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Rochus Misch

Rochus Misch (* 29. Juli 1917 in Oppeln) ist ein ehemaliger Funker und Angehöriger der Leibstandarte-SS Adolf Hitler, zuletzt mit dem Dienstgrad Oberscharführer. Misch ist der letzte noch lebende Zeitzeuge des Suizids Hitlers und seiner Frau sowie der Familie Goebbels.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Misch verlor seine Eltern bereits früh. Sein Vater verstarb wenige Stunden vor seiner Geburt nach einer Kriegsverletzung in einem Lazarett in Oppeln. Seine Mutter starb, als Rochus Misch 2½ Jahre alt war. Er wuchs bei den Großeltern auf. Später lebte er bei einer Tante in der Nähe von Berlin. Nach seiner Malerlehre meldete sich Misch 1937 freiwillig zur SS-Verfügungstruppe (Vorgängerorganisation der Waffen-SS). Ende 1939 wurde Misch während des Polenfeldzuges durch einen Lungenschuss verwundet.

Auf Empfehlung seines Kompaniechefs, Wilhelm Mohnke, teilte der Chefadjutant Hitlers, Julius Schaub, Misch dem Führerbegleitkommando zu. Misch wurde somit ein Leibwächter[1] Hitlers.

In einem Zeitungsinterview berichtete Misch von den letzten Stunden im Bunker und einem Gespräch mit Goebbels am 1. Mai 1945.

Goebbels: „Was haben wir denn noch überhaupt?“
Misch: „Herr Minister: Telefonate, die Gauleitung, der Oberstleutnant Seiffert.“
Goebbels: „Da ist ja nicht mehr viel.“
Ganz ruhig und leger habe Goebbels anschließend erklärt: „Wir haben verstanden zu leben, wir werden auch verstehen zu sterben. Sie können jetzt Schluss machen.“

Misch verließ dann den Führerbunker. Schon ein paar Tage zuvor hatte er sich am Bestand bedient und einen Rucksack mit den nötigsten Nahrungsmitteln gepackt. Als Misch ging, blieb nur der Maschinist Johannes Hentschel mit Goebbels zurück. [2]

Misch flüchtete am Morgen des 2. Mai 1945 von der Vorderfront der Alten Reichskanzlei durch die U-Bahn-Gleisschächte vom U-Bahnhof Kaiserhof über den Bahnhof Friedrichstraße und die Weidendammer Brücke bis zum Stettiner Bahnhof, wo er von Soldaten der Roten Armee festgenommen wurde.

Wegen seiner Nähe zur politischen Prominenz des Dritten Reiches wurde er in die Sowjetunion geflogen und im Moskauer Militärgefängnis Lubjanka festgesetzt. 1954 wurde Misch entlassen.

Rochus Misch lebt in Berlin. Er ist seit dem Tod von Hitlers Adjutanten Otto Günsche im Oktober 2003 nun der letzte Augen- und Zeitzeuge aus dem inneren Zirkel des „Dritten Reiches“. Misch hatte 1942 geheiratet und hat eine Tochter.

Dokumentationen und Filme

Im April 2006 erschien eine TV-Dokumentation des MDR unter dem Titel Der letzte Zeuge – Rochus Misch. Ebenfalls im April 2006 wurde die Biografie von Misch unter dem Titel J'étais garde du corps d'Hitler in Frankreich publiziert. Das Buch behandelt überwiegend den Zeitraum von 1940 bis 1945. Weitere Veröffentlichungen folgten in Argentinien, Spanien, Brasilien, Polen und der Türkei. Zuletzt erschienen seine Erinnerungen im Mai 2007 in Japan. In Deutschland sind die Lebenserinnerungen von Misch ab dem 30. Juni 2008 unter dem Titel "Der letzte Zeuge - Ich war Hitlers Telefonist, Kurier und Leibwächter" mit einem Vorwort von Ralph Giordano erhältlich.

In den Filmen Der Bunker (1981) wurde er von Michael Kitchen, in Der Untergang (2004) von Heinrich Schmieder und in Die letzte Schlacht (2005) von Florian Lukas gespielt. Alle Produktionen setzen sich mit den letzten Tagen des Naziregimes auseinander.

Quellen

  1. http://kriegsende.ard.de/pages_std_lib/0,3275,OID1287262,00.html
  2. Jetzt wird der Chef verbrannt Süddeutsche.de, 29. April 2005
  3. Ralf Simon: Des Teufels Leibwächter. Die Geheimnisse des letzten lebenden Hitler-Vertrauten, Spiegel-Online, 29. Juli 2007.
Personendaten
Misch, Rochus
Funker und Angehöriger der Leibstandarte-SS Adolf Hitler
29. Juli 1917
Oppeln