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Malignes Lymphom

Klassifikation nach ICD-10
C81 Hodgkin-Krankheit
C82 Follikuläres (noduläres) Non-Hodgkin-Lymphom
C83 Diffuses Non-Hodgkin-Lymphom
C84 Periphere und kutane T-Zell-Lymphome
C85 Sonstige und nicht näher bezeichnete Typen des Non-Hodgkin-Lymphoms
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Die malignen Lymphome (früher auch Lymphosarkom) sind eine Gruppe von bösartigen Erkrankungen des lymphatischen Systems. Hierzu gehören Lymphknoten, Rachenmandeln (Tonsillen), Milz und Knochenmark. Aber auch andere Organe können befallen werden. Die Erkrankung beruht auf einer malignen Transformation von lymphatischen Zellen unterschiedlicher Reifungs- und Differenzierungsstufen. Je nachdem, welche Zellart betroffen ist, entstehen verschiedene Lymphomtypen, die sich in der Manifestation, dem Verlauf, der therapeutischen Beeinflussbarkeit und der Prognose unterscheiden. Traditionell wird zwischen dem Hodgkin-Lymphom und der heterogenen Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) unterschieden. Heutzutage verbindlich ist die Einteilung der malignen Lymphome durch die Weltgesundheitsorganisation. Diese unterscheidet neben der Ursprungszelle (B-Lymphozyt oder T-Lymphozyt)

  1. Indolente Lymphome (dolor = lat. Schmerz; low grade, gemeint ist damit: langsam wachsende Lymphome, die lange Zeit keine Beschwerden verursachen)
  2. Aggressive Lymphome (high grade, gemeint ist damit: schnell wachsende Lymphome, die rasch Beschwerden verursachen)
  3. Morbus Hodgkin.

Bei der Behandlung der malignen Lymphome spielt die Therapie mit Zytostatika (Chemotherapie) eine entscheidende Rolle, teilweise ergänzt durch die Strahlentherapie. Damit sind viele Lymphomerkrankungen gut behandelbar, ein Teil der Lymphome ist heute heilbar.

Aufgrund ihres Ursprunges aus dem lympathischen System ist ein Teil der malignen Lymphome auf Störungen des Immunsystems zurückzuführen. Mit steigender Anzahl von Organtransplantationen und der danach notwendigen Immunsuppression sowie Immundefizienzen bei HIV hat die Inzidenz (die Anzahl der Neuerkrankungen) der Lymphome zugenommen. Auch bei angeborenen Störungen des Immunsystems wie dem Wiskott-Aldrich-Syndrom oder der Severe combined immunodeficiency (SCID, englisch für „schwerwiegende kombinierte Imumundefizienz“) wird über gehäuftes Auftreten von Lymphomen berichtet. Die Altersgipfel in Europa und den USA (nicht in den restlichen Teilen der Erde) sind um das 30. und das 60. Lebensjahr, Männer sind etwas häufiger als Frauen betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Lymphome der Haut

Neben den lymphatischen Organen kann auch die Haut Ort des Krankheitsgeschehens sein. Nach einer Einteilung der European Organisation for Research on Treatment of Cancer (EORTC) werden unter den primär kutanen Lymphomen T-Zell und B-Zell Lymphome unterschieden und nach dem Grad der Malignität sortiert.

Wichtige T-Zell Lymphome der Haut

Gehört in die Kategorie niedrige Malignität und ist das häufigste kutane Lymphom (etwa 1/3). Die Krankheitsentstehung ist bisher nicht aufgeklärt, Zusammenhänge mit viralen Infektionen und beruflichen Expositionen werden diskutiert. Die Mycosis fungoides ist durch einen typischen Verlauf mit drei Hautstadien gekennzeichnet, die auch gleichzeitig vorliegen können, bevor ein Organbefall auftritt.

Der Verlauf ist oft über Jahre hinweg chronisch, vollständige Rückbildungen sind in früheren Stadien ebenfalls möglich. Nach Eintritt ins Tumorstadium ist die Prognose schlecht. Behandelt wird die Mycosis fungoides in frühen Stadien eher zurückhaltend mit Kortikosteroiden, UV-A-Bestrahlung und verschiedenen Immunmodulatoren.

Die Turmor-T-Zellen exprimieren das Antigen CD30. Man findet meist einzelne Tumoren und Tumorknoten, die oft ulcerieren; kein großflächiger Befall der Haut. Die Prognose ist gut, Spontanremissionen möglich. Therapeutisch werden Tumorknoten chirurgisch entfernt, Interferon und Immunsuppressiva eingesetzt. Bestrahlung mit UV-A sowie Röntgen-Strahlung verspricht ebenfalls Erfolg.

Histologisch finden sich dieselben entarteten T-Zellen wie bei der Mycosis fungoides, diese sind auch im Blut nachweisbar ("Sézary-Zellen"). Typisch sind weiterhin die stark gerötete Haut (Erythrodermie), evtl. auch Hyperpigmentierung, starker Juckreiz und überschießende Verhornung der Handinnenflächen und Fußsohlen. Behandlung ähnlich der Mycosis fungoides, jedoch schlechte Prognose.

Es entstehen schnell Plaques, Knoten und Tumoren auf der Haut. Später Befall des gesamten Integuments und Organbeteiligung, schlechte Prognose. Behandelt wird bei einzelnen Herden mit Bestrahlung, sonst Polychemotherapie.

Wichtige B-Zell Lymphome der Haut

Papulo-noduläre Erscheinungen vor allem auf dem behaarten Kopf, im Nacken oder am Stamm. Die Prognose ist nach chirurgischer Entfernung und Bestrahlung sehr gut, Behandlung mit monoklonalen Antikörpern (Rituximab) verspricht ebenfalls Erfolg.

Ein eher seltenes Lymphom des Erwachsenen Menschen. Es entstehen schnell bräunlich-rötliche Plaques und Knoten, bevorzugt an den Extremitäten, die Patienten klagen nicht über Beschwerden. Die B-Zellen produzieren zwar Immunglobuline, diese sind jedoch selten im Plasma nachzuweisen. Die Prognose ist hervorragend, das Lymphom ist sehr empfindlich auf die Bestrahlung mit schnellen Elektronen.

Literatur

Siehe auch

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