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WAZ-Mediengruppe

Die WAZ-Mediengruppe mit Firmensitz in Essen ist mit Beteiligungen an Zeitungen, Anzeigenblättern und Zeitschriften in insgesamt neun europäischen Ländern und einem Gesamtangebot von über 500 Titeln das drittgrößte Verlagshaus Deutschlands und einer der größten Regionalzeitungsverlage Europas. Die Gruppe verlegt im In- und Ausland 38 Tageszeitungen, 108 Publikums- und Fachzeitschriften, 133 Anzeigenblätter und 250 Kundenzeitschriften. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen über Standbeine im Druck-, Rundfunk- und Internetgeschäft. Die WAZ-Mediengruppe veröffentlicht keine Geschäftszahlen, gilt aber in der Branche als eines der renditestärksten Medienunternehmen Deutschlands.


Inhaltsverzeichnis

Medien im Inland

Zeitungen

Durch Aufkauf kleinerer Konkurrenztitel im ursprünglichen Verbreitungsgebiet hat sich die WAZ bereits in den 1970er Jahren eine lukrative wirtschaftliche Monopolstellung in vielen Städten des Ruhrgebiets gesichert. Durch journalistisch unabhängige Weiterführung der aufgekauften Zeitungen hielt der Konzern gleichzeitig die publizistische Vielfalt weitgehend aufrecht; ein Konzept, das als „WAZ-Modell“ bekannt und inzwischen in vielen anderen Regionen nachgeahmt wurde.

In Nordrhein-Westfalen gehören zur WAZ-Gruppe neben der Stammzeitung Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) die Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (NRZ), die Westfalenpost (WP) und die Westfälische Rundschau (WR). Im größten Teil des Verbreitungsgebiets erscheinen je zwei dieser Tageszeitungen parallel. In diesen Fällen sind die Anzeigen identisch, da die Titel als wirtschaftliche Einheit vermarktet werden. Weiterhin ist die WAZ am Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung (IKZ) als Minderheitseigentümer beteiligt. Im Kerngebiet Essen besitzt die WAZ ferner zwei wöchentlich erscheinende, lokale Kaufzeitungen: die Borbecker Nachrichten und die Werdener Nachrichten. Zusammen haben diese Zeitungen eine verkaufte Auflage von 956.474 Zeitungen.[1]

Außerdem besitzt die WAZ drei Regionalzeitungen in Thüringen, nämlich die Thüringer Allgemeine, die Ostthüringer Zeitung und die Thüringische Landeszeitung, und verfügt in deren Verbreitungsgebiet über ein Monopol. Auch in Thüringen werden je Erscheinungsgebiet zwei Zeitungen mit identischen Anzeigen parallel geführt.

Von der Verlegerfamilie Voigt hat die WAZ-Gruppe bereits 75% am Braunschweiger Zeitungsverlag („Braunschweiger Zeitung“) erworben. Kurz darauf hat der Essener Verlag die restlichen 25% von der Nord/LB Girozentrale übernommen. Der Kaufpreis soll nach Medienberichten 210 Millionen Euro betragen.

Zeitschriften

Die Publikumszeitschriften des Konzerns sind im Gong Verlag und im Westdeutschen Zeitschriften-Verlag (WZV) organisiert. Die Gesamtauflage aller Titel beträgt an die 5 Millionen Exemplare wöchentlich. Die bekanntesten sind Gong, Bild + Funk, Die Aktuelle, Das goldene Blatt, Echo der Frau und Ein Herz für Tiere.

Im Reiner H. Nitschke Verlag, dem Verlag für Technik und Handwerk (VTH) und der Verlagsgruppe Bahn GmbH (VGB) gibt die WAZ-Gruppe eine breite Palette von Fachzeitschriften heraus. Mitte März 2008 erwarb die WAZ-Gruppe vom Verlag Gruner + Jahr die Frauenzeitschrift Frau im Spiegel. [2]

Fernsehen

Die Beteiligung am Fernsehsender RTL wurde 2005 an Bertelsmann verkauft. Im Juni 2008 übernahm die WAZ-Gruppe 24,9 % der Anteile am Fernsehsender nrw.tv.[3]

Hörfunk

Die WAZ-Gruppe besitzt Beteiligungen an den Lokalradios Antenne Ruhr (75%), Radio Essen (75%), Radio Hagen (75%), Radio Herne 90acht (75 %), Radio Sauerland (75%) und 10 weiteren Sendern.[4]

Online-Medien

2003 gründete die WAZ-Mediengruppe gemeinsam mit der Verlagsgruppe Holtzbrinck und der Ippen Verlagsgruppe die ISA GmbH & Co. KG. Dieses Unternehmen ist auf Anzeigenportale im Internet spezialisiert und betreibt unter anderem die Portale immowelt.de, stellenanzeigen.de, markt.de und trauer.de.

