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Marbach am Neckar

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 48° 56′ N, 9° 15′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Ludwigsburg
Höhe: 229 m ü. NN
Fläche: 18,06 km²
Einwohner: 15.627 (31. Dez. 2006)[1]
Bevölkerungsdichte: 865 Einwohner je km²
Postleitzahl: 71672
Vorwahl: 07144
Kfz-Kennzeichen: LB
Gemeindeschlüssel: 08 1 18 049
Adresse der Stadtverwaltung: Marktstraße 23
71672 Marbach am Neckar
Webpräsenz:
www.schillerstadt-marbach.de
Bürgermeister: Herbert Pötzsch
Karte des Stadtgebiets

Marbach am Neckar ist eine Stadt etwa 20 km nördlich von Stuttgart. Sie gehört dem Landkreis Ludwigsburg an. Marbach ist bekannt als Geburtsstadt Friedrich Schillers. Die Stadt ist Sitz des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Marbach liegt am Ostufer einer Schleife des Neckars, dessen Prallhang durch zwei tiefe Einschnitte unterbrochen wird. Der nördliche der beiden Einschnitte wird vom heute weitgehend verdolten Strenzelbach, der südliche vom Eichgraben durchflossen. Die Marbacher Altstadt liegt auf dem Südhang des Strenzelbachtals, etwa 30 Meter über dem Neckar thronend, während sich die neueren Wohn- und Gewerbegebiete auf die weiter nordöstlich, östlich und südlich gelegenen Hänge verteilen. Noch weiter südlich, durch den Einschnitt des Eichgrabens etwas abgeschieden, liegt das Wohngebiet Hörnle mit etwa 1.600 Einwohnern. Die vom Strenzelbach gebildete Furche kürzt eine Schleife der Murr ab, die knapp nördlich der Stadt in den Neckar mündet, und bildet eine für Marbach und Umgebung wichtige Verkehrsachse.

Ortsteile

Zum Stadtgebiet zählt neben der unmittelbaren Umgebung der Kernstadt ein schmaler Streifen, der sich nach Südwesten am Neckar entlang erstreckt und das Kraftwerk Marbach einbezieht. Darüber hinaus gehören drei Exklaven zum Stadtgebiet. Zwei davon sind die Ortsteile Rielingshausen und Siegelhausen, die beide räumlich von Marbach getrennt sind. Die dritte Exklave ist ein unbewohntes Gebiet im Hartwald (auch Hardtwald geschrieben) östlich von Rielingshausen.

Rielingshausen mit 2.600 Einwohnern liegt etwa fünf Kilometer nordöstlich von Marbach auf einer Anhöhe zwischen der Murr und dem Hartwald. Zu dem Ort gehört auch der anderthalb Kilometer weiter nördlich gelegene Weiler Hinterbirkenhof. Die Gemarkung wird durch mehrere Bachtäler gegliedert, die allesamt zur Murr führen. Der Dorfkern liegt in der flachen Mulde des Weidenbachs, während der Kaisersbach eine Vertiefung zwischen Rielingshausen und dem Hinterbirkenhof ausbildet. Die östliche Markungsgrenze bildet der Eichbach, der auf halbem Wege in einer Doline verschwindet. Der Sulzbach durchfließt südöstlich des Orts ein weites Tal. Nachdem er bei der Flurbereinigung in den 1970er Jahren begradigt worden war, wurde er Ende der 1980er Jahre wieder renaturiert. Diese Maßnahme wurde 1991 mit dem Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbunds ausgezeichnet.

Siegelhausen, ein kleiner Weiler mit ca. 30 Einwohnern, liegt etwa fünf Kilometer südöstlich der Kernstadt abseits der Straße zwischen Affalterbach und Hochdorf im Tal des Strombachs, der auch Apfelbach genannt wird.

Geologie

Die Flusstäler von Neckar und Murr haben sich in die Schichten des oberen Muschelkalks eingegraben, während die höher gelegenen Flächen vom Letten- und Gips-Keuper gebildet werden. In den Seitentälern macht sich der Übergang von den Keuper- zu den Muschelkalkschichten deutlich durch eine Änderung der Talform bemerkbar: Eichgraben, Weidenbach und Eichbach bilden im Oberlauf muldenförmige Täler aus, die im Unterlauf zur Kerbtälern werden. Eine Ausnahme bildet der Sulzbach: Sein Tal markiert, zusammen mit der Strenzelbachfurche auf der anderen Seite der Murr, den Verlauf der so genannten Neckar-Jagst-Furche, einer langgestreckten geologischen Verwerfung, in der die geologischen Schichten abgesenkt sind, so dass der Sulzbach bis zur Mündung in die Murr im Keuper verläuft.

Flächennutzung

Die Markungsfläche beträgt 18,06 km². Davon sind 24 % Siedlungs- und Verkehrsfläche, 57 % Landwirtschaftsfläche und 16 % Waldfläche (Stand 2005). Zur landwirtschaftlichen Fläche zählen außerdem 34 ha Weinberge. Den Löwenanteil der Waldfläche macht die Exklave im Hartwald aus, während das Gebiet der Kernstadt selbst nahezu waldfrei ist.

Benachbarte Orte

Auf der westlichen Neckarseite, Marbach schräg gegenüberliegend, ist Benningen am Neckar. Nördliche Nachbarorte sind Murr und Steinheim an der Murr. Östlich der Kernstadt liegt Erdmannhausen, auch zum weiter südöstlich gelegenen Affalterbach führt eine direkte Straße. Im Süden und Südwesten liegen die Ludwigsburger Ortsteile Poppenweiler und Neckarweihingen.

Rielingshausen besitzt direkte Straßenverbindungen nach Erdmannhausen im Südwesten und den Aspacher Ortsteilen Kleinaspach im Norden und Großaspach im Osten. Das westlich gelegene Steinheim sowie Kirchberg an der Murr im Südosten sind nur über indirekte Straßenverbindungen zu erreichen.

Die Nachbarorte Siegelhausens sind Affalterbach im Norden, Hochdorf im Südwesten und Bittenfeld im Südosten.

Geschichte

Geburtshaus Friedrich Schillers

Marbach wurde vermutlich als fränkischer Königshof um 700 herum gegründet. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 972. Zur Stadt wurde der Ort ab dem späten 12. Jahrhundert ausgebaut, um 1302 geriet er an Württemberg. Unter württembergischer Herrschaft war Marbach Sitz eines Amtes, später Oberamtes und eine der wichtigsten Städte Württembergs. 1693 wurde der Ort von französischen Truppen vollkommen niedergebrannt. Dadurch und durch die Entstehung von Ludwigsburg verlor Marbach an Bedeutung. 1759 wurde der Dichter Friedrich Schiller in Marbach geboren. Nach seinem Tod entwickelte sich Marbach zu einem Zentrum der Verehrung Schillers, das Schiller-Nationalmuseum und das Deutsche Literaturarchiv wurden gegründet. 1938 verlor Marbach seine Funktion als Verwaltungssitz, als das Oberamt aufgelöst wurde. 1971 erfolgte die Eingemeindung von Rielingshausen, nachdem sich Siegelhausen schon 1828 der Stadt angeschlossen hatte.

Vorgeschichte

Ab der Jungsteinzeit ließen sich Menschen im Neckarbecken nieder und begannen mit der Rodung der Urwälder. Reste menschlicher Siedlungen lassen sich auf Marbacher Stadtgebiet seit dem 6. Jahrtausend v. Chr. nachweisen.

Im Jahr 85 n. Chr. wurde der Neckar zur Grenze des Römischen Reichs. Gegenüber der heutigen Stadt Marbach, im heutigen Benningen, wurde ein Kastell errichtet. Um 150 n. Chr. wurde auch das Gebiet rechts des Neckars in das Römische Reich einbezogen, die Besatzung des Kastells ins 25 km weiter östlich gelegene Murrhardt verlegt und eine Römerstraße zwischen Benningen und Murrhardt gebaut. Diese verlief durch die Marbacher Talsenke etwa im Bereich der heutigen Bahnlinie; eine Brücke (nördlich des heutigen Eisenbahnviadukts) führte über den Neckar. In der Umgebung des Kastells entstand eine als vicus murrensis bezeichnete zivile Ansiedlung, von der im Marbacher Gebiet die Überreste mehrerer Gutshöfe ergraben wurden.

Alemannische und fränkische Zeit

Die alemannische Landnahme wird um das Jahr 260 angenommen. An der Wende vom 5. zum 6. Jahrhundert wurden diese durch die Franken unterworfen, und der Norden des heutigen Baden-Württembergs bis in die Gegend um Marbach wurde in das fränkische Siedlungsgebiet einbezogen. Der Marbacher Raum geriet so aufs Neue in die Nähe einer Grenze, die diesmal jedoch in Ost-West-Richtung verläuft.

Der genaue Verlauf der Stammesgrenze im Marbacher Raum ist nicht endgültig geklärt. Die gängige Lehrmeinung im 20. Jahrhundert verortete die Grenze entlang einer Linie vom Hohenasperg zum Lemberg bei Affalterbach, aber auch ein Grenzverlauf durch das Strenzelbachtal wird heute für möglich gehalten. Ein Indiz hierfür ist der Ortsname, der von Markbach, d.h. Grenzbach abgeleitet ist.

Nachweise für eine dauerhafte Siedlungstätigkeit auf Marbacher Markung bis zum 7. Jahrhundert gibt es nicht, und über die Frühzeit Marbachs liegen keine schriftlichen Quellen vor. Aufgrund archäologischer Befunde und wegen des auf -bach endenden Ortsnamens nimmt man an, dass Marbach um 700 als fränkischer Königshof entstand. Dieser befand sich nördlich des Strenzelbachs (der heute verdohlt unter der Bottwartalstraße verläuft) bei der heutigen Alexanderkirche. Demnach ist die Gründung in Zusammenhang mit dem Wiederaufflammen des alemannisch-fränkischen Konflikts unter Herzog Gotfrid zu sehen: Wegen seiner römerzeitlichen Infrastruktur (Kastell, Straßen, Brücke) bot der Raum Benningen-Marbach ideale Voraussetzungen als fränkische Gegenposition zum alemannischen Herzogssitz bei Cannstatt. Auch Heerstraßen von Worms und in Richtung Bayern führten an dem Königshof vorbei.

