Heim

Aussteuerung

Dieser Artikel erläutert den Begriff „Aussteuerung“ in der Tontechnik. Eine weitere Bedeutung siehe unter Aussteuerung (Sozialversicherung).

Aussteuerung wird die Einstellung des elektrischen Signalpegels in einem nachrichtentechnischen Übertragungskanal vorgegebenen Dynamikumfangs genannt.

Die Grenzen des Dynamikbereichs eines solchen Übertragungskanals sind bei hohem Pegel durch das Auftreten hoher nichtlinearer Verzerrungen gegeben und bei niedrigem Pegel durch den im Kanal selbst vorhandenen Störpegel. Eine technisch optimale Aussteuerung ist also ein Kompromiss zwischen möglichst großem Störpegelabstand und noch akzeptablen nichtlinearen Verzerrungen. Zur Beschreibung der Höhe der Aussteuerung wird im professionellen Bereich der Signalspitzenpegel herangezogen. Bezogen wird auf einen betrieblich festgelegten Pegel, der Vollaussteuerung darstellt. Dieser Pegelwert soll, in analogen oder analog/digital gemischten Signalketten, vom übertragenen Signal möglichst oft erreicht, aber nur selten und dann auch nur geringfügig überschritten werden. In rein digitalen Systemen ist die Vollaussteuerung durch den Wert des größtmöglichen Zahlenwertes der zu übertragenden Datenwörter definiert. Dieser Wert hingegen darf keinesfalls überschritten werden (Clipping).

Ein anderer Aspekt ist es, aufeinanderfolgende Programmteile gleichen Spitzenpegels aber unterschiedlichen Inhalts (z. B. Musik und Sprache; hier darf die Musik keinesfalls so hoch ausgesteuert werden wie die Sprache, vielmehr ist ein Musikpegel von −6 dB [50 %] gegenüber der voll ausgesteuerten Sprache anzustreben) im Pegel so zu verändern, dass ein ausgewogener Lautheitsverlauf erzielt wird. Dieses steht meistens im Widerspruch zur Forderung nach technisch optimaler Aussteuerung: Da ein Anheben des Pegels zum Lautheitsausgleich wegen der Gefahr der Übersteuerung nicht erlaubt ist, können nur die zu lauten Programmteile durch Untersteuerung (bezogen auf Vollaussteuerung) in Richtung geringere Lautheit angeglichen werden.

Ein dritter Aspekt der Aussteuerung ist die Aufgabe eines Toningenieurs, ein Schallereignis mit großem Dynamikumfang in der Dynamik einzuengen. Der Signalpegel, der von lauten Schallereignissen herrührt, muss dazu durch einen Pegelsteller (Fader) verringert werden, während der Signalpegel besonders leiser Schallereignisse angehoben werden muss, um genügend Abstand zum Störpegel zu erlangen. Es ist dabei aber nicht allein eine Anpassung an den Dynamikumfang des elektrischen Übertragungskanals vorzunehmen, sondern auch die Abhörbedingungen der Hörer zu berücksichtigen, die meistens nur bestimmte maximale Abhörlautstärke einstellen dürfen, insbesondere die Zimmerlautstärke, andererseits aber etwa pianissimo-Passagen von Musikwerken trotz der i. d. R. vorhandenen Umgebungsgeräusche am Abhörplatz erkennen möchten. Zum Teil erfolgt diese Regelung (jedoch nicht immer mit hinreichender Präzision) durch besondere, automatisch arbeitende Geräte im Sendeweg von Rundfunkanstalten („AGC“).

Zur Anzeige der Aussteuerung werden spezielle elektrische Geräte, sogenannte Aussteuerungsmesser, verwendet.

Siehe auch

Literatur