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Glücksforschung

Glücksforschung ist die Erforschung der Bedingungen, unter denen sich Menschen als glücklich bezeichnen und/oder glücklich sind. In Deutschland ist sie seit den 1980er Jahren durch die Arbeit des Soziologen Alfred Bellebaum stark intensiviert worden.

Inhaltsverzeichnis

Methoden der Glücksforschung

Die Glückforschung fasst alle Disziplinen zusammen, die sich zur Aufgabe gesetzt haben, die Bedingungen des Glücklichseins zu erforschen.

Sozialwissenschaftliche Glücksforschung

„Glücks“-Vorstellungen sind sozialwissenschaftlich zunächst eher im ethnologischen oder religionssoziologischen Zusammenhängen untersucht worden (vgl. Heil). Machiavelli hat analytisch die Fortuna (Fortüne) als Voraussetzung politischen Erfolgs behandelt. Marx und Engels haben sich bei der Konzeptualisierung der klassenlosen Gesellschaft sehr zurück gehalten. Bei den soziologischen Klassikern kann man konstatieren, dass sie eher Themen des ‚Unglücks‘ zu Ausgangspunkten nahmen.

Eine der ältesten Beschäftigungen mit dem Problem des menschlichen Glücklichseins ist jener Zweig der empirischen Sozialforschung (nicht zu verwechseln mit der empirischen Glücksforschung), der sich selbst „Glücksforschung“, in manchen Quellen auch „Glücksmessung“, nennt.

Die soziologische „Glücksmessung“ geht von der Überlegung aus, dass es möglich sein müsste, durch Befragung festzustellen, unter welchen Bedingungen Menschen mehr oder weniger glücklich sind. In diesen Befragungen werden verschieden Glücksindikatoren ermittelt.

In Deutschland gründete und führt der (mittlerweile emeritierte) Professor für Soziologie der Universität Koblenz-Landau Alfred Bellebaum das „Institut für Glücksforschung“ in Vallendar. Doyen der niederländischen Glücksforschung ist der niederländische Professor Ruut Veenhoven. Er betreibt an der Erasmus-Universität Rotterdam eine umfangreiche Datenbank, in der alle von ihm als wissenschaftlich anerkannten Arbeiten zum Thema Glücklichsein gesammelt sind. Seine Dissertation unter dem Titel „Conditions of Happiness“ (Bedingungen des Glücklichseins, eingereicht am 12. Juni 1984 an der Erasmus Universität Rotterdam) wurde für die soziologische Glücksforschung wichtig. Angesichts der großen Zahl derartiger Befragungen kommt den Sekundärauswertungen große Bedeutung zu, in denen die Ergebnisse mehrerer Befragungen entweder zeitgleich oder als zeitliche Entwicklung untersucht und ausgewertet werden.

Vor allem die Befragungen, in denen das Glücks-Niveau einzelner Länder verglichen wird, haben großes Medienecho. Unabhängig davon gibt es eine unübersehbare Ratgeberliteratur zum Thema Wie werde ich glücklich?

Eine Wirkung der soziologischen Glücksforschung auf Politik und Lebensführung beginnt sich erst zu entwickeln, da der Forschungszweig erst in jüngster Zeit größere Aufmerksamkeit erfährt. Mittlerweile erhebt Großbritannien landesweit neben anderen Nachhaltigkeitsindikatoren auch das subjektive Wohlempfinden seiner Einwohner, um bessere Politik machen zu können [1].

Untersuchungen zeigen, dass die Bereitschaft, sich als glücklich zu bezeichnen, nicht im gleichen Ausmaß steigt wie der Lebensstandard, bzw. sogar mit steigendem Lebensstandard abnehmen kann. Im Bereich angewandter Forschung hat Ernst Gehmacher[2] hat 1986 gemeinsam mit Giselher Guttmann im Auftrag des damaligen österreichischen Bauministers Dr. Heinrich Übleis eine Studie erstellt, welche die soziologische Glücksforschung für die Planung einer Autobahn nutzbar machen sollte.