Dem Königshof waren die umliegenden, bereits zuvor bestehenden Dörfer untergeordnet. Marbach erlangte somit frühzeitig die Funktion eines Verwaltungsmittelpunkts, die es bis ins 20. Jahrhundert behauptete. Nachdem die Herzogtümer Alemannien (746) und Bayern (788) endgültig in das Frankenreich eingegliedert worden waren, verlor der Königshof an Bedeutung. Die Brücke verfiel und wurde nicht wieder aufgebaut; Besitztümer aus den umliegenden Dörfern wurden nach und nach an das Kloster Lorsch verschenkt.

Verschiedene Herrschaften im 10. bis 13. Jahrhundert

Die urkundliche Ersterwähnung von Marcbach erfolgte 972 in einer weiteren Schenkungsurkunde, mit der ein Diakon Wolwald den Königshof mit allem dazugehörigen Besitz dem (fränkischen) Bistum Speyer übertrug. 1009 bestätigte Kaiser Heinrich II. das Marktrecht für Marbach (das wohl schon vorher bestand) und erlaubte die Errichtung einer Münzstätte.

Über die Besitzverhältnisse in den darauffolgenden Jahrhunderten liegen keine schriftlichen Zeugnisse vor. 1282 wurden Marbacher erstmals als „Bürger“ bezeichnet, so dass die Stadtgründung vor diesem Zeitpunkt liegen muss. Ältere Hypothesen besagten, dass die Stadt schon früh den Grafen von Württemberg gehörte und von diesen um 1250 gegründet wurde. Die heutige Stadtgeschichtsschreibung geht jedoch davon aus, dass Marbach im Zuge des Investiturstreits um 1100 an die Markgrafen von Baden überging, deren Besitzschwerpunkt zu dieser Zeit an Neckar und Murr lag. Diese legten am Ende des 12. Jahrhunderts eine neue Marktsiedlung mit Herrensitz auf der Anhöhe südlich des Strenzelbachs an, die die Keimzelle der heutigen Stadt bildete.

Mitte des 13. Jahrhunderts zogen sich die badischen Markgrafen aus dem Neckar-Murr-Raum zurück, um sich auf ihre weiter westlich gelegenen Besitzungen zu konzentrieren. Marbach geriet als Heiratsgut an die Herzöge von Teck, vermutlich zwischen 1253 und 1259. In dieser Zeit wurde der Herrensitz zur Burg ausgebaut. 1302 verkauften die Herzöge von Teck die Stadt aus Geldmangel an den württembergischen Grafen Eberhard den Erlauchten.

Unter württembergischer Herrschaft

Graf Eberhard geriet durch seine expansive Politik in Konflikt mit Kaiser Kaiser Heinrich VII. Im Reichskrieg gegen Württemberg wurde Marbach 1311 zerstört und musste sich der Reichsstadt Esslingen unterwerfen. Bereits 1316 gelang es Eberhard jedoch, seinen Besitz zurück zu erhalten. Burg und Stadt wurden wiederaufgebaut.

Unter württembergischer Herrschaft wurde Marbach Sitz eines Amtes, das 1380 erstmals erwähnt wurde, und war zusammen mit Markgröningen einer der führenden Orte im Neckarbecken. Die Grafen von Württemberg hielten sich oft in Marbach auf, 1405 wurde auf Betreiben des Erzbischofs Johann II. von Mainz in der Stadt der Marbacher Bund, eine Allianz südwestdeutscher Fürsten und Reichsstädte gegen König Ruprecht, geschlossen.

Die Stadt war zu dieser Zeit recht wohlhabend, zumal das Handwerk von den Aufträgen des Landesherrn und seiner Hofverwaltung profitiert; daneben waren Ackerbau und Weinbau die Haupterwerbszweige der etwa 1.200 Einwohner. Seit 1392 ist eine Lateinschule in Marbach nachgewiesen, auf die das heutige Friedrich-Schiller-Gymnasium zurückgeht. Um 1400 herum wurde die Stadt erweitert, die heutige Mittlere und Untere Holdergasse wurden in die Mauern einbezogen. Außerhalb der Mauern am Strenzelbach befanden sich die Häuser einiger aufs Wasser angewiesener Handwerker wie der Gerber, auf der anderen Bachseite die separat ummauerte Alexanderkirche, die weiterhin Pfarrkirche war.

Vom Mittelalter bis zum Jahr 1839 war Marbach mit sechs anderen Gemeinden an der gemeinschaftlichen Verwaltung des Hartwalds beteiligt, eines größeren Waldgebiets im Nordosten des Amts. Auf diesen Sachverhalt geht der heutige Gebietsanteil Marbachs im Hartwald zurück.

Bei der vorübergehenden Teilung Württembergs im Nürtinger Vertrag 1442 geriet die Stadt an die Linie Württemberg-Stuttgart unter Graf Ulrich dem Vielgeliebten. Dieser hielt sich oft in Marbach auf und sorgte für den Ausbau von Burg und Kirche. Als er während der Mainzer Stiftsfehde in pfälzische Gefangenschaft geriet, musste er, um seine Freilassung zu erreichen, 1463 Stadt und Amt Marbach in ein pfälzisches Lehen umwandeln. Erst 1504, durch den Erfolg Herzog Ulrichs im Landshuter Erbfolgekrieg, wurde dies wieder rückgängig gemacht.

Unruhige Zeit im 16. und 17. Jahrhundert

Die Bewegung des Armen Konrads im Jahr 1514 fand auch bei den Bauern im Marbacher Amt Anklang, es kam zu mehreren Protestkundgebungen. Die Vertreter von vierzehn Städten des württembergischen Unterlands versammteln sich in Marbach und verfassten einen Forderungskatalog an den Herzog. Insgesamt verhielten sich die Marbacher aber eher abwartend. Der Marbacher Doktor Alexander Seitz, der die Sache der Bauern in Wort und Schrift vertreten hatte, musste nach dem Scheitern des Armen Konrads in die Schweiz fliehen.

1519 wurde Marbach (wie ganz Württemberg) von Truppen des Schwäbischen Bunds besetzt und die Landeshoheit an Kaiser Karl V. übergeben; Marbach wurde somit österreichisch. 1525, im Deutschen Bauernkrieg, verschaffte sich eine Schar Bauern Zutritt in die Stadt. Dem Vogt gelang es jedoch, die Bauern betrunken zu machen und wieder zu vertreiben. Trotzdem wurde die Stadt nach der Niederschlagung des Aufstands mit einem Strafgeld belegt, da sich auch Marbacher am Aufruhr beteiligt hatten. Als Herzog Ulrich 1534 die Herrschaft über Württemberg zurück erlangte, führte er die Reformation ein. Bei dieser Gelegenheit löste die Stadtkirche die Alexanderkirche als Pfarrkirche ab.

1546, im Schmalkaldischen Krieg, wurde Marbach erneut durch kaiserliche Truppen besetzt, die mordend und plündernd in der Stadt wüteten. Da in der Folge weitere Truppendurchzüge stattfanden und Marbach sich noch an der hohen Kriegsentschädigung beteiligen musste, die Herzog Ulrich an den Kaiser zu entrichten hatte, waren die Stadtfinanzen anschließend zerrüttet.

Ab 1579 führte Simon Studion, der Präzeptor der Marbacher Lateinschule, archäologische Ausgrabungen durch und entdeckte das römische Kastell in Benningen wieder. Gerade in den Zeiten der Renaissance und der damit einhergehenden Wiederbesinnung auf die Antike beflügelte dies den Glauben, Marbach sei schon in römischer Zeit entstanden und sein Name von den römischen Göttern Mars und Bacchus abgeleitet (siehe auch Abschnitt Wappen und Flagge).

Marbach 1664

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 machte Marbach und Umgebung schwer zu schaffen. Bereits in der ersten Kriegshälfte verursachten Truppeneinquartierungen hohe Kosten, hinzu kamen Krankheiten und 1626 eine Hungersnot infolge einer Missernte. Nach der Niederlage der protestantischen Seite in der Schlacht bei Nördlingen 1634 besetzten kaiserliche Truppen Württemberg und machten das Land unsicher. Die Bewohner der umliegenden Dörfer flohen zum großen Teil hinter die Marbacher Stadtmauern, die jedoch nur bedingt Sicherheit boten. Marbach wurde erneut durch Einquartierungen von Truppen belastet, die Stadt und Bewohner nach Belieben ausplünderten. 1634 brannten in Marbach 80 Häuser nieder, 1635/36 kamen eine erneute Pestepidemie und Hungersnot hinzu. Von 1634 bis 1639 sank die Einwohnerzahl der Stadt von 1.765 auf 863, die des Amts von 1622 bis 1639 von 17.694 auf 2.271, also auf ein Achtel. Nach einer Periode der relativen Ruhe von 1639 bis 1642 wurden Stadt und Umgebung 1642 noch einmal durch französisch-schwedische Truppen geplündert und gebrandschatzt, weitere Truppendurchzüge folgten bis 1646. Nach dem Krieg kamen Einwanderer ins Land, hauptsächlich Schweizer, was den Bevölkerungsverlust aber nur ansatzweise wieder auszugleichen vermochte.

Zerstörung und Bedeutungsverlust

Noch bevor sich Stadt und Amt von den Folgen des Dreißigjährigen Kriegs erholt hatten, bekamen sie den Pfälzischen Erbfolgekrieg zu spüren. 1688 drangen französische Truppen in die Stadt ein und plünderten sie zwei Tage lang. Danach musste Marbach vorübergehend Reichstruppen in seinen Mauern beherbergen und verpflegen. Als sich französische Truppen unter Mélac Ende Juli 1693 erneut der Stadt näherten, flüchteten viele Bewohner. Die Franzosen rückten in die nunmehr unverteidigte Stadt ein, plünderten, misshandelten und ermordeten die noch nicht geflohenen Bewohner. Anschließend wurde Marbach planmäßig angezündet und nahezu vollständig verbrannt. Lediglich die Alexanderkirche und wenige andere, meist außerhalb der Mauern gelegene Gebäude überstanden die Zerstörung. Einige der Geflohenen kehrten nicht wieder nach Marbach zurück, von den übrigen überlebten etliche den darauffolgenden Winter nicht, da neben den Häusern auch die Vorräte vernichtet worden waren. Nach 1.478 Einwohnern im Jahr 1692 wurden 1695 nur noch 609 gezählt.

