Heim

County Kerry

Kerry
Karte
Basisdaten
Staat: Irland
Verwaltungssitz: Tralee
Provinz: Munster
irischer Name: Ciarraí
Fläche: 4735 km²
Einwohner: 139.835 (2006)
Kfz-Kennzeichen: KY

Kerry (irisch Ciarraí) ist eine Grafschaft (county) im Südwesten der Republik Irland. Der irische Name von Kerry leitet sich von Ciar ab. Ciar war ein Sohn von Fergus, dem König von Ulster. Die Nachfahren des Ciar haben der Legende nach diesen Teil von Munster besiedelt. Inoffiziell trägt Kerry auch den Beinamen The Kingdom, Hauptstadt (County Town) ist Tralee.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der landschaftliche Charakter von Kerry wird maßgeblich durch die Atlantikküste bestimmt. Sie ist geprägt von vielen Halbinseln, kleinen Buchten und vorgelagerten Inseln. Die wichtigsten Halbinseln sind die Dingle-Halbinsel, Iveragh-Halbinsel und die Beara-Halbinsel, die aber größtenteils schon zu Cork gehört. Zu den bedeutendsten vorgelagerten Inseln gehören die Blasket Islands, die Skelligs mit der größten Insel Skellig Michael sowie Valentia Island. In Kerry liegt der Carrantuohill, mit 1041 Metern der höchste Berg Irlands. Er ist Teil der Gebirgskette McGillycuddy's Reeks auf der Halbinsel Iveragh. Auch der 950 Meter hohe Mount Brandon, in der Nähe von Dingle, zählt zu den höchsten Bergen Irlands.

Geschichte

Erste menschliche Spuren im Gebiet des heutigen Countys datieren aus der Bronzezeit, um etwa 2500 v. Chr.; es wird aber vermutet, dass das Gebiet schon früher besiedelt wurde. In den Bergen wurde schon in vorchristlicher Zeit Bergbau betrieben. Ab dem 5. Jahrhundert breitete sich das Christentum nach Kerry aus. Für das 6. und 7. Jahrhundert sind ungefähr 100 Klöster, Einsiedeleien und Bethäuser nachgewiesen. Viele dieser frühchristlichen Stätten sind noch heute (in der Regel als Ruinen) erhalten. Zu den bekanntesten zählen die Insel Skellig Michael und die Klöster Ardfert und Kilmalkedar. Im frühen Mittelalter existierten mehrere Kleinkönigreiche, die unter der Oberhoheit des Königreichs Munster mit Sitz in Cashel im County Tipperary standen. Bevor das County-System zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert begründet wurde, bestand Kerry aus Clanterritorien, den "tuaths". Im Altertum war das Gebiet unter den Clans Ciarraige, Corco Duibne, Uí Cairpri Luachra und Éoganacht Locha Lein aufgeteilt. Als die Anglonormannen im späten 12. Jahrhundert ankamen, hielten die O'Connors das nördliche Kerry, die O'Moriaritys die Mitte und die O'Sullivans, O'Donoghues und O'Mahonies den Süden. Die O'Falvays und O'Sheas kontrollierten die Iveragh-Halbinsel und die Dingle-Halbinsel.

Im frühen 13. Jahrhundert errichtete die normannische Familie Fitzgerald, die Earls of Desmond, im Gebiet von Castleisland und Tralee befestigte Stützpunkte, wie das Carrigafoyle Castle. Sie brachten auch die ersten Siedler nach Kerry. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts behielten die Desmonds eine gewisse Unabhängigkeit. Sie endete mit den Zentralisierungsbestrebungen der spätelisabethanischen Epoche. Nach einer vergeblichen Rebellion verlor der letzte Earl of Desmond Leben und Land. Daraufhin wurde im Jahr 1606 das County in seinen heutigen Grenzen geschaffen. In den Kriegen des 17. Jahrhunderts verloren auch die letzten irischen Familien ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss. Ende des 18. Jahrhunderts begannen die einheimischen irisch-katholischen Familien den politischen Kampf für ihre Gleichberechtigung aufzunehmen. Der berühmteste Repräsentant dieses Kampfes ist Daniel O'Connell, der von der Iveragh-Halbinsel stammt. Durch die große Hungersnot in den 1840er Jahren und die anschließenden Emigrationswellen verlor das County fast zwei Drittel seiner Bevölkerung. Während des 19. Jahrhunderts war Kerry eines der wenigen Rückzugsgebiete, in denen die irische Sprache, Literatur und Musik bewahrt wurden.