Ebenfalls ist die WAZ-Gruppe im Internet aktiv, hier konnte sie die deutsche Bloggerin Katharina Borchert (Lyssa, Pseud.), für sich gewinnen und startete am 29. Oktober 2007 mit dem Internetportal www.derwesten.de ein regionales Internetportal, indem sich die Zeitungen des Verlages auf einer Internetseite vereinen. Außerdem ist das Portal durch die sogenannte Community für den Nutzer „interaktiv“ geworden, da er hier, ähnlich wie bei myspace, sein eigenes Profil anlegen und sein Freundesnetzwerk aufbauen und erweitern kann.

Buchverlag

Im Oktober 2007 ist der Konzern auch ins Buchgeschäft eingestiegen und hat den Essener Klartext Verlag gekauft. Der Klartext Verlag ist seit Jahren Partner des Konzerns und vertreibt Bücher mit regionalen Themen.

Medien im Ausland

Anfang der 1990er-Jahre engagierte sich die Gruppe erstmals auf dem osteuropäischen Markt und besitzt heute mehrere Print-Beteiligungen in Ungarn, Bulgarien,[5] Kroatien (siehe Europapress Holding), Rumänien, Serbien, Montenegro und Mazedonien. Zudem hält die WAZ-Mediengruppe in Österreich Anteile am Boulevardblatt Kronen Zeitung sowie am Kurier.

Ende 2007 gab der Konzern den Kauf der russischen Regionalzeitung „Sloboda“ bekannt und bezeichnete ihn als „Startpunkt für weitere Engagements“.

Eigentümer

Gründer der WAZ waren der Sozialdemokrat Erich Brost und der Konservative Jakob Funke. Beide verfügten über jeweils 50 Prozent der Gesellschaftsanteile. Die WAZ-Mediengruppe gehört noch heute hälftig den beiden Gründerfamilien Brost und Funke, gebündelt in zwei Verwaltungsgesellschaften. Allerdings sind deren Anteile nach dem Tod der beiden Gründer auf eine Reihe von Erben aufgeteilt worden.

60 Prozent der Brost Verwaltungs-GmbH gehören Brosts Witwe Anneliese. 40 Prozent sind zuerst auf den von Brost 1985 adoptierten langjährigen Geschäftsführer Erich Schumann übergegangen, nach dessen Tod auf Brosts Enkel.

Die Anteile der Funke-Familiengesellschaft wurden zu je einem Drittel auf die Funke-Töchter Petra Grotkamp, Gisela Holthoff und Renate Schubries aufgeteilt. Funkes vierte Tochter Ute hat sich 1989 auszahlen lassen. Petra Grotkamp ist die Ehefrau des anderen langjährigen Geschäftsführers Günther Grotkamp. Sprecher der Funke-Gruppe ist der von Gisela Holthoff adoptierte Stephan Holthoff-Pförtner, bundesweit bekannt geworden als Anwalt von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl in der CDU-Spendenaffäre.[6]

Innerhalb der Funke-Gruppe gibt es einen bereits mehrere Jahre dauernden Familienstreit um die Eigentumsverhältnisse und Stimmrechte. Petra Grotkamp hat ihre Schwestern verklagt, um sicherzustellen, dass die Gesellschafteranteile in der Funke-Familiengesellschaft gebündelt bleiben und nicht an die Erben von Erich Brost verkauft werden.