Die amerikanische Psychologin Sonja Lyubomirsky[3] kritisiert, dass Umfragen nicht in der Lage seien, die Frage zu beantworten, was zuerst komme: das Glück oder dessen Begleitumstände. Zum Beispiel gebe die Beobachtung, dass Menschen mit starken sozialen Bindungen glücklicher sind als der Durchschnitt, keine Auskunft darüber, ob Freunde glücklich machen oder glückliche Menschen leichter Freunde gewinnen.

Diese Kritik wird mittlerweile jedoch von einigen Forschern aufgenommen, indem sie Langzeitstudien durchführen, um zu ermitteln, in welche Richtung die Kausalität geht.

Psychologische Glücksforschung („Positive Psychology“)

Der Beitrag der Psychologie zur Erforschung des Glücklichseins überschneidet sich in manchen Bereichen mit der empirischen und der soziologischen Glücksforschung. Er ist in erster Linie durch die handelnden Personen – Psychologinnen und Psychologen – definiert.

Michael Argyle, geboren 1925, ist einer der ältesten Pioniere der Psychologie des Glücks. Sein „Oxford Happiness Inventory“ (OHI) misst Glücklichsein nicht mit einer einzigen Frage, wie dies bei soziologischen Umfragen häufig vorkommt, sondern mit einem ganzen Fragenkatalog nach dem Vorbild der Neurotizismus-Tests von Eysenck und Maudsley.

Noch wichtiger als seine Erkenntnisse ist ein Bekenntnis: „The research on happiness has not been theory driven“ (Die Forschung über das Glück wurde nicht von Theorien angetrieben). Wohl stellt er Versuche fest, die beobachteten Gleichzeitigkeiten mit Erklärungen zu unterlegen, aber eine einheitliche Theorie des Glücklichseins fehlt in der Psychologie.

Das bedeutet, dass auch die Psychologie sich in erster Linie darauf beschränkt hat, das Glück als Erscheinung zu beobachten, ohne Theorien über seine Ursachen zu entwickeln und diese in der Folge experimentell zu überprüfen, wie dies zum Beispiel in der Naturwissenschaft zum Standard der Vorgangsweisen gehört.

Eine Sternstunde der Glücksforschung war der Neujahrstag 1998. Damals übernahm Martin E. P. Seligman, Professor an der Universität Pennsylvania, für ein Jahr die Präsidentschaft der American Psychological Association (A.P.A.), der größten Psychologenvereinigung der Welt. In dieser Vereinigung ist es üblich, dass jeder Präsident ein Thema für sein Präsidentenjahr wählt.

Schon an diesem ersten Tag seiner Amtszeit, eben am 1. Januar 1998, lud Seligman zwei Kollegen nach Akumal, Mexiko, um ihnen sein Thema vorzustellen: Die Psychologie sollte nicht mehr darauf beschränkt sein, Menschen von Leiden zu befreien, sie gleichsam „von minus 5 auf null“ zu bringen, sondern erstmals auch gesunde Menschen sinnvoll glücklich zu machen, also „von null auf +5“ zu heben. Eingeladen waren Ray Fowler, Geschäftsführer der A.P.A., und Mihaly Csikszentmihalyi, der unter dem Kunstnamen „Flow“ psychologische Glücksforschung zu einer Zeit betrieben hatte, als sie in den Kreisen der Psychologen der USA noch verpönt war.

Philosophische Glücksforschung

Die wohl älteste Befassung mit der Frage des menschlichen Glücklichseins stammt aus der Philosophie. Hier finden wir auch – zum Unterschied von Soziologie und Psychologie – Theorien.

Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) verdanken wir die älteste überlieferte Definition des Glücklichseins: Glück sei das, was der Mensch um seiner selbst willen anstrebt, und nicht um etwas anderes damit zu erreichen (Die Nikomachische Ethik, übersetzt von Olof Gigon, Artemis Verlag, Zürich 1967). Allerdings lässt er uns im Dunklen darüber, wie man dieses Glück erreichen kann, und meint eher, es sei eine Folge tugendsamen Lebens als etwas, das man bewusst anstreben solle.

Epikur (341 – 270 v. Chr.) definierte Glück im Gegensatz zu Aristoteles nicht positiv, sondern negativ als Abwesenheit von Schmerz und Bedürfnissen [4]. Diese Philosophie liegt noch heute der Medizin zugrunde, die davon ausgeht, es genüge, Menschen zu heilen, um sie glücklich zu machen. Auch die Psychologie folgte bis Seligman dieser Ansicht. Daher verweigerten – und verweigern noch heute - viele PsychologInnen die Beschäftigung mit dem Glück.

Seneca (1 – 65 n. Chr.) und die Stoiker sind in ihrem Glücksbegriff jenem des Epikur ähnlich: Glück sei natürlich und werde lediglich durch Einflüsse von außen gestört. Abhilfe versprechen sich die Stoiker von bewusst gepflegter Unempfindlichkeit gegenüber Einflüssen, sprichwörtlich geworden als „stoische Ruhe“. [5].

Aurelius Augustinus (354 – 430 n. Chr.) definiert, Glück sei, das zu bekommen, was man sich wünscht [6]. Diese philosophische Definition liegt jenen Umfragen der soziologischen Glücksforschung zugrunde, die nach „Zufriedenheit“ forschen.

Wilhelm Schmid (* 26. April 1953) gilt als der wichtigste Glücks-Philosoph der deutschen Gegenwart (Horx, Trend-Report 2007, Seite 73). Er betont, dass er mit Glück eigentlich nichts zu tun haben wolle, aber von seinen Beratungs-Klienten immer wieder danach gefragt werde und daher über dieses Thema schreibe: „Viele Menschen sind plötzlich so verrückt nach Glück …“ [7].

Diese Aufzählung könnte beliebig erweitert werden. Unter den philosophischen Autoren kann man zum Beispiel Balthasar Gratian ("Handorakel"), Arthur Schopenhauer ("Aphorismen zur Lebensweisheit"), Friedrich Nietzsche („Also sprach Zarathustra“) und Gertrud Höhler ("Das Glück") anführen. Sie und viele andere Philosophen haben sich in der einen oder anderen Form mit dem Thema „Glück“ beschäftigt.

Physiologische Glücksforschung

Mittels fMRI und EEG ist es möglich, die Durchblutung von Hirnarealen zu messen. In vielen Experimenten wurde in den letzten Jahrzehnten erforscht, welche Gefühle zu Aktivitäten welcher Gehirnareale führen. In diesem Zusammenhang wurden auch positive Emotionen und Glücksgefühl erforscht. So zeigt sich, dass eine höhere Aktivität des linken präfrontalen Cortex (PFC) stark mit einer offenen, neugierigen Haltung gegenüber Reizen korreliert, während eine höhere Aktivität des rechten PFC mit einer eher ängstlichen Rückzugshaltung korreliert. In weiteren Experimenten konnten Davidson u. a. eine entsprechende Verbindung zwischen Hirnaktivität und persönlicher Einschätzung des Glücks/der Zufriedenheit zeigen: Stärkere Aktivität des linken PFC korrelierte deutlich mit höherer subjektiver Zufriedenheit.[8].

Ökonomische Glücksforschung

Unter dem Titel „Happiness Economics“ hat sich auch die Wirtschaftsforschung der Glücks-Problematik angenommen. Man entdeckte, dass das Streben nach Glück eine wirtschaftliche Triebkraft ist. Marketing-Expertin Anne Schüller lehrt: „Wem es gelingt, … dem Kunden Momente des Glücks zu verschaffen, der wird dauerhaft erfolgreich sein.“ [9].

