Heim

Papa Westray

Die zu Schottland gehörende kleine Insel Papa Westray (auch Papay bzw. in den Sagas Papa in Meiri - die größere der Priesterinseln genannt) gehört neben North Ronaldsay zu den nördlichen Inseln der Orkney und liegt ca. 40 km nördlich von Kirkwall. Sie hat 65 Einwohner.

Bei einer Länge (Nord-Süd) von 7 km und einer maximalen Breite von 2 km hat sie eine Größe von 9,18 km². Die höchste Erhebung ist im Norden der North Hill mit 49 m, der in einem Vogelschutzgebiet liegt und an den Klippen von Mull Head steil ins Meer abfällt. Die Insel besteht aus der Rousay Flags Gruppe des Middle Old Red Sandstone, auf dem sich fruchtbare Lehme ausgebildet haben. Die Insel war in der Bronzezeit durch einen in Resten bewahrten gairsty (das ist ein treb-dyke, eine Gemarkungsgrenze in Form eines Erdwalles, wie sie z.B. auch noch auf North Ronaldsay erhalten ist) in eine Nord- und Südhälfte geteilt.

Papa Westray ist durch den 2-3 km breiten Papa Sound von der deutlich größeren Schwesterinsel Westray getrennt. Über diese verlaufen auch die Fähr- und Flugverbindung zur britischen Hauptinsel. Der Flug von Papa Westray nach Westray ist mit einer Flugdauer von 2 Minuten der kürzeste Linienflug der Welt.

Der Name "Papa" deutet auf die Anwesenheit frühchristlicher Missionare, die Rede ist von Bonifacius und Triduana (oder Tredwell), und Mönche hin; noch heute sind Überreste ihrer Kirchen vorhanden. auf dem Friedhof liegt einer der hier seltenen Hogback, ein besonderer Grabstein aus dem 12. Jahrhundert.

Inhaltsverzeichnis

Sehenswürdigkeiten

Attraktion der Insel ist das fast 6.000 Jahre alte jungsteinzeitliche Knap of Howar oder Hower, an der Westküste auf dem Land der Holland Farm, dessen 1.6 m hoch erhaltenes Mauerwerk noch heute beeindruckend ist. Diese neolithische Anlage war unter 2.5 m Sand begraben und ist deshalb so gut erhalten. Der Name leitet sich von Altnordisch 'howe', Hügel, und 'knappr', Felsgipfel, hier jedoch in der Bedeutung von engl. 'knob' ab (der rundliche Hügel, der sich in der flachen - hier nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegenden - Umgebung abzeichnet).

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die in der Mitte der Insel gelegene Holland Farm mit Herrenhaus, horse engine house [1], Taubenschlag [2]und weiteren Wirtschaftsgebäuden. Teile des Herrenhauses und einige Funktionsgebäude wie das horse engine house, der Taubenschlag oder die abseits gelegenen Fundamente einer kleinen Bockwindmühle bilden heute ein kleines, aber sehenswertes Museum zur Geschichte der Farm und der Inselgemeinde.

Holland Farm, die Farm auf dem hohen Land (hochgelegene Farm), war im 17. Jh. Sitz von Colonel Thomas Traill of Holland, als Offizier von Rang unter Gustav Adolph allgemein bekannt als Germany Thomas. Traill gilt in ungebrochener lokaler Überlieferung als Autor des Liedes Oh! my Love's in Germany, in dem seine Frau Mariota aka May Craigie, ihre Liebe zu dem auf deutschem Boden kämpfenden Mann besingt, der (wie viele Schotten wohl als Artillerist) im Stargate's Corps, dem schottischen Freiwilligenverband der Green Brigade im 30-jährigen Krieg diente. Das Lied gilt als einer der ältesten, relativ exakt datierbaren traditional songs aus dem Norse Kulturkreis Schottlands.

Tourismus

Die Insel wird täglich von modernen Ro-Ro-Fähren der Orkney Islands Ferries angelaufen, sowie mindestens einmal täglich vom Regionalfluganbieter LoganAir angeflogen. Stark vergünstigte Tickets für Flug-Fähre-Kombinationen über VisitOrkney, Kirkwall.

Für die Versorgung der Inselbewohner als auch der Touristen (z.B. Unterkünfte, Lebensmittelgeschäft) sorgt heute die Papay Coop, die Genossenschaft der Bewohner, u.a. mit dem Beltane Hotel & Hostel (privat betriebenes Hostel im Verbund der schottischen Jugenherbergsorganisation SYHA). Sie organisiert an den Wochenenden in der Saison auch package tours (Pauschalangebote ab/bis Kirkwall), bietet Inseltransfers mit einem Minibus und arrangiert auch Bootsausflüge zur kleinen Nachbarinsel Holm of Papa mit drei sehenswerten Passage tombs [3] und bedeutenden Seevogel-Kolonien (Trottellummen und Tordalke an der Ostküste, div. Seeschwalben an der Westküste).

Fußnoten

  1. horse engine house bezeichnet eine Art durch Pferde angetriebenes Göpelwerk, das der Mechanisierung verschiedener Arbeitsgänge auf Großfarmen diente. In der Regel waren dies durch sie getriebene Dresch- und Mahlwerke. Über Transmissionsriemen konnten wie bei der Holland Farm aber auch Pumpen, Häcksel- und Schnitzelwerke (in waldreicheren Gegenden Schottlands auch Sägewerke) zugeschaltet werden.
  2. Der doocot von Holland House repräsentiert dabei die in Schottland seltenere Form eines rechteckigen Nebengebäudes, wie es in Orkney vergleichbar nur noch einmal beim Melsetter House / Hoy zu finden ist. Normalerweise waren die doocots Gebäude von bienenkorbähnlichem Aussehen (vergl. auf The Mainland Orkney z.B. den Rendall Doocot oder den wohl bekanntesten Schlag in der Außenanlage von Ravenscaig Castle.) Taubenhaltung zur Nahrungsergänzung und zur Kommunikation (Brieftauben) waren in den entlegenen Gebieten und auf den Inseln bis ins späte 19. Jh. üblich.
  3. (ein stalled Cairn, ein Maeshowe type chambered tomb und einem OC-type = Orkney-Cromarty-type chambered tomb (die endgültige Klassifizierung des Letzteren ist noch in der Diskussion))

Koordinaten: 59° 21′ n. Br., 2° 53′ w. L.