Der Wiederaufbau, der das heutige Erscheinungsbild der Altstadt bestimmt, zog sich über die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre hin. Ab 1704 wuchs die südwestlich gelegene, neu gegründete Stadt Ludwigsburg zum neuen Zentrum der Umgebung heran. Marbach musste eine Verringerung seines Amtsbezirks hinnehmen, verlor zentrale Funktionen und an Bedeutung. Zu allem Überfluss musste es seine Konkurrenz auch noch durch Materiallieferungen und Frondienste aufbauen helfen. Für ein eigenes Rathaus war in Marbach erst 1763 wieder Geld vorhanden, das herzogliche Schloss hingegen wurde nicht wieder aufgebaut.

Übergangszeit im 18. und 19. Jahrhundert

1759 wurde Friedrich Schiller in Marbach geboren. Der Dichter, der im 19. Jahrhundert Gegenstand nahezu kultischer Verehrung wurde, brachte seinem Geburtsort posthum weitreichende Bekanntheit und wurde bestimmend für das Selbstverständnis der Stadt (siehe Abschnitt Schillerstadt Marbach).

Ebenfalls 1759 erhielt das bisherige Amt die Bezeichnung Oberamt Marbach. Dieses blieb bei der Neuordnung Württembergs 1806 bestehen und wurde 1810 nach Norden vergrößert. 1816/17 kam es infolge einer Missernte zu einer Hungersnot. Diese sowie religiöse Spannungen zwischen der Landeskirche und den Pietisten führten zu Auswanderungen nach Russland.

Um diese Zeit herum wuchs die Stadt erstmals über ihren mittelalterlichen Kern hinaus, eine Vorstadt im Bereich des Oberen Tors entstand. 1828 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Siegelhausen nach Marbach eingemeindet. Eine weitere Hungersnot 1846/47 führte zu erneuten Auswanderungen, nun verstärkt nach Amerika. Durch die Auswanderungen sank die Einwohnerzahl Marbachs von 1846 bis 1861 um über 10 % auf etwa 2.200. Im Revolutionsjahr 1848 wurde auf Veranlassung der Frankfurter Nationalversammlung eine Bürgerwehr gegründet, die aber nie in Kämpfe verwickelt wurde. 1871 wurde Württemberg und damit auch Marbach Bestandteil des Deutschen Reichs.

Vom Kaiserreich bis zum Zweiten Weltkrieg

Seit der Gründung von Ludwigsburg liefen die großen Verkehrsverbindungen an Marbach vorbei. So erhielt die Stadt erst relativ spät, nämlich 1879, einen Bahnhof an einer Nebenlinie der Murrbahn zwischen Backnang und Bietigheim, ab 1881 auch eine direkte Verbindung nach Ludwigsburg. 1894 wurde Marbach außerdem Ausgangspunkt der Bottwarbahn nach Heilbronn. Der Bahnhof wurde nordöstlich und außerhalb der Stadt angelegt und zog kleinere Fabriken an, darunter mehrere Möbelfabriken und zeitweise eine Schuhfabrik. Zu einem ausgesprochenen Industriestandort entwickelte sich Marbach jedoch nicht, um die Jahrhundertwende teilte sich die Anzahl der Beschäftigten etwa gleichmäßig auf Arbeiterschaft, Landwirtschaft/Weinbau und Gewerbe/Handel auf. Die neuen Betriebe sorgten für ein Anwachsen der Bevölkerung, was neue Versorgungseinrichtungen notwendig machte. 1896 entstand ein Wasserwerk, 1906 erhielt Marbach erstmals elektrischen Strom (siehe Abschnitt Kraftwerk Marbach).

Im Ersten Weltkrieg hatte die Stadt 132 Gefallene zu beklagen. Der Übergang in die Weimarer Republik vollzog sich ohne großes Aufsehen, die Gemeinderatswahlen sahen die SPD, die DDP und die konservativen württembergischen Parteien etwa gleichauf.

Von 1919 bis 1933 erhöhte sich die Einwohnerzahl von etwa 2.900 auf 3.500. Es entstanden neue Wohnungen im Osten der Stadt bis etwa zur Schwabstraße, auch nördlich der Bahnlinie wurde vermehrt gebaut. 1928 wurde eine Gasversorgung eingerichtet. In der Weltwirtschaftskrise schlossen mehrere Marbacher Firmen ihren Betrieb, es kam zu hoher Arbeitslosigkeit. 1931 errangen Kommunisten und Nationalsozialisten erstmals je einen Sitz im Gemeinderat.

Bei der Reichstagswahl 1933 erreichten die Nationalsozialisten in Marbach 41.5 % der Stimmen. Nach der Annahme des Ermächtigungsgesetzes wurden in Marbach der Gemeinderat gleichgeschaltet und die Organisationen der Arbeiterbewegung verboten; einige Marbacher Kommunisten und Sozialdemokraten wurden ins KZ Heuberg gebracht.

1938 wurde das Oberamt Marbach aufgelöst. Marbach verlor seine Funktion als Verwaltungssitz und geriet an den Landkreis Ludwigsburg. Um die gleiche Zeit musste infolge der Neckar-Kanalisierung das bei Marbach befindliche Wasserkraftwerk durch einen Neubau weiter flussaufwärts ersetzt werden. Das Kraftwerksgelände wurde, quasi als Entschädigung für den Verlust des Oberamts, von der Neckarweihinger Markung abgetrennt und Marbach zugeteilt.

Im Zweiten Weltkrieg wuchs Marbachs Bevölkerung durch die wiederholte Aufnahme Evakuierter oder Luftkriegsgeschädigter aus der größeren Umgebung an; zudem wurden polnische und französische Kriegsgefangene in Betrieben und Landwirtschaft eingesetzt. An der Stadt selbst ging der Krieg ohne größere Zerstörungen vorbei, jedoch sprengten deutsche Truppen kurz vor Kriegsende mehrere Brücken, darunter das Eisenbahnviadukt. Ende April 1945 wurde Marbach von amerikanischen Truppen besetzt.

Jüngere Geschichte

Nach dem Krieg gehörte Marbach zunächst dem Land Württemberg-Baden an, das 1952 in Baden-Württemberg aufging. Die Bevölkerung wuchs durch den Zuzug von 1.850 Heimatvertriebenen weiter an. Um dieser Lage gerecht zu werden, entstanden nach 1950 weitere Siedlungen nördlich und südlich der Erdmannhäuser Straße. Auch die zuvor mehrmals aufgeschobene Kanalisation wurde verwirklicht.

Ab 1957 entstand südlich der Stadt die Siedlung Hörnle für bis zu 2.000 Menschen, in der hauptsächlich Heimatvertriebene, aber auch junge Familien Wohnungen finden. Der nahe der Siedlung gelegene Makenhof, der zusammen mit dem Kraftwerksgelände an Marbach gekommen war, wurde jedoch wieder an Neckarweihingen zurückgegeben.

1965 besuchte die englische Königin Elisabeth II. Marbach. Hinterher wurde kolportiert, sie habe in Wirklichkeit nicht die Stadt, sondern das Gestüt Marbach auf der Schwäbischen Alb sehen wollen. Obwohl der Wahrheitsgehalt dieser Anekdote zweifelhaft ist, wird sie bis heute oft weitererzählt.

1972, während der Gemeindereform, wurde Rielingshausen eingemeindet. Wie die Siegelhäuser ist auch die Rielingshäuser Markung vollständig von der Marbachs getrennt. Die Hoffnungen der Stadt, unter Einbeziehung weiterer Nachbarorte eine Großgemeinde bilden zu können, zerschlugen sich aber. Es wurde lediglich ein Gemeindeverwaltungsverband gegründet, der neben Marbach noch Benningen, Affalterbach und Erdmannhausen umfasst.

1980 wurde die Stadt an das Stuttgarter S-Bahn-Netz angeschlossen. 1989 wurde die Bottwartalbahn stillgelegt, ihre Gleise wurden bis auf eine Spitzkehre zum Kraftwerksgelände abgebaut.

Die erhöhte Mobilität in der Bevölkerung bewirkte, dass Marbach sich zu einer beliebten Wohngemeinde im Stuttgarter Umland entwickelte. Wiederholt wurden Neubaugebiete ausgewiesen und bebaut, so dass sich die Einwohnerzahl von 12.000 im Jahr 1980 auf über 15.000 im Jahr 2005 erhöhte; das jüngste Neubaugebiet ist Kirchenweinberg Nord oberhalb der Eisenbahnlinie.

2000 wurde das Marbacher Jugend-Kultur-Haus planet-x mit seiner pädagogischen Konzeption als bundesweit einziges Jugendhaus aufgrund seiner vielfältigen Partizipationsmöglichkeiten Projekt bei der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover.

Schillerstadt Marbach

1759 wurde Friedrich Schiller als Sohn eines Arztes in Marbach geboren, zog jedoch bereits im Alter von vier Jahren fort. Trotz dieser eher marginalen Beziehung wurde die Stadt nach seinem Tod im Jahr 1805 zu einem Zentrum der Verehrung des Dichters. 1812 stellte man nachträglich Schillers Geburtshaus fest und brachte eine Gedenktafel an. Wenig später kamen die ersten Auswärtigen nach Marbach, um das Haus zu sehen.

1835 wurde der Vorläufer der heutigen Deutschen Schillergesellschaft unter dem Namen Verein für Schillers Denkmal (später Marbacher Schillerverein) gegründet. 1836 bis 1840 wurde die Schillerhöhe südlich der Stadt als Festplatz angelegt. 1857 erwarb die Stadt das Geburtshaus, wo zwei Jahre später, zum 100. Geburtstag, ein Museum eingeweiht wurde. 1876 wurde das Schillerdenkmal auf der Schillerhöhe eingeweiht, 1903 am Rande des Platzes das Schiller-Nationalmuseum eröffnet.

Seit 1859 veranstalten die Schulen jährliche Schillerfeiern, die jeweils am 10. November, dem Geburtstag des Dichters, abgehalten werden. Die runden Jubiläen des Geburts- und Todestages werden mit speziellen Gedenkveranstaltungen begangen.

1934 veranstalteten die Nationalsozialisten eine Schillerhuldigung der deutschen Jugend, bei der aus fünf Richtungen von den Reichsgrenzen aus in Staffelläufen Grußbotschaften und Fackeln nach Marbach überbracht wurden. Auch die jährlichen Schillerfeiern dienten zeitweise Propagandazwecken, später änderten die Machthaber aber ihre Meinung und verboten die Aufführung von Stücken wie Wilhelm Tell, da ihnen deren Inhalte (Tyrannenmord) nunmehr gefährlich erschienen.

Nach der Eröffnung des Deutschen Literaturarchivs Marbach im Jahr 1955 stiftete die Stadt 1959 den Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar, der seither alle zwei Jahre für Arbeiten zur Landeskunde Württembergs verliehen wird.

