit seinem eingesetzten Kapital machen.

Verband

34 deutsche Pfandbriefbanken haben sich im Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) zusammengeschlossen (früherer Name: Verband deutscher Hypothekenbanken, VDH).

Spanische Cédulas

Ein dem Pfandbrief vergleichbares Instrument sind spanische Cédulas. Aufgrund eines im Durchschnitt geringeren Gläubigerschutzes erreichen sie bislang nicht die Qualität deutscher Pfandbriefe, was hauptsächlich auf das Fehlen eines Deckungsregisters im Fall von Insolvenzen zurückzuführen ist[1].

Fußnoten

  1. FAZ (16.02.2007) BBVA-Cédulas sind ein solides Basis-Investment

Hagen, Dr. Louis: Pfandbriefe. In: Habersack/Mülberg/Schlitt (Hrsg.): Unternehmensfinanzierung am Kapitalmarkt, 2. Auflage, Dr. Otto Schmidt, Köln 2008

Siehe auch