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VW SP2

VW
SP
Hersteller: Volkswagen do Brasil
Produktionszeitraum: 1972–1976
Klasse: Sportcoupé
Karosserieversionen: Coupé, zwei Türen
Motoren: 1,6 l-B4, 48 kw (65 SAE-Brutto-PS)
1,7 l-B4, 55 kw (75 SAE-Brutto-PS)
Länge: 4217 mm
Breite: 1610 mm
Höhe: 1158 mm
Radstand:
Leergewicht: 890 kg
Vorgängermodell: ohne
Nachfolgemodell: ohne


Der VW SP war ein von 1972 bis 1976 vom brasilianischen Volkswagen-Ableger hauptsächlich für den dortigen Markt produziertes Sportcoupé; der Name stand für São Paulo oder, anderen Quellen zufolge, für Spezielles Projekt oder Sport-Prototyp.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In den 1970er-Jahren war der brasilianische Automobilmarkt, durch extrem hohe Einfuhrzölle für Kraftfahrzeuge, für Importe so gut wie geschlossen. Die einzigen sportlichen Autos, die es noch gab, waren bereits veraltet, wie z.B. der VW Karmann Ghia und sein Nachfolger, der wenig erfolgreiche Karmann Ghia TC. Einige unabhängige brasilianische Hersteller besetzten aber mit einigem Erfolg diese Nische, so etwa Puma oder Sta Matilde.

Projekt X

Die brasilianische VW-Tochter genoss immer eine relativ große Unabhängigkeit vom Stammhaus. Ab 1968 wurde VW do Brasil von Rudolf Leiding geleitet, dem späteren VW-Konzernchef. 1969 wurde unter dem Arbeitsnamen Projekt X ein Team um den Ingenieur Schiemann beauftragt, ein sportliches Fahrzeug zu entwickeln. Das Ergebnis war der VW SP1 und SP2, der als erster Volkswagen das später beim deutschen VW 412 kopierte „Haifischgesicht“ hatte. Die Fahrzeuge wurden auf der deutschen Industriemesse Hannover im März 1971 präsentiert.

Die Serienmodelle

Der Serien-SP2 basierte auf der Plattform des brasilianischen VW 1600 Variant, besaß aber einen auf 1700 ccm vergrößerten Vierzylinder-Boxermotor. Dieser leistete 75 PS und verlieh dem SP2 eine Höchstgeschwindigkeit von 161 km/h, bei einem Normverbrauch von 10,5 Litern auf 100 Kilometer. Für den Spurt auf 100 km/h benötigte der SP2 17,4 Sekunden. Daneben gab es eine schwächere, 149 km/h schnelle Variante mit dem 65 PS starken 1,6-Liter-Boxermotor, die aber bald wieder eingestellt wurde.

Beide SP-Modelle plagte ein gewisser Leistungsmangel; einem zeitgenössischen Scherz zufolge stand das SP im Modellnamen für Sem Potência, brasilianisch für "ohne Leistung". Der SP war, trotz seiner schnittigen Form, deutlich langsamer als etwa der Puma, obwohl hier wie dort ganz ähnliche Motoren zum Einbau gelangten. Allerdings war der Puma wesentlich leichter.

Der SP besaß zwei Kofferräume; einen 140 Liter fassenden unter der vorderen Haube und ein 205 Liter fassendes Abteil im Heck, das über eine große Klappe zugänglich war. Trotz vieler guter Eigenschaften fand der SP zu wenige Abnehmer. Daher wurde im Februar 1976 die SP-Produktion beendet. Insgesamt entstanden 10.193 Exemplare, von denen ca. 670 in den Export gingen (offiziell aber nie nach Europa). Ein weißes Exemplar ist im VW-Werksmuseum in Wolfsburg zu sehen.

SP3

Um den Leistungsmangel von SP1 und SP2 zu beheben, entwickelte das Werk den Prototyp SP3. Dabei handelte es sich um einen SP2 mit wassergekühltem 1,8-Liter-Reihenvierzylinder, einer Verdichtung von 8,5:1, Doppelvergaser und einer Leistung von 100 SAE-PS; die Maschine entstammte der brasilianischen Version des VW Passat TS.

Im Werk selbst kam das Projekt nicht über ein frühes Entwicklungsstadium hinaus, doch wurde bei dem großen Volkswagenhändler Dacon ein Prototyp auf die Räder gestellt. Vom SP2 unterschied sich dieser äußerlich durch Felgen der Größe 6Jx13 (vom Passat), die Lufteinlässe wichen diskreten Schlitzen an den hinteren Seitenscheiben und über der vorderen Stoßstange saß ein breiter schwarzer Kühlergrill. Der Motor blieb im Heck, im Motorraum befand sich auch der Kompressor für die Klimaanlage. In der Front saß hingegen der Wasserkühler. Im Innenraum fanden sich lederbezogene Porsche-Sitze (Dacon war bis zum Importverbot auch Porsche-Händler gewesen). Getriebe, Fahrwerk und Bremsen (vorne Scheiben, hinten Trommeln) entsprachen dem SP2, allerdings wurden die Teile der höheren Leistung angepasst und verstärkt. Der Prototyp erreichte eine Spitze von 180 km/h.

Das Werk beschloss aus Kostengründen, den SP3 nicht in Serie gehen zu lassen und beendete das Projekt. Daraufhin bot Dacon den Umbau zum SP3 in Eigenregie an, aufgrund des extrem hohen Preises hielt sich die Nachfrage aber in sehr engen Grenzen.

Quellen und Weblinks