Wirtschaft

Kerrys Wirtschaft wird auch heute noch von der Landwirtschaft dominiert. Das Land wird dabei überwiegend als Weideland genutzt. Im Flachland zwischen Tralee und der Shannon-Mündung findet man vorwiegend Rinderzucht und Milchwirtschaft. Auf den bergigen Halbinseln und im Südosten werden vornehmlich Schafe gezüchtet. Neben der Viehzucht spielt die Fischerei eine große Rolle. Der bei weitem wichtigste Fischereihafen ist Dingle. Daneben haben noch Castlegregory, Fenit und Valentia Island eine gewisse Bedeutung. In Kerry werden ungefähr 8% des irischen Fischfangs an Land gebracht. In der Mündung des Kenmare River und der Tralee Bay wird in größerem Umfang die Zucht von Schalentieren betrieben.
Die wenigen Industriebetriebe des Countys konzentrieren sich in der Hauptstadt Tralee (ca. 23.000 Einwohner) sowie im etwa halb so großen Killarney. Das bekannteste Unternehmen mit Hauptsitz in Tralee ist die Kerry Group, einer der größten Produzenten von Lebensmitteln weltweit. Zu den auch in Deutschland bekannten Marken des Unternehmens zählt die Kerrygold-Butter. Der in unmittelbarer Nähe des Tralee Institute of Technology neu geschaffene Kerry Technology Park in Tralee soll zukunftsträchtige Technologieunternehmen anlocken.
Insgesamt gehört Kerry aber immer noch zu den ärmsten irischen Countys. Im Jahr 2003 betrug das durchschnittlich verfügbare Einkommen pro Person nur 86% des Landesdurchschnitts. Dies bedeutet den vorletzten Platz unter allen Countys.
Jedoch profitiert auch Kerry vom irischen Wirtschaftsboom der letzten zwanzig Jahre und insbesondere der Tourismus spielt eine explosionsartig zunehmende Rolle in der Wirtschaftskraft Kerrys.

Politik

Kerry entsendet sechs Abgeordnete in das irische Parlament (Dáil Éireann). Die Grafschaft ist in zwei Wahlkreise aufgeteilt. Die letzte Wahl fand am 24. Mai 2007 statt. Abgeordnete für Kerry North: Jimmy Deenihan (Fine Gael), Martin Ferris (Sinn Féin) und Tom McEllistrim (Fianna Fáil).
Abgeordnete für Kerry South: John O'Donoghue (Fianna Fáil), Tom Sheahan (Fine Gael) und Jackie Healy-Rae (parteilos).

Die Sitzverteilung im Kerry County Council (letzte Wahl 2004):

Partei Sitze
Fianna Fáil 11
Fine Gael 8
Labour 2
Sinn Féin 2
South Kerry Independent Alliance 1
Parteilose 3

Städte


Sehenswürdigkeiten

Die vielen Sehenswürdigkeiten machen Kerry zu einem der Hauptanziehungspunkte für Touristen in Irland. Killarney ist ein Zentrum des irischen Fremdenverkehrs und hat nach Dublin die höchste Bettenanzahl im Land. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen:

Verkehr

Die beiden wichtigsten Straßenverbindungen von und nach Kerry sind die N21 von Limerick und die N22 von Cork. Sie enden beide in Tralee. Die N70, größtenteils identisch mit der bekannten Küstenstraße Ring of Kerry, umrundet von Kenmare aus die Iveragh-Halbinsel und führt über Killorglin nach Cork. Über die N71 führt eine Verbindung von Killarney nach West-Cork. Die N72 ist eine Querverbindung von Killorglin über Killarney in den Norden von Cork. Die Busverbindungen zwischen den größeren Ortschaften werden von Bus Éireann betrieben; dabei sind Killarney und Tralee zentrale Umsteigepunkte.

Von dem einst beträchtlichen Bahnnetz in Kerry ist nur noch die Strecke von Tralee über Killarney nach Mallow im County Cork geblieben. Von dort bestehen Anschlussmöglichkeiten nach Dublin und Cork. Die restlichen Verbindungen wurden zwischen 1950 und 1970 stillgelegt. So gab es früher auch Bahnverbindungen von Tralee über Listowel nach Limerick oder von Farranfore nach Valentia. Die Dingle-Halbinsel war mit einer Schmalspurbahn an das Bahnnetz angeschlossen. Ein kleines Teilstück dieser Strecke wird heute noch zwischen Tralee und Blennerville für Touristen betrieben.

Seit 1989 ist die Grafschaft Kerry auch über den Flughafen Kerry (IATA-Code “KIR”) erreichbar, der 20 km nördlich von Killarney bei Farranfore liegt. Aus Deutschland gab es 2007 mehrere Flüge täglich via Dublin und einen täglichen Flug vom Flughafen Hahn mit Ryanair. Weitere internationale Ziele sind London, Manchester und Lorient.

Von Tarbert, an der N69 von Tralee nach Limerick, gibt es eine Fährverbindung über den Shannon nach Killimer im County Clare. Sie erspart den ungefähr 140 Kilometer langen Umweg über Limerick.

 Commons: County Kerry – Bilder, Videos und Audiodateien