Schiller ist bis heute eine wesentliche Identifikationsfigur für Marbach, was nicht nur von lokalpatriotischer, sondern auch touristischer Bedeutung ist. Zahlreiche Einrichtungen sind nach dem Dichter benannt, so das örtliche Gymnasium und die Volkshochschule, und der Ort selbst bezeichnet sich als „Schillerstadt“, was jedoch ein selbstgewählter und nicht von der Landesregierung verliehener Titel ist. Trotz der quasi-offiziellen Verwendung ist die Bezeichnung also nicht Teil des amtlichen Gemeindenamens.

Seit 1998 werden die alljährlichen Schillerfeiern im vergrößerten Rahmen als Schillerwoche abgehalten. Das Jahr 2005 wurde im Gedenken an den 200. Todestag Schillers als „Schillerjahr“ mit einer Fülle von besonderen Programmen und Veranstaltungen begangen. Auch für das Schillerjahr 2009, zum 250. Geburtstag, sind besondere Veranstaltungen unter dem Leitmotiv „Marbach… frei nach Schiller“ geplant.

Geschichte Rielingshausens

Erste Spuren menschlicher Besiedlung auf Rielingshäuser Markung sind aus der Jungsteinzeit und aus römischer Zeit nachgewiesen. Die Römerstraße von Benningen nach Murrhardt verlief über Rielingshauser Gebiet; sie entsprach in etwa der heutigen Landesstraße, verlief jedoch ein wenig weiter nördlich und westlich.

Ortsansicht von Süden

Der heutige Ort Rielingshausen entstand vermutlich um 700 südlich der Römerstraße als fränkischer Adelssitz. Erstmals erwähnt wurde er 776 im Lorscher Codex als Reginherishusen. Ab 972 gehörte der Ort wie Marbach zum Bistum Speyer. Die weiteren Besitzverhältnisse bis ins frühe 14. Jahrhundert sind nicht überliefert, womöglich gehörte Rielingshausen später zur Herrschaft Wolfsölden. Spätestens mit deren Verkauf 1322, vielleicht auch schon zusammen mit Marbach, fiel Rielingshausen in den Besitz der Grafen von Württemberg. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts sind westlich Rielingshausens die zwei Siedlungen Sigebotsbuch und Kaisersberg bezeugt, die wohl wenig später abgingen. Durch die freiwerdende Fläche konnte sich die Rielingshauser Markung nach Westen ausdehnen.

Unter württembergischer Herrschaft gehörte der Ort zum Amt Asperg, ab dem 15. Jahrhundert zum Amt (später Oberamt) Marbach. Die etwa 500 Einwohner lebten von Landwirtschaft und Weinbau, um 1350 ist erstmals eine Kelter erwähnt.

1525 nahmen Rielingshäuser Bauern am Deutschen Bauernkrieg teil, dreizehn von ihnen wurden nach dem Scheitern des Aufstands zu Geldstrafen verurteilt und durften keine Waffen mehr tragen. Wie Marbach wurde auch Rielingshausen im Dreißigjährigen Krieg wiederholt Opfer von Pest, Hungersnöten und Übergriffen durchziehender Truppen, die den Ort schlimm trafen. Die Einwohnerzahl sank von 624 im Jahr 1622 auf 108 im Jahr 1648, und die Hälfte der Häuser wurden zerstört. Auch die nachfolgenden Kriege im 17. und 18. Jahrhundert bekam der Ort zu spüren, so wurde er 1674 und 1693 von den Franzosen geplündert. Im dadurch verursachten Hungerwinter 1693/94 ging die Einwohnerzahl von 319 auf unter 200 zurück.

1720 entstand nördlich des Dorfs auf damals wüstliegendem Gelände der Weiler Hinterbirkenhof, auf dem im Laufe der Zeit zwischen 20 und 40 Einwohner lebten. Die Einwohnerzahl der Gemeinde erreichte erst nach 1780 wieder den Stand von 1622. Bei der Neuordnung Württembergs 1810 verblieb Rielingshausen beim Oberamt Marbach. Neben zahlreichen Truppendurchzügen in den Koalitionskriegen belastete den Ort auch die Einziehung etlicher Männer zum Militärdienst. Sieben Rielingshäuser Soldaten fielen im Russlandfeldzug Napoleons.

Kurzzeitig errang Rielingshausen überregionale Bekanntheit, als dort der pietistische Theologe Ludwig Hofacker von 1826 bis zu seinem frühen Tod 1828 als Pfarrer wirkte. Zu seinen Sonntagspredigten strömten Gläubige aus weit entfernten Orten in das Dorf.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung zunächst an; 1849 war mit über 1.100 Einwohnern ein vorläufiger Höhepunkt erreicht. Zugleich wanderten aber viele Rielingshäuser aus, zunächst hauptsächlich nach Russland, später nach Nordamerika. Ursachen der Auswanderung waren Hungersnöte (1816/17 und 1846/47), religiöse Beweggründe und Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen. Infolgedessen sank die Einwohnerzahl bis 1900 wieder auf unter 800. Nach wie vor lebten die meisten Einwohner von Landwirtschaft und Weinbau, daneben entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Weberei zum größten Gewerbe am Ort und behielt diese Stellung bis zum Ende des Jahrhunderts.

1899 wird an der Eisenbahnstrecke Backnang–Marbach ein Haltepunkt Erdmannhausen-Rielingshausen eingerichtet. Dieser befand sich allerdings (von Rielingshausen gesehen) jenseits der Murr, drei Kilometer vom Ort entfernt. 1912/13 erhielt der Ort Anschluss an die elektrische Stromversorgung.

Aus dem Ersten Weltkrieg kehrten 43 Rielingshäuser nicht mehr zurück. Während der Weimarer Republik war zunächst der Württembergische Bauern- und Weingärtnerbund die bestimmende politische Kraft im Ort; er erhielt 1920 über zwei Drittel der Stimmen. In den 1920ern veränderte sich die Arbeitsstruktur im Ort, immer mehr Einwohner pendelten als Industriearbeiter in die benachbarten Orte bis hin nach Stuttgart. Während der Weltwirtschaftskrise war diese Gruppe stark von Arbeitslosigkeit betroffen, 1931 gab es 60 Arbeitslose bei 760 Einwohnern. Die damit einhergehende Not führte zu einer Veränderung der politischen Mehrheitsverhältnisse. Bei der Reichstagswahl 1933 wurde die NSDAP mit 47 % der Stimmen stärkste Kraft.

Hinterbirkenhof

Die Errichtung des Dritten Reichs ging auch in Rielingshausen mit der Gleichschaltung des Gemeinderats und der übrigen Organe des gesellschaftlichen Lebens einher. 1937 wurde ein Zeuge Jehovas verhaftet, der später im KZ Mauthausen ums Leben kam. 1938, bei der Auflösung des Oberamts Marbach, wurde Rielingshausen entgegen den gewachsenen Strukturen dem Landkreis Backnang zugeteilt. Im Zweiten Weltkrieg nahm der Ort zeitweise Evakuierte aus anderen Orten auf. In der Landwirtschaft wurden etwa 20 französische Kriegsgefangene eingesetzt sowie einige Angehörige anderer Nationen. Am Ende des Krieges waren 37 Rielingshäuser gefallen oder vermisst.

Nach dem Krieg siedelten sich am Ort über 200 Heimatvertriebene an, viele davon aus Bessarabien. Der Bevölkerungszuwachs führte ab 1948 zur Errichtung einer Reihe von Neubaugebieten, durch die sich der Ort hauptsächlich nach Norden und Osten ausdehnte. 1959 überschritt die Einwohnerzahl erneut die Grenze von 1.000 Einwohnern und stieg in der Folge weiter, da der Ort durch weitere Neubaugebiete zu einer Wohngemeinde im Umland Stuttgarts wurde.

Die Gemeindereform beendete 1972 die kommunale Selbständigkeit Rielingshausens. Die Bürger gaben bei einer Abstimmung einer Vereinigung mit Marbach deutlich den Vorzug gegenüber einer solchen mit Steinheim an der Murr. Die Eingemeindung nach Marbach wurde daraufhin am 1. Juli 1972 durchgeführt, wodurch der Ort zugleich an den Landkreis Ludwigsburg geriet. Rielingshausen behielt nach der Eingemeindung einen eigenen Ortschaftsrat.

Die Eingemeindung wurde vom Land Baden-Württemberg finanziell gefördert, wodurch die Infrastruktur des Orts in den folgenden Jahren stark ausgebaut werden konnte (Schule, Kindergarten, Wegenetz u.a.). Ab 1979 entstand im Nordwesten des Orts noch das Neubaugebiet Egelsee.

Geschichte Siegelhausens

Siegelhausen, zwischen den Orten Affalterbach, Hochdorf und Bittenfeld gelegen, trat 1230 in das Licht der Geschichte, als Graf Berthold von Beilstein und seine Gattin dem Stift Backnang ein Gut und das Patronatsrecht in Siegelhausen schenkten. 1243 erhielt das Stift weitere Güter geschenkt und wurde 1245 zum alleinigen Besitzer Siegelhausens. Der Name des Orts tritt zu dieser Zeit als Siglerhusen oder Sigelarhusin auf und wird von einem Personennamen Sigilo abgeleitet.

Siegelhausen besaß bereits bei seiner Ersterwähnung eine Kirche (die Martinskirche), zu deren Pfarrbezirk 1458 auch Schwaikheim und Bittenfeld gehörten. 1468 wurde die Pfarrei jedoch nach Bittenfeld verlegt, wohin der Ort bis heute in kirchlicher und schulischer Hinsicht gehört. Nach 1592 existierte die Siegelhäuser Kirche nicht mehr, und der Ort blieb ein kleiner, landwirtschaftlich geprägter Weiler.

Nachdem das Stift Backnang während der Reformation aufgelöst worden war, gehörte Siegelhausen dem Oberamt Backnang an. 1810 wurde Siegelhausen dem Oberamt Marbach zugeordnet.

1822 erging durch die württembergische Regierung eine Aufforderung an die Weiler, sich den nächstgelegenen Gemeinden im jeweiligen Oberamt anzuschließen. Für Siegelhausen war dies Affalterbach, da Bittenfeld und Hochdorf dem Oberamt Waiblingen angehörten. Siegelhausen wollte jedoch seine kirchliche und schulische Bindung an das nähergelegene Bittenfeld wahren, die durch eine Eingemeindung nach Affalterbach in Frage gestellt worden wäre. Daher bemühte sich Siegelhausen um eine Eingemeindung nach Marbach, das allerdings keine gemeinsame Grenze mit Siegelhausen hatte. Diese Eingemeindung erfolgte 1828 und beließ Siegelhausen seine Bindungen nach Bittenfeld.

