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Schwabenkinder

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Geschichte und dem Begriff der Schwabenkinder; zum gleichnamigen Fernsehfilm siehe Schwabenkinder (Film).

Als Schwabenkinder oder Hütekinder wurden die Bergbauernkinder aus Vorarlberg, Tirol, Südtirol und der Schweiz bezeichnet, die in früheren Jahrhunderten aus Armut alljährlich im Frühjahr durch die Alpen zu den Kindermärkten hauptsächlich nach Oberschwaben zogen, um dort als Arbeitskräfte für eine Saison an Bauern vermittelt zu werden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das „Schwabengehen“ erlebte im 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Es wird geschätzt, dass damals jährlich fünf- bis sechstausend Kinder auf Höfen in der Fremde als Hütejungen, Magd oder als Knecht arbeiteten. Die Wege nach Oberschwaben waren lang und beschwerlich, für einen Teil der meist 6- bis 14-jährigen Kinder führte er über Bergpässe wie den Arlberg, die im März noch von Schnee bedeckt waren und die sie mit schlechtem Schuhwerk und dürftigster Kleidung zu überwinden hatten. Meist war ein Erwachsener, manchmal ein Priester, ihre Begleitperson, der unterwegs dafür sorgte, dass sich die Kinder in warmen Ställen zum Schlafen niederlassen konnten, und auf den Märkten die Preise aushandelte. Mit dem Bau der Arlbergbahn 1884 wurde die Reise für die Tiroler Kinder erleichtert.

Hintergrund waren die äußerst geringen Bodenerträge in den alpinen Regionen und die damit verbundene Armut, die die Eltern dazu trieb, eines oder mehrere ihrer zahlreichen Kinder in die Fremde zu schicken. In ihrer Heimat wurden die Schwabenkinder alljährlich von der Schulpflicht befreit, und in Württemberg galt die dort seit 1836 bestehende Schulpflicht nicht für ausländische Kinder. Die politisch immer wieder geforderte Ausdehnung der Schulpflicht wurde bis 1921 von einer oberschwäbischen Bauernlobby verhindert.

In der amerikanischen Presse gab es 1908 eine Kampagne, bei der u. a. der Kindermarkt in Friedrichshafen mit einem Sklavenmarkt verglichen wurde. Der moralischen Entrüstung folgten diplomatische Aktivitäten bis in die Reichskanzlei in Berlin, für die Kinder selbst änderte sich dadurch jedoch nichts.

Die Kindermärkte wurden 1915 abgeschafft, das Schwabengehen nahm jedoch erst 1921 rapide ab, nachdem in Württemberg die Schulpflicht für ausländische Kinder eingeführt worden war.

Schwabenkinder in Literatur und Film

Der Roman „Hungerweg. Von Tirol zum Kindermarkt in Ravensburg“ von Othmar Franz Lang (veröffentlicht 1989) schildert die Geschichte der Schwabenkinder anhand eines Beispiels für jugendliche Leser. Der Roman erlebte mehrere Auflagen und ist auch als Schullektüre beliebt.

Elmar Bereuter veröffentlichte 2002 den Roman Die Schwabenkinder. Die Geschichte des Kaspanaze, der 2003 unter dem Titel Schwabenkinder von Jo Baier verfilmt wurde (Darsteller: Tobias Moretti, Vadim Glowna u.a.). Der Bauernbub Kaspar wird von seinem Vater schweren Herzens – nach dem Lawinentod der Mutter (im Buch stirbt die Mutter nicht und es gibt auch keine Lawine) - als Aushilfskraft ins Schwabenland geschickt. Zusammen mit anderen Kindern aus dem Dorf bringt ihn der Kooperator nach Ravensburg auf den Markt. Dort beginnt für ihn eine Odyssee: Tyrannei bei einem sogenannten „Saubauern“, Flucht, Auswanderung in die USA und die Heimkehr zum sterbenden Vater an den heimatlichen Hof als Erwachsener.

Siehe auch

Literatur

 Wikisource: Schwabenkinder – Quellentexte