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Standarddeutsch

Standarddeutsch bezeichnet die in Wortschatz, Aussprache-, Grammatik- und Schreibnormen kodifizierten Sprachvarietäten des Deutschen.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Mit Standarddeutsch – oft auch „Hochdeutsch“ genannt – werden alle standardisierten Sprachvarietäten im deutschsprachigen Raum bezeichnet und so von den nicht standardisierten Sprachvarietäten abgegrenzt: den Dialekten, Umgangssprachen, Fachsprachen und Soziolekten. Standardisierte Sprachvarietäten werden zur überregionalen Verständigung verwendet; eine wichtige Rolle spielen hier die unterschiedlichen (aber gleichwertigen) Standarddeutsch-Formen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Der Begriff Standarddeutsch ist insofern problematisch, als es im deutschen Sprachgebiet keine legitimierte Instanz gibt, die Standards im Sinne von Normen für Grammatik und Aussprache festlegen könnte. Maßstäbe haben die Handbücher einzelner Gelehrter oder Gruppen von Gelehrten gesetzt, die aber nie unumstritten geblieben sind. Denn, auch wenn sie sich auf Sprachbeobachtung stützten, haben sie nach eigenen Kriterien entschieden, was als Standard gelten soll oder nicht. Die Folge davon ist, dass solche Werke zahlreiche Neubearbeitungen erfahren haben, in denen dann anerkannt wurde, was zuvor als standardwidrig galt. Für die Aussprache ist als Beispiel Theodor SiebsDeutsche Aussprache zu nennen, dessen ursprünglicher Titel „Deutsche Bühnenaussprache“ zeigt, dass zunächst kein allgemeiner Standard beabsichtigt war. Für den Bereich der Grammatik hat der 4. Band der Duden-Reihe Bedeutung erlangt, weil per Kultusministererlass deren 1. Band in der früheren Bundesrepublik Deutschland über Jahrzehnte als „maßgebend in allen Zweifelsfällen der Rechtschreibung“ war. Die 3. und 5. Auflage der Duden-Grammatik haben Neubearbeitungen erfahren, die zum einen Entwicklungen in der Linguistik und zum anderen in der Sprache selbst gefolgt sind. Sowohl die theoretischen Bedingungen, nach denen Kriterien für die Standards aufgestellt werden, als auch die Sprachpraxis, die immer mehr von den vorgeblichen Standards abwich, haben zur Formulierung neuer Standards geführt. Solche und konkurrierende Grammatiken sind daher eher deskriptiv als normativ und für viele potenzielle Nutzer nur schwer zur Orientierung zu verwenden.

Die standarddeutschen Varietäten sind Ausgleichssprachen auf plurizentrischer Grundlage. Ein Deutsch das mit allen Wörtern und Wendungen überall identisch ist, gibt es nicht.

Unter den Dialektgruppen weisen das Thüringische (Anhaltisch) und das Ostfränkische die meisten Parallelen zum Standarddeutschen Deutschlands auf. Mit der Durchsetzung der Reformation in den nördlichen deutschen Ländern hat sich dort diese gegen niederdeutsche Übersetzungen durchgesetzt, und Standarddeutsch wurde nach und nach zur Amts-, Kirchen- und Schulsprache. Die niederdeutsche Substratsprache hat dabei die Aussprache verändert. Einer verbreiteten Auffassung zufolge wird eine dem Standarddeutschen Deutschlands nahe kommende Umgangssprache in der Umgebung von Hannover gesprochen.

Siehe auch

Literatur