1912 erhielt Siegelhausen Elektrizitätsversorgung, 1963 Anschluss an die Affalterbacher Wasserversorgung. 1944 wurden Spreng- und Brandbomben über dem Ort abgeworfen und richteten Sachschäden an. 1978 und 2003 wurden Jubiläumsfeiern zum 150- bzw. 175-jährigen Jahrestag der Eingemeindung abgehalten.

Religionen

In Marbach gibt es drei evangelisch-lutherische Pfarrämter (Mitte, Ost, West), die aber alle der Kirchengemeinde Marbach zugeordnet sind. Die Stadt ist Sitz des Kirchenbezirks Marbach der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, die in Marbach auch eine diakonische Bezirksstelle betreibt. Rielingshausen hat eine eigene evangelische Kirchengemeinde.

Die evangelisch-methodistische Gemeinde Marbach begeht ihre Gottesdienste in der Erlöserkirche, die katholische Gemeinde in der Kirche Zur heiligen Familie. Letztere gehört zum Dekanat Ludwigsburg innerhalb des Bistums Rottenburg-Stuttgart. Weitere in Marbach organisierte Glaubensgemeinschaften sind die Neuapostolische Kirche mit Gemeinden in Marbach und in Rielingshausen sowie die Zeugen Jehovas mit zwei Versammlungen in Marbach.

In seiner Geschichte gehörte Marbach wie der Rest des Murrgaus zunächst dem Bistum Worms an. 740 wurde die Gegend dem Bistum Würzburg zugeordnet, bevor sie im 9. Jahrhundert zum Bistum Speyer kam, bei dem sie bis zur Reformation verblieb und innerhalb dessen Marbach Sitz eines Landkapitels war. Die außerhalb der Stadtmauern gelegene und auf dem Grund des einstmaligen Königshofs errichtete Alexanderkirche war bis zur Reformation Pfarrkirche der Stadt. Mit Reliquien des heiligen Alexander ausgestattet, war sie auch Ziel von Wallfahrten.

Stadtkirche

Herzog Ulrich ließ 1534 in Württemberg die Reformation einführen, die im Unterland durch den Theologen Erhard Schnepf durchgeführt wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde die Stadtkirche zur Pfarrkirche. Die Reformation führte ferner zum Verschwinden der Beginen, die zuvor zwei Jahrhunderte lang in Marbach präsent waren. 1547 wurde die evangelische Kirche in Württemberg neu geordnet, wobei Marbach Sitz eines von 23 Dekanaten wurde. Dieses für die Ämter Marbach, Großbottwar und Beilstein zuständige Dekanat war dem Generalat Lorch untergeordnet; nach der Neuordnung Württembergs 1810 gehörte es zum Generalat Heilbronn.

Als Folge der Reformation ist die Bevölkerung Marbachs noch heute mehrheitlich evangelisch, 1871 waren es gar noch 99 %. Daneben gab es immer wieder kleinere Religionsgemeinschaften, die von der Obrigkeit meist nicht gerne gesehen wurden. Von der Reformationszeit bis etwa 1560 gab es in Marbach einige Wiedertäufer, die teilweise auch in Siegelhausen ihre Treffen abhielten. 1692 wurden in der Stadt elf Katholiken und sechs Calvinisten gezählt. Im 18. Jahrhundert gewannen die Pietisten einige Anhänger. Anfang des 19. Jahrhunderts verschärfte sich in Württemberg der Konflikt zwischen der Landeskirche und den radikalen Pietisten, den Separatisten, die sich unter anderem in der Marbacher Harmonie organisierten. Diese organisierte 1817 die Auswanderung ihrer Mitglieder nach Russland. Juden sind nur einmal, 1487, in Marbach erwähnt.

Erste methodistische Predigten wurden 1857 in Marbach gehalten. Zehn Jahre später baute sich die damals 50 Mitglieder umfassende Gemeinde (zu der auch Gläubige aus umliegenden Orten gehörten) eine Kapelle in der Wildermuthstraße. Die heutige Erlöserkirche wurde 1963 eingeweiht.

Im Dritten Reich fanden die Deutschen Christen erheblichen Zulauf in Marbach und hatten zeitweilig bis zu 300 Mitglieder. Die Beitrittswelle wurde durch deren erste württembergische Gautagung ausgelöst, die 1934 in der Stadt abgehalten wurde. Marbach wurde auch zum Schauplatz zweier weiterer Gautagungen 1935 und 1936, bevor die Bewegung zerfiel.

Katholiken kamen erst nach dem Zweiten Weltkrieg in größerer Zahl in die Stadt; sie stellten die Mehrzahl der in Marbach angesiedelten Heimatvertriebenen. Die Kirche Zur heiligen Familie wurde 1953 eingeweiht.

Der heutige Ortsteil Rielingshausen erhielt wohl im 8. oder 9. Jahrhundert eine eigene Pfarrei. Wie auch Marbach gehörte der Ort ab dem 9. Jahrhundert zum Bistum Speyer. 1453 überließ Graf Ulrich der Vielgeliebte die Rielingshäuser Kirche dem Stift Backnang, das schon zuvor im Ort begütert war. Das Stift stellte in der Folge die Pfarrer.

1534 wurde auch in Rielingshausen die Reformation eingeführt, so dass die Bevölkerung in den nachfolgenden Jahrhunderten nahezu ausschließlich evangelisch war. 1826–1828 war Ludwig Hofacker Pfarrer in Rielingshausen. Der bereits durch seine Tätigkeit in Stuttgart bekannte Theologe zog durch seine mitreißenden Sonntagspredigten bis zu 2.000 Zuhörer an, darunter viele Ortsfremde, weit mehr als die Kirche fassen konnte. Nicht zuletzt dem Einfluss Hofackers ist es zuzuschreiben, dass es in Rielingshausen im 19. Jahrhundert eine pietistische Gemeinschaft gab, der 1849 50 bis 60 Mitglieder angehörten. Die alte Pfarrkirche Rielingshausens, die Peterskirche, heißt seit 1965 Ludwig-Hofacker-Kirche.

Ende des 19. Jahrhunderts gewannen verschiedene kleinere freikirchliche Gemeinschaften zeitweise Mitglieder am Ort. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen erstmals Katholiken in größerer Anzahl nach Rielingshausen, deren Pfarrer 1952 einen Betsaal in seinem Wohnhaus einrichtete. Seit 1977 gehören die Katholiken in Rielingshausen zur Kirchengemeinde Marbach am Neckar (zuvor Kirchberg an der Murr). Die neuapostolische Kirche am Ort wurde 1988 eingeweiht.

Zur kirchlichen Entwicklung im Ortsteil Siegelhausen siehe den Abschnitt Geschichte Siegelhausens.

Politik

Die Verwaltung der Stadt Marbach am Neckar erfolgt nach den Grundsätzen der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg. Verwaltungsorgane sind der Gemeinderat und der Bürgermeister.

Gemeinderat

Der Gemeinderat, dessen Mitglieder von den Bürgern alle fünf Jahre gewählt werden, ist das Hauptorgan der Gemeinde. Die Größe des Gemeinderats bestimmt sich nach der Einwohnerzahl und beläuft sich im Falle Marbachs regulär auf 22 Sitze, von denen nach dem Prinzip der unechten Teilortswahl vier für den Ortsteil Rielingshausen vorgesehen sind. Bei den letzten Kommunalwahlen am 13. Juni 2004 erhöhte sich die Anzahl der Sitze durch Ausgleichsmandate auf 24. Die Wahl führte zu folgendem Ergebnis:

Der Ortsteil Rielingshausen hat darüber hinaus einen eigenen Ortschaftsrat, in dem die CDU mit fünf, die SPD mit vier und die Freien Wähler mit drei Sitzen vertreten sind. Ortsvorsteher ist Eberhard Ruoff. Der Ortschaftsrat muss in allen wichtigen Angelegenheiten, die den Ort betreffen, gehört werden. Die Interessen Siegelhausens werden durch einen sogenannten Anwalt vertreten, der als Sprecher des Ortsteils fungiert. Seit 1998 hat dieses Amt Werner Händle inne.

Bürgermeister

Der Bürgermeister ist hauptamtlicher Beamter und wird von den Bürgern direkt auf jeweils acht Jahre gewählt; seine Aufgaben sind der Vorsitz im Gemeinderat und die Leitung der Verwaltung. Derzeitiger Amtsinhaber ist seit 1997 Herbert Pötzsch. Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 30. Januar 2005 mit 73 % der Stimmen für eine weitere Amtszeit bestätigt.

Im Mittelalter lag die Verwaltung der Stadt in den Händen eines (Unter-)Vogts, der zugleich für die Verwaltung des gesamten Amts zuständig war, während ein so genannter Obervogt neben dem Amt Marbach noch mehrere andere Ämter (üblicherweise Winnenden und Bottwar) beaufsichtigte. Die Funktion eines Obervogts entfiel zu Beginn des 18. Jahrhunderts, dafür änderte sich 1759 die Amtsbezeichnung für den Untervogt in Oberamtmann. Ab 1810 hatte Marbach einen eigenen Schultheiß, der ab der Einführung der württembergischen Verfassung 1819 von den Bürgern auf Lebenszeit gewählt wurde. 1930 änderte die württembergische Gemeindeordnung die Amtsbezeichnung „Schultheiß“ in „Bürgermeister“.

Die seit 1819 amtierenden Schultheißen bzw. Bürgermeister waren:

1819−1825: Johann Christian Brecht
1825−1846: Karl Ludwig Christoph Klein
1846−1869: Robert Sigel
1869−1883: Eduard Fischer
1883−1903: Traugott Haffner
1903−1907: Johannes Härtner

1907−1925: Theodor Forstner
1925−1945: Wilhelm Kopf
1945−1948: Wilhelm Schenk
1948−1973: Hermann Zanker
1973−1997: Heinz Georg Keppler
1997−heute: Herbert Pötzsch

Sonstige Wahlen

Bei den Landtagswahlen 2006 gehörte Marbach zum Wahlkreis 14 (Bietigheim-Bissingen), bei den letzten Bundestagswahlen 2005 zum Wahlkreis 267 (Neckar-Zaber).