Die Kehrseite dieses glücklichen Konsums ist der Stress, mit dem das dazu nötige Geld erarbeitet werden muss. Der Schweizer Ökonomie-Professor Mathias Binswanger spricht von einer „Tretmühle“, die dem Laufrad im Käfig eines gefangenen Hamsters ähnlich sei [10]. Abhilfe verspricht nach übereinstimmender Meinung mehrerer Fachleute ein Abkoppeln vom Zwang nach dem Mehr und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistung und Genuss („Work/Life-Balance“).

Dr. Herbert Laszlo sieht dass Problem philosophisch als „Fluch des Epikur“ [11]. Epikur lehrte: „Wir brauche immer dann eine Freude, wenn sie fehlt und wir darob leiden. Wenn wir aber nicht leiden, bedürfen wir ihrer nicht.“ Die Folge sei ein Marketing, das durch „Weckung von Bedürfnissen“ Leiden schaffe, weil man – laut Epikur – glaubt, glücklichen Menschen nichts verkaufen zu können.

Ein weiteres Problem der Happiness Economics ist der Neid auf materielle Dinge. Der britische Ökonom Richard Layard untersuchte die persönliche Zufriedenheit in Abhängigkeit vom materiellen bzw. Zeit-Reichtum der umgebenden Personen. Die Teilnehmer der Studie fühlten sich deutlich weniger zufrieden, wenn die Umwelt in materiellen Dingen reicher war, während sie fast keinen Neid auf Zeitwohlstand (längeren Urlaub) zeigten. Er schließt daraus, dass eine aufs Gemeinwohl ausgerichtete Politik mit einer starken Steuerprogression den Anreiz beseitigen sollte, durch Mehrarbeit mehr materiellen Reichtum anzuhäufen. [12], [13] . Da aber die persönliche Belastung durch Steuern von den meisten Menschen stärker wahrgenommen wird als die Vorteile der Umverteilung bzw. die positiv lenkenden Effekte hin zu reduzierter Erwerbsarbeit, ist die erste Reaktion der meisten Menschen gegenüber höheren Steuern ablehnend.

Experimentelle Glücksforschung

Die experimentelle Glücksforschung ist eine der jüngsten Formen der Glücksforschung. Das IFEG – Institut für experimentelle Glücksforschung wurde am 4. Dezember 2002 gegründet, stützt sich aber auf die Vorarbeit von Dr. Herbert Laszlo, der sich schon seit 1976 systematisch mit den Fragen des Glücklichseins und seiner Ursachen befasst.

Basis der experimentellen Glücksforschung ist die Lehrmeinung, dass nur Experimente einen Zusammenhang von Ursache und Wirkung klären können, Umfragen hingegen nur Korrelationen. Sozialpsychologe Werner Herkner formuliert: „Mit Korrelationsdaten allein kann sich eine Wissenschaft, die auf Herstellung brauchbarer Theorien abzielt, nicht zufriedengeben.“ [14].

Die experimentelle Glücksforschung anerkennt ausdrücklich das Postulat der Kausalität in jener Weise, in der es auch in der Naturwissenschaft gilt: als Auftrag, zu jeder Beobachtung eine geeignete, glaubwürdige Ursache zu suchen.

Auf dieser Basis hat die experimentelle Glücksforschung folgende Definitionen und Theorien entwickelt:

Definitionen

Glück ist ein Hochgefühl, der vom Wunsch nach Fortdauer gekennzeichnet ist, solange es andauert, und vom Wunsch nach Wiederkehr, wenn man sich seiner erinnert. Seine ekstatischen Momente heben diesen Gemütszustand über die Genugtuung oder die Zufriedenheit hinaus.

