Heim

Stadtpfarrkirche Freistadt

Die denkmalgeschützte Stadtpfarrkirche Freistadt (auch: Katharinenmünster) in Freistadt im oberösterreichischen Mühlviertel ist die Hauptkirche der Stadt. Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert als romanische Kirche errichtet, im 14. und 15. Jahrhundert gotisiert und auf eine fünfschiffige Basilika ausgebaut. In der Barockzeit wurde die Kirche wiederum umgebaut, bevor 1967 die ursprüngliche Gotik wieder weitgehend hergestellt wurde. Heute ist die Stadtpfarrkirche die einzige fünfschiffige Kirche Österreichs.

Die Kirche ist der heiligen Katharina von Alexandrien geweiht.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Bürger Freistadt begannen kurz nach der Stadtgründung mit dem Bau einer eigenen Kirche an der höchsten, dafür vorgesehenen Stelle der Stadt. Um 1288 wurde die Stadtkirche in erstmals urkundlich erwähnt. Die Kirche wurde unmittelbar am Hauptplatz und neben dem Rathaus (heute: Bezirksgericht) und der Freyung, aber ohne Friedhof errichtet.

Die ursprüngliche dreischiffige, romanische Basilika wurde, mit flacher Holzdecke, achteckigen Säulen und dem lateinischen Kreuz als Grundriss errichtet. Das Vierungsrechteck wurde viermal im Langschiff und einmal im Ostchor (Presbyterium) aufgetragen. Die zwei Seitenschiffe, halb so hoch und halb so breit wie das Langschiff, schlossen im Altarraum gerade ab, während das Presbyterium vielleicht eine halbrunde Apsis gehabt hat. Neben dem Ostchor steht am Hauptplatz der Kirchturm, gegenüber an der Südseite die Sakristei. Der Spitzbogen als Zeichen der Gotik ist überall zu finden, bei den Arkadenbögen, bei den Fenstern und bei den Türen.

Ausbau in der Gotik

In der Zeit der Gotik erhielt die Kirche Ende des 14. Jahrhunderts - ein Kreuzrippengewölbe, zahlreiche Altäre und Kapellen in den Seitenschiffen, die viel Platz brauchten und schließlich dazu zwangen, auf jeder Seite ein weiteres, allerdings verkürztes Seitenschiff in der Länge von drei Fensterachsen anzubauen. Dies war nötig, da die räumliche Situation an der Hauptplatzseite gleich lange Seitenschiffe verhinderte. Diese Arbeit wurde endgültig 1522 nach den beiden Stadtbränden abgeschlossen. Die Pfarrkirche wuchs auf eine Basilika mit fünf Schiffen.

In dieser Zeit wurde auch der Ostchor neu errichtet. Im Auftrag von Bürgermeister, Richter und Rat übernahm der Freistädter Steinmetzmeister Mathes Klayndl diese Aufgabe in Planung und Ausführung. Der Chor wurde auf 16 m erhöht, um 8 m verlängert und erhielt dann als ein bewundernswertes Schlingrippengewölbe und die Maßwerkfenster. Zusätzlich wurde an die Nordseite des Ostchors eine kleine Kapelle angebaut, die heutige Taufkapelle. Damit war um 1501 der Höhepunkt der Gotik in Freistadt erreicht.

In der Katharinenkirche vergrößerte man dann noch den Fassungsraum durch je eine Empore an der Westseite und an der Südseite. 17 Altäre standen in der Kirche, unter ihnen möglicherweise gotische Meisterwerke. Die Stadtpfarrkirche - Sankt Katharina - war ein prächtige Kirche in einer reichen Stadt um 1500.

Vernichtung durch Feuer

Die beiden Stadtbrände am 13. September 1507 und am 1. September 1516 vernichteten alles das, was fromme Gesinnung, bürgerlicher Reichtum und gotische Meisterhand geschaffen hatte. Das Katharinenmünster brannte vollständig aus, nur die Mauern und die Gewölbe hielten zwar dem Feuer stand. Die kostbaren Altäre, Bilder, Statuen, Glocken, das Kirchengestühl und alle Verzierungen wurden ein Raub der Flammen.

Wiederaufbau

Der Wiederaufbau fiel in die Zeit der Reformation. Die Reformation wirkte sich auch auf den Ausbau der Kirche aus. Man richtete die Kirche wieder her, aber man begnügte sich bei der Ausstattung mit dem Notwendigsten: ein Altar der 14 Nothelfer sollte reichen, der Altar der Corpus Christi-Bruderschaft und der Altar des heiligen Michael werden wieder errichtet. Eine Orgel wurde erst 1539, die Glocken gar erst 1558 eingebaut, zu einer Zeit, als es in Freistadt wieder Reichtum gab.

So war das Katharinenmünster im 16. Jahrhundert nur noch ein matter Abglanz jener Kirche vor 1507. Ohne die kostbaren Blumenmalereien im Gewölbe der Seitenempore, die kunstreiche Renaissance wäre an der Kirche spurlos vorübergegangen. Die Bürger Freistadts waren damals fromm, vielleicht sogar frömmer als je zuvor. Aber es gab eben den Gegensatz zwischen Katholiken und Protestanten, der gerade beim Wiederaufbau der Pfarrkirche zu spüren war. Im Oktober 1625 forderte Kaiser Ferdinands II.: „Werde wieder katholisch oder wandere aus!“

Rekatholisierung in Freistadt

Fast alle in Freistadt wurden wieder katholisch. Und als erstes Geschenk erhielt Sankt Katharina 1641 einen neuen Hochaltar, den Meister Hans Hens schnitzte, 15 m hoch und 7 m breit, und ein prachtvolles Altarbild von Adrian Bloemaert „Martyrium und Glorie der hl. Katharina“, das heute noch im Ostchor hängt, während vom Hochaltar, der 1875 abgetragen wurde, keine Spur mehr erhalten ist. Im Zuge der Rekatholisierung in Freistadt wurde 1687 die Barockisierung der Pfarrkirche eingeleitet.