Bei allen zuletzt durchgeführten Wahlen wurde die CDU stärkste Partei in Marbach mit wechselndem Abstand vor der SPD. Die Freien Wähler treten bei den Wahlen bis zur Ebene der Regionalversammlung an und werden dort in der Regel drittstärkste Kraft vor den Grünen.

Wappen und Flagge

Das Wappen von Marbach ist gespalten; vorn in Gold drei schwarze Hirschstangen übereinander, hinten in Gold ein von Weinreben und Trauben umrankter weißer Turm mit rotem Spitzdach.

Die Hirschstangen symbolisieren die frühe Zugehörigkeit zu Württemberg, der Turm den Stadtcharakter Marbachs und die Weintrauben den im Stadtgebiet betriebenen Weinbau. Das älteste bekannte Stadtsiegel stammt aus dem Jahr 1301 und zeigt bereits den Turm und eine Pflanze einzeln nebeneinander stehend. Neben dem Turm ist der Rautenschild der Herzöge von Teck zu sehen, die zu diesem Zeitpunkt noch die Stadtherren waren. Nach dem Übergang an Württemberg treten deren Wappenfigur, die Hirschstangen, an Stelle der Rauten. Bei späteren Siegeln rückt der württembergische Schild auf die andere Seite des Turms.

Die erste farbige Wappendarstellung stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und ist auf einem Schlusstein des Chors in der Alexanderkirche zu finden. Bei dieser Darstellung umrankt die Pflanze den Turm und ist erstmals eindeutig als Weinrebe zu erkennen. Ab dem späten 16. Jahrhundert (z.B. 1575) zeichnet sich die heutige Einteilung ab, bei der die Hirschstangen vorne stehen. Die heutige Form des Wappens wurde 1938 eingeführt.

Als Schildhalter wird gelegentlich ein Wilder Mann dargestellt, so in einer Zeichnung Simon Studions 1597, auf dem Wilde-Mann-Brunnen in der Altstadt und in einem Amtssiegel des 19. Jahrhunderts. Diese Gestalt geht auf eine Gründungssage Marbachs zurück, derzufolge am Ort der heutigen Siedlung einst ein Riese lebte, dessen Haus von Wein umrankt war und der Reisende ausraubte oder umbrachte. Auch die Vorstellung, der Name Marbach sei von den römischen Göttern Mars und Bacchus abgeleitet, spiegelt sich wohl in dieser Sage wider.

Die Stadtflagge von Marbach ist gelb-weiß, sie wird jedoch auch in umgekehrter Farbfolge gezeigt. Diese ungewöhnliche (und unheraldische) Farbkombination wird in Baden-Württemberg von keiner anderen Kommune verwendet. Die Flagge wurde bereits 1871 erwähnt.

Das Wappen des Ortsteils Rielingshausen zeigt in Gold einen aufrecht stehenden schwarzen Schlüssel. Der Schlüssel weist auf den Kirchenheiligen St. Peter hin, die Farben wurden vermutlich als Hinweis auf die württembergischen Wappenfarben gewählt. Der Schlüssel als Gemeindesymbol ist erstmals im Fleckensiegel von 1794 überliefert.

Städtepartnerschaften

1987 schloss Marbach mit der französischen Stadt L'Isle-Adam eine Städtepartnerschaft ab. L'Isle Adam liegt etwa 30 km nordwestlich von Paris und wird wie Marbach mit einem bekannten Schriftsteller in Verbindung gebracht, und zwar Honoré de Balzac. Die Städtefreundschaft wird durch regelmäßige Schüleraustausche, jährliche wechselseitige Besuche und andere Aktionen gefördert. Die Aktivitäten werden durch den Verein der Freunde des Partnerschaftsvereins Marbach-am-Neckar - L'Isle-Adam koordiniert.

Freudschaftliche Beziehungen bestehen zu Stratford-upon-Avon in Großbritannien, wie Marbach Geburtsort eines großen Dichters (William Shakespeare). Stratford-upon-Avon ist zugleich Partnerstadt von L'Isle Adam.

Mit der US-amerikanischen Kleinstadt Washington / Missouri schloss Marbach 1990 eine Städtepartnerschaft ab. Auch diese wird durch regelmäßige Besuche von Delegationen sowie durch Schüleraustausche gefördert.

Jüngste Partnerstadt Marbachs ist seit 2005 die chinesische Großstadt Tongling, zu der bereits seit 1990 freundschaftliche Beziehungen bestanden. Da sich der Frauenclub Rielingshausen in besonderem Maße um die Vertiefung dieser Beziehungen verdient machte, wurde dessen erste Vorsitzende Brigitte Wolf 2004 zur Ehrenbürgerin von Tongling ernannt.

Kultur, Sehenswürdigkeiten, Tourismus

Altstadt

Marbach besitzt eine außergewöhnlich gut erhaltene Altstadt, deren Erscheinungsbild hauptsächlich auf den Wiederaufbau nach der Zerstörung von 1693 zurückgeht. Die Altstadt zieht sich am Südhang des Strenzelbachtals hinauf, weist einen rechteckigen Grundriss von etwa 350 mal 250 Metern auf und ist noch auf drei Seiten von der Stadtmauer mit ihren Wehranlagen umgeben. Seit 1983 steht sie als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

Nach Westen und Norden fällt die Altstadt steil zum Neckar und zum Strenzelbach ab, auf der Höhe im Südosten war sie im Mittelalter durch die nicht mehr vorhandene Stadtburg gesichert. Drei Tore gewährten Zugang in die Stadt: das Untere Tor (auch Niklastor genannt) im Nordosten, das Obere Tor im Südosten und das Neckartor im Südwesten. 1847 wurde durch einen Mauerdurchbruch im Süden ein vierter Zugang, das Grabentor, geschaffen. In der Anlage der Stadt dominieren die fünf in Ost-West-Richtung angelegten Straßen, insbesondere die breite Marktstraße. In letzterer befinden sich auch die wichtigsten Gebäude der Altstadt, so das 1760 erbaute Rathaus und zahlreiche Geschäfte.

Das östliche Ende der Marktstraße wird durch den 40 Meter hohen Oberen Torturm markiert, der bestiegen werden kann. Im südöstlichen Winkel der Stadtbefestigung gleich neben dem Turm liegt der Burgplatz, auf dem vom 13. Jahrhundert bis 1693 die Stadtburg stand. Ebenfalls beim Torturm zu finden ist die Wendelinskapelle aus dem 15. Jahrhundert.

Die Niklastorstraße führt vom Markt, an der von 1698 bis 1700 wiederaufgebauten Stadtkirche vorbei, den Hang hinab zum Cottaplatz. Unterwegs passiert man zahlreiche Fachwerkhäuser aus der Zeit nach 1693. An einem dreieckigen Platz stehen u.a. das Spezialathaus, das Diakonat, der Wilder-Mann-Brunnen sowie Schillers Geburtshaus.

Jenseits des außerhalb der ehemaligen Stadtbefestigung gelegenen Cottaplatzes führt die Straße Am Alten Markt zur Alexanderkirche hinauf. Die Straßenbezeichnung erinnert an den ursprünglichen Siedlungskern auf der Nordseite des Tals. Der heutige spätgotische Bau wurde 1450 bis 1480 von Aberlin Jörg errichtet.

Tourismus

Seiner Assoziation mit Schiller wegen kann Marbach als einer der ältesten Touristenorte Deutschlands bezeichnet werden. Bereits im frühen 19. Jahrhundert kamen Besucher, um das Geburtshaus Schillers zu sehen. Vor allem die Schillerhöhe mit Museum und Denkmal wurde ab 1840 zum Ziel zahlreicher Besuchergruppen. Heute zieht neben den Schillerstätten die gut erhaltene Altstadt Touristen und Tagesausflügler an. 2005 wurden in Marbach 29.289 Gästeübernachtungen gezählt. In den warmen Jahreszeiten bietet die Tourist-Information jeden Sonntag eine Stadtführung an, im Winterhalbjahr jeden zweiten Sonntag, außerdem gibt es spezielle Führungen zu verschiedenen Themen.

Marbach ist Station an der Deutschen Fachwerkstraße, der Württembergischen Weinstraße und der Schwäbischen Dichterstraße. Die Neckar-Personenschifffahrt unterhält am Neckar unterhalb der Altstadt eine Anlegestelle. Marbach ist zudem Station an drei Landesradwegen, dem Neckartal-Radweg, dem Alb-Neckar-Radweg und dem Stromberg-Enztal-Radweg.

Die Gemeinden Marbach, Benningen, Murr, Steinheim, Großbottwar, Oberstenfeld und Beilstein betreiben seit 2003 die Tourismusgemeinschaft Marbach-Bottwartal mit Sitz in Marbach. Die Gesellschaft hat den Zweck, die Tourismus-Angebote der Region abzustimmen und sie gemeinsam touristisch zu vermarkten.

Museen

Auf der Schillerhöhe südlich der Altstadt befindet sich das Schiller-Nationalmuseum, das sich der neueren deutschen Literatur widmet. Mit diesem verbunden ist das Deutsche Literaturarchiv Marbach, das Nachlässe, Texte und Dokumente deutscher Schriftsteller von der Aufklärung bis zur Gegenwart sammelt. 2006 wurde das dem Archiv angeschlossene Literaturmuseum der Moderne eröffnet.

Das Geburtshaus Friedrich Schillers in der Niklastorstraße beherbergt eine Ausstellung über den Dichter; das Geburtshaus des Mathematikers Tobias Mayer in der Torgasse zeigt eine Ausstellung über diesen. Weitere Ausstellungen sind in der Olmühle Jäger in der Oberen Holdergasse sowie im Oberen Torturm untergebracht.

Im Ortsteil Rielingshausen besteht seit 1994 das Heimat- und Weinbaumuseum in der Kelter.

Ein kleineres Museum (Leitung Prof. Hüttermann) zeigt die Vermessung der Welt.

Sport

In Marbach und Rielingshausen existiert eine größere Anzahl von Sportvereinen, in denen alle gängigen Sportarten ausgeübt werden. Der FC Marbach und die HSG Marbach-Rielingshausen spielen Fußball bzw. Handball auf Bezirksebene. Eine Anzahl weiterer Mannschaftssportarten werden vom TV Marbach ausgeübt. Zeitweilig spielte die Basketballabteilung des TVM in der 2. Bundesliga. Auch ein Tennisverein, ein Schwimmverein u.v.m. existieren.