Zur Präzisierung sind dieser Definition die als „partielle Charakterisierungen“ nach Eike von Savigny folgende Grundbegriffe beigefügt:

Gemütszustand (englisch „State of Mind“) ist ein inneres Erleben, das auch mit negativen Gefühlen einhergehen kann. Die Erfahrung zeigt, dass auch Trauer oder Angst zu einem Zustand führen können, der bewusst und ohne Zwang angestrebt wird. Beispiele sind das Fahren in der Berg-und-Tal-Bahn und die so genannte „russische Melancholie“.

Wunsch ist ein spontaner Akt der Appetenz, der auch gegen das bewusste „Wollen“ auftreten kann. Auch das, was man sich wünscht, aber aus rationalen Gründen nicht „will“, ist Glück.

Fortdauer betrifft den Gemütszustand, nicht aber der Bedingungen, unter denen er entstanden ist. Im Gegenteil, Beobachtungen lassen darauf schließen, dass lediglich ständige, überraschende Veränderungen den Gemütszustand aufrecht erhalten, den wir als Glück bezeichnen.

Wiederkehr versteht sich hier als Gegenstand des Wünschens unabhängig von der realen Möglichkeit.

Glück nach dieser Definition entspricht weitgehend der „eudaimonía“ nach Aristoteles (Aristoteles a.a.O.), dem „Flow“ nach Mihaly Csikszentmihalyi [15] und (ungeachtet der dort fehlenden Definition) der „Selbstverwirklichung“ nach Abraham Maslow [16].

Theorie der optimalen Beanspruchung

Glück entsteht – nicht nur, aber auch - durch eine Beanspruchung, welche die Fähigkeiten des Menschen optimal ausnützt. Laszlo hat dafür den Begriff „optimale Beanspruchung“ geprägt.

Auch dazu die partielle Charakterisierung der verwendeten Grundbegriffe mit Bedeutung für diese Theorie:

Beanspruchung ist die Summe der Auswirkungen von Belastungsparametern auf den Organismus.

Belastung ist zu verstehen als Summe aller auf das Individuum einwirkenden Arbeits- und Leistungsparameter. Konkret handelt es sich um eine Information von außen oder von innen, zu der auch Entscheidungen des Menschen gehören und die den Menschen zu einem Einsatz seiner Fähigkeiten veranlasst. Diese Information kann verbal, aber auch nonverbal zum Beispiel durch eine Beobachtung oder ein Geräusch erfolgen. Auch die Beanspruchung durch Schicksalsschläge oder durch die Gemeinschaft („Mobbing“) ist von diesem Begriff umfasst und kann im weitesten Sinn als „Information“ verstanden werden.

Belastbarkeit umfasst neben körperlichen und geistigen Kräften auch Fähigkeiten, Fertigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften, Leistungsbereitschaft und Motivation. Diese Parameter bilden eine Einheit mit den Belastungsparametern und beeinflussen mit diesen gemeinsam die Beanspruchung. [17]

Fähigkeiten und Fertigkeiten sind alle Möglichkeiten des Menschen, seine Aktivitäten zu steuern, und zwar auch in Richtung auf Beruhigung.

Diese Theorie entspricht weitgehend dem „Flow-Kanal“ nach Csikszentmihalyi (Csikszentmihalyi a.a.O.) und dem „Eustress“ nach Hans Selye [18]. Die Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin hat für die Anwendung dieser Theorie im Arbeitsleben den Ausdruck „Felicitogenese“ geprägt [19].

Theorie des Regelkreises von Stress und Langeweile

Die experimentelle Glücksforschung stützt sich auf die von Norbert Wiener entwickelte Kybernetik, die Lehre von Regelkreisen [20]. Wiener kennt neben den Regelkreisen, die einen Wert in einer bestimmten Bandbreite konstant halten, wie zum Beispiel die Regelung der Körpertemperatur, auch Regelkreise, die „übersteuern“ und damit unkontrollierte Ausschläge nach beiden Seiten erzeugen. Ein Beispiel ist die Körpertempe¬ratur bei manchen Infektionskrankheiten, die zwischen Fieber und Schüttelfrost schwankt.

