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Alexej von Jawlensky

Alexej von Jawlensky (ursprünglich Alexei Georgijewitsch Jawlenski; russisch Алексей Георгиевич Явленский, wiss. Transliteration Alexej Georgievič Javlenskij; * 13. Märzjul./ 25. März 1864greg. oder 1865 in Torschok (Russland); † 15. März 1941 in Wiesbaden) war ein russischer Maler und Hauptvertreter des Expressionismus.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Leben

Jawlensky wurde als fünftes Kind von Oberst Georgij Nikiforowitsch Jewlensky und Alexandra Petrowa Medwedewa geboren. Mit sechzehn Jahren, er lebte mit der Familie in Moskau, mit dem Ziel Offizier zu werden, entdeckte er die Liebe zur Malerei, sah auf der Weltausstellung 1880 zum ersten Mal moderne Kunst und begann als Autodidakt seine malerischen und zeichnerischen Fähigkeiten durch regelmäßige Besuche in der Tretjakow-Galerie zu schulen.

Als russischer Garde-Offizier (zuletzt im Rang eines Stabskapitäns) erreichte er seine Versetzung nach Sankt Petersburg und wurde nebenher Schüler von Ilja Repin an der Petersburger Kunstakademie, die er von 1889 bis 1896 besuchte. 1896/97 reichte Jawlensky als Oberleutnant seinen Abschied ein, um sich ganz der Malerei zu widmen und zog mit Marianne von Werefkin und Helene Nesnakomoff, die er 1895 14-jährig bei einem Besuch auf dem elterlichen Landgut der Werefkin kennenlernte und die er im Jahre 1922 heiratete, nach München, wo er in der Malschule von Anton Azbé mit Wassily Kandinsky zusammentraf.

1902 bekam er mit der im gemeinsamen Haushalt mit Marianne von Werefkin angestellten Helene Nesnakomoff seinen Sohn Andrej (André, Andreas), später ebenfalls Maler. Nachdem er den Münchner Realismus überwunden hatte, malte er eine Zeit lang im Stil von van Gogh, bis er schließlich um 1908 seinen eigenen, in der Farbgebung von den Franzosen beeinflussten expressiven Stil entwickelte, den er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 beibehielt.

1909 gründete er unter anderem gemeinsam mit Wassily Kandinsky, Adolf Erbslöh, Gabriele Münter, Marianne von Werefkin und anderen die Neue Künstlervereinigung München, eine Vorgängerin des Blauen Reiters, den Kandinsky und Franz Marc gründeten und dem Jawlensky sehr nahe stand. Er stellte gemeinsam mit Malern dieser Gruppen aus, u. a. 1912 in der Münchner Galerie Hans Goltz.

1914 musste Jawlensky Deutschland verlassen und siedelte in die Schweiz nach St. Prex am Genfer See über. Hier begann er seine "Variationen über ein landschaftliches Thema", womit er zum Maler von Serien wurde. Aus gesundheitlichen Gründen verlegte er zunächst 1918 seine Wohnung nach Ascona, und begab sich 1921 in ein Sanatorium in Wiesbaden, wo er im Jahr darauf seinen endgültigen Wohnsitz nahm. In Wiesbaden traf er auf den Sammler und Mäzen Heinrich Kirchhoff, der ihn finanziell unterstützte. 1924 gründete er mit Wassily Kandinsky, Paul Klee und Lyonel Feininger die Künstlergruppe "Die Blauen Vier", die in Deutschland und vor allem in den USA ausstellte. Ab 1929 lähmte ihn die Krankheit Polyarthritis zunehmend bis hin zur vollständigen Lähmung im Jahr 1938, die ihn zur Aufgabe seines künstlerischen Schaffens zwang. 1937 wurden 72 seiner Werke in Deutschland als "Entartete Kunst" beschlagnahmt und einige davon in der Ausstellung „Entartete Kunst“ präsentiert, obwohl er 1936 als Mitglied in die "Reichskulturkammer" aufgenommen worden war. (Einige dieser Werke wurden dann postum auf der documenta 1 im Jahr 1955 in Kassel gezeigt). 1934 war Jawlensky noch die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen worden.