Durch die Lage am Neckar ist es in Marbach möglich, Ruder- und Kanusport zu betreiben; hierzu bestehen der Marbacher Ruderverein und der Kanuclub Marbach. Ersterer war in der Vergangenheit mit Meistertiteln auf Bundes- und Landesebene erfolgreich.

Regelmäßige Veranstaltungen

Im zweijährigen Rhythmus richten Stadt und Vereine immer Ende Juni das zweitägige Bürgerfest in der Innenstadt aus (2009 zum Schillerjahr, 2011, ...). In den Jahren dazwischen findet das Bürgerfest im Stadtteil Rielingshausen statt und es gibt Anfang September das Holdergassenfest in der Marbacher Altstadt. Am ersten Septemberwochenende des Jahres veranstaltet die Weingärtnergenossenschaft das Kelterfest. Um den 10. November herum finden alljährlich die Schillerwochen statt, die mit zahlreichen kulturellen Veranstaltungen an den großen Sohn der Stadt erinnern. Auch ein Weihnachtsmarkt wird jedes Jahr am zweiten Adventssonntag abgehalten.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Marbach liegt abseits der großen Verkehrswege der Region, die entlang der Linie Stuttgart–Ludwigsburg–Heilbronn laufen, und weist daher nur nachrangige Verbindungen auf.

Marbach liegt an der Bahnstrecke Backnang–Ludwigsburg, und der Bahnhof Marbach ist Endpunkt der Linie S4 (aus Stuttgart-Schwabstraße) im Stuttgarter S-Bahn-Netz, die eine direkte Verbindung mit Ludwigsburg und Stuttgart herstellt, wobei die Fahrzeit bis Stuttgart Hbf 29 Minuten beträgt (27 Minuten in umgekehrter Richtung). Die S-Bahn verkehrt jede halbe Stunde, zu Stoßzeiten sogar im Viertelstundentakt.

Die nach Osten weiterführende Bahnstrecke wird durch die Regionalbahnlinie R31 bedient, die werktags stündlich verkehrt und Backnang in 15 Minuten erreicht. Entlang dieser Strecke, die auch dem Güterverkehr dient, befindet sich die Haltestelle Erdmannhausen-Rielingshausen, die jedoch gut drei Kilometer vom Marbacher Ortsteil Rielingshausen entfernt ist. Eine Einbeziehung dieser Strecke in das S-Bahn-Netz ist geplant, erfordert aber umfangreiche Ausbauarbeiten.

Bis 1968 war Marbach Endbahnhof der schmalspurigen Bottwartalbahn, welche über Beilstein nach Heilbronn Süd führte.

Buslinien des VVS verbinden Marbach mit den umliegenden Orten (einschließlich Rielingshausen) und reichen bis nach Ludwigsburg, Beilstein, Backnang und Winnenden. Der Ortsteil Siegelhausen ist nicht an das Busliniennetz angeschlossen.

Direkt gegenüber der Altstadt gibt es eine Fußgängerbrücke nach Benningen, die auch Anschluss an den links des Neckars befindlichen Radweg nach Ludwigsburg herstellt.

Mit den Nachbarorten ist Marbach durch Landes- und Kreisstraßen verbunden. Nächstgelegene Autobahn ist die A 81, deren Anschlussstelle Pleidelsheim etwa fünf Kilometer entfernt liegt. Wichtigste Straße für Marbach ist die L 1100, die im Neckartal in Richtung Ludwigsburg und im Norden das Bottwartal hinauf führt. Die L 1124 führt über Rielingshausen nach Backnang, die L 1127 über Affalterbach nach Winnenden. Kleinere Straßen führen von Marbach nach Poppenweiler und Erdmannhausen, von Rielingshausen durch den Hartwald nach Kleinaspach. Siegelhausen liegt abseits der Kreisstraße zwischen Affalterbach und Hochdorf; ein Wirtschaftsweg verbindet den Ort zusätzlich mit Bittenfeld. Eine Straßenbrücke über den Neckar existiert bei Marbach nicht; der nächstgelegene Übergang für den Straßenverkehr liegt anderthalb Kilometer entfernt bei Benningen.

Das heutige Straßennetz ist das Ergebnis einer historischen Entwicklung. Im Mittelalter führten alle überörtlichen Verbindungswege durch die heute verkehrsberuhigte Altstadt. Vom Unteren Tor führten Wege nach Murr und Benningen (heutige Bottwartalstraße) sowie nach Steinheim (heute Am Alten Markt), vom Oberen Tor aus nach Rielingshausen, Erdmannhausen, Affalterbach und Poppenweiler. Die Straße nach Rielingshausen wurde als Salzstraße bezeichnet, da sie weiter nach Schwäbisch Hall führte. Sie passiert noch heute die Murr auf der sogenannten Schweißbrücke, zu deren Unterhalt die Amtsstadt Marbach im Mittelalter verpflichtet war. Der Weg nach Poppenweiler stellte im Mittelalter die Hauptverbindung in Richtung Stuttgart dar. Erst nach dem Entstehen Ludwigsburgs und dem Bau der Neckarweihinger Brücke entstand 1724 die Ludwigsburger Straße vom Neckartor hinunter ins Flusstal nach Neckarweihingen. 1873 entstand die Grabenstraße südlich der Altstadt, 1889 die Schillerstraße als Verbindung vom Unteren Tor zum Bahnhof. Die unterhalb der Altstadt am Neckar verlaufende Umgehungsstraße entstand erst 1954 nach der Neckarkanalisierung.

Behörden, Gerichte, Einrichtungen

Marbach ist als Unterzentrum ausgewiesen. Es ist Sitz eines Gemeindeverwaltungsverbands, der Marbach, Affalterbach, Erdmannhausen und Benningen umfasst.

In Marbach gibt es ein Amtsgericht, das zum Landgerichtsbezirk Heilbronn und Oberlandesgerichtsbezirk Stuttgart gehört.

Auf dem Hang nördlich gegenüber der Altstadt befindet sich ein Krankenhaus mit ca. 100 Betten. Dieses ist eines von fünf Krankenhäusern im Landkreis, die von der teilweise in Kreisträgerschaft befindlichen Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH betrieben werden. Der heutige Bau wurde 1908 eingeweiht, nachdem es zuvor ein kleineres Hospital in der Wildermuthstraße gegeben hatte.

In Marbach und Rielingshausen besteht je eine Grundschule, in Marbach darüber hinaus eine Förderschule (Uhlandschule). Im Schulzentrum im Süden der Stadt befinden sich eine Hauptschule (Tobias-Mayer-Schule), die Anne-Frank-Realschule sowie das Friedrich-Schiller-Gymnasium, welches zu den Preisträgern des Deutschen Schulpreises 2007 gehört. Insgesamt werden in diesen Lehranstalten etwa 3.800 Schüler unterrichtet (Stand 2005). In direkter Nachbarschaft der Schulen liegt auch das im März 1998 eingeweihte städtische Jugend-Kultur-Haus planet-x.

Die Stadt ist an der Musikschule Marbach-Bottwartal beteiligt, deren Sitz allerdings in Steinheim an der Murr ist. Die Schiller-Volkshochschule Ludwigsburg hat eine Außenstelle in Marbach. Außerdem gibt es ein Stadtarchiv sowie eine Stadtbücherei mit Zweigstelle in Rielingshausen.

Medien

In Marbach erscheint als Tageszeitung die Marbacher Zeitung/Bottwartal Bote. Hauptgesellschafter der Zeitung sind seit 2003 die Stuttgarter Nachrichten, die auch den überregionalen Anteil der Zeitung produzieren. Der Lokalteil des Blatts wird hingegen in Kooperation mit der Ludwigsburger Redaktion der Stuttgarter Zeitung erstellt und erscheint zugleich in der Marbacher Ausgabe der Stuttgarter Zeitung. Der Lokalteil ist auch Amtsblatt der Stadt Marbach und Mitteilungsblatt des Landkreises Ludwigsburg. Marbach liegt außerdem im Verbreitungsgebiet der Ludwigsburger Kreiszeitung, die ebenfalls über das örtliche Geschehen berichtet.

Die Marbacher Zeitung erschien erstmals 1845, wobei sie bis 1924 den Namen Der Postillon trug. Auf Anweisung des nationalsozialistischen Regimes wurde sie mit den anderen Zeitungen im Kreis Marbach, dem Bottwartalboten und dem Schozachtäler, zusammengeschlossen und 1936/37 in NS-Kreiszeitung umbenannt, was jedoch wegen der Aufgabe des Kreissitzes wieder rückgängig gemacht wurde. 1941 musste die Zeitung ihren Betrieb kriegsbedingt einstellen und konnte diesen 1949 wieder aufnehmen.

Wirtschaft

In Marbach gibt es (Stand 2004) ca. 5.400 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, von denen jedoch etwa 80 % außerhalb Marbachs arbeiten. Zugleich gibt es etwa 2.000 Einpendler, so dass es in Marbach etwa 2.900 Arbeitsplätze gibt. Von diesen zählen 62 % zum Dienstleistungsbereich, 33 % zum produzierenden Gewerbe. Zu einem regelrechten Industriestandort konnte sich Marbach nicht entwickeln, es dominieren Betriebe des Mittelstands. Tradition haben Holzverarbeitung, Möbel- und Lederindustrie. Viele Gewerbebetriebe sind entlang der Bahnlinie im Osten der Kernstadt angesiedelt. Jüngeren Datums ist das Gewerbegebiet beim Kraftwerksgelände.

Größere Betriebe am Ort sind u.a. die BBP Kunststoffwerk Marbach Baier GmbH, ein Unternehmen mit Sitz in Marbach, das in der Kunststoff-Verarbeitung tätig ist und 500 Mitarbeiter an verschiedenen Standorten beschäftigt, sowie der Werkzeughersteller Hainbuch GmbH. Im neuen Gewerbegebiet beim Kraftwerksgelände produziert ein Tochterunternehmen der Würth-Gruppe in einer Pilotlinie Photovoltaikzellen, jedoch sollen mit der Inbetriebnahme eines neuen Werks bei Schwäbisch Hall im Herbst 2006 die Produktionsanlagen dorthin verlegt werden. Am Ausgang des Weidenbachtals an der Straße nach Kirchberg an der Murr befindet sich ein größerer Steinbruch.

Kraftwerk Marbach

Zweieinhalb Kilometer stromaufwärts von Marbach befindet sich ein Gewerbegelände, der sogenannte Energie- und Technologiepark Marbach am Neckar, kurz Powerpark genannt. Auf diesem Gelände befinden sich insgesamt drei Kraftwerke, die einst größter Arbeitgeber in Marbach waren:

Nach den 1998 erfolgten Stilllegungen wurde auf dem Kraftwerksgelände ein 17 Hektar großer Gewerbepark eingerichtet, auf dem sich verschiedene Betriebe angesiedelt haben. Der Versuch, ein Brennstoffzellen-Kraftwerk anzusiedeln, scheiterte jedoch.

