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Wappen der Slowakei

Das slowakische Staatswappen zeigt in rot ein silbernes Patriarchenkreuz, aus einem blauen Dreiberg ragend (Blasonierung).

Inhaltsverzeichnis

Bestandteile

Doppelkreuz

Das Doppelkreuz im slowakischen Staatswappen hat seinen Ursprung im byzantinischen (oströmischen) Reich. Dort ist dieses Symbol im 9. Jahrhundert massenweise aufgetaucht. Während die Symbolik des einfachen christlichen Kreuzes recht eindeutig ist, gibt es für die Bedeutung des Doppelkreuzes sehr viele Erklärungen. Eine davon besagt, dass der eine horizontale Arm für die weltliche Macht und der zweite für die kirchliche Macht der byzantinischen Kaiser steht. Laut einer anderen Erklärung besteht das Doppelkreuz eigentlich aus zwei Kreuzen. Das erste Kreuz symbolisiert den Tod und das zweite Kreuz die Auferstehung in Christus. Im byzantinischen Reich handelte es sich aber damals nicht nur um eine religiöses, sondern auch um ein politisches Symbol, das von byzantinischen Beamten und Missionären verwendet wurde.

Spätestens durch die Mission von Kyrill und Method ist dieses Symbol noch im 9. Jahrhundert auf das Gebiet der heutigen Slowakei gelangt. Obwohl es in Großmähren häufig verwendet wurde, war es damals noch kein Staatsymbol, da es damals in Europa noch keine Staatssymbole im heutigen Sinne gab. Es ist aber möglich, dass es als Symbol des Königs (ähnlich wie der Adler bei den fränkischen Königen) eingesetzt wurde. Durch Zuentibolch (Herrscher von Lothringen, Sohn des deutschen Kaisers Arnulf von Kärnten und Patenkind des großmährischen Königs Sventopluk) ist dieses Symbol auch nach Lothringen gelangt und trägt dort den Namen "lothringisches Kreuz".

Das Symbol des Doppelkreuzes erscheint wieder ansatzweise auf den ersten Münzen, die Stephan, der erste König des Königreichs Ungarn, an einem unbekannten Ort prägen ließ. Bevor er König wurde, war Stephan Fürst des Neutraer Fürstentums (Slowakei) und lebte mit seiner bayerischen Braut Gisela im alten christlichen Zentrum Neutra. Am Anfang seiner Regierungszeit lebten sie wiederum in Pressburg, wo auch andere Münzen Stephans nachweislich geprägt wurden.

Der direkte Vorgänger des heutigen Wappens ist dann das Doppelkreuz, das von Béla, dem Fürsten des Neutraer Grenzherzogtums (1046–1060), der später ungarischer König (1061–1063) wurde, verwendet wurde. Béla I. war Mitglied des ungarischen Herrscherhauses der Árpáden und wurde nach dem Prager Bischof Adalbert benannt, der seinerzeit König Stephan taufte, den Cousin des Vaters von Béla. Béla führte in seinem Grenzherzogtum eine eigene Innen- und Außenpolitik. Der byzantinische Kaiser, im Streit mit dem ungarischen König, schickte Béla sogar eine fürstliche Krone nach Neutra. Béla ließ auch um 1050 in Neutra, der Hauptstadt seines Grenzherzogtums, eigene Münzen prägen, die von jenen des ungarischen Königs absichtlich abwichen und das Symbol des Doppelkreuzes trugen.

Erst hundert Jahre später, um 1189, wurde das Doppelkreuz im Zuge eines Kreuzzuges vom ungarischen König Béla III. verwendet. Diesmal bereits als Wappen, da ab dieser Zeit in Europa Wappen in Mode waren. Er hat das Symbol gewählt, weil es zum einen christlich war und zum anderen das älteste Symbol seines Königreichs war. Die Nachfolger Bélas haben jedoch interessanterweise nicht mehr das mit dem 1108 aufgelösten im Norden gelegenen Neutraer Grenzherzogtum verbundene Doppelkreuz als ihr Wappen verwendet, sondern das mit dem neueren am Ende des 11. Jahrhunderts gebildeten Grenzherzogtum in Kroatien und Dalmatien verbundene Streifensymbol (siehe zum Beispiel das heutige ungarische Wappen).