Jawlensky ist in Wiesbaden auf dem russisch-orthodoxen Friedhof begraben. Die Totenrede hielt sein langjähriger Freund Adolf Erbslöh. Der Nachlass wird heute im Jawlensky-Archiv in Locarno (Schweiz) verwaltet, das auch das Werkverzeichnis weiterführt.

Werk

Sein Frühwerk war noch der realistischen Tradition verpflichtet; erst um 1900 nach seiner Übersiedelung nach München löste er sich vom Realismus und malte eine Zeit in der Art des nordischen Impressionismus eines Anders Zorn ("Helene im spanischen Kostüm", um 1901).

Mit Werefkin unternahm er mehrere Reisen, vor allem nach Frankreich. Hier beschäftigte er sich mit der Kunst der Fauves. Die während dieser Zeit entstandenen Gemälde stellte er im Oktober 1905 im Pariser "Salon d`automne", darunter auch das in der Bretagne entstandene Gemälde "Der Bucklige" (1905). Wenngleich die Farben der Bilder jener Zeit oft an Matisse erinnern, ist der Duktus noch von van Gogh beeinflusst, dessen Gemälde "La maison du père Pilon" er 1908 erwirbt.

Etwa von 1906 bis 1908 wandelte sich der Stil Jawlenskys in Folge mehrerer Aufenthalte in Wasserburg und Murnau, wo er gemeinsam mit Marianne von Werefkin, Gabriele Münter und Wassily Kandinsky einige Sommer verbrachte. In dieser Zeit entstanden vor allem expressive Stillleben und Landschaften ("Die Lampe", 1908). Ab etwa 1910 konzentrierte sich Jawlensky immer stärker auf das Bildnis. Angeregt durch einen Aufenthalt im Ostseebad Prerow entstanden vor allem in den Jahren 1911/12 bedeutende, starkfarbige Porträts, so zum Beispiel "Der Buckel" (1911), "Selbstbildnis" (1912) und "Barbarenfürstin" (1912).

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges endet diese schöpferische Phase. Im Exil in der Schweiz wird er als einer der ersten zum Maler von Serien. Die erste dieser Serien nannte er "Variationen". Von ihnen malte er in den Jahren 1914 bis 1921 mehrere hundert Stück. Dabei variierte er immer ein und die selbe Landschaft durch unterschiedliche Farbkombinationen und Blickwinkel. Noch in der Schweiz begann er die Serien der "Mystischen Köpfe" und "Heiligengesichte". Die Serie der "Abstrakten Köpfe" entstand nach Anfängen von 1918 vor allem nach Jawlenskys Umzug nach Wiesbaden bis etwa 1933.

Sein Spätwerk zeichnet sich durch die Konzentration auf einfache und kraftvolle Formen aus. Ab 1934 malte er zunehmend bis zur Abstraktion reduzierte Gesichter, die Jawlensky selbst Meditationen nannte. Der zum Teil grobe Farbauftrag bei diesen Werken hängt auch mit seiner schweren Arthritiserkrankung zusammen. Als Folge dieser Krankheit traten bei Jawlensky immer öfter Lähmungserscheinungen auf, die ihn schließlich 1938 endgültig zur Aufgabe der Malerei zwangen. Die "Meditationen" werden auch als eine Art moderner Ikonen verstanden. Die Konzentration auf das Gesicht als Ausdruck einer verinnerlichten Empfindung machen die besondere Bedeutung Jawlenskys für die Kunst des 20. Jahrhunderts aus.

Werke

Gemälde bis 1914

Serie der Variationen

Serie der abstrakten Köpfe

Serie der Meditationen

Literatur

- Zu der häufig fehlerhaft vorgenommenen Umrechnung von Daten des Julianischen in den Gregorianischen Kalender muss bemerkt werden, dass zwar bei der Oktoberrevolution im 20. Jh. die Zeitdifferenz 13 Tage betrug, für das 19. Jh. jedoch nur eine Differenz von 12 Tagen zutrifft

Personendaten
Jawlensky, Alexej von
Jawlenski, Alexei Georgijewitsch; Явленский, Алексей Георгиевич (russisch); Javlenskij, Alexej Georgievič (wissenschaftliche Transliteration)
deutsch-russischer Künstler des Expressionismus
25. März 1864
Torschok
15. März 1941
Wiesbaden