Das erste Marbacher Kraftwerk wurde 1900 im ehemaligen Mühlenviertel unterhalb der Altstadt erbaut. Errichtet wurde es durch die Stadt Stuttgart, die hier Strom erzeugte; erst ab 1906 erhielt auch Marbach selbst Strom daraus. Dieses Laufwasserkraftwerk bezog sein Wasser aus dem damals noch existierenden Mühlkanal, war mit vier Francis-Turbinen ausgestattet und lieferte 800 kW Leistung. Durch Verlegung des Neckars im Jahre 1938 wurde diesem Kraftwerk die Grundlage entzogen, so dass es am 1. Oktober 1938 stillgelegt wurde. Das Kraftwerksgebäude existiert noch heute, im Bett des ehemaligen Mühlkanals verläuft heute die Umgehungsstraße.

Landwirtschaft und Weinbau

Die Landwirtschaftsfläche beträgt im Marbacher Stadtgebiet 1.029 Hektar und damit 57 % der Markungsfläche (Stand 2005). Von diesen sind 694 ha Ackerland, 142 ha Dauergrünland, 51 ha Obstanlagen und 34 ha Rebland.

Der Weinbau wird durch zwei Genossenschaften koordiniert. Die Weinbaugenossenschaft Marbach und Umgebung eG hat etwa 300 Mitglieder in Marbach sowie den umliegenden Orten Affalterbach, Beihingen, Benningen, Erdmannhausen, Hoheneck, Murr, Neckarweihingen und Poppenweiler. Die Anbaufläche der Genossenschaft beträgt 74 ha, von denen 70 % mit Trollinger-Reben bebaut sind. Die Weingärtner im Ortsteil Rielingshausen sind hingegen in der Weingärtnergenossenschaft Unteres Murrtal eG organisiert, zu der auch Kirchberg an der Murr und Steinheim an der Murr gehören. Die 100 Mitglieder bebauen rund 31 ha Rebfläche, davon 80 % Rotweinsorten.

Historisch gesehen haben Landwirtschaft und Weinbau in Marbach und seinen Ortsteilen eine lange Tradition. Marbach war bis ins 19. Jahrhundert eine Ackerbürgerstadt, Rielingshausen und Siegelhausen überwiegend bäuerlich geprägt. Ackerbau wurde nach dem Prinzip der Dreifelderwirtschaft betrieben, wobei das Ackerland in drei so genannte Zelgen aufgeteilt war.

1304 wurden erstmals Weinberge auf Marbacher Markung erwähnt; schon die Pflanze, die im ersten erhaltenen Stadtsiegel von 1301 zu sehen ist, stellt wahrscheinlich eine Rebe dar. In späteren Zeiten zogen sich die Weinberge an den Hängen von Neckar, Murr, Strenzelbach und Eichgraben entlang. Im Jahr 1726 wurden in Marbach 1675 Morgen Äcker, 392 Morgen Weinberge und 183 Morgen Wiesen aufgeführt.

Als die Stadt Ende des 19. Jahrhunderts über ihre mittelalterlichen Grenzen hinauswuchs, wurden die landwirtschaftlichen Betriebe aus dem Stadtkern in das Umland ausgesiedelt. Die Weinfläche, die 1872 noch 68 Hektar betrug, nahm zunächst durch Reblaus-Befall, dann durch Missernten und schließlich durch die Einberufung vieler Weingärtner in den Ersten Weltkrieg drastisch auf 16 ha ab und erreichte im Zweiten Weltkrieg mit nur 9 ha einen Tiefstand. Durch den Konzentrationsprozess in der Landwirtschaft, der nach dem Zweiten Weltkrieg eintrat, verlor diese als Beschäftigungszweig an Bedeutung.

Der Landwirtschaftliche Bezirksverein Marbach, der später im heutigen Kreisbauernverband Ludwigsburg aufging, wurde im Jahr 1839 gegründet. 1895 entstand ein Weinbauverein, 1950 die heutige Weinbaugenossenschaft. Die heutige Kelter am südlichen Stadtrand entstand 1970.

Die landwirtschaftliche Entwicklung in Rielingshausen verlief ähnlich der in Marbach. 1769 gab es 825 Morgen Äcker, 176 Morgen Wiesen und 145 Morgen Weinberge. Zwischen 1880 und 1920 ging auch hier der Weinbau zurück, 1934 waren es noch 19 Hektar. Die Weingärtnergenossenschaft wurde 1951 gegründet; die Aussiedlung landwirtschaftlicher Betriebe fand in den 1960er Jahren statt. Die 1350 erstmals erwähnte Kelter, die seit jeher nördlich etwas außerhalb des Ortskerns stand, wurde Anfang der 1990er Jahre renoviert und beherbergt seitdem ein Heimatmuseum.

Siegelhausen ist bis heute ein landwirtschaftlich geprägter Weiler geblieben. Bis ins 19. Jahrhundert gab es auch hier eine Kelter und Weinbau.

Marbach und der Neckar

Die Lage am Neckar in der Nähe der Murrmündung war für Marbachs Verkehrsgeographie und Entstehungsgeschichte von großer Bedeutung. In römischer Zeit waren es diese Faktoren, die zur Anlage des Kastells bei Benningen und der Brücke über den Neckar führten. Jene Brücke trug Jahrhunderte später zur Gründung Marbachs bei (siehe Abschnitt Geschichte). An der Murrmündung befand sich in römischer Zeit eine Schiffsanlegestelle.

Blick auf Marbach von der anderen Neckarseite. Links der Altstadt ist der Einschnitt des Strenzelbachtals zu erkennen.

Die römerzeitliche Brücke verfiel vermutlich im 9. oder 10. Jahrhundert und wurde nicht ersetzt. Der Verkehr zur anderen Neckarseite wurde im Mittelalter durch eine Fähre aufrechterhalten. Ab dem 16. Jahrhundert gab es zusätzlich eine Neckarbrücke weiter flussabwärts bei Benningen, die von Marbach aus nur durch einen Umweg über das Dorf Murr zu erreichen war.

Die Schifffahrt auf dem Neckar hatte im Mittelalter für Marbach kaum Bedeutung, stattdessen nutzte die Stadt die Wasserkraft zum Betrieb einer Getreidemühle, die unterhalb der Altstadt stand und 1377 erstmals erwähnt wurde. Um diese Mühle betreiben zu können, wurde der Neckar in Höhe des Eichgrabens durch ein Wehr aufgestaut und ein Mühlkanal abgezweigt, dessen Verlauf in etwa der heutigen Umgehungsstraße entsprach. Zwischen dem Wehr und der Einmündung des Strenzelbachs lagen drei Inseln (Fischerwörth, Große Stadtwörth und Mühlwörth), die Kanal und Fluss trennten und auch für Weidezwecke benutzt wurden.

Weitere wirtschaftliche Bedeutung hatte der Fluss durch die Flößerei auf der Murr, deren Rechte die Stadt Mitte des 16. Jahrhunderts erwarb. Das Holz wurde flussabwärts in Richtung Heilbronn geflößt, später auch als Bau- und Heizmaterial nach Ludwigsburg geschickt. Mit dem Bau der Murrbahn im späten 19. Jahrhundert fand die Flößerei ein Ende. Kleinere Bedeutung hatte die Fischerei, die auf Neckar und Murr bis ins 19. Jahrhundert betrieben wurde.

Im Jahr 1847 wurde eine Brücke über den Unterlauf der Murr gebaut, um den Weg zur Benninger Brücke abzukürzen. Dadurch verlor die Marbacher Fähre an Bedeutung und stellte den Betrieb ein. Von 1877 bis 1879 entstand bei Marbach selbst wieder eine Brücke über den Neckar, jedoch für die Eisenbahn. Das Marbacher Neckarviadukt überquert den Fluss in 28 Metern Höhe und ist 355 Meter lang.

Im 19. Jahrhundert wurden noch weitere Mühlen am Neckar errichtet, so eine Sägmühle, eine Ölmühle und eine Farbholzmühle. Ab 1891 kaufte die Stadt Stuttgart die Marbacher Wasserrechte und die Mühlen auf. Diese wurden abgerissen und an ihrer Stelle das erste Marbacher Wasserkraftwerk gebaut (siehe Abschnitt Kraftwerk Marbach).

In den 1930er Jahren wurde die Schiffbarmachung des Neckars in Angriff genommen. Im Zuge dessen wurde 1938 das Wehr aufgegeben und der Mühlkanal zugeschüttet, wodurch die Inseln zu Festland wurden. Außerdem begann der Bau eines neuen Kraftwerks sowie einer Schleuse weiter flussaufwärts, wobei für den Schleusenkanal eine neue, weiter südlich gelegene Neckarinsel entstand. Infolge des Zweiten Weltkriegs konnten Kraftwerk und Schleuse erst in den 1950ern fertiggestellt werden; die Schifffahrtsstraße wurde im Marbacher Abschnitt 1955 eröffnet. 1954 wurde im Verlauf des alten Mühlkanals die Umgehungsstraße gebaut, nachdem der Durchgangsverkehr in Nord-Süd-Richtung vorher durch die Altstadt verlaufen war.

Da am Ende des Zweiten Weltkriegs das Marbacher Eisenbahnviadukt gesprengt worden war, mussten die auswärts arbeitenden Marbacher täglich zum Eisenbahn-Haltepunkt in Benningen und abends wieder zurück laufen. Um den Weg zu verkürzen, wurde ein Fußgängersteg über den Neckar errichtet, der noch heute besteht. Das Viadukt selbst wurde im November 1947 wieder für den Verkehr freigegeben.

Die Breite des Neckars variiert bei Marbach zwischen 40 Metern (am Fußgängersteg) und ca. 100 Metern (in der Nähe der Schleuse).

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Folgende Personen erhielten durch die Stadt Marbach am Neckar zu Lebzeiten das Ehrenbürgerrecht:

Söhne und Töchter der Stadt

Sonstige mit der Stadt in Verbindung stehende Persönlichkeiten

Sonstiges

Der 1905 entdeckte Asteroid Marbachia wurde nach der Stadt Marbach am Neckar benannt.

Literatur

 Commons: Marbach am Neckar – Bilder, Videos und Audiodateien
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