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Kapellendorf

Wappen Deutschlandkarte

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Koordinaten: 50° 59′ N, 11° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Weimarer Land
Verwaltungsge-
meinschaft:
Mellingen
Höhe: 245 m ü. NN
Fläche: 5,36 km²
Einwohner: 447 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 83 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99510
Vorwahl: 036425
Kfz-Kennzeichen: AP
Gemeindeschlüssel: 16 0 71 037
Adresse der Verbandsverwaltung: Karl-Alexander-Str. 134a
99441 Mellingen
Bürgermeister: Jürgen Elstermann

Kapellendorf ist eine Gemeinde im Landkreis Weimarer Land und Teil der Verwaltungsgemeinschaft Mellingen. Sie liegt ca. 12 km östlich von Weimar.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

siehe: Wasserburg Kapellendorf

Der Ort Capelladorf wird bereits 833 in den Schenkungsurkunden des Klosters Fulda erwähnt. Der Schenker war ein Graf Asis, – nicht 875 ein Graf Hessi, wie häufig noch unrichtig behauptet wird – ein außerordentlich mächtiger Mann in Thüringen, der sowohl eine vom König verliehene Grafschaft inne hatte als auch über umfangreichen Eigenbesitz wie in Kapellendorf frei verfügen konnte. Den Fuldaer Totenannalen zufolge, in den sein Name an prominenter Stelle eingetragen ist, starb Asis 837. Aus der historischen Überlieferung kann geschlossen werden, dass in Kapellendorf eine Kirche bestand, die möglicherweise bereits von den Vorfahren des Grafen Asis und seiner Brüder gegründet worden war, nicht aber, dass diese Familie auch selbst im Ort ansässig war – wie es die ältere Forschung stets annahm. Die Familie verfügte neben umfangreichen Besitz im Raum Weimar und Erfurt auch über Güter in Südthüringen und Franken, im Raum um Hildburghausen und Gotha.

Sehenswürdigkeiten

Wasserburg Kapellendorf

Die wichtigste und auch überregional bekannte Sehenswürdigkeit Kapellendorfs ist die "Wasserburg", die 1806 Sitz eines Teiles des preußischen Hauptquartiers vor und während der Schlacht von Jena und Auerstedt war.

Kirche in Kapellendorf

Kapellendorf verfügt über eine der ältesten bekannten Kirchen Thüringens. Eine erste Kirche hat an dieser Stelle bereits in der Zeit um 800 bestanden, nach ihr wurde der Ort benannt. Schon in früher Zeit kam die Kirche durch Schenkung an das Reichskloster Fulda. Im 12. Jahrhundert war die Pfarrkirche Lehensbesitz der Burggrafen von Kirchberg, die hier im Jahre 1235 ein Zisterzienserinnenkloster gründeten. Seit 1527, nach Aufhebung des Klosters im Zuge der Reformation, dient das Kapellendorfer Gotteshaus wieder allein als Gemeindepfarrkirche. Zahlreiche erhaltene Grabdenkmäler im Inneren zeugen von ihrer großen Bedeutung als Begräbnis- und Gedächtnisort in Spätmittelalter und früher Neuzeit. Zwischen 1977 und 1988 wurde die gesamte Kirche im Inneren einer weitgehenden Rekonstruktion und Umgestaltung unterzogen. Anbauten und Vermauerungen aus dem 16. Jh. an der Südseite wurden beseitigt und die Arkaden zu einem früher bestehenden Seitenschiff geöffnet und durch Fenster verglast. Alle Emporen bis auf die Orgelempore wurden entfernt, ebenso ein Kanzelaltar aus dem 18. Jahrhundert. Der gut erhaltene Kanzelkorb aus dem 16. Jahrhundert dient heute als Lesepult. Im Chorraum wurden Wandnischen freigelegt, die durch den Künstler Eberhard Heiland (†) ausgemalt wurden: mit einem Taufbild ("Philippus tauft den Kämmerer"), einem Abendmahlsbild ("Abendessen in Emmaus") und einem Totengedenken ("Christus der Weltenrichter"). Die gesamte Ausmalung und Ausgestaltung stand unter der Leitung des Weimarer Malers Horst Jährling. Heute gehört die Kirche zum Kirchspiel Kapellendorf.

Kapellendorf:
Das Kriegerdenkmal 1806
auf dem Sperlingsberg

Kriegerdenkmal – kein Bismarckturm

Am 13. Oktober 1907 wurde auf dem Sperlingsberg ein 12 m hoher Turm als Kriegerdenkmal für die im Jahre 1806 bei dem Gefecht am Sperlingsberg Gefallenen eingeweiht. Der Turm entstand nach einem Entwurf des Architekten Max Ehrhardt (Apolda), der als Vorbild wohl das preisgekrönte Bismarckturm-Modell von Wilhelm Kreis vor Augen hatte. Der Turm hat eine Höhe von 12 m und einen Grundriss von 5,5 x 5,5 m. Zuletzt fand im Jahre 1986 eine Sanierung des Turmes statt. Eine Gedenktafel am Turm erinnert an den gescheiterten Angriff des preußischen Generals Ernst von Rüchel in der Schlacht bei Jena am 14. Oktober 1806.

Thomas-Müntzer-Standbild

Am 27. Juni 1989 wurde das Standbild des revolutionären Theologen Thomas Müntzer auf dem Platz vor der Kirche und dem Evangelischen Gemeindezentrum enthüllt, das seit 1975 den Namen Thomas Müntzers trug. Es ist eine Auftragsarbeit des Weimarer Keramikers und Malers Eberhard Heiland, der auch die Wandnischen in der Bartholomäus-Kirche ausmalte. Auf dem Sockel der aus gebranntem Ton hergestellten Ideenplastik stehen die Worte, mit denen Müntzer einige seiner Briefe unterschrieben hat: Thomas Müntzer - ein williger Botenläufer Gottes.

Literatur

Olaf Jessen, 'Preußens Napoleon'? Ernst von Rüchel. 1754-1823. Krieg im Zeitalter der Vernunft, Paderborn u.a. 2006, ISBN 3-506-75699-0