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Die vertauschten Köpfe

Die vertauschten Köpfe ist eine Erzählung, die Thomas Mann am 1. Januar 1940 in Princeton begann und am 28. Juli 1940 in Kalifornien abschloß. Im Oktober 1940 erschien die Erzählung, die Thomas Mann im Untertitel Eine indische Legende nannte, in Stockholm [1].

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Der 18-jährige Schmied und Kuhhirt Nanda und der 21-jährige Kaufmann Schridaman stammen aus dem Dorf Wohlfahrt der Kühe. Die beiden Freunde begeben sich zu Fuß auf eine Geschäftsreise. Unterwegs während der Rast an einer Badestelle des Flüsschens Goldfliege beobachten sie zufällig ein schönhüftiges junges Mädchen mit starrenden, knospenden Brüsten und prangend ausladendem Hinterteil bei der Bade-Andacht. Schridaman ist hingerissen. Nanda kennt die Schöne. Es ist Sita, die Tochter des Kuhzüchters Sumantra aus dem Dorf Buckelstierheim. Sita heißt übersetzt Furche. Das Mädchen war einmal zur Sonnenjungfrau gewählt worden. Nanda, als ihr Schaukelherr, hatte sie zur Sonne geschaukelt. Der ziegennasige Schmied Nanda war wegen seines kräftigen Körperbaus zum Schaukelherrn der Sonnenjungfrau ausgewählt worden. Der schmalnasige Kaufmann Schridaman kam mit seiner unterentwickelten Muskulatur für das Schaukelamt keinesfalls in Frage.

Schridaman meint nun, er sei von einer verzehrenden Krankheit befallen. Ein ernster Fall. Nanda soll ihm die Scheiterhütte richten. Er möchte darin verbrannt werden. Die Freunde sind suizidgefährdet. Denn auch Nanda will sich mit Schridaman verbrennen. Dann aber besinnt er sich und nennt Schridaman lachend einen Dummkopf. Schridamans "Krankheit" sei bloß die Liebeslust. Nanda verhilft Schridaman zu seinem Glück. Erfolgreich freit er für den schmalnasigen Freund in Buckelstierheim beim Kuhzüchter Sumantra um Sita. Schridaman führt Sita heim. Beide genießen zu Hause im Dorf Wohlfahrt der Kühe die Ehe. Sita sieht Mutterfreuden entgegen. Trotz der Schwangerschaft reist das Ehepaar zusammen mit dem Freunde Nanda nach Buckelstierheim. Sitas Eltern haben die Tochter ein halbes Jahr nicht gesehen. Unterwegs lenkt der schläfrige Nanda aus Versehen den Ochsenkarren vom Weg ab in den Dschungel. Die drei Reisenden machen vor dem Felsentempel der unnahbaren, dunklen Weltenmutter Durgâ-Dewi Kâlî Halt. Schridaman lässt Sita und Nanda auf dem Karren warten und betritt das Schlachthaus des Heiligtums. Darin sind Menschenopfer üblich. Ein Schwert ist bei der Hand. Schridaman ergreift es und enthauptet sich.

Draußen harren die beiden Ahnungslosen. Nanda lässt Sita auf dem Karren warten und schaut nach dem Rechten. Als er den Freund entdeckt, erkennt er rasch die Situation, in die er unversehens geraten ist. Die Leute im Dorf werden sagen: Nanda hat Schridaman ermordet, weil er seine Frau haben will. Also nimmt Nanda das Schwert und enthauptet sich ebenfalls. Sita weiß als erfahrene Ehefrau, auf die Männer ist kein Verlass. Sie lässt den Ochsen warten, geht in den Tempel und will den Männern die Köpfe zurechtsetzen. Als Sita das grausige Bild sehen muss, versucht sie vergeblich, in Ohnmacht zu fallen. Auch Sita erkennt ihre ausweglose Situation, wankt ins Freie, dreht sich aus einer Liane eine Schlinge und will sich am nächsten Feigenbaum erhängen. Das vereitelt die strenge Weltenmutter Durgâ-Dewi Kâlî. Bevor die Göttin Sitas Problem lösen hilft, gesteht die Schwangere der Weltenmutter ihre Sünden ziemlich ausführlich. Bei der Gelegenheit erfährt der Leser, von Thomas Mann, als der Lauschende bezeichnet, warum sich Schridaman umgebracht hat. Als Sita in Schridamans Armen lag, beging sie Ehebruch, indem sie in der Lust den Namen "Nanda" lallte, offenbar weil ihr Leib den muskelbepackten Körper des ziegennasigen Schmieds begehrte.

