Schloss Freistadt
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Schloss Freistadt

Das Schloss Freistadt im oberösterreichischen Mühlviertel wurde zwischen 1363 und 1398 samt Bergfried errichtet und diente der Verstärkung der Befestigungsanlagen der Stadt Freistadt. Heute sind im Schloss das Finanzamt und ein Museum untergebracht.

Inhaltsverzeichnis

Heutiges Aussehen

Wenn man vom Hauptplatz den äußeren Schlosshof betritt, sieht man zur rechten Hand den ehemaligen Getreidekasten samt Stallung (heute: Jugendzentrum) aus dem Jahre 1552, zur linken Hand die ehemaligen Stallungen für die Pferde (heute: Konditorei) und hat von der Stadtmauer am nördlichen Ende des Platzes einen schönen Blick auf die Liebfrauenkirche. In den Schlosshof selbst kommt man durch einen Torbau mit ehemals zwei Zugbrücken - eine für eine Tür und eine für das Einfahrtstor, deren Rollen noch zu sehen sind.

Über dem Torbau befindet sich die alte Schlosskapelle (Teil des Schlossmuseums) mit einer bemerkenswerten Sammlung von Hinterglasbildern. Im inneren Schlosshof mit zwei Stiegenaufgängen und einem gedeckten Umgang im oberen „Gaden“ wurden in den Sommermonaten oft Konzerte und Theateraufführungen veranstaltet, bevor das Kulturzentrum Salzhof errichtet wurde. Heute findet der jährliche Freistädter Weihnachtsmarkt im äußeren und inneren Schlosshof statt (meist am 1. Wochenende im Dezember).

Der wichtigste Teil des Schlosses ist der Schlossturm – der Bergfried, der in seiner Art in Österreich einmalig ist. Er ist 50 m hoch und fast fensterlos, trägt in 40 m Höhe einen Umgang auf Kragsteinen, der einen Blick in alle vier Himmelsrichtungen bietet. Ein sehr steiles Keildach mit vier Dacherkern auf Kragsteinen bildet den Abschluss des Turms. Dieser gotische Bergfried prägt mit dem barocken Kirchturm (67 m hoch) das Erscheinungsbild von Freistadt.

Geschichte

1363 gab Herzog Rudolf IV. dem Stifter den Auftrag, mit diesem Bau eines Schlosses zu beginnen und alle Besitzungen im Landgericht Freistadt bis zur Fertigstellung mit einer Steuer zu belegen: Hof, Hube, Lehen und Hofstatt. Da der Herzog schon zwei Jahre später starb, führten seine Brüder Leopold und Albrecht die Bautätigkeit weiter, so dass schließlich 1397/98 das neue Schloss samt dem herrlichen Bergfried fertig gestellt war.

Das Schloss ersetzte die alte Burg in der Salzgasse (am uralten Handelsweg), die noch aus der Zeit vor den Babenbergern stammte und bisher dem Landesfürsten als Verwaltungsgebäude und Unterkunft gedient hatte. Ab 1398 war nun das neue Schloss die Verwaltungszentrale der Herrschaft Freistadt (dazu gehören Leopoldschlag, Neumarkt und Rainbach). Zugleich verstärkte es mit seinen mächtigen Mauern die Verteidigungskraft der Stadt, die damals am Ende des 14. Jahrhunderts durch den Ausbau aller Verteidigungsanlagen wesentlich verbessert worden war. Das Schloss war von der Stadt her auf zwei Wegen zu erreichen: einerseits gelangte man durch ein Tor am Hauptplatz und andererseits durch ein Tor am Ende der Schlossgasse von der Böhmergasse her kommend in den äußeren Schlosshof. Das eigentliche Schloss war aber zusätzlich durch Graben und Zugbrücke von der Stadt getrennt, und selbst die angrenzenden Bürgerhäuser durften damals keinen Ausgang in diesen Schlosshof haben. Das Schloss war also auch gegen die Stadt und eventuelle Angriffe von dieser Seite gesichert.

Während der Hussitenkriege und in den vielen Grenzfehden des 15. Jahrhunderts bewährte sich das Schloss als starkes Bollwerk an der Seite der Stadt. Es gab aber manchmal auch Gegensätze zwischen der Stadt und dem Schloss. Dabei ging es manchmal um ein „Hintertürl“, das vom Schloss in den Zwinger und über den Stadtgraben hinaus aus der Stadt führte und das bereits beim Bau eingeplant war. Es stellte einen von den beiden Stadttoren unabhängigen Zugang und Ausgang für die Schlossbewohner dar. Im 15. Jahrhundert wurde diese Tür aus Sicherheitsgründen zugemauert.

1584 forderte der Inhaber der Herrschaft, Hans Christoph von Gera, die Öffnung der Tür. Er berief sich dabei auf die zwei Stadtbrände von 1507 und 1516. Bei den Bränden blieb des Schloss als einziges Gebäude der Stadt unversehrt, aber man konnte auch sehen, dass die Schlossbewohner sich nicht durch die brennende Stadt hätten retten können. Letztendlich entschied der Landesfürst, die Tür zugemauert zu belassen.