König Béla IV ist aber aus unbekannten Gründen wieder zum Symbol des Doppelkreuzes zurückgekehrt. Zu seiner Zeit wurde es auch – etwas abgewandelt – zum Symbol des Komitats Pressburg. Als 1262 das Königreich Ungarn vorübergehend in zwei Teile aufgeteilt wurde, wurde das Doppelkreuz als Symbol für den nordwestlichen Teil verwendet, dessen Kern sich in der heutigen Slowakei befand, und die Streifen für den anderen Teil des Königreichs.

Nach dem Mongoleneinfall von 1241/42 haben viele neu gegründete Städte im Königreich das Recht erhalten, das königliche Doppelkreuz als ihr Wappen zu verwenden. Die ersten, größten und meisten Städte des Königreichs befanden sich in dem von deutschen Siedlern und Bergbau geprägten und daher wirtschaftlich wohlhabendsten Teil des Königreichs – in der heutigen Slowakei. Wahrscheinlich auch durch diese Verwendung in den Stadtwappen ist das Doppelkreuz ab dem 15. Jahrhundert eindeutig zum Symbol des nördlichsten Teils des Königreichs geworden, jenes Teils, der seit dem 15. Jahrhundert auch als die Slowakei und seit etwa dem 18. Jahrhundert auch als Oberungarn bezeichnet wurde.

Drei Berge

Die drei Berge symbolisieren die drei Berge der nördlichen Königreichs Ungarn, nämlich Tatra, Fatra und Mátra. Diese Deutung ist nachweislich die älteste und häufigste. Sie stammt wohl noch aus dem 15. Jahrhundert, kann aber erst für das 16. Jahrhundert nachgewiesen werden.

Die drei Berge unterhalb des Doppelkreuzes wurden zum ersten Mal vom König Ladislaus V. von Ungarn, 1301–1305) aus dem tschechischen Geschlecht der Přemysliden verwendet. Da dieser König nur in Burgenland und der heutigen Slowakei anerkannt wurde, haben die drei Berge die bergige Slowakei symbolisiert.

Symbol der Slowaken

Spätestens seit dem 16. Jahrhundert haben die Slowaken das Doppelkreuz mit den drei Bergen auch als das Symbol ihrer Nation betrachtet. Dies äußerte sich vor allem während der Revolution von 1848/1849, als die Slowaken an Seiten Wiens gegen die Ungarn kämpften (siehe:Slowakischer Aufstand). Im August 1848 wurde zu diesem Zweck in Wien der Slowakische Nationalrat gegründet, auf dessen Siegel das heutige Staatswappen der Slowakei zum ersten Mal offiziell als das Nationalsymbol des slowakischen Volkes (statt nur das Symbol von Oberungarn) aufschien. Von da an wurde das Symbol häufig verwendet.

Bezüglich der Farben wurde 1848 (auf der slowakischen Flagge) die Farbe der drei Berge unterhalb des Doppelkreuzes in Blau geändert, damit sich insgesamt die drei "slawischen" Farben rot-weiß-blau ergeben.

1914 (offiziell 1920) wurde das slowakische Staatswappen Bestandteil des Staatswappens der Tschechoslowakei. 1939–1945 war es das Staatssymbol der Ersten Slowakischen Republik. 1945 wurde es wieder Teil des Wappens der Tschechoslowakei. 1960–1990 war das Symbol als das "Symbol des faschistischen slowakischen Staates" (1939-1945) offiziell verboten und wurde im Staatswappen der Tschechoslowakei durch das künstlich geschaffene Symbol des Berges Kriváň mit drei Flammen ersetzt. Die drei Flammen sollten den slowakischen Nationalaufstand von 1944 symbolisieren.

Nach der Samtenen Revolution wurde 1990 das heutige Staatswappen zum Wappen der Slowakischen Republik innerhalb der Tschechoslowakei erklärt und seit 1. Januar 1993 ist es das Staatswappen der Slowakei.

Bestandteil anderer Symbole

Hinsichtlich des Lothringer Kreuzes siehe oben.

Das Doppelkreuz aus dem heutigen slowakischen Staatswappen wurde im 13. Jahrhundert vom König Béla III. nachträglich zum Symbol des Heiligen Ladislaus (König Ladislaus I.) gemacht und im 14. Jahrhundert wurde es Bestandteil des Wappens des Geschlechts der Jagiellonen, da der König Wladislaw (Ladislaus) Jagiello bei seiner Taufe 1386 das (angebliche) Wappen des Heiligen Ladislaus annahm. Über die Jagiellonen gelangte es auch in das Wappen von Litauen.