Sita muss auf göttliche Weisung die vier Teile ihrer zwei Männer zusammensetzen. Aber o weh! In ihrer Huschlichkeit (schusselig) macht Sita Kuddel-Muddel. Sie fabriziert einen Schridaman mit dem Gattenhaupt und Nandas perfektem Körper. Aus dem Rest macht sie einen unglücklichen Nanda mit einem schwächlichen Schridaman-Leib. Das Chaos ist perfekt. Beide Männer sind zwar wieder quicklebendig, aber bald steht das nächste Problem an. Wer von beiden soll Sitas Ehelager teilen?

Der Richtspruch des Asketen Kamadamana ist gefragt. Der hat sich in seine Einsiedelei im heiligen Dankakawald zurückgezogen. Auf geht's zu dritt. Das Urteil fällt erwartungsgemäß aus. Der mit dem Gattenhaupt und dem Freundesleib erhält das ringsum schöngliedrige Weib. In ihrer Huschlichkeit ist Sita am Ziel ihres heimlichsten Wunschs. Fortan lebt sie mit dem Mann, der das Gattenhaupt trägt und den Thomas Mann im weiteren Verlauf der Handlung folgerichtig Schridaman nennt. Der andere heißt dann logischerweise Nanda.

Schridaman und Sita leben glücklich im Dorf Wohlfahrt der Kühe. Nanda, der schon immer mal Einsiedler werden wollte, zieht sich in eine Einsiedelei zurück und legt zwischen sich und das glückliche Paar den Engpass der Räuber, die Tigerschlucht und das Tal der Vipern. Der Sohn Samadhi-Andhaka wird geboren und wächst heran. Ganz so glücklich ist die Ehe nicht. Sita sehnt sich nach Nanda. Als der Kaufmann Schridaman geschäftlich unterwegs ist, macht sich Sita mit dem kleinen Sohn auf und davon. Erfolgreich sucht sie Nanda. Beide lieben sich in der Einsiedelei. Samadhi-Andhaka spielt unterdessen mit Blumen und Nüssen. Kurzsichtig, wie er ist, kann er das Treiben des Paars nicht sehen.

Als Schridaman von seinen Geschäften heimkehrt, weiß er sofort Bescheid. Umsichtig packt er zwei Schwerter ein und macht sich auf den Weg nach Nandas Einsiedelei. Schridaman kommt an. Man wählt die ehrenhafte Lösung. Die Männer bringen sich um. Sita lässt sich mit den Leichen ihrer beiden Männer bei lebendigem Leibe verbrennen. Auf dem Glutbett des Todes sind sie vereint. Im Vergleich zur Freude darüber mit den Liebsten vereint zu sein, war die Gluthitze, die Sita während ihrer Verbrennung bei lebendigem Leib spürte, kühl.

Sita erhielt einen Obelisken als Gedenken für ihr Opfer, die Asche der drei wurde vereint in einem Tonkrug in die heilige Ganga versenkt Der Sohn Sitas wurde berühmt als Sohn einer "Denkstein-Witwe" und genoss hohes Wohlwollen. Außerdem wurde er immer schöner, auf der Brust hatte er die Locke „Glückskalb“. Seine Kurzsichtigkeit war ihm von Vorteil, da er sich so mehr ins Geistige und nicht zu sehr ins Körperliche begab. Als 7-jähriger kam er in die Ausbildung bei einem Brahmanen, wo er Rhetorik, Grammatik, Astronomie und Denkkunst studierte, mit 20 war er bereits Vorleser des Königs von Benares und lebte im Wohlstand.

Anmerkungen

Literatur

Quelle