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Juliusturm

Dieser Artikel behandelt einen finanzpolitischen Begriff. Für den Turm der Zitadelle Spandau, siehe: Zitadelle Spandau.

Als Juliusturm wurden die in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1953 bis 1957 thesaurierten Überschüsse des Bundeshaushaltes.

Eine volle Staatskasse wird oft als „Juliusturm“ bezeichnet. Diese Redewendung bezieht sich auf einen ca. 32 Meter hohen Wehrturm in Berlin-Spandau. Seinen Namen verdankt er einem Besuch von Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (1528–1589). Im 19. Jahrhundert wurde der Juliusturm in ganz Deutschland zu einem Begriff. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) hatte das geschlagene Frankreich eine Kriegsentschädigung von fünf Milliarden Francs (etwa das Dreifache des in Deutschland damals vorhandenen Bargelds) an Deutschland zu zahlen. Ein Teil dieses Reichskriegsschatzes, 120 Millionen Mark in gemünztem Gold, war bis 1914 im Juliusturm eingelagert. So wurde das Bauwerk für Finanzpolitiker bis heute zum Synonym für einen Überschuss der Staatskassen.

Seit 1945 ist es nur einem einzigen Finanzminister gelungen, einen „Juliusturm“ zu ersparen: Unter der Regierung Adenauer schaffte es Fritz Schäffer, acht Milliarden Mark (nach heutigem Wert ca. 35 Milliarden Euro) auf die hohe Kante zu legen. Dieses Geld konnte dann zur Finanzierung des Aufbaus der 1955 neu gegründeten Bundeswehr verwendet werden.