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Rupprecht von Bayern

Rupprecht von Bayern (* 18. Mai 1869 in München; † 2. August 1955 in Schloss Leutstetten bei Starnberg) war der letzte bayerische Kronprinz und Heerführer im Ersten Weltkrieg.

Sein vollständiger Titel lautete bis 1918 Seine Königliche Hoheit Rupprecht Maria Luitpold Ferdinand Kronprinz von Bayern, Herzog von Bayern, Franken und in Schwaben, Pfalzgraf bei Rhein.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Rupprecht war der Sohn von Ludwig III., des letzten Königs von Bayern, und Maria Theresia Erzherzogin von Österreich-Este, Nichte von Franz V., Herzog von Modena.

Als erster Prinz aus königlichem Hause besuchte er ein öffentliches Gymnasium. Zahlreiche Reisen nach Italien machten ihn zu einem Kenner der Renaissancemalerei und begründeten seine private Kunstsammlung. Rupprecht stieg rasch in der bayerischen Armee auf, wurde Korps-Kommandeur und erhielt 1913 nach seinem Onkel Leopold die IV. Armeeinspektion.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges übernahm er den Oberbefehl über die deutsche 6. Armee in Lothringen. Rupprechts Truppen gelang es im August 1914 in der Schlacht von Lothringen dem französischen Angriff standzuhalten. Sie begannen noch im selben Monat (20. August) eine Gegenoffensive. Rupprecht schaffte den Durchbruch durch die französischen Linien nicht und verblieb während der Pattsituation den gesamten Krieg über an der Westfront. Im Oktober 1915 erhielt er den Ehrentitel Sieger von Arras und La Bassée. Rupprecht stieg 1916 zum Generalfeldmarschall auf und übernahm das Kommando der Heeresgruppe „Kronprinz Rupprecht“.

Rupprecht verlor seinen Thronanspruch, als in Bayern 1918 die Novemberrevolution ausbrach und die Münchner Räterepublik eingeführt wurde. Die Nachricht von der Revolution erreichte ihn in Brüssel. Unter dem Decknamen Alfred Landsberg reiste er über Amsterdam und Kassel nach Berchtesgaden. Das Ende der Königsherrschaft der Wittelsbacher konnte er nicht mehr abwenden. Einige Königstreue bezeichneten ihn trotzdem immer noch als den König von Bayern.

Im Winter 1932/33 nahmen Bayerns Ministerpräsident Heinrich Held und der Vorsitzende der regierenden BVP Fritz Schäffer mit Zustimmung der SPD Kontakt zu ihm auf, um ihn im Falle der Regierungsübernahme der NSDAP nach Artikel 64 der Bayerischen Verfassung zum Generalstaatskommissar zu ernennen. Rupprecht hielt sich bereit, doch als es dann wirklich zur Machtergreifung Hitlers kam, zögerte er ebenso wie die bayerische Staatsregierung.

Rupprecht war ein Gegner des Nationalsozialismus und hielt geheim Kontakt zu Oppositionsgruppen. Er musste 1939 nach Italien ins Exil gehen. Dort (meistens in Florenz) blieb er während des Zweiten Weltkriegs. Er setzte sich hier seit 1943 bei den westlichen Alliierten für einen ausgeprägten Föderalismus mit möglicher Wiederherstellung der einzelstaatlichen Monarchien ein.

Theodor Christian Freiherr von Fraunberg, sein ehemaliger Adjutant, versteckte ihn bei sich in Florenz vor den Nazis, so dass er 1944 einer Verhaftung entging. Seine Frau und Kinder kamen bis Kriegsende ins Konzentrationslager, zunächst nach Dachau, dann nach Flossenbürg, fast alle Mitglieder der Familie überlebten.

In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich vorwiegend seiner Kunstsammlung. Rupprecht starb 1955 im Alter von 86 Jahren und wurde in München in der Theatinerkirche mit königlichen Ehren beigesetzt. Er war der letzte noch lebende Generalfeldmarschall des Ersten Weltkriegs.

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften ernannte ihn 1911 zu ihrem Ehrenmitglied.

Nachkommen

Kronprinz Rupprecht heiratete am 10. Juli 1900 in München die Herzogin Maria Gabriele in Bayern (1878-1912), Tochter des Herzog Carl Theodor und seiner zweiten Gattin Marie José von Portugal. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor:

  1. ∞ 1930 Gräfin Maria (Marita) Draskovich von Trakostjan (1904-1969)
  2. ∞ 1971 Gräfin Marie Jenke Eugenie Keglevich von Buzin (1921-1983)

In zweiter Ehe heiratete er am 7. April 1921 auf Schloß Hohenburg bei Lenggries/Oberbayern die Prinzessin Antonia von Luxemburg und von Nassau (1899-1954), Tochter des Großherzog Wilhelm von Luxemburg und seiner Gattin Infantin Maria Anna do Carmo von Portugal|Maria Anna von Portugal aus dem Hause Braganza. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor:

  1. ∞ 1946 Tito Tommaso Brunetti (1905–1954)
  2. ∞ 1959 Prof. Dr. Gustav Schimert (1910–1990)

Literatur


Personendaten
Rupprecht von Bayern
Rupprecht Maria Luitpold Ferdinand von Bayern
bayerischer Kronprinz und Generalfeldmarschall
18. Mai 1869
München
2. August 1955
Starnberg