Ebenfalls Streit zwischen den Gesellschaftern gab es um die Ausschüttung des hohen Erlöses aus dem Verkauf der RTL-Beteiligung.[7]

Geschäftsführung

Alleiniger Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe ist derzeit Bodo Hombach, der 2002 von der Brost-Familie eingestellt wurde. Im Jahr 2008 wird als zweiter Geschäftsführer Christian Nienhaus für die Funke-Familie hinzukommen.[8] Zum Jahresende 2007 wurde als zweite Führungsebene eine neunköpfige Geschäftsleitung eingerichtet, die mit aufgeteilten Verantwortungsbereichen dem Vorstand von Aktiengesellschaften ähnelt.[9]

Die neue Führungsstruktur unterscheidet sich erheblich von der traditionellen Unternehmensleitung des Konzerns, in der bis zu vier Geschäftsführer, die hälftig von den beiden Eigentümerfamilien nominiert wurden, gemeinsam alle wichtigen Entscheidungen trafen. Die Expansion zu einem internationalen Medienkonzern wurde von dem jahrzehntelang amtierenden, in der Medienbranche sehr bekannten Geschäftsführer-Duo Günther Grotkamp, Bevollmächtigter der Funke-Familie, sowie Erich Schumann, Bevollmächtigter der Brost-Familie, geleitet.[10]

Auseinandersetzungen in Österreich

Seit der Beteiligung an der österreichischen Kronen Zeitung kam es mehrfach zu Streitigkeiten zwischen der WAZ-Gruppe und dem vormaligen Alleineigentümer Hans Dichand, denen je die Hälfte des Blatts gehört. Anlässlich der Ernennung seines Sohns Christoph Dichand durch den in Österreich umstrittenen Altverleger im Jahr 2001 ohne Einverständnis des Partners kam es zum offenen Bruch. Die WAZ wehrte sich gegen diese Entscheidung und setzte mit Michael Kuhn einen zweiten Chefredakteur durch,[11] den Dichand nach weiteren Auseinandersetzung schließlich 2006 im Alleingang fristlos kündigte. Seitdem versuchen beide Seiten, ihre Vorstellungen von der Leitung des Verlags und der Zeitung vor Gericht durchzusetzen; aufgrund der gesellschaftsrechtlichen Pattsituation aber bislang ohne nachhaltigen Erfolg.[12]

Im Rahmen dieser Auseinandersatzung warf Dichands anderer Sohn Michael der WAZ-Gruppe vor, in Kroatien mit der „organisierten Wirtschaftskriminalität“ zusammenzuarbeiten und den Versuch der „Monopolisierung“ und „Teutonisierung“ des kroatischen Zeitungsmarktes zu unternehmen. Die WAZ ging erfolgreich gerichtlich gegen diese Vorwürfe vor.

Michael Dichand griff außerdem den Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe, Bodo Hombach, persönlich an mit dem Vorwurf, dieser habe „sich ein Häuschen vom Energiekonzern Veba (...) finanzieren lassen, also von der Atomlobby“. Dagegen setzte sich Hombach ebenfalls mit einer Klage zur Wehr. Das Landgericht Hamburg untersagte im Juli 2007 diese und weitere Äußerungen ausdrücklich, weil Dichand seine Behauptungen vor Gericht nicht beweisen konnte.[13] Das Oberlandesgericht Hamburg hat die von Dichand eingelegte Berufung Anfang Januar 2008 zurückgewiesen. [14]

Quellen

  1. http://daten.ivw.eu/
  2. [1]Pressemitteilung WAZ vom 19.03.2008
  3. WAZ-Mediengruppe steigt bei NRW.TV ein
  4. KEK: Medienkonzentration
  5. Medienlandschaft in Bulgarien: Mehr Möglichkeiten, neue Probleme, Deutsche Welle, 22. März 2007
  6. Im Westen was Neues - Ein Tanker steuert um, turi2.de für Medienmacher, Blog von Peter Turi, 16. Januar 2006
  7. Los, Kohle her!, Manager-Magazin, Ausgabe 4/2006
  8. Neue Gesprächigkeit - WAZ wird öffentlich, Die Tageszeitung, 16. Dezember 2007
  9. WAZ Mediengruppe setzt auf modernere Führungsstruktur, Pressemitteilung der WAZ-Mediengruppe, 14. Dezember 2007
  10. WAZ - Phantom von der Ruhr, Financial Times Deutschland, 2. September 2002
  11. Die Dichands- Krieg um die Krone, Falter, 5. November 2003
  12. Um Kopf und Krone - Hans Dichands unerbittlicher Zeitungskrieg, Die Zeit, 9. Februar 2006
  13. Gerichtsurteil: Hombachs Triumph, Der Tagesspiegel, 20. August 2007
  14. [2],Welt am Sonntag (Online) Menschen & Medien (Letzter Absatz)