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Steinriegel

Steinriegel sind Aufschichtungen von aufgelesenen Steinen und prägen das Bild zahlreicher süddeutscher Weinlagen.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Ab dem Spätmittelalter wurde in Deutschland auch auf ungünstigeren Lagen vermehrt Wein angebaut. Dies war nur möglich, wenn die Weinberge (häufig flachgründige Muschelkalkböden) stets gehackt wurden. Größere Steine, die durch Bodenerosion und Frosthebung aus dem Boden traten, wurden herausgehackt und in der Falllinie der Hänge entlang der Eigentumsgrenzen aufgehäuft. Diese oft mehrere Meter hohen und breiten Ansammlungen hatten den willkommenen Nebeneffekt, das Klima zu regulieren. Die Steine heizten sich tagsüber auf, speicherten die Wärme und gaben sie nachts wieder ab. Zusätzlich hielten sie kalte Winde von den Nutzflächen ab.

Rückgang und heutige Bedeutung

Die Einschleppung der Reblaus im 19. Jahrhundert führte zu einem Rückgang des Weinanbaus und zu einer Verringerung der Rebfläche. Durch Abtrag und Nutzung der Steine, die verstärkte Wohnbebauung von Hanglagen und Flurbereinigungen verschwanden in der Folge vielerorts die Steinriegel. Wenn Steinriegel nicht weiter aufgehäuft oder anderweitig frei gehalten werden, gewinnen Hecken, Gebüsch und Wald schnell die Oberhand. Die Landschaftspflege ist aufwändig und wird nur von wenigen Idealisten geleistet. Hierdurch verschwinden weiter in zunehmendem Maße die für Fauna und Flora wichtigen offenen, trockenwarmen, gehölzarmen Standorte - allerdings werden nutzungshistorisch bedeutsame Reliefformen konserviert. So haben Steinriegel einen Erdkern, der die ursprüngliche Erdoberfläche zu Beginn der Weinbauzeit anzeigt.

Seit 1992 gelten die Steinriegel in Baden-Württemberg nach § 24 des Landesnaturschutzgesetzes als Naturdenkmale und Biotope und werden auf der Roten Liste der Biotoptypen geführt.

Siehe auch

Weblinks und Quellen