Die experimentelle Glücksforschung geht davon aus, dass der Regelkreis der kurzfristigen Beanspruchung von Menschen im Sinne Wieners „übersteuert“, also zu unerwünschten Schwankungen zwischen Langeweile und Stress führt. Sie sucht aktiv nach Möglichkeiten, diese Übersteuerung auszuschalten.

Angewandte Glücksforschung

Hierher gehören alle Versuche, aus persönlichen Glückserlebnissen und deren Begleitumständen allgemeine Regeln abzuleiten, nach denen Menschen glücklich werden können, in erster Linie repräsentiert durch die umfangreiche Ratgeber-Literatur.

Das Institut für experimentelle Glücksforschung (IFEG) sammelt seit 2004 entsprechende Glücks-Ratschläge aus Medien im deutschen und englischen Sprachraum, als Wissenschaftsförderung unterstützt vom Wiener Medienbeobachtungsdienst Observer. Ferner existiert ein umfassendes Archiv der auf diesem Gebiet erschienenen Bücher aus Vergangenheit und Gegenwart. An der systematischen Aufarbeitung des auf diesem Gebiet vorliegenden Materials wird gearbeitet. Dabei geht es vor allem um die folgenden Fragen:

Literatur

Einzelnachweise

  1. Sustainable Development http://www.sustainable-development.gov.uk/index.asp UK Sustainable Development
  2. Mehr Glück mit Verstand. Verlag Deuticke, Wien 1991, ISBN 3-216-07859-0
  3. University of California in Riverside, The How of Happiness, Penguin Press, New York 2008, ISBN 978-1-59420-148-6
  4. Epikur, übersetzt von Johannes Mewaldt, Philolophie der Freude, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1973, ISBN 3-520-19805-3
  5. Seneca: Vom glückseligen Leben, Kröner, Stuttgart 1987, ISBN 3-520-00514-X
  6. De beata vita, Philipp Reclam jun., Stuttgart 1982, ISBN 3-15-007831-8
  7. Glück. Alles, was Sie darüber wissen müssen, und warum es nicht das Wichtigste im Leben ist, Insel Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-458-17373-1
  8. Urry u. a. http://psyphz.psych.wisc.edu/webpubs/2004/life_worth_living.pdf“ „Making a live worth living“
  9. Erfolgreich verhandeln – erfolgreich verkaufen. Verlag Business Village, Göttingen 2005, ISBN 978-3-938358-10-8
  10. Die Tretmühlen des Glücks, Herder, Freiburg im Breisgau 2006, ISBN 978-3-451-05809-7
  11. Das große Buch vom Glücklichsein, Verlag 55PLUS, Wien 2005, ISBN 3-902441-22-4, Seite 160
  12. Die glückliche Gesellschaft. Kurswechsel für Politik und Wirtschaft. Campus Verlag Frankfurt 2005, ISBN 3-593-37663-6
  13. Richard Layard: Happiness: has social science a clue? http://www.lse.ac.uk/collections/LSEPublicLecturesAndEvents/events/2003/20030106t1439z001.htm
  14. Herkner: Lehrbuch Sozialpsychologie, Verlag Hans Huber, Bern 1991, ISBN 3-456-81989-7
  15. Csikszentminalyi: Flow, Klett-Cotta, Stuttgart 1992, ISBN 3-608-95783-9
  16. Maslow: Psychologie des Seins, Fischer 1988, ISBN 3-596-42195-0
  17. Dr. Olaf Sonntag unter Berufung auf Neumann/Schüler: Sportmedizinische Funktionsdiagnostik, J.A. Barth Verlag, Leipzig 1989, ISBN 3-335-00126-5, Seite 172 f
  18. Selye: Stress, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1982, ISBN 3-499-17072-8
  19. IFEG-Symposion 2007
  20. Wiener, The Human Use of Human Beings, Cybernetics and Society, Eyre and Spottiswoode, London 1954

Siehe auch