Barockisierung

Es wurde eine billig barockisierte Kirche, ohne den Glanz anderer Kirchen die Barock und Rokoko kombinierten. Die Beseitigung jedes Spitzbogens war der leitende Gedanke. Erst die Ausstattung des 18. Jahrhunderts brachte dann eine Verschönerung. Die vier Seitenaltäre, die Beichtstühle, die prächtige Orgelempore, die marmornen Kommuniongitter, die Glocken, der Marienbrunnen auf dem Hauptplatz und schließlich der prachtvollen Kirchturm von Johann Michael Prunner wurden errichtet.

Von der religiösen Ernüchterung durch die Aufklärung ist in Freistadt wenig zu spüren, eher das Gegenteil, wie die Ankunft der Piaristen um 1761 in der Stadt beweist. Die Aufhebung des Kapuzinerklosters und die Verweltlichung der Johanneskirche in der Linzer Vorstadt und der Allerheiligenkapelle in St. Peter geschahen auf Befehl des Kaisers Joseph II. und riefen in Freistadt großen Unmut hervor.

Rückkehr zur Gotik - Neugotik

Im 19. Jahrhundert wurde in der Stadt von der Größe des Mittelalters geschwärmt und man begann mit der Wiederherstellung der Gotik im Ostchor, die im Zuge der Barockisierung stark gelitten hatte. Vinzenz Statz, der Baumeister am Kölner Dom, und sein enger Mitarbeiter Otto Schirmer lieferten die Pläne und leiteten die Bautätigkeiten. Bald wurde das Geld zu wenig, und so wurde nur der Ostchor grundlegend verändert. Der Ostchor strahlte schon die Neugotik, und das Barock in der Kirche wurde nur noch geduldet und wartete auf den Umbau bis zum Jahr 1967.

Renovierungen ab 1967

Das war das Jahr des großangelegten Umbaus, man wagte, als man wegen der Aufstellung eines Volksaltares eine Erneuerung begann, den entscheidenden Schritt. Das Ergebnis am Ende der Bauzeit war die Kirche des 13. Jahrhunderts in ihrer einfachen und schlichten Erhabenheit, nur das Wertvolle aus dem Barock wurde gelassen. So zeigt sich uns heute die Stadtpfarrkirche: Gotik und Barock nicht als Gegensatz, sondern als eine Symbiose der Kunst zur Verherrlichung Gottes.

Um 2000 wurde die vormalige Bestuhlung mit Sesseln entfernt und durch Bänke mit Fußbodenheizung ersetzt. Zwischen 2004 und 2005 wurde auch die Orgel der Kirche gänzlich neu gebaut.

Kirchturm

Der baufällige gotische Turm wurde 1736/37 vom oberösterreichischen Barockbaumeister Johann Michael Prunner barockisiert und ist 67 m hoch. Auf dem geschwungenen Dach über dem Zugang steht der heilige Florian mit zwei Engeln. In dieser Zeit war auch Türmer im Kirchturm untergebracht. Der Wächter auf dem Kirchturm, den die Stadt Freistadt zu stellen hatte, wachte in der Nacht, während der Wächter auf dem Burgfried, für den die Herrschaft zuständig war, in den Tagstunden seinen Dienst versah. Die Wach- oder Zirkstube für die städtischen Wächter befand sich am Fuße des Kirchturms, wo sich seit 1925 ein Kriegerdenkmal von A. Wagner von der Mühl.

Der Turm besitzt eine Stube mit vier Balkonen in jede Himmelsrichtung, welche bei seltenen Anlässen besucht werden kann. Sowie beim Burgfried des Schlosses kann bis heute ein Überblick über die ganze Stadt und ihre hügelige Umgebung genossen werden.

In den Jahren 2009 und 2010 soll mit der Renovierung des Kirchturms begonnen werden.

Im Inneren der Kirche

Im Inneren der Kirche zeigen sich die gotischen Pfeiler/Säulen mit den gotischen Spitzbogenarkaden aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, die 1967 freigelegt wurden, nachdem sie in der Barockzeit zugebaut worden waren. In der Vierung vor dem Triumphbogen steht der Volksaltar aus weißem Juramarmor (1967), dahinter im Ostchor der gotische 14 Nothelferaltar (um 1520), über dem sich das Schlingrippengewölbe spannt. An der Nordseite des Chors hängt das Bild des ehemaligen barocken Hauptaltares (1640). Die Maßwerkfenster sind aus englischem Kathedralglas, bemalt in Köln nach Entwürfen von Vinzenz Staaz.

Im Obergeschoß, den man sowohl vom Inneren der Kirche als auch von außen über die Sakristei erreicht, sieht man die barocke Ausstattung von Carlo Antonio Carlone (1690) und vier hochbarocke Figuren (Maria, Josef, Anna und Joachim) sind im Hauptschiff zu sehen. Am hinteren Ende des Hauptschiffes befindet sich die neu renovierte Orgel.

Literatur

7Koordinaten: 48° 30′ 40″ N, 14° 30′ 20″ O