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Moskwitsch

Moskwitsch (russisch Москви́ч für Sohn der Stadt Moskau) war eine sowjetisch-russische Automarke.

Mitte 1946 brachte die Sowjetunion die gesamten Fertigungsanlagen des Opel-Kadett (Modell K38 = Modellstand 1938) als Reparation von Rüsselsheim nach Moskau. [1] Zuvor hatte man bereits erfolglos versucht, den Kadett zu kopieren, kam mit dem KIM 10-50 jedoch nicht über wenige hundert gefertigte Exemplare hinaus.

Die Moskauer Firma MZMA (Moskowskij Sawod Malolitraschnich Awtomobilej - Moskauer Fabrik für kleinmotorige Automobile) wurde beauftragt, auf der Basis des Kadett ein Automobil zu bauen, welches sowohl für den russischen, als auch den internationalen Markt gedacht war. Im Jahre 1947 liefen die ersten Typen des Moskwitsch 400 vom Band. Weitere Typen waren der Moskwitsch 401 und der 402, welche jedoch nur auf dem russischen Markt angeboten wurden. Der Export begann erst 1963 mit den Modellen 403 und 407, zwei Wagen im englischen Stil und äußerlich fast identisch.

Mitte der sechziger Jahre wurde die MZMA in AZLK (Awtomobilnij Sawod imeni Leninskogo Komsomola - Automobilfabrik „Leninscher Komsomol) umbenannt. Gleichzeitig erfolgte eine äußerliche Modernisierung des Moskwitsch, welcher nun mit der Modellbezeichnung 408 standardmäßig mit einer Viergang-Schaltung, größeren Fensterflächen, höheren Front- und Heckscheiben, sowie 15-Zoll-Rädern ausgestattet wurde. Einen weiteren technischen Quantensprung machte das Moskauer Automobilwerk mit dem Typ 412, welcher einen 1,5 Liter ohc Leichtmetallmotor und eine Knüppelschaltung eingebaut bekam. 1975 bekam der 412-er neben einem Facelift eine verbesserte Bremsanlage und hieß dann Typ 2140.

In der DDR hatte sich der Moskwitsch, preislich etwas unterhalb des Wartburg angesiedelt, bereits Mitte der siebziger Jahre einen ausgezeichneten Ruf als Taxi, Fahrschul- und Dienstfahrzeug erarbeitet und wurde tausendfach eingesetzt. Anfang 1970 gab es in der DDR für den Privatmann kaum ein besser motorisiertes Fahrzeug, als den Moskwitsch 412 mit seinem 1500 ccm Motor und 75 PS Leistung. Größere Motoren konnte man zu dieser Zeit nur beim Wolga finden, der in der Regel aber eine Nummer zu groß für Privatleute war. Erst Mitte der 1970er Jahre kam in Form des Lada 2103 (Lada 1500) ein vergleichbar motorisiertes Fahrzeug in die DDR, wenn man von wenigen Polski-Fiat-Modellen absieht. Ab dieser Zeit kam der Lada in der Käufergunst durch seine gefälligere Karosserie und seine modernere Bauweise besser weg (wenn man einen bekommen konnte). Trotzdem blieb der Moskwitsch ein begehrtes Auto bis ab dem Jahr 1979 die Sowjetunion keine Fahrzeuge des Typs mehr an die DDR lieferte. Auch alle späteren Modelle wurden in die DDR nicht mehr eingeführt.

Für den West-Export wurde mit Beginn der achtziger Jahre die Luxusvariante des 2140, der Typ 1500 SL eingeführt. Da jedoch Lada eine wesentlich überzeugendere Produktpalette anbieten konnte, sahen nur wenig Käufer einen Sinn darin den mittlerweile technisch veralteten Moskwitsch zu kaufen. Der Export von Moskwitsch Fahrzeugen beschränkte sich aber bei weitem nicht nur auf europäische Staaten. So findet man selbst nach 30 Jahren noch Modelle vom Typ 412 oder 2140 im Irak, in der Mongolei, in afrikanischen Staaten und natürlich auf Kuba.

Moskwitsch versuchte den Absatz mit dem AZLK 2141 Aleko wieder anzukurbeln, jedoch kamen von diesem Modell nur ca. 400 Stück nach Deutschland. Der Aleko war derart schlecht verarbeitet und rostanfällig, dass es heute so gut wie keine Fahrzeuge dieses Typs mehr gibt. Kurzfristig wurde der Aleko bei Scaldia-Volga AS in Belgien montiert und mit einem Dieselmotor von Ford ausgestattet.

Mit einem Schuldenberg von rund 700 Millionen Euro wurde Moskwitsch im Frühjahr 2006 endgültig von einem russischen Gericht für bankrott erklärt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Hersteller mehr als vier Millionen Fahrzeuge produziert.

Modelle

Erste Generation: Der erste Moskwitsch war ein Nachbau des Opel Kadett der Jahre 1937 bis 1940.

Zweite Generation: 1956 bekam der Moskwitsch eine neue Karosserie in Pontonform.

Dritte Generation: Eine modernere Karosserie, doch die Heckflossen sind schon wieder unmodern. Der 408 behält den bisherigen Motor, der 412 bekommt einen völlig neuen Motor mit 1500 cm³ und 75 PS.

Vierte Generation: Kein völlig neues Modell, nur eine Überarbeitung des 408/412.

Fünfte Generation: Ein völlig neues Fahrzeug mit Frontantrieb und einer modernen Schrägheckkarosserie, die der des Simca 1307 sehr ähnlich ist.

1998−jetzt Moskwitsch Rav 4

 Commons: Moskwitsch-Fahrzeuge – Bilder, Videos und Audiodateien

Belege

  1. opel.de: Wir über uns: 1939-1948