Besitzerwechsel im Laufe der Zeit

Wenn die Habsburger Geld brauchten, wurde das Schloss verpfändet und wechselte so des Öfteren die Bewohner und „Besitzer“. Jeder Pfleger der Herrschaft hatte natürlich seine eigenen Vorstellungen und Wünsche, und so wurde das Schloss - freilich nur mit Zustimmung der Habsburger - ständig umgebaut und verändert. 1620 verkaufte der Kaiser Herrschaft und Schloss an den Grafen Leonhard Helfrich von Meggau, einen tapferen katholischen Mitstreiter in der Zeit der Gegenreformation. Die Bauern stürmten und plünderten während des oberösterreichischen Bauernkrieges 1626 die Stadt und das Schloss. Der damalige Pfleger und drei anwesende Kapuziner wurden in die Schlosskapelle gesperrt und misshandelt, die liturgischen Geräte entwendet und alle Kästen und Truhen aufgebrochen und geplündert. Nach dem Aussterben der Meggau fiel der Besitz wieder an den Kaiser, und dieser schenkte im Jahre 1700 die Herrschaft dem Grafen Ferdinand Bonaventura von Harrach. Dessen Urenkelin Rosa heiratete 1777 den Fürsten Joseph Kinsky, und so ging die Herrschaft Freistadt in den Besitz der Fürsten Kinsky über. Die Fürstin Rosa verkaufte 1798 das Schloss um 5000 Gulden an die Stadt Freistadt und übersiedelte in das ehemalige Kapuzinerkloster außerhalb der Stadt, das 1785 aufgehoben worden war und nun in ein fürstliches Schloss umgewandelt wurde.

Eigentum der Gemeinde Freistadt

Die Stadt richtete im gekauften Schloss durch zahlreiche Umbauten eine Durchmarsch-Kaserne ein, also ein Quartier für durchziehende Truppen und konnte deshalb zwei Häuser der Stadt, die bisher diesem Zweck dienten, wieder an Bürger verkaufen. Schließlich träumte die Stadt von einer ständigen Garnison und schenkte 1853, um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, das gesamte Schloss dem kaiserlichen Ärar. Von 1879 bis 1924 war nun tatsächlich eine Garnison in der „Schlosskaserne“ stationiert. Hier brach am 2. Mai 1880 ein Brand aus, der das Schloss, den Schlossturm und den nördlichen Teil der Stadt (38 Bauwerke) samt Böhmertor arg beschädigte.

Nach dem Brand von 1880 hat Kaiser Franz Josef den Plan einiger Kreise, den beschädigten Schlossturm abzutragen, abgelehnt und den Turm wieder instand setzen lassen.

Seit 1918 gehört das Schloss der Republik Österreich und beherbergt heute in seinen weitläufigen Räumlichkeiten das Finanzamt und das Mühlviertler Schlossmuseum (vormals: Mühlviertler Heimathaus).

Mühlviertler Schlossmuseum

Das „Mühlviertler Heimathaus“, heute in „Mühlviertler Schlossmuseum“ umbenannt, ist ein Werk des einst sehr verdienstvollen Heimatbundes „Alt Freistadt“ und zugleich das einzge Museum der Stadt. Das Museum wurde im Jahr 1926 eröffnet, im Laufe der Zeit ständig erweitert und besitzt heute 21 Schauräume. 1952 übernahm das Land Oberösterreich das Heimathaus. Das Schlossmuseum zeigt etwa 19.000 vorwiegend volkskundliche Exponate und Objekte im Zusammenhang mit der Stadtgeschichte aus acht Jahrhunderten. Das Museum besteht aus drei Hauptgruppen - Volkskunde, Handwerk und Hinterglasmalerei.

Sehenswertes im Schlossmuseum

Im dritten Stock des Südtraktes ist das so genannte „Hirschbacher Zimmer“ mit seinen bunt bemalten Bauernmöbeln aus dem frühen 19. Jahrhundert (Truhe, Kasten, Bett, Wiege, Tisch und Sessel, Kredenz, Schüsselkorb, Spinnrad mit Stuhl) aus Hirschbach (8 km südwestlich von Freistadt) zu sehen. Diese Art der Möbelbemalung hatte ihre Blütezeit um 1800, dauerte aber insgesamt nur 60 Jahre.

In der gotischen Schlosskapelle aus dem 15. Jahrhundert mit geradem Chorschluss und Sakramentsnische ist eine einzigartige Sammlung von 531 Hinterglasbildern (die größte in Österreich) aus der Zeit von 1770 - 1930 untergebracht. Auch aus dem 14. Jahrhundert sind einzelne Hinterglasbilder erhalten und zu sehen. Die meisten Bilder stammen aus Sandl (14 km nördlich von Freistadt) und dem damals noch deutschen Südböhmen (zB. Buchers). Es sind fromme Andachtsbilder mit einer sehr einfach Darstellung von Gnadenbildern bekannter Wallfahrtsorte und von Heiligen, die von der bäuerlichen Bevölkerung besonders verehrt wurden. Solche Bilder waren einst im Mühlviertel - besonders in den Bauernhäusern - weit verbreitet.

Im Schlossturm (Bergfried) zeigt das Museum Ausstellungen zu Volkskundethemen, wie Glaube und Aberglaube, Waag- und Messwesen, Brauch und Volksfrömmigkeit. Ganz oben im Schlossturm (9. Etage) ist die Türmerstube untergebracht, die nahezu in ihrem Originalzustand erhalten geblieben ist. Der Wächter auf dem Bergfried, den die Herrschaft Freistadt zu stellen hatte, wachte bei Tag, während der Wächter auf dem Kirchturm, für den die Stadt zuständig war, in den Nachtstunden seinen Dienst versah. Der in 40 m Höhe der Türmerstube auf Kragsteinen ruhende Umgang diente dem Wächter als Aussichtsmöglichkeit und gewährt bis heute einen Überblick über die ganze Stadt und ihre hügelige Umgebung.

Literatur

7Koordinaten: 48° 30′ 45″ N, 14° 30′ 23″ O